jeden Monat neu – jeden Monat etwas anderes
— September 2007 —
WAIDMANNSHEIL
„ … zu allen erdenklichen Zeiten , von Sumer und Akkad und Assyrien und dem ersten ägyptichen Reich an bis zu der unvollendeten Stunde , die eben vergeht , hat es immer Menschen gegeben , viele Menschen der verschiedensten sozialen Lebensstufen , die sich … der Jagd hingegeben haben …
Was für eine verteufelte Beschäftigung ist eigentlich die Jagd ? “
(Ortega y Gasset, Meditationen über die Jagd, Stgt. 1981, Seite 9)

Georg Philipp Rugendas d. J.
1701 Augsburg 1774
Feder- + Pinselzeichnung in Braun-Schwarz bzw. Grau über gelegentlichem Bleistift, grau laviert
Bezeichnet mit der Feder unten links unterhalb der feinen Einfassung, beides in Bister:
G. P. Rug. Junior. invenit A1736
Ein zeichnerisches Unikat aus berühmtem Stalle
252 x 188 mm. – Auf festem Jean Villedary-Bütten („IV ILLEDARY“), der 150 Jahre prosperierenden Papiermühle in Angoulême als zugleich Partner für holländische Mühlen, wo sein IV/I V etwa als Gegenmarke zu C & I HONIG (1730-1869; in Augsburg sowohl von Rugendas wie Ridinger estimiert) erscheint, generell aber auch als Raubmarke mißbraucht wurde wie auch sonstige für erste Qualitäten stehende Marken.
Die in allen Details typische Signatur möglicherweise etwas ausgeblaßt, rückseits unten die nicht ins Bild durchscheinende diagonal gesetzte S-Abfolge eines Kinderdruckkastens mit Anflug eines Versuchs zur Heilung, sonst tadellos frisch und an den Kanten auf Kulisse montiert.
Von der Weichheit ihrer Pinseltechnik ,

so Gode Krämer im 1998er Augsburger Rugendas-Katalog (S. 45/II) gelegentlich anderer Arbeiten des jüngeren Georg Philipp, bestimmte motivschöne Arbeit, sensibel ausgeführt und duftig laviert, wie für die Besten seiner Zeichnungen stehend. „In der sorgsamen, bildmäßigen Ausarbeitung liegt seine Stärke“ (Krämer, a. a. O., 46/I). In der Regel arbeitete er nach väterlichen Vorlagen und Dritter, namentlich auch nach Joh. Hch. Roos.
Hiesiger Arbeit scheint eine väterliche Idee zu Grunde zu liegen. So gibt es vom Brasilianer Joh. Moriz Rugendas (1802-1858) als dem letzten der Maler-Dynastie eine jugendliche Detail-Lithographie „Erlegtes Wild“ (Kat. Augsburg 259 nebst Abb.) mit der Quellbezeichnung „G. P. Rugendas 1709“. Deren obere Hälfte zeigt ein diagonal über einer Sau liegendes Reh, beide gegen einen Baumstamm gelegt, woran die hiesige Komposition mit Sau/Hase erinnert. Jene Vorlagen-Zeichnung ist gleichwohl „weder signiert noch datiert, so daß die Beschriftung der Lithographie auf Familientradition beruhen muß“.
Hiesige linksseitige Fels-Baum-Staffage knüpft ihrerseits an die linksseitige Partie der in gleicher Technik ausgeführten 1724er Eigen-Zeichnung einer Hirschjagd an (Nr. 159 des Katalogs nebst Abb.). Im graphischen Œuvre begegnen wir ihr rechtsseits auf dem Schabblatt Teuscher 362 mit dem von zwei Hunden niedergehaltenen Stier aus der 4blätt. Folge „Jagd und erlegtes Wild“, ebenfalls mit hügeligem leichten Hintergrund, während für die beiden Saurüden jener aus T. 472 aus 4blätt. Hunde-Folge heranziehbar ist. Als Ganzes indes finden weder gedachte Hirschjagd noch anstehende Zeichnung irgendeine Entsprechung im eigenen Stichwerk noch dem der Familie. Es ist eine Arbeit sui generis. Motive mit dem Jäger und seinem Waidmannsheil sind generell selten. Hier denn als alleiniger Bildinhalt. Aus berühmtem Stalle.
Ohne Glas + Rahmen .
Angebots-Nr. 15.182 / Preis auf Anfrage
Herrlich großformatige , herrlich qualitätvolle Zeichnung
und als solche heutzutage überaus kostbar
Johann Elias Ridinger
Ulm 1698 – Augsburg 1767

