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sommer , sommerlicher – WatteauUnd eine kleine Frage vorweg ,die uns in Verbindung mit unserem Nachspüren Watteau’scher Vorbilder im Werke Ridinger’s kürzlich vom Artistic Development Coordinator einer Theatertruppe im australischen Queensland gestellt wurde, „ We will wander on together , through the sunny summer weather to our cosy little château like a pastoral by Watteau “. Erfahren habe man bereits, daß das Lied in Noel Coward’s „We were dancing“ figurierte – und eben dessen „Shadow Play“ solle es nunmehr bereichern – , doch vermochte der Gewährsmann weder Ur-Quelle noch Melodie zu verifizieren und Fehlanzeige ergaben auch „Cowards Complete Recordings“. Und so mühe man sich vorerst, die Melodie in sich selbst zu hören, wüßte über die Inszenierung hinaus aber doch gern mehr. Kann jemand helfen ? Einstweilen hiesigerseits über alles zeitliche sunny summer weather hinaus drei von Ihrer ridinger handlung jüngst für Sie entdeckte „Watteaus“, wie Ridinger ihre Stimmung einfing und im samtenen Kupfer der kostbaren Schabkunst verlebendigte, seine und Watteau’s Freunde einladend, via den vier Wänden summer time im Innern nie enden zu lassen.
Eine Sonne im Werke Watteau’sCythera (Cerigo)– die Liebesinsel der griechischen Mythologieaufgegriffen , wie hier erstmals belegt , von RidingerRidinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Cythera-Dame („Frech und doch galant“). Kokette grande dame in Dreiviertelfigur nach rechts, ebenso reich wie raffiniert drapiert bis hin zu Birnen-Geschmeide und dreidimensional muschelförmig fallendem Gewand, tanzend mit ausgebreiteten Armen in tief gestaffelter Landschaft, wobei die geöffnete Rechte geradezu nach den reifen Trauben als einem Psalm 128,3 folgendem kunsthistorischen Fruchtbarkeitssymbol zur Linken greift. Im Hintergrund liegt am Ufer einer bergigen Landschaft ein Zweimaster unter Segeln. Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. El. Ridinger excud. A. V. 48,8 x 35,4 cm. Schwarz 1471 + Tafel II, XXX. – Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) und hier neben den Exemplaren von Gutmann (Schwarz, 1910) + Gräflich Faber-Castell (1958) anderwärts nicht nachweisbar. – Alt per Eckmontage auf besonders breitrandiges schweres Bütten aufgelegt, welches an zwei Außenrändern angebräunt ist. – Rechts mit feinem Papierrändchen, sonst überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Dt.-latein. Untertext, dessen Motto in Unkenntnis des Blattinhaltes bislang als Titel diente :
Frech und doch galant . Die Frechheit tanzt hier selbst , und heißet doch galant . Das, wie von der Literatur bislang übersehen, von Watteau inspirierte herrliche Sujet im brillanten Druck bester Erhaltung einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciert leuchtendem Hell-Dunkel. Und solchermaßen von ganz außerordentlicher Seltenheit nicht allein am Markt, wie oben belegt, sondern auch generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann : „ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr … Nicht einmal dort denn aber das hier vorliegende , das anschließend auch Graf Stillfried noch unbekannt blieb! Thematisch indes von höchstem Reiz ist es Ridinger’s autonom behandelter Rückgriff auf jenen Werkkomplex des Zeitgenossen seiner frühen Jahre, der in seiner Zeit und von da ab bis heute zu den bewundertsten Malereien der Kunstgeschichte zählt, zu Antoine Watteau’s (Valenciennes 1684 – Nogent-sur-Marne 1721) CYTHERA-KOMPLEX mit dem „Pilgerzug zur Insel Cythera“ des Louvre als dem primus inter pares, mit dem Watteau am Samstag, dem 28. August 1717 seine Aufnahme „als Maler der ‚fête galante‘“ in die Académie erlangte, wie der ursprüngliche Titel „Le pélerinage à l’isle de Cithère“ im Sitzungsprotokoll korrigierend umgetitelt worden war. Es ist „ (d)as Werk , das alle Eigenschaften der Kunst W’s vereinigt “ (Jahn 1957). Gleichrangig gefolgt von „Die Einschiffung nach Cythera“ in Berlin als der vermutlich letzten Watteau-Erwerbung Friedrichs des Großen (zwischen 1752 und 1765), deren Kauf von den Hohenzollern in den zurückliegenden frühen 80ern für 15 Millionen Mark damals ebenso spektakulär wie aus heutiger Sicht günstig war. In der Literatur lange nur als Replik geführt, sind „Die Unterschiede zwischen den beiden Fassungen … zahlreich“. Früher Vorgänger beider ist „Die Insel Cythera“ aus 1709, gleichfalls Anfang der 80er fürs Frankfurter Städel erworben, „ein Auftakt … die erste Idee zu den gefeierten Werken im Louvre und in Berlin“.
