jeden Monat neu – jeden Monat etwas anderes
— Oktober 2007 —
hippologische

Georg Philipp Rugendas d. Ä. Federzeichnung. 1703
zeichnerische
Hendrik Verschuring
Gorkum 1627 – bei Dordrecht 1690
Georg Philipp Rugendas d. Ä.
1666 Augsburg 1742
Ulm 1698 – Augsburg 1767
u n i k a t e
Rugendas’sche Reiter-Skizze
unerhört fühlbarer Bewegungs-Rasanz
aus „ der berühmten Leipziger Handzeichnungs-Sammlung Heinrich Campes “
„ Handzeichnungen stehen nach wie vor in dem Ruf , die Domäne der aufgeklärten Kenner und Liebhaber zu sein “ (FAZ 4. April 1992).
Rugendas d. Ä., Georg Philipp (1666 Augsburg 1742). Drei Reiter. Zwei galoppierend, der linke im Schritt. Federzeichnung in Schwarz über Bleistift. Unten rechts kursiv mit schwarzer Feder bezeichnet: G. P. R. 1703. 121 x 173 mm.
Provenienz
Heinrich Wilhelm Campe , Leipzig ,
dessen Erbteilung 1863 ,
mit dessen ovalem Blindstempel HWC unten links (Lugt 1391)
Pauline Brockhaus, Leipzig, oder Luise Vieweg , Braunschweig , als geb. Campe
Nagler, Monogramm., III, 279: „Die Cursiven findet man auf Zeichnungen“. – Altmontiert. – Aufgelegt auf großen braunen Sammlungskarton (43,4 x 32,5 cm) mit weißer Einfassungslinie + breitem Prägerand mit Inschrift „Sammlung Campe“, unten „Georg Philipp Rugendas / Augsburg 27. XI 1666 - 19. V. 1742 / Schüler von I. Fischer (recte Fisches) / Berühmter Schlachtenmaler.“, alles in etwas ausgeblaßtem Weiß. – Überwiegend im weißen Feld schwach stockstippig, gänzlich überspielt von der Bildrasanz.
Aus dem für Augsburg so entscheidenden kriegerischen Jahr 1703
innerhalb des Spanischen Erbfolgekrieges mit namentlich seiner Belagerung + Besetzung durch die franz.-bayer. Truppen (15. 12. 1703 – 16. 8. 1704). „Im Laufe dieser Belagerung bewies Rugendas den Muth und die Unerschrockenheit des Kriegers; den Gefahren trotzend wagte er es in der Nähe zu sehen, was er bisher nur aus seiner Phantasie schöpfte“ (Nagler 1845 im Künstler-Lexicon). Entsprechend vorwärtsstürmend der Gestus der beiden Galopper, dessen Linker zudem mit Gewehr.
Diese sich unerhört mitteilende Bewegungs-Rasanz der beiden letzteren zusätzlich gesteigert von dem vergleichsweise ruhigen Linksaußen als Gegenpol. Gänzlich unprätentiös daherkommend, offenbart diese von Campe seiner Sammlung für würdig erachtete Skizze schlagartig „den großen Zeichner Rugendas“, der sich
„ seines Könnens auf dem Gebiet der Pferdezeichnung
unendlich sicher gewesen sein (muß) “,
so Gode Krämer im 1998er Augsburger Rugendas-Katalog angesichts einer Fülle von Detail-Studien, bei denen „niemals Pferde unter den Reitern sind“ (SS. 27 ff.).
Und Anke Ch. Held in ihrem den Ölen + ausgewählten Zeichnungen geltenden 1996er Œuvre-Katalog:
„ Schwierig darzustellende Bewegungen , etwa (wie hier) von Reitern im Sturmangriff werden mit photographischer Genauigkeit erfaßt“ (Seite 121).
Qualifizierungen, uneingeschränkt bestätigend, was hundert Jahre früher Wilhelm Schmidt resümieren ließ
„ ohne Zweifel ein Talent ersten Ranges, um nicht zu sagen, ein Genie. Zweifellos, unter bessere Verhältnisse gesetzt, etwa in den Niederlanden um 1650 lebend, ein Künstler … der seine
sämmtlichen Pferde- und Schlachtenconcurrenten überflügelt hätte “
(ADB XXIX [1889], Seite 600).
Wie schon Meusel 1803 in seiner „Lebensgeschichte des Bataillenmalers Georg Philipp Rugendas“ konstatierte, dessen Kupferstiche seien „ein wahres Lexikon für den Pferdezeichner“ (nach Held, S. 126).
Und fürs unmittelbare 18. Jahrhundert mag das drastische résumé des Malerkollegen Ferdinand Kobell aus 1771 stehen, mit dem er das Augsburger Künstlertum der Vorgeneration beispielgebend differenzierte:
„ nur schade , daß in einem solchen Orth
ein Ridinger – und Rugendas gelebet haben “
(Decultot und andere Hrsg., Joh. Gg. Wille, Briefwechsel, Tübingen 1999, S. 486).
Hiesige Ausführung in schwarzer Feder über Stift vom Standard der früheren Zeit : „Grundsätzlich liegt unter der exakten Zeichnung in Feder mit schwarzer, später auch brauner Tusche eine ebenso exakte, doch leicht neben der Federausführung liegende Kreidevorzeichnung …“ (Krämer, a. a. O., S. 32/II).