Der Frühling der Hunde
Lavierte Pinselzeichnung über Bleistift
Bezeichnet im Bild unten links mit zartem Bleistift :
Joh Elias Ridinger inv. et del.
438-440 x 336 (Bildgröße 426-429 x 336) mm. – Die für die Übertragung auf die Platte gegriffelte und rückseits gerötelte
malerische Vorzeichnung
im Gegensinn zu Blatt 1 – Thienemann 105, abgebildet bei Blüchel, Die Jagd, II, S. 79 – der für Anfang der 40er angenommenen „Vier Jahreszeiten der Hunde“ („Besonders trefflich sind die Blätter mit den Hunden“, Nagler).
Auf festem, doch nicht schwerem, Bütten mit Wasserzeichen „IV“ (Jean Villedary?, 150 Jahre prosperierende Papiermühle in Angoulême als zugleich Partner für holländische Mühlen, wo sein IV/I V etwa als Gegenmarke zu C & I HONIG erscheint, generell aber auch als Raubmarke mißbraucht wurde wie auch sonstige für erste Qualitäten stehende Marken. Der „IV“ als zeitgenöss. Marke begegnen wir im graph. Ridinger-Œuvre vielfach, im zeichnerischen beispielsweise auf seiner hiesigen 1723er signierten „Alexander der Große 326 am Hyphasis“ und als „Monogramm I V“ auf der 1762er Augsburger Zeichnung „Wildkatzen jagen Enten“ (Biedermann, Meisterzeichnungen des Dt. Barock, 1987, Nr. 165). Und Villedary’s completter Marke „IV ILLEDARY“ auf obiger 1736er Zeichnung des jüngeren Georg Philipp Rugendas.
Stecknadelkopfkleines Löchlein und sieben überwiegend rückseitige Randspuren von punktueller Montage auf einem erst jetzt entfernten Untersatzbogen (auf diesem von alter Hand in Kursive als Bezeichnung in der Mitte „Coursing“ und rechts „Ridinger“), sonst bestens. In der Mitte des schmalen weißen Unterfeldes der Zeichnung selbst in Bleistift eine „20.“ als anzunehmende Vorbesitzer-Inventar-Nummer und damit Herkunftsmerkmal einer umfassenderen Zeichnungs-Sammlung.
Die auch formatmäßig herrliche Zeichnung
zum Eingangsblatt dieser gesuchten bildreichen Suite, im Stiche mit dem Vierzeiler erläutert
„ Der Hasen werden viel, Zur FRÜHLINGS-ZEIT gefangen /
Bevorab wenn sie sich, ins Saamen Feld vergangen /
Doch wann mit höchster Wuth, die Hunde an ihn setzen /
So hat der Schirmer Sorg, daß sie ihn nicht zerfetzen. “
Der Schwanz des Schirmers gegenüber dem Stich in leicht vereinfachter Endkrümmung, der linke Vorderlauf des Wasserhundes bleibt hier unsichtbar unter dem Leib.
Zum Komplex der Hunde-Vier-Jahreszeiten war Thienemann (1856, Mappe 2, e, Seite 275) nur die gleichfalls getuschte Zeichnung des Sommer-Blattes (Th. 106) aus dem Weigel-Bestand bekannt geworden, die sich indes nicht mehr im Weigel’schen Nachlaß-Katalog von 1869 findet (siehe dort SS. 197 ff.). Dann fand sich, gleichfalls zum Sommerblatt, die ebenfalls großformatige und getuschte Skelett-Studie zu dessen Hirsch innerhalb der 1890 bei Wawra in Wien „aus dem Besitze eines bekannten Sammlers“ aufgelösten „Schönen Sammlung von Handzeichnungen und Kupferstichen Joh. El. Ridinger’s“ (Nr. 67). Und 1900 in Helbing’s großer Ridinger-Offerte (Arbeiten von J. E. and M. E. Ridinger, XXXIV, 1547) die „brillante Federzeichnung in Umriß“ gleichen Formates zum Herbstblatt. Hier bekannt schließlich noch die ebenso große des Winters. Und die
bildlich ganz ausgeführte , letztgültige zum Frühling
in ihrer großflächigen ,
lichtbraunen , durchsichtigen Lavierung

als eine Rarität von Graden
denn hier präsent .
Außerordentlich reizvoll schließlich die an dieser nachzuvollziehenden Arbeitsgänge des Meisters bei der Übertragung auf die Platte in Form schon besagter Rötelung und Griffelung, letztere bis hin zu Nebenpartien, wie nicht generell gehandhabt. Damit aber den so begehrten, ebenso berühmten wie kostbaren „Blick über die Schulter“ gewährend.
Ohne Glas + Rahmen .
Angebots-Nr. 28.878 / Preis auf Anfrage
Das herrliche Blatt eines wundervollen Bildes