Im Gegensatz zur von Pierre Rosenberg wiederholten überkommenen literarischen Quelle, eröffnet François Moureau’s Beitrag (Watteau in seiner Zeit) an gleicher Stelle, siehe Schluß (SS. 469 ff. und hier insbesondere S. 500) eine abweichende Sichtweise :
Im übrigen besteht, worauf für Ridinger’s „Cythera-Dame“ zurückzukommen sein wird, auch keine einheitliche Meinung darüber, ob das Louvre-Öl – und analog zu diesem auch das Berliner – eine Abreise zur Insel oder eine Rückkehr von derselben darstellt. Letztlich sind beide „ebenso sehr ein ‚Pilgerzug‘ als eine Allegorie. Die Insel selbst ist ein ‚non lieu‘, ein gedachter Ort (Schefer, 1962). Das Gemälde ist gleichzeitig Stillstand und Handlung, ein Augenblick in der Zeit und zeitlos“.
Das Frankfurter wie das Berliner Öl wurden 1730 bzw. 1733 für den „Recueil Jullienne“ als der vom Freund und Sammler Jean de Jullienne besorgten Werkausgabe Watteau’s gestochen. Und dieses Galeriewerk diente Ridinger zweifellos für seine Arbeiten nach Watteau, so denn auch für Thienemann-Stillfried 1396/97 nebst Schwarz 1464/65, Schwarz 1458 (wohl richtiger nur indirekt mit, siehe derzeit hier per 28.407) + 1460 (28.403), die er keineswegs sklavisch kopierte (wie zumindest 1397 nur dem unaufmerksamem Blick vermitteln könnte), aus denen er ggf. auch nur ein Detail entlehnte (1460 und, nur ganz bedingt noch, 1458) oder, nach derzeitiger hiesiger Kenntnis zumindest, sich von ihnen lediglich inspirieren ließ, wie im Falle anstehender „Cythera-Dame“, bei der vorsorglich indes nicht Thienemann’s Hinweis zur Jahreszeiten-Folge 1181/84 übersehen werden sollte, wonach Ridinger bei dieser „aus den Werken (Hyacinthe) Rigaud’s (1659-1743) und anderer französischer Bildnismaler“ zitiert habe. Zumindest ist seine „Cythera-Dame“ weder Watteau’s drei Cythera-Ölen entnommen noch dessen gleichfalls als Stich im Recueil Jullienne veröffentlichten der „Koketten“ in Petersburg, deren eine, die mit der Maske, auch ins Cythera-Thema hineinspielt und die Ridinger für seine „Dame mit der Maske“ thematisch autonom entlehnt hat. Und via dieser sich die Kokette von „Frech und doch galant“ („galant“ ganz im Wortlaut der Quellen + Literatur: „kommt und seid Zeuge unserer galanten Feste“; „die galanten Schiffe Watteaus“; „ist Cythera eine Idealisierung des neuen ‚galanten‘ Stils des aristokratischen Lebens“) überhaupt erst, doch zwangsläufig, erschließt. Denn aus der solchermaßen belegten und über Stillfried/Schwarz’ vierblätterige obige Suite hinausgehenden, hier neuerdings auch für Schwarz 1460 nachgewiesenen intensiven Beschäftigung mit Watteau ergibt sich die Frage nach dem Sinn des Schiffes im Hintergrund von selbst. Die das Watteau-Œuvre denn auch bereitwilligst beantwortet. Zugleich aber auch hier die Frage offen lassend, auf welcher Station der Reise die Dame zu sehen ist. Angesichts der sich hinter dem Schiff erhebenden Berge sollte à la obiger Interpretation die Insel erst aufgesucht werden. Gleichwohl: die Dame kehrt dem Schiff den Rücken und die landschaftliche Üppigkeit des Vordergrunds mit dem pralle Frucht tragenden dominierenden Weinstock als Synonym für den in den Quellen so gewichtigen Bacchus vermittelt den Eindruck von Glückseligkeit auf