Dieser Zeichnung schließlich mit generationenübergreifender Campe’scher Provenienz zu begegnen, ist ein i-Punkt für sich. Denn den aus Deensen an der Weser gebürtigen Kaufmann und Bayerischen Generalkonsul Heinrich Wilhelm Campe (1770-1862) garniert ein familiärer Flor verlegerischer, buchhändlerischer und pädagogischer Importanz. Verzweigt in Hamburg, Braunschweig und Nürnberg, zensurkampferprobte Verleger von Heine und junger deutscher Literatur, Teilnehmer an Theodor Körners Beerdigung. Und mittels zweier seiner drei Töchter schrieb er seinerseits Verlagsgeschichte vom Feinsten. Sie wurden Madame Brockhaus + Madame Vieweg.
Und während die Gemälde der Sammlung im Mai 1863 in Dresden versteigert wurden – eine Erstkollektion von 470 Ölen + 1300 Zeichnungen hatte 1827 einen finanziellen Engpaß beheben müssen – wurden die Zeichnungen unter die Töchter aufgeteilt. Wobei der Bestand der mit dem Mediziner Prof. Hasse verehelichten dritten Tochter Sophie dank intensiv fortlebender Sammeltätigkeit den längsten Atem hatte und erst 1930 mit der Sammlung Ehlers und per Zufall Resten des Vieweg’schen Anteils zur Auflösung gelangte. Darunter fünf Arbeiten des älteren Georg Philipp Rugendas, doch nicht die hiesige. Entstanden aus kriegerischem Erleben, überstand sie zahlreiche weitere Attacken gleicher Couleur und
passiert mit ihren 300 Jahren nun hier und heute ein weiteres Mal den Markt
bei zwischenzeitlichem Verweilen in der alten „berühmten Leipziger Handzeichnungs-Sammlung Heinrich Campes“.
Angebots-Nr. 15.180 / Preis auf Anfrage
Ausritt mit dem großen Pferde-Rugendas
 
Zwei seltenste zeichnerische Gegenstücke
der Spätzeit
bislang unerkannt geblieben für ihre Stellung im Œuvre
Rugendas d. Ä., Georg Philipp (1666 Augsburg 1742). Sammeln zum Ausritt. Zwei große Gesellschaften in Aufbruchsbewegung. Zwei Pinselzeichnungen in differenziertem Grau bis Braun über Bleistift. Nicht vor 1730 . 190-193 x 237-238 mm.
Auf getöntem leichten HONIG-Bütten, davon eines mit der angeschnittenen Wortmarke C & I HONIG wie seit 1730 im Verkehr und von Rugendas auch für seine aus dem Nachlaß überlieferte Augsburger spektakuläre signierte 1738er zeichnerische „Reiterschlacht vor einer Festung“ benutzt (Biedermann, Meisterzeichnungen des Dt. Barock, Augsburg 1987, Nr. 173 + Rugendas-Katalog Augsburg, 1998, Abb. 22), dort zusätzlich mit Lilien-Wappen und der für den franz. Partner Jean Villedary (dessen Eigenmarke „IV ILLEDARY“ auf hiesiger 1736er Zeichnung des jüngeren Georg Philipp) stehenden Gegenmarke IV.
Rückseits unten links alt in Bister mit 191/92 numeriert, doch wohl kaum einem Skizzenbuch entstammend („Alle Zeichnungen [in Augsburg] stammen aus aufgelösten Skizzenbüchern“, Held, Gg. Ph. Rugendas, 1996, S. 121, wie nach des Brasilianers Johann Moriz’ Tod mit dem Familiennachlaß 1855 nach dort gelangt), wenngleich formatmäßig mit solchen korrespondierend als Gode Krämer hierfür namentlich zwei offenbare Rugendas’sche Standardformate von ca. 18 x 25 bzw. ca. 20 x 33 cm mitteilt (a. a. Rugendas-Katalog S. 27). Als durchweg und vielfach beidseitige ledigliche Detailstudien kommen sie überdies nicht in Betracht, auch fehlt jenen Blättern jegliche frühere Numerierung.
Der vom Wasserzeichen vorgegebene zeitliche Aspekt hingegen
bereichert den Bildreichtum anstehender Pendants
um einen Seltenheitsfaktor von Graden .
Denn nach Krämer gilt die „Tatsache, daß sich außer dem Berliner Konvolut (von mit der Schabblattproduktion in Verbindung stehenden Rötelzeichnungen), einiger kleinerer und großer Zeichnungen für große Thesenblätter und ihnen ähnlicher Vorzeichnungen zu Fürstenporträts
praktisch keine Zeichnungen nach 1720 gefunden
haben; und vor allem aus dem Fehlen jeglicher zeichnerischer Vorbereitung zu den ab 1735 wieder begonnenen Gemälden“. Mit Ausnahme eben obiger Reiterschlacht als „Ganz am Ende seines zeichnerischen Werks (stehend) … durch Signatur und Datierung 1738 gesichert“ (a. a. O., S. 34/III).
Aber auch „Kompositionsstudien – und eben um solche handelt es sich hier – haben sich nicht sehr viele erhalten und keine die mit einer späteren Ausführung direkt zu verbinden ist“, so Gode Krämer zuvor abschließend zur Gruppe kleiner Skizzen von Gestalten und Teilen von Gestalten in Kreide und Bleistift (S. 28/I) und wie letzteres offenbar auch auf hiesiges Paar zutrifft. Dennoch sind Rückgriffe auf frühere Arbeiten unverkennbar.
