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— Dezember 2001 —
Stille Nacht – Heilige Nacht

Das Triptychon Mariæ nach Lucas
von
Johann Elias Ridinger
Ulm 1698 – Augsburg 1767
MARIÆ VERKÜNDIGUNG
Das Initialereignis für das Neue Testament
Gegrüßt seist du, Holdselige !
Siehe, du wirst einen Sohn gebären ,
des Namen sollst du Jesus heißen .
Der vor einem Zelt an einem Tisch vor aufgeschlagenem Buch sitzenden Maria erscheint Erzengel Gabriel mit reichem Engelsgefolge, auf den Heiligen Geist – die Taube – deutend, durch dessen um das IHS erweiterten Strahl Maria erleuchtet wird. Diese mit neunsternigem Strahlenkranz als Symbol der Schwangerschaft. Rechts Torbogen, unten Gemäuer mit Gewölbe und Stufen. Die Engel u. a. mit Rosenkranz, Ring und Iris als Zeichen späterer Auferstehung. Schabkunstblatt von sicher Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784) nach Johann Georg Bergmüller. Unten links in Handschrift-Typographie bezeichnet: Joh. Georg Bergmiler pinxit / Joh. Elias Ridinger excud. 63 x 44.7 cm.
Links unten bis fast an die Plattenkante beschnitten, ansonsten mit bis zu 2 mm breitem feinen Rändchen.
MARIA MIT DEM KINDE
Nirgendsonst im Œuvre Ridinger’s
ist Maria’s Seele so vollkommen schön nach außen gekehrt,
erscheint uns die stille Zweisamkeit mit dem Kinde so rein
als das Wunder der Heiligen Nacht
Vor einer mittels Vase abgeschlossenen Balustrade sitzend, dahinter herrschaftliche Zypressen-Allee. Maria mit von 12 Sternen für den Weihnachtsmonat besetztem Strahlenkranz, das Kind nur mit einfachem. In der Mitte des freigelassenen Schriftfeldes im Unterrand Ornamentrahmen. Schabkunstblatt von sicher Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet in Druckschrift-Typographie: I. El. Ridinger excud. Aug. Vind. 62,6 x 44,8 cm. Umlaufend mit 1-3 mm breitem feinen Rändchen.
DIE ANBETUNG DER HIRTEN
Hier
mit dem spektakulären Ausblick auf die Karfreitags-Erfüllung
Vorn rechts auf einer Strohkiste das von Maria am Arm gehaltene Kind, hinter ihr der Verkündungsengel Gabriel (Lucas 1, 26-37) und, zur Mitte, Joseph. Links vorn die Gruppe der drei Hirten, einer ein Schaf haltend. Über den Irdischen in und oberhalb der Wolken zahlreiche Putti, vorwegnehmend Dornenkrone , Nägel , Lanze und Kreuz mit sich führend, doch vom Erzengel mit Blick auf die Krippenszenerie noch zurückgehalten. Im Mittelgrund links wiederholte, heranziehende Hirtengruppe. Rechts Andeutung des Stalles. Schabkunstblatt von sicher Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784) nach – für Schwarz und gleich der „Unter einem Baume ruhenden Heiligen Familie“ – wahrscheinlich Johann Georg Bergmüller. Unten links in Handschrift-Typographie bezeichnet: Joh. Elias Ridinger excud. A.V. 63,2 x 44,5 cm.
Unten im Rand noch Plattenschmutz. An den beiden Oberecken auf Plattenkante geschnitten, ansonsten mit bis zu 2 mm breitem feinen Rändchen. – Mit ganz minimaler Bereibung oberhalb Joseph’s in den Wolken sowie einem nur im Gegenlicht erkennbaren stecknadelspitzenwinzigen Löchlein.
Schwarz, Katalog einer Ridinger-Sammlung, 1910, Band II, Nrn. 1516, 1520 + 1486, doch nicht in der Sammlung Horn enthalten gewesen, die der von Gutmann’schen 1903 einverleibt worden war.
Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, 1975, Band 1,1, Nrn. 173, 177 + 147; schriften der ridinger handlung niemeyer 20, 1998, Nr. 30 nebst Abb.