der Insel, wofür sie auch selbst steht. Und sowohl beim Aufbruch des Louvre-Bildes wie bei der unterstellten bevorstehenden Rückkehr des Berliners sind die Gruppen überwiegend am Wasser angesiedelt, blicken sie mehr oder weniger auf dieses und im Falle des Berliners auch auf das Schiff. Nur das Frankfurter Bild vermittelt den Eindruck jenseits von Aufbruch und Rückkehr. Nämlich das Ziel selbst, das freudige Genießen. Entsprechend ist die dominierende Mittelgruppe dem Betrachter zugewandt. Ganz so wie Ridinger’s nunmehrige „Cythera-Dame“. Mit dem sichtbar zurückliegenden Schiff im Rücken, dessen Segel seinerseits gleichwohl unverändert „von der Liebe gebläht“ sind. Der Bergzug mag denn auch nur ein sich ergebendes Repoussoir sein, zumal dessen heute betontes Dasein auf dem Louvre-Bild Ridinger als im 18. Jahrhundert ungestochen geblieben unbekannt war. Daß Watteau schlußendlich sich keineswegs an rein mythologischem Aphrodite-Kult erwärmte, belegen die „Segelschiffe von Saint-Cloud“ seiner Tage. Diese „Boote der Freuden fuhren die von einem kurzen galanten Abenteuer angelockten Städter von Paris zum Park Saint-Cloud, der Residenz des Hauses Orléans. Die mythische Überlagerung des Themas der Reise nach Cythera und der Eskapade nach Saint-Cloud ist den Menschen jener Zeit durchaus gegenwärtig“. Und entsprechend ist denn auch das Marmorgeländer des Frankfurter Bildes, „das an die Borromäischen Inseln erinnert, sehr prosaisch durch das Geländer an dem kleinen Wasserfall in Saint-Cloud angeregt“. Entsprechend
(Moureau). Bleibt ein unendliches Erörtern eines unendlichen Themas. Und ein Verweis auf dessen entsprechend reich illustrierte und dokumentierte Behandlung im Watteau-Katalog von Morgan Grasselli und Rosenberg zur 1984/85er Wanderausstellung Washington – Paris – Berlin, dem, mit Ausnahme des Jahn’schen, auch alle Zitate entnommen wurden (siehe dort u. a. zu G 9, G 61 + G 62). Und es bleibt ein abermals überraschender „verharmloster Ridinger“ (Niemeyer) mit einem thematisch ganz außerordentlich reizvollen + optisch ganz herrlichen Blatte von zugleich exceptioneller Seltenheit , mit dem er geistig zu Watteau aufschließt, von dem Moureau feststellt :
(Moureau). – Ganz so wie Ridinger. Für den sich nach den obigen, sämtlichs nur mit dem „excudit“ gezeichneten Belegen verschiedenfältiger intensiver Beschäftigung mit Watteau last, but not least bestätigt, daß sein „excudit“, von Thienemann an landläufig nur als Verlegeradresse gewertet, obgleich es, im Langenscheidt-Sinne, als „hat es gestochen oder verfertigt“ sehr wohl den Inventor/Sculptor als zusätzlich mit einzubeziehen vermag, zumindest teilweise in der Tat auf ihn selbst als den künstlerischen spiritus rector verweist und nicht nur auf den Verleger. Das „ipse inv.“ auf dem berühmten „Selbstbildnis im Walde“, Thienemann XIX, 1, von Martin Elias gelegentlich seiner Kupfer-Übertragung vielleicht nur irrigerweise angebracht, ist diesbezüglich gleichwohl eindeutig. Ebenso eindeutig aber ist, wie hiesigerseits jüngst nachgewiesen, daß dieses „Selbstbildnis“ sein großes Vorbild hat: das Doppelbildnis Watteau-Jullienne „Neben dir sitze ich, unter diesen lieblichen schattigen Bäumen“ des „Recueil Jullienne“.