So begegnen wir den beiden geradeaus orientierten Reitern mittig der nach rechts agierenden fünfköpfigen Hauptgruppe des ersten Blattes bereits im Eingangsblatt (Teuscher 31 nebst Abb.; 24,5 x 39,5 cm) der 1705er Folge von „Szenen aus der Belagerung der Stadt Augsburg“, wo die entscheidende Frontfigur – wie als solche denn auch hier – ein Ordre erteilender General der Belagerungstruppen ist, dem der Angesprochene per entblößtem Haupt seinen Respekt bekundet. Nichts mehr davon hier, auch des letzteren Pferdestellung in nunmehr seitwärts verselbständigt. Und nur auf der Zeichnung ist diesem ein weiterer Reiter rechtwinklig zur Linken plaziert. Und diese rechtwinklige Zweierkombination korrespondiert ihrerseits mit den beiden Reitern auf dem Schulblatt Teuscher 296, denen ein Bereuter einen den Schritt übenden Prüfling vorführt.
Der auf dem Belagerungsblatt schließlich rechts neben dem General plazierte Reiter erscheint auf der Zeichnung seitlich versetzt rechts hinter diesem, beide Male ziemlich, doch unterschiedlich, verdeckt. So ist er auf der Radierung erst ab Brusthöhe, auf der Zeichnung schon ab Sitzhöhe sichtbar. Sein Pferd dagegen dort mit nahezu vollständigem Kopf + Vorderteil bis Bauchhöhe, hier hingegen verdeckt bis kurz unter Mähnenansatz.
Die auch zeichnerisch distanziert behandelte zurückgesetzte dreiköpfige Gruppe des rechten Bildfeldes nur ansatzweise an die entsprechend plazierten berittenen beiden Offiziere der Graphik erinnernd. Deren hügeliger Hintergrund mit der Silhouette Augsburgs hier nur per simpler Lavierung als bildtechnische und zudem höhere Nahkulisse.
Generell folgt der Bildaufbau denkbar unterschiedlichen Vorgaben. Dort die von unmittelbarem Troß begleitete Hauptgruppe als Bildmitte vor Belagerungsring vor der teilbrennenden Stadt. Hier eine linksseitig bestimmte ausschnitthafte Bildfülle einer miteinander plaudernden vornehmen Gesellschaft nebst zivilem Gefolge vor unmittelbarem Aufbruch, wie seitens der Pferde spürbar vermittelt. Zwischen den Szenerien einst + jetzt liegt eine ganze Generation.
Die zweite der Zeichnungen bietet sich in ihrer optischen Bezogenheit auf die erste in Komposition, Technik, Format und Papier als Gegenstück an, gestützt auch von der rückseitigen Numerierung. Vor allem aber dominiert sie derselbe „General“, hier aber im Schritt nach links geradeaus und solchermaßen mit sichtbarem Degen. Mangels linksseitiger Nachbarschaft blickt er in die dortige Ferne. Und konträr zu dem einen Schecken reitenden General der Belagerungs-Radierung hier denn
Wouwerman zitierend auf beiden Blättern auf einem Schimmel
als Dominanzmerkmal. Rechtwinklig seitlich zu ihm eine Dame im Damensitz, deren ausgestreckte Linke, aber auch nur diese, die auf einem Maultier reitende Marketenderin der Belagerungs-Radierung Teuscher 35 zitiert. Und ganz marginal erinnert die ausgestreckte Rechte des Reiters linksaußen an jene des linken Reiters auf Teuscher 32.
Nach hiesigem Kenntnisstand, dem sich nach Fotoansicht Dr. Krämer, Kustos em. der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg und Kurator obiger 1998er Rugendas-Ausstellung, per mündlicher Äußerung zugleich mit dem Hinweis anschloß, daß, wie hier, die nah und groß gesehene Gruppe auch ein Charakteristikum der späten Öle sei, handelt es sich nach allem Obigen um
zwei jener seltenen autonomen Zeichnungen
 
des Meister’s im Sinne der Literatur
So erinnert Frau Held (a. a. O., S. 127) an teilweise nur aus zeitgenössischen Nachstichen bekannte kompositions- und formatgleiche Pferde-Paare von Ende der 1690er, deren sorgfältige Ausführung, namentlich auch in puncto Lavierung und „durch Schatten und Linien angedeutet(e Bodenzonen)“ – letztere der hiesigen Zeichnungen in großem Reichtum behandelt – die Annahme autonomer Arbeiten nahelege.
Dazu Gode Krämer a. a. O., Seite 26/I:
„ … gibt es nur wenige autonome Zeichnungen von ihm .
Nahezu sein gesamtes zeichnerisches Werk ist gleichsam dienend, besteht aus Studien, Skizzen, Umzeichnungen, eigenhändigen Nachzeichnungen und Reinzeichnungen, die eigene Gemälde, Radierungen und Schabkunstblätter oder graphische Werke anderer Künstler vorbereiten. “
Und wenn Held hinsichtlich der Qualität seiner Malerei „seiner schon früh ausgeprägten Begabung für
sanfte , atmosphärische Stimmungen ,
die den (dortigen) martialischen Gehalt seiner Bildinhalte mildert“ (S. 142) gedenkt, so bestimmt eben auch anstehende Zeichnungen
die Weichheit ihrer Pinseltechnik ,
mit Bedacht noch potenziert durch den tonigen Papiergrund. Letzterer denn auch die zumal rückseitige Bräunung von etwa 4 cm des jeweils rechten Bildrandes sowie beim zweiten Blatt 3 cm am Unterrand bildseits zu einem gut Teil auffängt und als nicht ungebührliche Patina dreier bewegter Jahrhunderte vermittelt. Im übrigen von makellos letzter Frische.