Jan Weenix (1640 Amsterdam 1719). Mit grauer Tonplatte gedruckte Lithographie von Johann Woelfle (geb. Ebersbach 1807) bei Piloty & Loehle in München. Ca. 1851. Signiert, bezeichnet. 44,5 x 50,4 cm.
Vgl. Nagler XI, Piloty, 312 ff., XXI, Weenix, 204 ff. + XXII, Wölfle, 24 ff. – Nicht bei Schwerdt. – Auf aufgewalztem China. – Der Montagekarton rückseits schwach stockig, nur am linken Seitenrand auch vorderseits sichtbar. Sonst makellos.
Erschienen innerhalb Piloty’s seit 1834 in Lieferungen herausgegebener Wiedergabe der Gemälde der Münchner Pinakothek. „Dieses Unternehmen erregte bald allgemeines Interesse, da die Theilnehmer … eine bis dahin unerreichte technische Vollkommenheit entwickelten“ und unter „welchen sich Wölfle’s Hauptblätter finden.
„ Besonders schön sind die Abdrücke auf chinesisches Papier … Wölfle war schon zu Lebzeiten Piloty’s einer der ausgezeichnetsten Arbeiter, und noch gegenwärtig kommen ihm außer Hanfstängel wenige gleich “ (Nagler zu Piloty und Wölfle).
Hiesiges Sujet wohl dem von Weenix 1712-14 im Auftrag Kurfürst Johann Wilhelm’s von der Pfalz geschaffenen und später nach München verbrachten Gemäldezyklus für drei Säle des Schlosses Bensberg bei Köln (hier mit dessen seinerzeitiger Parkanlage als Hintergrund?) zugehörig, deren einer dem Geflügel, der zweite der Jagd gewidmet war. – Lithographisches Meisterwerk.
Angebots-Nr. 12.260 / EUR 496. / Export price EUR 471. (c. US$ 745.) + Versand
Das Ausweiden des Hirschen

Ernst Philipp Thoman(n) von Hagelstein (1657 Augsburg 1726). Die Erden / La Terra. Schabkunstblatt in Braundruck. Bezeichnet: 4 / E. Ph: Thoman exc(.), Vierzeiler wie unten. Blattgröße 36,2 x 48,5 cm.
DIE VIER ELEMENTE IV. – Nur der Titel in dt.-latein. Paralleltext. – Auf Bildkante geschnitten. Unauffälliger 3 x 1,5 cm-Ausriß im linken Bildrand hinterlegt und nachgezeichnet, gleichfalls hinterlegt Ausriß der rechten Unterrandecke außerhalb der Schrift und kleine Randeinrisse. Einige dünne Papierstellen und stecknadelfeine Löchlein, völlig geglättete Mittelfalte. Der nur ganz wenig beriebene Druck selbst sehr schön. Unidentifiziertes Wz.
„ Auff dem Rucken und blosser Erd , Der Hirsch da ligt in seinem werth. Vom Weidmann wird geweydnet aus , Das ander Fleisch man richt zum Schmauss. “
Angebots-Nr. 12.434 / EUR 1176. / Export price EUR 1117. (c. US$ 1768.) + Versand
Des Grafen von Hohenlohe-Öhringen

rares Jagdglück
Anno 1720. Haben disen gantz weissen Fuchsen, Ihro Excellenz Herr Graf von Ohringen (Hohenlohe-Öhringen) ohnweit Ohrenthal (bei Öhringen an der Ohrn im Ohrngau) selbst geschossen. Radierung + Kupferstich. (1750/53.) Bezeichnet: Joh. El. Ridinger Sculps. et excud. Aug. Vind. 34,7 x 25 cm.
Thienemann + Schwarz 298; Ortega y Gasset, Meditationen über die Jagd, 1981, blgr. Abb. S. 65. – Blatt 56 der „Wundersamsten“. – Unter- und stellenweise rechter Außenrand kaum störend etwas fleckig.
Angebots-Nr. 12.073 / EUR 698. / Export price EUR 663. (c. US$ 1049.) + Versand
Fehlten der 1554blätt. Helbing-Offerte von 1900
 
Das Aufbrechen des Hasen + Hirschen. Folge von 2 Blatt. Radierung + Kupferstich. Bezeichnet: J(oh). E(l). Ridinger inv. del. sc. et exc. A(ug). V(ind)., ansonsten Untertext. 36,2 x 28,1 cm.
Th. + Schwarz (Taf. I, VI f.) 99-100; Weigel XXVIII, Ridinger, 8 A; Nagler 41; Slg. Coppenrath II, 1457 ( „Sehr selten “, 1889!); Schwerdt III, 135; Ortega y Gasset, Meditationen über die Jagd, 1981, Abb. SS. 87 + 73; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, V.1 + 2.
Für die 1758er Vorzeichnung im Gegensinn zur Curée des Hirschen, heute bayerische Privatsammlung, siehe Schwerdt III, 215 nebst Tafel 251, qualifiziert mit „ … quite apart from its artistic value, an interesting document from a historical point of view “ mit der auszeichnenden Folge jeweils
Abbildung beider sowohl bei Schwarz , Ortega + Katalog Darmstadt .
Alte, optisch gleichwohl ein wenig trockene Abzüge mit typograph. Wz. und umlaufend 1-1,5 cm breitem Rand. – Siehe die Abbildungen auf Folgeseite .
Angebots-Nr. 14.661 / EUR 1485. / Export price EUR 1411. (c. US$ 2233.) + Versand
Die Folge , die den Puls beschleunigt
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die vier Jahreszeiten des Jägers. 4 Blatt. Radierungen mit Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1730 Augsburg 1780). Bezeichnet: Joh. El. Ridinger inv. del. et exc. Aug. Vind. / Mart. Elias Ridinger sculps. (Bl. 3: sculpsit), ansonsten mit Blattitel + Vierzeilern in dt.-latein. Paralleltext. 37,3-37,5 x 27,5 cm.
Th. + Schwarz 109-112; Weigel 16545
 