Dietrich, Christian Wilhelm Ernst, gen. Dietricy (Weimar 1712 – Dresden 1774). The Nymphs. – Die Nymphen. Zahlreiche, mehr oder weniger unbekleidete Gruppe an einem kleinen Teich unterhalb überhängender Felsen, begleitet von Putten sowie Ziegen und Schafen. Links ein kleiner Wasserfall. Stahlstich von Alboth. 3. V. d. 19. Jhdts. Bezeichnet: W. E. C. Dietrich pinxt. / Aboth sc., ansonsten wie vor. 15,5 x 17,6 cm. Mit Watteau’s „ Koketten “+ der „ Italienische(n) Komödie “als Ursprung ? Gar die große Desmares ?Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Dame mit der Maske. Dreiviertelfigur in Ballkleidung sitzend nach rechts an einer Säule, den Kopf nach links geneigt, in der Rechten, „ein klassisches Symbol“, eine schwarze Maske haltend. Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. El. Ridinger excud. A. V., ansonsten wie nachfolgend. 48,6 x 34,9 cm. Schwarz 1458 + Tafel II, XVII. – Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) und hier neben den Exemplaren von Gutmann (Schwarz, 1910) + Gräflich Faber-Castell (1958) anderwärts nicht nachweisbar. – Alt per Eckmontage auf besonders breitrandiges schweres Bütten aufgelegt, welches an drei Außenrändern angebräunt ist. – Dreiseits mit nahezu durchgehend feinem Rändchen, nur links überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Dt.-latein. Untertext:
Anderst von ausen als von in(n)en . Schwarz ausen und masquirt , von innen weis und schön . Nach Schwarz „Gegenseitige Kopie nach Coypel ‚Mad. de ** (Mouchy) en habit de Bal‘, gestochen von L. Surugue“ (ggf. dann wohl recte gegenseitig nach Surugue und damit wieder bildrichtig zu Coypel, denn die Maske ruht in der Rechten). – Identisch mit Thieme-Beckers (Charles-Antoine Coypel, 1694 Paris 1752, Bd. VIII, S. 28/I) „‚Mme de Mombay‘ (Pastell, gest. v. Surugue)“? Nagler, Pierre Louis Surugue, Paris 1717 – 1771, Nr. 4 mit dem Klammerzusatz „Mouchy“, wie von Schwarz übernommen, gleichwohl ergänzend „ Einige halten die Dame für die Mme. de Pompadour “ . Immerhin, so Thieme-Becker, „arbeitete (Coypel) mit an den Dekorationen des Schlosses in Versailles, der Gemächer Maria Lesczynskas u. d. Mad. de Pompadour“. Gleichwohl mag der tatsächliche Ursprung nach hiesiger Ansicht, wie er denn auch bereits von Ridinger erkannt sein dürfte, komplexer sein und auf Watteau zurückgehen. Und hier auf dessen kurz vor 1731 im Recueil Jullienne veröffentlichte „Koketten“ von ca. 1714/15 in Petersburg unter Beizug der 1734 für den Recueil vervielfältigten „Die italienische Komödie“ von etwa 1718 in Berlin (siehe G 29 + G 65 nebst (Vergleichs)abbildungen des 1984/85er Watteau-Katalogs). Bei den „Coquettes“ ist es die Dame links außen der Vierergruppe nebst Negerknaben am Geländer, die als einzige in der