Daß diese Rugendasse zudem zivilen Bildinhalts sind, macht sie dem heutigen Pferdefreund zwangsläufig zusätzlich (sonnenabgewandt!) wandtüchtig und dem Sammler angesichts zeitbedingt mehrheitlich kriegerischer Szenarien besonders begehrenswert. Denn, so Held, a. a. O., Seite 127:
„ Rugendas’ Interesse für Pferde ist … (eben) nicht nur durch die kriegerische Thematik seines Œuvre bedingt. Es ist auch Folge eines seit dem 16. Jahrhundert wachsenden hippologischen Interesses, das sich v. a. im 17. Jahrhundert in zahlreichen bebilderten Lehrbüchern zur ‚hohen Schule‘ manifestiert. Diese wurden mitunter von bekannten Schlachtenmalern wie z. B. Charles Parocell illustriert. “
Hier + heute denn
zwei „zivile“ zeichnerische Pendants von Rang und Schönheit .
Und jener für das zeichnerische Œuvre
oben belegten absoluten Seltenheit
die sie so kostbar macht.
Ohne Glas + Rahmen
Angebots-Nr. 15.181
Großformatige Zeichnung des Italienisanten Hendrik Verschuring
In seinen Pferden von Wouwerman beeinflußt
Rastende Falkoniere in der Campagna
Verschuring, Hendrik (Gorkum 1627 – bei Dordrecht 1690). Rastende Jäger, teils abgesessen, mit ihren Hunden vor der Schenke, vor der die Wirtsleute eine zweispännige Kutsche willkommen heißen. Einer der Jäger hat seinen Falken auf der Rechten und eilt zu Fuß links ab in die Landschaft, freudig erregt begleitet von seinem Hund. Aber auch der rückseits gezeigte Reiter vorn links dürfte einen Falken auf der Linken halten. Die als Horizontbegrenzung skizzenhaft angedeutete Bergkette wohl die römische Campagna lokalisierend. Lavierte Pinselzeichnung in verschiedenen Grautönen und etwas Schwarz über Spuren von schwarzer Kreide. Unten links mit dem grauen Pinsel bezeichnet: H. verschuring. f.. 250 x 348 mm.
Provenienz
Friedrich Quiring , Eberswalde
hier gar mit dessen beiden Stempeln
rechts unten bzw. auf beigefügter früherer Montage (Lugt 1041 b + c. Ersterer wurde bis 1920 benutzt, der andere ab 1921.
 
„ Sie figurieren nur auf den besseren Blättern “.
Auch in der Technik typische, bildmäßig durchgeführte Arbeit des in seinen Pferden von Ph. Wouwerman beeinflußten Meisters, dessen eigene Pferdezeichnung wiederum namentlich in Norddeutschland seine Nachfolger hatte (Gerson, Ausbreitung und Nachwirkung der holländ. Malerei des 17. Jhdts., 2. Aufl., Seite 220). Unverwechselbar aber auch in seinen Hunden und in der Leichtigkeit der Komposition.
Nach Houbraken schon als 8jähriger Schüler des nicht näher bekannten Dirk (?) Govaertsz in Gorkum, vielleicht auch Utrecht, dann dortselbst bei dem für seine italienischen Landschaften gerühmten Jan Both und von 1646-1654 selbst Italienisant:
„ Von den vielen Künstlern, auf die die Sonne Italiens geschienen hat, können hier nur die bekannteren genannt werden. In den vierziger Jahren begegnen wir in Rom … H. Verschuring …
Hendrik Verschuring blieb ungefähr zehn Jahre (1647/57) in Rom, und als er dann über Paris heimkehren wollte, traf er dort den Sohn des Bürgermeisters ‚Maarzeveen‘, der ihn zu einer zweiten Italienreise verleitete. So kamen noch drei Jahre hinzu “
(Gerson, a. a. O., Seite 165 f.).
Anschließend wieder in Gorkum, fand er in einem Seesturm bei Dordrecht sein Ende.
„ … fertigte eine Menge von Zeichnungen , … nach der Mehrzahl ausgetuscht … Diese Blätter sind sehr geistreich behandelt , und dienten dem Künstler als Studien für seine Gemälde “
(Nagler), in denen er in den Kleinformaten
„ mit Darstellungen von Pferden und Hunden

am meisten Erfolg (hatte) “
(L. J. Bol, Holländische Maler des 17. Jhdts. nahe den großen Meistern, 1969, S. 266).
Die mit dem Papierton korrespondierende meist nur feine Stockstippigkeit namentlich der Himmelspartie nur wenig störend. Im Passepartout-Unterrand die Künstlerbezeichnung in 23karätiger Goldprägung.

Die hiesige Signatur wie als typisch von Wurzbach II, 781 wiedergegeben
Ohne Glas + Rahmen
Angebots-Nr. 28.863 / Preis auf Anfrage
Einzigartig im Ridinger-Œuvre
Die intime Kabinett-Zeichnung der Sammlung Jolle
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Oberer Pferdekiefer eines alten Tieres, von der Unterseite gesehen. In Grau und Braun aquarellierte Graphitzeichnung. Links unten von alter Hand in Bister bezeichnet: Oberer Pferdekiefer. Ca. 1765. 257 x 145 mm.