( „ alte jetzt nur selten vorkommende Abdrücke “, 1847 ! )
+ XXVIII, Ridinger, 11 A; Slg. Coppenrath II, 1459 („Schöne Folge, selten“, 1889); Helbing XXXIV, 251;
Schwerdt III, 136 („An attractive set“); Rosenthal 126, 26 (nur Bl. 4); Katalog Darmstadt, 1999, V.7 (nur Bl. 1, mit Abb.). – Nicht bei Nagler (1843), in Slg. Schoeller (1921) + Katalog Kielce (1997).
DIE HERRLICHE , FIGURENREICHE SUITE
in adäquat vollkommenem Exemplar
leuchtenden Hell-Dunkels
„ Von seltener Schönheit und Gleichmässigkeit “
wie das zitierte vor hundert Jahren bei Helbing. Mit einer Blattgröße von 50,7 x 35 cm (Schwerdt: 53,7 x 36 cm). – Bll. 1 + 3 mit typograph. Wz. – Die technischen Löchlein im oberen weißen Außenrand geschlossen.
„ Monats- und Jahreszeitenfolgen waren seit dem 16. Jahrhundert üblich. Auch die Verbindung von Jahreszeiten mit den Lebensaltern gab es seit dieser Zeit. Normalerweise werden Frühling, Sommer und Herbst als aufsteigende Entwicklung – von der Knospe zur Reife – dargestellt, der Winter hingegen als eine Zeit des Niederganges. Bei Lebensalterdarstellungen entspricht dem Winter ein Greis. In seiner Folge der Jahreszeiten des Jägers dagegen deutet Ridinger den für die Jagd ertragreichen Winter durch die Wahl der zugehörigen Texte um:
Während der Jäger im Frühling ‚munter und fleißig‘, im Sommer ‚aufmerksam und entschlossen‘ und im Herbst ‚beherzt und tapfer‘ ist, kommen dem Jäger im Winter die Attribute
‚ ausdauernd und verwegen ‘
zu. Auf diese Besonderheit hat kürzlich in einem Vortrag L. H. Niemeyer hingewiesen “
(Dr. Morét in Katalog Darmstadt).
Entsprechend die winterliche Strecke! Und Bär, Wolf, Luchs und wildes Schwein, voll Zorn laut wütet tobt
„ ists seiner Kühnheit Freude “.
Der dem Leben den Rücken kehrende oude man von einst hier nun in der Fülle seines Jagens. Als ein Sinnbild ungebrochener Aktivität, Ausdauer und Verwegenheit. Die lustvolle Kühnheit als Zenit, als die Quintessenz dessen, was sich erst aus Können und Erfahrung eines reichen, hier Jäger-Lebens ergibt.
Bekannt von Blatt III eine von der Literatur als „Returning from the Boar Hunt“ geführte etwa formatgleiche und seitenrichtige Kopie, doch ohne den Untertext, aus der Frühzeit des Holzstichs von Alexander Anderson (NYC 1775 – Jersey City/N 1870, „Vater des Holzstichs in Amerika“, AKL II, 853 f.). Siehe Jane R. Pomeroy, Alexander Anderson / Wood Engraver and Illustrator / An annotated Biography, 3 Bde., 2005, Nr. 587 nebst Abb. („masterly, probably ca. 1820 or before“ mit unkorrekt „Ridinger pinx“).
Mit Abständen von 13 bzw. 14 Jahren liegt die Folge apart nunmehr zum dritten Male hier auf. Bei welcher Gelegenheit angesichts deren Kupferübertragung seitens Johann Elias’ Ältesten, Martin Elias, angemerkt sei, daß dessen Bedeutung für das Ridinger-Œuvre nicht allein nach hiesigen Erkenntnissen sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen nicht vorzeitig abgebrochen wurden oder postum erschienen. Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet und die Qualität anstehender Folge auch von deren technischer Seite her unterstreicht.
Angebots-Nr. 14.657 / Preis auf Anfrage
Der 28-Ender mit dem Leithund
+
Das „ stumpf-ohrichte Hauptschwein “
und sein Packer
„ Nicht nur in der Bildform
 
