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Zum 175. TodestagLudwig van Beethoven’s
(Ignaz von Seyfried, Leichenbegängniß, Eigenartikel innerhalb des Anhangs zur 1832er Druckfassung zu „Ludwig van Beethoven, Studien im Generalbasse … Aus dessen handschriftlichem Nachlasse gesammelt und herausgegeben von … Seyfried“).
Als naher Weggefährte und Dirigentder wichtigen frühen Jahreschrieb Ignaz Ritter von Seyfriedneben obiger Choralmusik1831 als zweitfrüheste ausführlichere Mitteilungendie„ Biographische(n) Notitzen “ (über Ludwig van Beethoven) ,die hier in ihrem in sich komplettendruckabweichendenOriginal-Manuskriptvorliegen .Reich durchsetzt mit all jenen begehrten reizvollen Handschriften-Zeugnissen als da sind Streichungen, Umstellungen und Änderungen im Text selbst und, vereinzelt und auch von anderer Hand und auch in Bleistift, auf den hierfür eigens freigehaltenen jeweils halben Seiten, die sich dann überwiegend im Druck entsprechend berichtigt wiederfinden. Unter den das Manuskript nicht minder durchziehenden Höhepunkten vorweg jene höchst importante Abweichung vom Druck betreffend das generöse 100 Pfund-Geldgeschenk der London Philharmonic Society , das den sich verarmt glaubenden Beethoven auf seinem Sterbelager vor Dankbarkeit so unsagbar erschütterte. Am 14. März 1827, zwölf Tage vor seinem Tode, hatte Beethoven dem Freunde Moscheles geschrieben :
Hierzu heißt es in der Literatur :
(Rolland 1918, SS. 128 ff.). Hierzu berichtet Seyfried nur hier im Manuskript , also auch nicht zuvor 1828 in der „Caecilia“, daß der Jugendfreund Stefan von Breuning als Testamentsvollstrecker diese nicht mehr in Anspruch genommene Gabe zurückgegeben habe :
Diese in Verbindung mit einem der bewegendsten Momente im Leben Beethoven’s stehende
England-Passage von schönster Aussage , zu der im Manuskript auch keine Änderung erfolgte, fehlt im Druck.
Als Forschung und Allgemeinheit gleichermaßen faszinierend des weiteren herausgehoben der hier gleichfalls erstmalige Bericht über die die Literatur als geradezu legendär bis heute beschäftigende Improvisationsmächtigkeit Beethoven’s. Wie Generationen später seitens von Dommer’s für die ADB rekapituliert :
Und Reclams Konzertführer konstatiert noch heute : „ Seine Kunst , frei zu fantasieren , wird als einzigartig geschildert . “ Dazu Seyfried’s Erinnerung (Nohl: „ Jetzt aber folgt die Scene eines Ringkampfes … “ )
als Ohren- und Augenzeuge von Anfang an , also auch bei den Soirees im Hause Wetzlar, auf denen Beethoven und Joseph Wölfl (1772/3-1812, „Clavierspieler außerordentlichster Art“, ADB) miteinander wetteiferten. Dies also nun hier als Autograph eines solchermaßen begnadeten Dabeigewesenen !
Die Quelle des direkt Mitbeteiligten – auch in puncto nicht in die „Biographische(n) Notitzen“ eingeflossener physiognomischer Beobachtungen diente Seyfried als solche – ist dieser aber auch für das Desaster der ersten Fidelio-Aufführungen , worüber er in den hiesigen „Biographischen Notitzen“ berichtet … In diese unerhörteste Schaffensperiode – für die von Dommer in der ADB die Zeit von 1800 bis etwa 1812/13 sieht, indes sich Rolland näher am Meister selbst orientiert :
also fällt der enge Kontakt zwischen Beethoven und Seyfried , dessen Skizzierung die anstehenden „Biographischen Notitzen“ enthalten. Und welchen Ranges von Seyfried sich zu seiner Zeit erfreute, belegen die 1700 Aufführungen seiner Eigen-Kompositionen, womit er „bei weitem an der Spitze (stand), gefolgt von Wolfgang Amadeus Mozart mit 400“. Seine bleibende kompositorische Leistung indes sah Schletterer vor 100 Jahren in seinen Kirchen-Kompositionen, um mit den Worten zu enden : „ Er war ein ebenso großer Künstler als liebenswürdiger Mensch . Sein Porträt , von Kriehuber lithographirt , erschien (1829) in Wien .“ Seyfried’s eigenes Leichenbegängnis gestaltete sich „unter einem ungeheuren Zudrange von Menschen aus allen Volksklassen“ entsprechend. Und das „Österreichische Morgenblatt“ vom 1. September 1841 reihte ihn ein „ in die Gesellschaft der unsterblichen Tonkünstler Beethoven und Franz Schubert … ‚Er ist in ihrem Bunde der Dritte‘ …“
Dies denn also der Mann, dem wir das vorliegende Autograph dieses zeitgenössischen Dokumentes von großer Wärme und Schönheit des Ausdruckes verdanken. Dessen Schriftzüge zumindest mit widerspiegeln, welche Anteilnahme hier die Feder geführt hat. Damit aber Saiten zum Klingen bringend, wie sie nur eine Handschrift zu rühren vermag. Denn „ nur von der Seele her … kann die Schönheit und der geistige Wert der Autographen verstanden werden “ ( Stefan Zweig ) . Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
(Mrs. C. F., November 14, 2003) |