Nicht bei Thienemann (1856) + Graf Stillfried (1876). – Nicht bei Coppenrath (1889/90), Reich auf Biehla (? 1894), Helbing (1554 Nrn. umfassender Kat. XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Horn (1903), J. Rosenthal (444 Nrn. umfassende Liste 126, Joh. El. Ridinger, 1940), Gräflich Faber-Castell (1958), Kunstsammlungen Augsburg (1996).
Mit den für frühe hervorragende Ridinger-Abdrucke bekannten Wasserzeichen WANGEN + (Große) Krone mit Anhänger FAvI (ligiert) und an fünf Punkten auf schweren Bütten-Untersatzbögen mit zweizeiligem typographischen Wz. montiert. – Abgesehen von den genannten individuellen Zustandsmerkmalen von nahezu unberührter, bestverwahrter Frische.
Von herrlich sattem Hell-Dunkel
und größter Vollkommenheit ,
wie für die alten Schabblätter schon rein technisch dem Sammler vielfach so unerreichbar, da – so der Praktiker von Sandrart 1675 – die geschabten Platten nur etwa „50 oder 60 saubere Abdrucke (ermöglichen.) Hernach aber schleift (das Bild) sich bald ab“. Diese generelle Seltenheit anstehenden Falles potenziert noch vom Gebrauchskunst-Charakter der Heiligen- und Thesenblätter.
Die letztlich erst durch Baron Gutmann’s (Schwarz-Katalog) Sammeltätigkeit bekanntgewordene, über 120blätterige Schabkunst-Gruppe der religiösen Inhalte eröffnet
den weitgehendst unbekannten Ridinger des Glaubens
(seit 1757 Assessor des Ehegerichts Augsburger Confession), den als wesentlichen Werkaspekt engagiert zu erschließen vor diesem nach derzeitigem hiesigen Kenntnisstand Th. Reich auf Biehla unternommen hat, dessen reiche Ridinger-Sammlung bei ihrer Auflösung 1894 (Boerner LV) immerhin bereits 28 und ausnahmslos damals schon als
„sehr selten“ + „äußerst selten“
qualifizierte Heiligen- und Thesenblätter enthielt. Ob sich darunter auch die hiesigen des Marien-Triptychons befanden, muß derzeit dahingestellt bleiben. Hier nachweisbar sind sie allein für den weit über Ridinger und sein Jahrhundert hinausgehenden hochkarätigen von Gutmann’schen Kunstbesitz.
Die beiden Seitenbilder mit dem linken gesichert, mit dem rechten von Ignaz Schwarz (Ridinger-Sammlung von Gutmann) unterstellt nach Bergmüller gearbeitet.
JOHANN GEORG BERGMÜLLER
Türkheim, Schwaben, 1688 – Augsburg 1762
ist dem Ridinger-Sammler bekannt vor allem durch das von Johann Jakob Haid in Schabkunst übertragene Ridinger-Porträt mit Diana, Thienemann XX, 2. Generell geschätzter Portraitmaler, schuf er daneben – als bischöflicher Kabinettsmaler – Historienbilder und Fresken, vor allem geistlichen Inhaltes. Unter letzteren präzisieren Thieme-Becker vier Deckenbilder zum Leben Mariæ in der Pollheimschen Kapelle des Augsburger Doms sowie einen 17teiligen Zyklus der Leidensgeschichte in der Kreuzkirche.
„ Bergmüller ist bis Anfang der 20er Jahre vor allem als Tafelmaler (Hochaltarbilder) … tätig … In seinem reifen Werk agieren voluminöse plastische Gestalten … “
(Allgemeines Künstler-Lexikon IX, 417).
Angebots-Nr. 13.198 / Preis auf Anfrage
“ I am curious as to the history of this (original Ridinger printing-)plate (just I bought) and the others you have offered. Did you purchase them from the Ridinger estate (indirectly, indeed) or a private collector? These are truly rare one of a kind pieces ”
(Mr. L. A. F., October 28, 2003)
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