Provenienz
Boguslav Jolle
Dresden und Wien , dessen ligierter Monogrammstempel in Blau
(Lugt 381a) in der unteren rechten Ecke,
vermutlich auf dessen Versteigerung
„ der berühmten Sammlung von Handzeichnungen und Aquarellen
alter und moderner Meister“ Mchn. 28.-31. Okt. 1895;
Hugo Helbing, München. Katalog XXXIV (1900),
Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, Nr. 1554.
Abbildung
WELTKUNST Jg. LXIV, Seite 2688 (redaktioneller Teil)
Voll durchgeführte Studie auf feinem, leicht getöntem Bütten mit großem Wz. Seilschwingender Akrobat auf Kugel, auf einem Podest balancierend, ähnlich Heawood 1364 + 1365, doch etwas größer und wesentlich feiner und detailreicher. Das Papier in sich im übrigen korrespondierend mit jenen holländischen Papieren, wie sie Ridinger entsprechend seiner Vorrede zu den Hauptfarben
„ wegen der feinen Illumination “ für die kolorierten Werke
verwandte, „weil es hiezu das anständigste und beste ist“.
Links von der Bezeichnung Spuren gelöschter Datums- oder Jahreszahl (…9?). – Unten rechts von alter Hand in Bleistift bezeichnet: Joh. Elias Riedinger (sic!) f. Rücksichtlich des „e“ möglicherweise von der Hand Jolle’s oder früher entsprechend der in der 1. Hälfte des 19. Jhdts. und noch darüber hinaus verbreiteten irrigen Schreibweise (siehe Thienemann S. X, Fußnote 1).
Verso Spuren früherer Montage punktweise an den Ecken und in schmalem Streifen im Mittelfeld der Seitenränder. Ein Stecknadelkopfkleines Löchlein sorgfältig durch alte Hinterlegung restauriert und bildseits kaum noch bemerkbar. Von absolut wohlverwahrter Frische. – Unter säurefreiem Passepartout mit 23,5karätig goldgeprägten Künstler-Daten.
Vergleichbares nicht in den von Thienemann beschriebenen
Weigel’schen Zeichnungsmappen
und auch nicht unter den zu 829 Nummern zusammengefaßten rund 1849 Arbeiten des Ridinger-Appendix des 1869er Weigel’schen Handzeichnungskatalogs. Ebenso fehlend in dem zu 146 Lots vereinigten 234blätt. Bestand der 1890 bei Wawra in Wien versteigerten „Schönen Sammlung von Handzeichnungen … Joh. El. Ridinger’s aus dem Besitz eines bekannten Sammlers“.
Einzig der legendäre, 95 Zeichnungen enthaltende Corpus der 1958 aufgelösten Gräflich Faber-Castell’schen Ridinger-Sammlung – größtenteils um 1830 direkt von den Erben Ridingers erworben und somit auch nicht durch Weigels Hände gegangen – enthielt eine mit 1718 datierte „Tierkiefer-Zeichnung“ als die zugleich dortige früheste. Solchermaßen thematisch im Ridinger-Œuvre nahezu beispiellose ,
voll durchgeführte anatomische Studie
von außerordentlichem künstlerischen und sammlerischen Reiz, erst im Alter wieder aufgreifend, was die 45 Jahre zurückliegende Jugend einst beschäftigte und nun formuliert sein wollte als
des Pferdekäufers erster Blick
Denn außer jenem nicht näher beschriebenen Kiefer Faber-Castell’s läßt sich im gesamten zeichnerischen wie auch graphischen Œuvre nichts nachweisen, was hinsichtlich Format und Detailreichtum vergleichsweise herangezogen werden könnte.
Die verschiedenen Teile und Partien des Kieferknochens auf bis 37 benummert
analog zu Vorzeichnungen für die Eingangsblätter der „Hauptfarben der Pferde“ bei evt. Überspringen der Ziffern 1, 3, 6, 8 + 29.
Die naturwissenschaftliche Thematik gerade dieses Blattes – weit mehr als bei den vorwiegend als künstlerische Übungen und Vorlagen aufzufassenden Studien der Zeichenbüchlein – ganz auf der Linie seines Bestrebens liegend, stets auch und vor allem Wissen zu vermitteln.
Wobei die Naturwissenschaften
ihm ganz besonders und mit den Jahren zunehmend
am Herzen gelegen haben, noch stärker als das Jagdliche. Angefangen beispielsweise bei den noch beidem dienenden Abbildungen der „Jagtbaren Thiere“ mit den Spuren in Lebensgröße im Unterrand und drei detaillierten Tafeln zu Gängen und Sprüngen nebst erklärendem Text hin zu den ungewöhnlichen Geweihbildungen und anderen Spielarten der Natur in den „Wundersamsten Hirschen“ und den vom Meister selbst als Krönung seines Schaffens angesehenen kolorierten Werken, dem „Thierreich“, den „Hauptfarben der Pferde“ sowie der in der zweiten Ausgabe koloriertem Folge der „Affen“, Th. 541-550.
Die Qualität hiesigen Papiers

für anstehende Zeichnung
eine Datierung auf um 1765
nahelegend, als die Arbeiten für die kolorierten Werke schon weit gediehen, also auch das holländische Papier beschafft war, das sich bei sonst keinem der Werke findet. Durchaus entsprechend die von Heawood für die oben ziterten Wasserzeichen angeführten Papiere, deren ersteres er als „Amsterdam, c. 1769“ anspricht, vorkommend bei I. Tirion’s Nieuwe Atlas, dessen Karten indes bereits von 1753 datieren. Das zweite in den Vorsätzen eines Ortelius-Atlasses im Britsh Museum und mit dem Zusatz ZOONEN ebenfalls in einem Ortelius der Royal Geographic Society. Darüberhinaus verweist Heawood auf ein sehr ähnliches, von Van der Ley um 1770 benutztes Wasserzeichen.