Rechten eine schwarze Maske hält. Ihre gleichfalls offen ausgeschnittene Garderobe ist gleichwohl nicht identisch mit der der „Dame mit der Maske“, die auch keine Kopfbedeckung trägt, wohl aber Haarschmuck. Daß sie „zuerst keine Kopfbedeckung … (trug, auch) anders gekleidet (war) und ihre Maske auf das Geländer gelegt“ hatte, mag Coypel vielleicht bekannt gewesen sein, der Recueil-Stich indes zeigt sie bereits verändert. Wie schon beim Cythera-Komplex die Meinungen darüber auseinandergehen, ob es sich um Aufbruch, Rückkehr oder Aufenthalt handelt, so waren auch bezüglich der „Coquettes“
(Pierre Rosenberg zu G 29 des Katalogs, den „Coquettes“). Immerhin könnte die Desmares eben zu solcher Gruppe von Freunden des Künstlers gehören. Denn
(François Moureau im Watteau-Katalog, SS. 478 f.). Und Nemilova sieht die Desmares auch in der „Träumerin“ in Chicago. Dazu Rosenberg ad G 26 :
Dort doch aber von Kopfputz und Stellung her dann nur in der Linksaußen, der – einzigen – mit der Maske! Diesbezüglich dann auch nicht zu übersehen ist, daß die im Mittelgrund links angesiedelte – gesicherte – Schauspielerin der „Italienische(n) Komödie“ ihrerseits die einzige der Gruppe mit einer Maske ist, gehalten hier in der Linken. Denn
(Moureau, a. a. O., S. 530). Anmerkenswert schließlich, daß die „Träumerin“, die „Unruhige Geliebte“ (Abb. 1 bei G 26) wie auch die Spielerin mit der Maske der „Italienische(n) Komödie“ jeweils nach rechts sitzen/stehen, doch nach links blicken. Ganz so, wie Ridinger’s „Dame mit der Maske“ nach, so Schwarz, Coypel, der sich hier denn watteauverbunden zeigt und das Porträt der Desmares gemalt hat. In Unkenntnis dessen Stichs von Lépicié gleichwohl der Einwurf: ist „ Die Dame mit der Maske “ die Desmares ? Siehe den Ausschnitt des Santerre zugeschriebenen Porträts im Watteau-Katalog, S. 525, mit dem Hinweis, der Maler habe seine Modelle „oft idealisiert, indem er ihnen ein feines und ovales Gesicht gab“. Ein solches zeichnet auch die hiesige Dame aus, deren nachdenklich-träumerischer Blick dem der „Unruhige(n) Geliebte(n)“ eher nahekommt als dem doch nur Selbstbewußtsein ausstrahlenden der „Träumerin“. Verblüffend schließlich die Übereinstimmung der Sitz- und Kopfhaltung bei Coypel/Ridinger + Santerre, bei diesem lediglich nach links mit Blick nach rechts. Nur rein ballbezogen hingegen erscheint das Bild als ein Rückblick nach Rückkehr vom Ball. Mit der Maske als nicht allein äußerem Attribut, sondern „als ein Symbol in Liebesangelegenheiten“ (Rosenberg). Eben solchen Madame denn hier nachsänne. Eingedenk Ridinger’s intensiver Beschäftigung mit Watteau wird sein „excudit“ auch für dieses optisch so ausnehmend schöne Blatt als Eigenarbeit gelesen wie vor. Wie denn auch druck- + erhaltensmäßig dito.