auch in der ähnlichen Komposition … zusammengestellt “
(Siebert-Weitz, Ridinger – Bilder zur Jagd in Hessen-Darmstadt, 1999, SS. 28-31, mit dem Bemerken
„ Kupferstichplatte(n) erhalten , datiert 1753 “
bilden sie ein Paar innerhalb der Ridinger-Folge der „Wundersamsten“, wie denn auch dessen Arbeiten der sich bei Thienemann anschließenden Suite der „Besondern Ereignisse und Vorfallenheiten bey der Jagd“ „fast durchgängig so eingerichtet (sind), dass immer zwei und zwei mit einander harmoniren und Seitenstücke bilden, wie sie denn auch paarweis verkauft worden sind“ (Th. S. 81).
Die optisch hervorragend erhaltenen, 34,9 x 25,2 cm messenden
originalen Druck-Platten
im Gegensinn zu Blatt 57 + 58 (Radierung + Kupferstich, Th. + Schwarz 299-300; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, VI.3 f. nebst Abbildungen wie denn auch jeweils ganzseitigen bei Siebert-Weitz)
im rotgoldenen Glanze
ihres
255 Jahre alten Kupfers .
Und kostbare, hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) hinaus nahtlos direkt bis in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchierte, von Thienemann im Rahmen der Kupferdruckplatten zu den Wundersamsten 1856 noch für verloren gehaltene, weltweit unikate Sammlungsstücke von Graden dazu.
Diser Hirsch von 28. Enden Ist von Ihro Hoch=Fürstl: Durchl. dem regierenden Herrn Landgrafen (Ludwig VIII.) zu Hessen Darmstatt 1742. den 10ten. 8bris bey Battenberg in dem Forst gleiches nahmens geschossen worden. Bezeichnet: Joh. El. Ridinger del. sculps. et exc. Aug. Vind. 1753., ansonsten wie vor.
„ Präsentiert wird ein (bereits verendeter) Rothirsch …
Über (dem Hirsch) steht ein sog. Leithund …
(Dessen) Leine ist auf dem Bild deutlich zu sehen. Mit ihr ist der Hund rechts unten festgebunden. In der Mitte rechts sieht man einen Gewehrlauf mit Riemen. Er gehört zu einer Steinschloßbüchse, deren Abzugsbügel erkennbar ist, deren Schloß aber ein Stein verdeckt. Am Gewehrlauf ist auch der dazugehörige Ladestock zu sehen. Man kann annehmen , daß der Landgraf mit diesem Gewehr den Hirsch erlegt hat “
(Siebert-Weitz).
„ Die Bilderfindung Ridingers , der den erlegten Hirsch so darstellt ,
daß sein außergewöhnliches Geweih vom Betrachter eingehend studiert
werden kann, ist der etwas steifen Wiedergabe desselben Hirsches von Johann Georg Stockmar
künstlerisch weit überlegen .
Vermutlich hat Ridinger zur Darstellung des (in Kranichstein erhaltenen) Geweihes, wie beim Hirsch mit den drei Stangen, eine Zeichnung nach der Trophäe benutzt, die ihm aus Darmstadt zugesandt worden war (vgl. VI.10b) “
(Morét im Katalog Darmstadt).
Dises stumpf=ohrichte Haupt=Schwein mit gestuzter Ruthe welchem auf der Lincken seite der große Fang abgebrochen und auf der rechten das gewerff xweis gewachsen Haben Ihro Hoch=Fürstl: Durchl: der regierende Hr. Landgraff Ludewig (VIII.) zu Hessen Darmstatt vor 12. Jahren mit hoher Hand selbst die Ohren gestuzt und in dem 1749ten. Jahr den 18. Januar im Bessumer Forst (südlich von Darmstadt) angeschossen und den 30ten. dito im Allerheiligen Forst (nördlich von D.) gar erlegt. Kupfer-Druck-Platte im Gegensinn. Bezeichnet: J. E. Ridinger del. sculps. et excud. A. V. 1753., ansonsten wie vor.
„ Der (Packer) trägt einen etwas rätselhaften Maulkorb .
Die verwachsenen Zähne des Schweines , die gekürzten Ohren
und der Stummelschwanz sind deutlich zu sehen “
(Siebert-Weitz).
„ Im Gegensatz zu den meisten anderen von Ridinger publizierten Jagderfolgen Ludwigs VIII. hat sich zu diesem Blatt der Serie in der Kranichsteiner Sammlung kein weiteres Zeugnis erhalten “
(Morét).
Heranziehbar indes die Federzeichnung „Ein todtes wildes Schwein, worauf die Büchse liegt, daneben auf der Erderhöhung ein sitzender, an einem der Baumstämme angelegter Jagdhund, der es bewacht“ als Pos. 99 von „Johann Elias Ridinger’s Kunstnachlass in Handzeichnungen“ innerhalb des 1869er Weigel’schen Zeichnungskataloges. Hier indes ohne Büchse und frei sitzendem Rüden.
„ Erhaltene originale Druckplatten aus dem 18. Jahrhundert
sind eine große Seltenheit“
(Stefan Morét in Katalog Darmstadt SS. 62 f. Siehe auch die dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + SW-Abb. SS. 63 f.).
Im selben Sinne schon vorher Bernadette Schöller in „Der Kölner Graphikmarkt zur Zeit Wenzel Hollars“ innerhalb „Wenzel Hollar – Die Kölner Jahre“, hrsg. von Werner Schäfke, Köln 1992, S. 19:
„ Die Kupferplatten ,
die aufgrund ihres Materialwertes wie auch der darin investierten Arbeitszeiten
eine weit höhere Wertschätzung genossen
als etwa eine allzu oft achtlos behandelte Vorzeichnung … “
Wie denn auch anderwärts: „Der Nürnberger Verleger Frauenholz war so angetan von diesem Blatt, daß er die Platte für eine beträchtliche Summe von Reinhart (1761-1847) erwarb“ (Teeuwisse III [2007], 29).
Und ganz konkret Cornelis Koeman in Atlantes Neerlandici II (1969), SS. 138 + 345:
„ (Eines der dramatischsten Ereignisse in der frühen Geschichte der kommerziellen Kartographie in Amsterdam war der Verkauf von Jodocus Hondius Jr.’s Kupfer-Platten an Willem Jansz. Blaeu 1629, dem Jahr seines Todes. Wenigstens 34 Platten, von denen Jodocus II zu eigenem Nutzen Einzelkarten gedruckt hatte, wechselten in die Hände seines großen Konkurrenten. Unmittelbar darauf veranlaßten sein Bruder Henricus und [dessen Schwager] Joannes Janssonius das Stechen identischer Platten). “
Wobei das mitgeteilte Procedere dieses Auftrags einmal mehr
die ganze Werthaltigkeit von Kupfer-Druck-Platten
dokumentiert:
die Vergabe an zwei Stecher mittels notariellen Vertrags, der die Fertigstellung von nunmehr 36 Platten binnen 18 Monaten festschrieb, gearbeitet „(akkurat und fein, ja, feiner und besser und qualitativ nicht schlechter als die an die Stecher gegebenen Karten)“. Die Auftraggeber trugen die Kosten für das Kupfer und dessen Polieren und zahlten für das Stechen selbst 100 Gulden pro Platte bei Vorauszahlung von 500 Gulden hinsichtlich zu entlohnender Arbeiter. Betreffend offenbar praxisnaher Hinzuziehung selbständiger Aushilfsstecher wurde den Auftraggebern untersagt, mit solchen namentlich genannten – insgesamt sieben, von denen zwei gleichwohl ausgenommen wurden – und etwaigen sonstigen weiteren Beschäftigten während der Laufzeit selbständige Geschäfte zu tätigen. Im Falle vorzeitigen Todes des einen, offenbar auf das Schriftstechen spezialisierten, der beiden Auftragnehmer stand es dem anderen bei Fehlen eines guten Schriftstechers frei, den Vertrag zu beenden oder allein fortzusetzen. Im Falle vorzeitigen Todes des anderen war lediglich die Lieferfrist angemessen zu verlängern.
Indem wir uns diese aufschlußreichen Details vergegenwärtigen, gewinnen die Platten zwangsläufig an zusätzlicher Intimität. Erzählend von Zwängen und Zeitnot, taten Mitspieler einen wirtschaftlich bedrohlich werden könnenden unerwarteten Schachzug, wobei Lieferfrist und ins Auge gefaßte Anzahl der Stecher schlagartig den Vorsprung der Konkurrenz illustrieren. Und eben den oben schon seitens Bernadette Schöller’s mitangesprochenen reinen Arbeitswert einer solchen Platte, hier potenziert um den Genauigkeitsgrad einer Kartenübertragung mit ihren, nicht zuletzt und speziell, siehe oben, unendlich vielen Lokalbezeichnungen! Wie gesagt, fürwahr dramatisch.
Dabei anstehendenfalls, wohlgemerkt, gleichwohl doch immer nur Reproduktions-Platten betreffend. Welch künstlerischer und damit zeitloser Faktor denn erst dort wertbestimmend, wo das Genie des Künstlers selbst die Linien zieht, die Nadel führt, die Intensität des Ätzens dort verstärkt und hier zurücknimmt und dem Kupfer die eigene Vision aufzwingt! Hier + heute denn solchermaßen Ridinger-Platten!
Daß anstehende
vom Meister eigenhändig allein gearbeitet sind ,
sei eigens erwähnt. So, wie denn auch entsprechend obiger Signaturen dokumentiert. – Die ursprüngliche Numerierung „57“ + „58“ indes nach ihrer Entfernung für eine um 1824/25 anders zusammengestellte Neuausgabe erst gelegentlich einer späteren neuen Gesamtausgabe wiederhergestellt.
Mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt ,
sind die Kupferdruckplatten im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig. Angeboten und verkauft werden sie indes als Kunstwerke und Sammlungsstücke im Sinne des ermäßigten MwSt.-Satzes, also unbeschadet ihrer schlußendlichen Druckqualität. – Kurz ,
ein denkbar erfreuendes , weltweit unikates Absolutum .
Ihnen angetragen mit der Empfehlung einer zeitlos-eleganten rahmenfreien Hängung (Vorrichtung anbei) , um Sie der jeweiligen Licht-Reflexe am schönsten teilhaftig werden zu lassen .
Und was sagten private Ridinger-Platten-Erwerber generell ?
„ … haben Sie mich überrascht “,
so ein Vorsitzender Richter i. R. und zwei dieser Zimelien erstehend,
von denen er auch Abzüge machen ließ
(siehe Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, I.10 + I.12).
„ Ich möchte mich bei Ihnen bedanken,
die Platten sind schöner , als ich erwartet hatte,
ich übernehme beide , gar keine Frage “,
so ein Unternehmer, der zwischenzeitlich drei weitere erwarb.
„ … and I know the plate will only gain in value “,
so ein amerikanischer Erwerber.
Und die Kunstsammlungen Augsburg präsentierten 2001 den erworbenen 12er Satz zur Paradies-Folge
innerhalb der Ausstellung „KUNSTREICH“ als den bedeutenden Erwerbungen des letzten Jahrzehnts
(Katalog KUNSTREICH Nr. 102, SS. 198-201).
All obigen Fakten schlußendlich einen an Hand der beigezogenen Blaeu’schen Karten-Platten möglichen Wertevergleich einst + jetzt zur Seite zu stellen, erweist sich als ebenso interessant wie aufschlußreich:
100 Gulden (in den nördl. Niederlanden kamen im 17./18. Jhdt. auf den Gulden 20 Stuiver, auf den Stuiver 16 Pfennige) zahlten Hondius-Janssonius besagtermaßen 1630 zusätzlich zu Materialwert + Aufbereitung für den Stich jeder einzelnen Karten-Platte. Demgegenüber betrug der Verlagspreis für Joan Blaeu’s rund 600 (sic!) Karten umfassenden 12- bzw. 11bändigen Atlas Maior aus den 1660ern – Le Grande Atlas als das herausragendste Atlas-Ereignis aller Zeiten, erschienen in einer Gesamtauflage von etwa knapp 1000 Exemplaren – 1670 für die grenzkolor. Standardausgabe in verziertem Pergament nur ganze 450 bzw. 430 Gulden! Gleichwohl zwangsläufig nur „für einen kleinen Käuferkreis bestimmt … (für das) Repräsentationsbedürfnis reicher Handelsherren und Reeder“. Denn ein normaler Tageslohn betrug in gedachter Zeitspanne auf dem platten Land im Westen rund 1 Gulden, im Süden + Osten nur zwischen ½ + 1 Gulden. Für Fachkräfte etwas mehr, für Knechte etwas weniger. Und in den Städten etwa das Doppelte.
Für die frühen 1970er bezifferte Traudl Seifert, seinerzeitige Leiterin der Kartenabteilung der Münchner Staatsbibliothek, für den Atlas Maior der Standardausführung einen Antiquariatspreis von etwa 150 Tausend DM. Auf 1984er Auktion wurde für einen auf 250 Tausend geschätzten 11bändigen solchen bei 5 fehlenden Karten ein Endpreis von 347700 DM bezahlt. Eine Steigerung ab Erscheinen vor 300 Jahren auf 80760%. Die ihrerseits schon wieder zwei Jahrzehnte zurückliegen!
Analog hierzu würden sich die 100 Gulden Stichkosten pro Platte von 1630 bei unverbindlich unterstellter und grobrechnender Gleichsetzung zur DM per 1984 um eben das 807fache auf 80760 DM oder 41292 EUR vervielfacht haben. Dabei, gewiß, aber nur, ausschließlich handwerkliches Können voraussetzend.
(Basierend auf Koeman, wie oben; Traudl Seifert, Der Atlas major des Joan Blaeu, in Börsenblatt für den Dt. Buchhandel, Frankfurter Ausgabe, vom 25. 2. 1975; sowie statistischen Quellen.)
Und so ist das Elitärste vielfach noch immer das Preiswerteste .
Angebots-Nr. 15.219 / Preis auf Anfrage
– samt besagter rahmungsfreier Hängungs-Vorrichtung –
Joseph Georg Wintter (1751 München 1789). 4 Blatt auf 2. Radierungen. (1777.) Blatt 3 bezeichnet: Wintter ex Monachi . 10,3-10,6 x 12,7-12,8 cm. – Niemeyer 15-18, II; Nagler 10, 1-4.
 