Boguslav Jolle begann bald nach 1870 mit dem Aufbau einer Zeichnungssammlung, die er auf zahlreichen Reisen im In- und Ausland über rund zwanzig Jahre hinweg ausbaute. Ein Großteil seiner deutschen Meisterzeichnungen übernahm er dabei aus der Collection A. J. Domela Nieuwenhuis (Lugt 356b). Im October 1895 kam seine Sammlung in insgesamt 1567 Positionen, darunter 692 alte Meister verschiedener Schulen, unter der Leitung Helbings in München unter den Hammer. Ob sich hiesiger Pferdekiefer darunter befand und von Helbing für den wohl schon absehbaren, 1900 erschienenen Spezialkatalog selbst übernommen oder zu einem späteren Zeitpunkt in seinen Besitz gelangte, hier derzeit nicht feststellbar. Alles in allem neben gedachtem 1718er Kiefer hier denn und heute sein
Pferde-Kiefer als ein absolutes Ridinger-Unikat .
Konkurrenzlos im überlieferten Œuvre , Kupfer wie Zeichnungen ,
ein ganz persönliches , delikates zeichnerisches Kabinettstück .
Ohne Glas + Rahmen
Angebots-Nr. 28.861 / Preis auf Anfrage
Der Ridinger
der den „Blauen Reiter“ inspirierte
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Das Trottiren. Weiträumiger Platz vor der Ruine eines einst stattlichen Anwesens mit einer Gruppe von vier Pferden und sechs Bereitern unter Aufsicht des Stallmeisters. Fein eingefaßte grau lavierte Bister-Federzeichnung. (1722.) 214 x 340 mm.
Die Ursprungszeichnung vor deren zwecks Plattenübertragung seitenverkehrter Umzeichnung zu Blatt 3 – Th. 608 – der ältesten, vom erst 24jährigen Ridinger noch nicht selbst gestochenen wundervollen Reitschule des Meisters als herrlicher Beleg dessen in frühesten Jahren bereits vollkommenen Stils, wie schon verschiedentlich an Hand anderer Frühwerke konstatiert.
So Nebehay 88,2 zur 1721er Zeichnung zu Th. 1: „Daher ist diese Zeichnung für die Kenntnis seines bereits perfekten Stils in jungen Jahren von Bedeutung.“ Und generell Thienemann hinsichtlich der nicht vor 1719 anzusetzenden Rückkehr von dem dreijährigen Aufenthalt bei Baron/Graf Metternich in Regensburg: „… dass alle Kenner … seine erlangte Geschicklichkeit und Stärke sowohl in Historien- als Tierstücken bewunderten.“ Wie solches immer nur großer Kunst eigen. Denn
„ In der Kunst ist großes Format von Anfang an in seiner Vollkommenheit da .

Auch die ersten Werke eines Künstlers haben dieses Format
schon in sich , in ihrer Eigenart , in ihrer vollkommenen Gestalt . Da ist nichts von jener Entwicklung des Künstlers , von der so viel geredet wird .
Es gibt keine Entwicklung des großen Formats in der Kunst “
(Gershom Scholem 1958 in seiner Laudatio auf Samuel Josef Agnon, zitiert nach Itta Shedletzky in der FAZ vom 7. März 2007).
Gestochen wurde die 23blätterige Folge von Johann Daniel Hertz und Johann Balthasar Probst für Jeremias Wolff, alle in Augsburg, bei dem sie 1722 erschien. Signatur und Datierung der zeichnerischen Ursprungsfolge, von der hiermit 18 Blätter als überliefert bekannt sind, nur auf der hier nicht präsenten Titelzeichnung: JOH: ELIAS: RIDINGER: invenit et delineavit Anno 1722. Art und Form der Bezeichnung weitgehend korrespondierend mit der auf seiner hiesigen Alexander-Zeichnung von 1723.
Hier nun in dominierender Zeichnung vorn rechts das an der Longe geführte trottierende Tier, im Stich unterschrieben mit „In vilem stimmt der Schritt …“. Und zu entsprechendem Sujet der Kleinen Reitschule (Blatt 3):
„ Das Trottiren von einem jungen Pferd an der Corden, welches nothwendig ist, um ein junges Pferd den gestreckten Trott, als das Fundament aller folgenden Schulen zu lehren. “
Während zur Linken ein Reiter sein vom Burschen gehaltenes Pferd erst noch besteigt, trainiert bei gutem Durchblick im Mittelgrund jenseits der Longe der einzige aufsitzende schon das seine.
Und eben dessen Detail-Ausschnitt

diente dem 33jährigen Franz Marc
für seinen Holzschnitt
„Reitschule nach Ridinger“
von 1913 (Lankheit 839, 27 x 29,3 cm).