Lancret, Nicolas (1690 Paris 1743). La Fête Champêtre. Die Gesellschaft im Freien mit dem tanzenden Paar. Unter Bäumen vor Getreideschlag und zurückgesetztem Anwesen in den Hügeln. Vorn rechts Kavalier, einem Hund Pfötchengeben beibringend. Stahlstich von Albert Henry Payne (London 1812 – Leipzig 1902). Ca. 1845. Bezeichnet: N. Lancret pinxt. / A. H. Payne sc., ansonsten wie vor. 15,2 x 17,1 cm. Das sehr reizvolle Sujet Lancret’s – „einer der berühmtesten neben Watteau“ (Nagler) – , wohl nach einem der Berliner Kriegsverluste „Tanzendes Paar im Freien“ oder „Die Gesellschaft im Freien“ (Bernhard, Verlorene Werke der Malerei, SS. 69 f.). Seit gemeinsamen Ausbildungstagen im Atelier Gillot’s mit Watteau befreundet, ging die Beziehung zu Bruch, als Lancret zwei Bilder im Stile des Freundes ausstellte, von denen man glaubte, dieser selbst habe sie gemalt und ihn entsprechend beglückwünschte. Der falsche „ Cellist “ der Literatur –ein echter Watteau !Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Der Gambaspieler (Viola da gamba). Der Sammler Bougi mit Federhut unter hochgezogener reicher Draperie, eine 7saitige Gambe mit sieben Bünden spielend. Dreiviertelfigur, sitzend frontal nach links, die streichende Rechte auf einen Mauersims aufgelegt, indes sich zur Rechten ein Terrassengitter anschließt und den Blick auf sieben Zypressen freigibt, aus deren Mitte eine Fontaine emporschießt. Schabkunstblatt nach einem Detail Watteau’s. Nach 1734. Bezeichnet: I. El. Ridinger excud. A. V. 48,5 x 35,1 cm.
Schwarz 1460 + Tafel II, XIX (irrig als „Der Cellist“). – Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) und mit Ausnahme von Baron Gutmann (Schwarz, 1910) hier auch anderwärts nicht nachweisbar. Bereits als „Sehr selten“ (1894 Boerner LV, 317) allenfalls vorkommend (so bei Rosenthal 1940, korrekt als Viola, Gräflich Faber-Castell 1958 + K&F 1979) die ausschließlich auf den in einen Rahmen gefaßten Spieler nebst Untertext zurückgenommene Version Schwarz 1459, Tafel II, XVIII, dessen Gesichtszüge bis hin zum Ohr doch etwas sichtbar weniger ausdrucksvoll und fein gearbeitet sind und dies sehr wohl analog zu Hut samt Feder, doch auch zur Knopfleiste des Wamses. Allen unbekannt geblieben indes der Bezug zu Watteau, dem die hier anstehende reichere Fassung zwangsläufig nähersteht. Ridinger entnahm das Sujet Watteau’s nur in einer Kopie (Saint-Omer) erhaltenem „Ländliches Konzert“, so der Titel des 1734 von Benoit II Audran für den „Recueil Jullienne“ im Gegensinn geschaffenen Nachstiches, der Ridinger, gleich anderen Blättern des „Recueil“, als Vorlage gedient haben dürfte, nicht ohne für sein Vorhaben die Seitenrichtigkeit wiederhergestellt zu haben: M. Bougi streicht mit der Rechten! Watteau’s für 1716/17 angenommenes Öl – siehe dessen Audran-Wiedergaben im Watteau-Katalog, SS. 33, 156, 351 und, als Ausschnitt Bougi’s, 551 – versammelt vor Parkstaffage samt Zypressen eine musizierende und singende Gesellschaft, deren Mittelpunkt der in ganzer Figur dargestellte Gamba-Spieler bildet. Daß es sich bei diesem um den Sammler Bougi aus dem Freundeskreis Watteau’s handelt, überlieferte der Kunsthändler Mariette, von dem im übrigen strittig ist, ob er selbst gleichfalls mit Watteau bekannt war. Doch auch bezüglich Bougi’s besteht insofern Ungewißheit, als deren drei in Frage kommen. Welcher von ihnen mag nun ggf. ein Instrument gespielt haben? Ansonsten
(siehe hierzu a. a. O. SS. 33 f. + 43). Ridinger nun focussiert zwar den Spieler, gibt ihm aber zugleich, und dies im Gegensatz zu Schwarz 1459, mittels reicher Draperie und Parkausblick sein zu unterstellendes und auch Watteau wichtiges Ambiente zurück. Für seine „Jägerin“ Thienemann 1110 bediente sich Ridinger übrigens eines gleichfalls von signifikant hochschießenden Zypressen bestimmten Park-Hintergrunds. Mit deutsch-lateinischem Untertext : Mit leerem Schalle vertriebne leere Gedancke(n) . Als Eigenarbeit zu unterstellen wie vor, druck- + erhaltensmäßig dito. Im linken Knie eine ganz schwache Kratzspur. – EXCEPTIONELL SELTENES NAHEZU – UNIKAT von zauberhaftem Charme .