Die schönen Pendants
 
der 6blätterigen stimmungsreichen frühen Suite
in breitrandigen Abdrucken auf schwerem Papier der frühestens 1821 erschienenen 44blätt. Augsburger Sammelausgabe Schwerdt III, 190, a ( „Rare“ ), deren herrliche Druckqualitäten die kleinen Auflagen verraten und Schwerdt irrtümlich vielfach auf Probedrucke vor der Schrift schließen ließ. Doch schon gelegentlich der 137blätt. Komplettausgabe Weigel 21336 konstatierte dieser 1857: „Die meisten Blätter sehr selten.“
Seine „Radierungen sind trefflich und stehen in der Behandlung zwischen jenen von Hollar und Riedinger. Im Jahre 1784 wurde W. churf. Hof- und Jagdkupferstecher“ (Nagler, im 1863er Bd. III, Nr. 68, des Monogramm.-Lexikons seinerseits auf die Seltenheit dieser schönen Blätter hinweisend). – Leicht randstockig.
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Ländlicher Bierschank

nichts stimmt anschließend behaglicher
George Morland (1763 London 1804). Inside of a Country Ale House.
In Farben gedrucktes Schabkunstblatt von William Ward I (1766 London 1826). 1797. Signiert, datiert, bezeichnet. Blattgröße 44,5 x 54,9 cm.
Richardson S. 153; Morland-Graphik-Slg. des Brit. Mus. Abt. 2, Mappe VIII, 32 ( „fine“ ); Mellon, Prints, 24. – Nicht im Ward-Verzeichnis bei Nagler.
Innerhalb des breiten weißen Plattenrandes geschnitten. – Abdruck von der schon genutzten Platte, wie bei der auflagenmäßig unergiebigen Schabkunst vielfach hinzunehmen. – Ober- und linker Seitenrand mit Montagestreifen früherer Rahmung.
Die Arbeiten William Wards ( „einer der besten englischen Mezzotintostecher“ , Maedebach 1975 in Kat. 5 der Kunstslgen. der Veste Coburg), des Schwagers, zeichnen sich durch besondere Naturtreue aus. Ganz unter dem Einfluß des letzteren stehend, wurden es seine besten Blätter. Und unter diesen vor allem die der anmutigen ländlichen Szenen.
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WAIDMANNSRUH