Von Marc geschaffen im Jahr des „Turms der Blauen Pferde“ als einer der Ikonen der Moderne, „das reichste (Jahr seines) Schaffen(s)“ (Christian von Holst). Und zusammen mit dem gleichzeitigen Holzschnitt „Löwenjagd nach Delacroix“ steht die Arbeit für jenen Zeitpunkt, von dem
„ wohl von einem buchstäblichen Einzug des Reiters in das Œuvre von Marc (zu) sprechen (ist) … Die … (von) Marc durch eine abstrahierende Einfühlung in das Pferd und die übrige Tierwelt (immer wieder angestrebte) Animalisierung der Kunst … kippt nun mehrfach um
in die Wiederbelebung der Einheit von Ross und Reiter
… Er selbst präsentierte sich in einer Postkarte an Else Lasker-Schüler 1912 als ‚Blauer Reiter‘, der neben beziehungsweise hinter seinem Pferd steht und farblich mit ihm zu einer Einheit verschmilzt (aus hiesiger Sicht ein Vorgriff auf die „kraftvoll rhythmisierte Darstellung“ der „Reitszene nach Ridinger“) … Der Hund unten rechts (auf letzterer), der den Betrachter eher an eine Jagdszene erinnern mag, verdankt sich … ebenfalls der ‚Reit-Kunst‘ Ridingers (vgl. entsprechende Hunde auf den Blättern 5, 18 und 22). Er blickt zurück, als wolle er schauen, wo sein Herr, der Reiter, bleibt. Eine spannungsvolle Aufbruchsstimmung prägt das Geschehen,
das aus Ridingers Hintergrundfigur des Reiters
den eigentlichen Protagonisten macht .
Der Reiter und das Pferd bilden in ihrem extremen Bewegungsimpuls eine Einheit. Obgleich
Marc mit Ridinger einen Spezialisten des dressierten Pferdes rezipiert ,
geht es ihm nicht um eine artifizielle Mensch-Tier-Symbiose, die sich besonders in der Schulung des Pferdes in den künstlichen Gangarten artikuliert “
(Andreas Schalhorn). Und
„ Aufschlussreich , dass Marc bei seiner sehr vertrauten Kenntnis der Kunstgeschichte
sich gerade diesen Meistern der Pferdedarstellung (Delacroix und Ridinger)
des 19. beziehungsweise 18. Jahrhunderts als Vorbildern zuwendet “
(von Holst).
Womit es bezüglich Ridinger’s aber keineswegs sein Bewenden hat. Denn schon sein zwei Jahre zuvor, 1911, entstandes Öl „Spielende Wiesel“ – Hoberg-Janssen 144 nebst Abbildung – verrät die Kenntnis gleich mehrerer Ridinger-Kupfer aus durchaus verschiedenen Folgen. Marc zeigt zwei Wiesel, von denen das aufgebaumte eine, über einen Ast gebeugt, zu dem in aufgerichteter Pose auf der Erde sitzenden herunterschaut. Dabei das Baumwerk von einer Exzentrik, deren er sich in dieser vordergründigen Dichte im malerischen Œuvre nur noch auf den beiden „Akte(n) unter Bäumen“, H.-J. 143, gleichen Jahres bedient. Für die thematische Initialzündung steht Ridinger’s kleinformatiges Blatt „Die Wiesel“, Th. 479, von 1740 als Blatt 89 der Folge „Entwurf einiger Thiere“. Auch hier deren spielende zwei, doch beide auf der Erde und in einem in keiner Weise heranziehbaren Umfeld. Letzteres splittete Marc auf. Und holte sich die Pose der beiden Tiere aus dem 86. Blatt der Folge, den beiden Baum-Mardern Th. 476 (aufliegend hier gleichfalls sowohl das Pendant mit den beiden Stein-Mardern Th. 475 als auch deren beider originale Kupfer-Druck-Platten). Deren junger über einem Ast gleich niedriger Höhe wie bei Marc hängt und auf die auf den Hinterpratzen am Baumstamm stehende Mutter schaut, die mit einem erbeuteten Vogel lockt. Den auch für Ridinger eher selteneren bizarren Baumwuchs – und als solchen bezeichnet ihn auch ausdrücklich Sälzle in seiner 1980er Edition der Vorzeichnungen zur nachstehenden Folge – aber übernahm er von Blatt 19, Th. 181, der gleichzeitigen Suite der „Abbildung der Jagtbaren Thiere mit deren Fährten und Spuren“ bei gleicher Pose des aufgebaumten Marders mit einem indes neutral gezeigten Wiesel auf der Erde.
So konzipierte Marc seine „Spielende(n) Wiesel“ also ebenso an Hand dreier Ridinger-Vorlagen , wie letzterer seinerseits seine Watteau’sche „Ergözung der Schäfer“, Th.-Stillfried 1397, aus vier Vorbildern des Franzosen komponierte. Daß Marc schließlich auch der typischere Ridinger’sche Baumschlag nicht fremd war, zeigt die rechte Baumgruppe seines malerischen Waldinneren „Die Würm bei Pipping“ aus 1902/03, H.-J. 15 nebst Abbildung. Dem Öl seiner „Spielende(n) Wiesel“ übrigens war 1909/10 eine gleichnamige Lithographie vorangegangen.
Aber auch die Par force Szenerie auf dem Aquarell „Schloss Ried“ von 1914 – Holst, Abb. 11, S. 29 – steht für ein weiteres Beispiel der Beschäftigung Marc’s mit Ridinger,
die in dieser Pluralität bislang übersehen worden ist .
Die Zitate aus Christian von Holst (Hrsg.), Franz Marc – Pferde. Katalog der 2000er Ausstellung der Staatsgalerie Stuttgart – Sonderausgabe 2003 – , SS. 122, 250 f. + 165 f. nebst Abbildungen 151 f., 208 + 9. – Siehe u. a. auch Franz (Hrsg.), Franz Marc – Kräfte der Natur, Werke 1912-1915. Katalog der Ausstellung in München + Münster, 1993, Nrn. 138 f. nebst Abbildungen Seiten 300 f..