Watteau, Antoine (Valenciennes 1684 – Nogent-sur-Marne 1721). Fête Champêtre. Amourös und galant sich vergnügende Gesellschaft in Parklandschaft oberhalb eines Sees mit Statue der Venus zur Rechten, deren Köcher mit Pfeilen ihr ein Putto streitig macht. Stahlstich von Albert Henry Payne (London 1812 – Leipzig 1902). Ca. 1840. Bezeichnet: Watteau pinxt. / A. H. Payne sc., ansonsten wie vor. 15,7 x 16,7 cm. Seitenrichtige Wiedergabe des „bewundernswerten Liebesfest(es) in Dresden“ – Watteau-Katalog, S. 407, Abb. 3 – , thematisch zugehörig dem „Pilgerzug zur Insel Cythera“ bzw. der „Einschiffung nach Cythera“ in Paris bzw. Berlin (Nrn. 61 f. des Katalogs nebst Abb.), wobei die Statue letzterem folgt, doch ohne den zweiten Putto im Rücken der Göttin sowie den Faunskopf und den Mars-Attributen am Sockel.
Chodowiecki, Daniel (Danzig 1726 – Berlin 1801). Blindekuhspiel. – Blind-Man’s Buff. Ein Herr und eine Dame zugleich inmitten der zahlreichen Gesellschaft im herrschaftlichen Garten unterhalb antiker Statue. Rechts Pappelallee, links das Haus. Stahlstich von Albert Henry Payne (London 1812 – Leipzig 1902). Ca. 1845. Bezeichnet: D. Chodowiecki pinxt. / A. H. Payne sc., ansonsten wie vor. 17,7 x 20,2 cm. Das großformatigere sehr reizvolle 1768er Sujet in der Nachfolge Watteau’s nach dem untergegangenen Öl in Berlin (Bernhard, Verlorene Werke der Malerei, S. 15).
Watteau, Antoine (Valenciennes 1684 – Nogent-sur-Marne 1721). The Terrace – Die Terrasse. Zwei separate Gesellschaften in Parklandschaft, die vordere mit dem seine Schöne zu gewinnen trachtenden Gitarrespieler. Zur Linken erweist ein Galan dem Rückenteil einer steinernen Wasserjungfrau seine Reverenz, indes zur Rechten zwei junge Mädchen einen Rosenstrauch berauben. Stahlstich von (wohl Edward John, um 1797 – 1865) Roberts. Ca. 1840. Bezeichnet: Watteau pinxt. / Roberts sc., ansonsten wie vor. 15,6 x 16,7 cm. Nach dem Bild in Dresden, nahestehend der Berliner „Gesellschaft im Freien“ mit seiner zentralen Bankgruppe, im Bildaufbau auch der „Insel Cythera“ im Frankfurter Städel mit erwartungsgemäß konkreter Terrasse im seitlichen Rückfeld, Positionen G 63 bzw. G 9 nebst (Farb-)Abbildungen des Watteau-Katalogs.
Stothard, Thomas (1755 London 1834). The Bathers. Sieben Grazien in reicher Landschaft beim Bade in einem Gebirgsbach. Kolor. Stahlstich von Charles Cousen (Yorkshire ca. 1819 – 1889). Bezeichnet: T. Stothard, R. A. Painter. / C. Cousen, Engraver., ansonsten wie vor. 21 x 24,3 cm. Brillant in Romantik und Farbe. – Stothard „gehört zu den Geistern, die sich aus der Tiefe zum Ruhme emporschwangen … Seine Zeichnungen … (gehören) in Hinblick auf die Strenge des Styls zu den vorzüglichsten Leistungen der englischen Schule“ (Nagler). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
(Señ. G. E., 19. December 2003) |