Gut erzogen
Holzstich von Jules Huyot (Toulouse 1841 – Paris nach 1885) nach T. E. Lory. (1873.) Bezeichnet: T E Lory / Huyot, ansonsten wie vor. 14,2 x 21,2 cm.
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Warten ihrerseits auf Strecke

Johann Elias Ridinger
Ulm 1698 – Augsburg 1767
Mit schwarzer Feder eingefaßte, partiell gewischte schwarze Kreidezeichnung
mit leichter graubrauner Lavierung
Unten Mitte in ausgespartem Papierfeld mit brauner Feder bezeichnet:
Johann Elias Ridinger del A. 1744.
293-300 x 260 mm. – Um einen Vogel reichere Vorarbeit zu
Th. 273 gleichen Jahres – Blatt 31 der „Wundersamsten“ – und von diesem im Vorspann zur Gruppe der (Raub-)Vögel, 755-758 + 759-762, aus 1763 bzw. 1749 wie folgt kommentiert :
„ Sie sehen wie Adler aus, obgleich Ridinger sie nicht gerade als solche bezeichnet, aber es lässt sich nicht bestimmen, zu welchen Arten sie gehören. “
Wie stark Ridinger das Thema beschäftigte ,
zeigt der von Thienemann unter VI, z + aa (S. 278) dokumentierte Block von zusätzlich 17 (!) ungestochen gebliebenen Arbeiten zu 755-762. Im Gegensatz hierzu ist ihm zum vorab für die Folge der „Vorstellung der Wundersamsten Hirsche und anderer Thiere“ (spätestens ab 1735, abgeschlossen 1768) geschaffenen anstehenden 1744er Motiv 273 kein zeichnerischer Beleg bekanntgeworden (siehe III, n, S. 276, sodaß diesbezüglich also auch nicht XII, 15, S. 284, mit ihren u. a. „acht Blatt verschiedene Vögel, in landschaftlichen Umgebungen, oder einzeln, auch Gruppen“ heranziehbar ist, dieser weitere Block aber seinerseits die Intensität der Beschäftigung mit diesem seitens der Literatur bislang nur marginal gewerteten Thema belegt).
Auch der 95blätterige Faber-Castell’sche Zeichnungs-Corpus förderte 1958 unter den 80 Johann Elias zugehörigen Arbeiten zu Th. 273 nichts zu Tage. Außerhalb desselben figurierte gleichen Jahres gleichwohl eine unbezeichnet gebliebene Bleistiftzeichnung als Vorzeichnung am Markt. Jahrzehnte später dann tauchte 1996 eine vorbildgetreue spiegelbildliche und neben der Signatur als „retouchiert“ bezeichnete Wiederholungszeichnung aus 1750 (Bleistift mit schwarzer Kreide und Tuschfederüberarbeitung nebst -einfassungslinie, Wz. „VI“) auf, nachdem schon 1993 eine Sechs-Adler-Zeichnung aus 1750 (Tusche, Bleistift + Feder) im Handel war. Alle diese Arbeiten gleich der hiesigen im Bildformat der Radierung.
Entsprechend gründet der Rang hiesiger Arbeit namentlich auf zweierlei Fakten :
Zum einen ist sie nach hiesiger derzeitiger Kenntnis von ohnehin nur allenfalls zwei Vorarbeiten
die einzige signierte + datumgestützte zu Th. 273 !
Sodann, und dies macht ihren ganz besonderen sammlerischen Charme aus ,
weicht sie noch sichtbar vom Endprodukt gleichen Jahres ab !
Der Meister war mit sich selbst noch nicht im klaren! – Siehe auch die beiden 1741er Arbeiten mit Uhu, Falke + Reiher bei Weigel, Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen, 1869, Ridinger-Appendix Nrn. 354/55, davon letztere als „Schwarze Kreide unterwischt, kl. f.“, mit dem Bemerken
„ gehören zu einer Folge unter den Adlern “,
mit denen sich Ridinger eben bemerkenswert intensiv auseinandergesetzt hat.
Auf chamoisfarbenem Bütten, wie schon die früher hier durchgelaufene Vorzeichnung zur 20. Fabel jener Jahre, hier mit Wz. Große Lilie über Straßburger Wappen. Die Signatur unterhalb der von feinem Rändchen begleiteten Bildeinfassung freigeschnitten, wie nicht untypisch für Ridinger. Einige wenige, kaum sichtbare Braunstippen, sonst bestens.
Angebots-Nr. 28.484 / Preis auf Anfrage
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(Mrs. G. H., June 19, 2006)
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