Die bei Ridinger an südliche Vorbilder erinnernde Ruine im übrigen sicher auch eine Reverenz gegenüber Italien, wohin es den in seiner Ulmer Lehre so unglücklichen einst hoffnungslos gezogen hatte.
Obgleich Ridinger 5 Reitschulen mit zusammen 111 Kupfern schuf, muß praktisch bis auf den 1869er Weigel’schen Nachlaßbestand – Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen nebst Sonderabteilung Johann Elias Ridinger’s Kunstnachlass in Handzeichnungen – zurückgegriffen werden, um dem zugehörigen zeichnerischen Œuvre in bildmäßig ausgeführten Beispielen zu begegnen. Wenngleich auch hier schon mit nur magerem Ergebnis. Nämlich lediglich 12 Arbeiten, deren Teildatierungen zwischen 1744 und 1760 liegen (Nrn. 816-827).
Das 19blätterige Konvolut der Position 828 dürfte ebenso auf Studien beschränkt gewesen sein wie hinsichtlich Reitschulen die Nr. 318 mit ihren 305 Blatt „Studien, Contoure(n) und ausgeführte Zeichnungen von Pferden und ihren Racen, Reitschule, in schwarzer Kreide, Rothstein, Feder und Tusche, aus den Jahren 1717 bis 1760“. Anderenfalls wären die fraglichen Arbeiten sicherlich der Eigenabteilung „Reitschule“ der Positionen 816 ff. zugeordnet worden.
Schon in dem in 146 Lots vereinigten 234blätterigen Zeichnungsbestand der am 19. 5. ff. 1890 bei Wawra in Wien versteigerten „Schönen Sammlung von Handzeichnungen und Kupferstichen Joh. El. Ridinger’s aus dem Besitz eines bekannten Sammlers“ findet sich kein einziges bildmäßiges Schulblatt mehr.
Den hiesigen, gewiß nicht vollständigen, Marktunterlagen folgend, sind es seit Weigel allein besagte beiwerkfreie Vorzeichnungen und Studien zu den eigentlichen Übungen, die – und zwar auch nur hin und wieder – vereinzelt oder zu mehreren am Markt sind. Als umfassendere Sammlung wohl zuletzt der 1987 hierselbst in badische Sammlung verhandelte Corpus von Kreidezeichnungen, von denen 26 auf die Kleine Reitschule von 1760/61 entfielen.
Dies alles unterbrochen von vorab zwei Ereignissen, gefolgt vom hiesigen :
So zeigte sich zunächst 1986 beim Bonner Presseball „Johannes Fürst von Thurn und Taxis … gewohnt spendabel. Der Tombola steuerte er fünf Vorzeichnungen des Ulmer Meisterkupferstechers Ridinger ‘Neue Reit Schul’ … bei. Der Gewinn war der einzige, der im Ball-Almanach nicht preislich ausgezeichnet war. Kenner vermuteten denn auch,
die Ridingers seien wertvoller
als der als Hauptgewinn ausgewiesene Mercedes “
(Bonner General-Anzeiger vom 26. 5. 1986).
Fünf Jahre später dann debütierte ein Satz von 16 vollkommen durchgeführten Ursprungszeichnungen, also im Stichsinn, zur 23blätt. Neue Reit-Kunst von 1722 mit einem Ansatz von 360.000 Mark auf der Versteigerungsbühne. Sämtlichs zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Untersatzbögen aufgelegt und auf diesen schwarz umrandet, beidseits zusätzlich sehr reizvoll verziert mit sich nach oben und unten zu verjüngender Hufeisenleiste bei gleichzeitiger Montage des Ganzen auf eine ca. 8 mm starke Holzleiste, gerahmt schließlich von schwarzer Holzleiste mit bronzefarbener Rollwerk-Innenleiste.
Dieser Bestand zählte bis in neuere Zeit hinein mindestens 18 Arbeiten, wurde infolge Abtrennung indes durch die hier offerierten beiden – siehe dazu die Folge-Position 28.072 – decimiert. Diese beiden hiesigen bieten sich in allem so dar, wie zu obigen 16 geschildert. Aus Gründen zeitloserer Präsentation hier ihrer schwarzen Rahmen entkleidet. Entsprechend denn auch die Abdeckung der Ridinger nicht zugehörenden zusätzlichen Paspelierung des Montagepapiers mittels säurefreien Passepartouts mit den 23karätig goldgeprägten Künstler-Daten, wozu die Bilder in eine entsprechende Rückpappe eingelassen wurde.
Solchermaßen denn also sind
Bildmäßige Reitschulzeichnungen
allergrößte Ridinger-Rarissima .
Der Erhaltungszustand anstehende nahezu bestens. Die zarte Einfassung nicht mehr durchgehend deckend, hier und da auch etwas angeschnitten. Die ziemlich einheitliche leichte Bräunung keineswegs störend. Daß die Plastizität offenbar durch Lichteinfall gleichmäßig leicht gemindert wurde, fällt erst im Vergleich zur nachfolgenden Parallelzeichnung auf. Generell begeisternd die die Jugendlichkeit des Meisters widerspiegelnde Frische der Zeichnung selbst.
Die Jungfräulichkeit der hier offerierten beiden wie auch gedachten vorangegangenen Bestandes dürfte weit über Weigel hinausgehen. So wie sich schon von anderen von Ridinger noch nicht selbst gestochenen Arbeiten der frühen 20er Jahre, z. B. zum Alexander- und Pharaokomplex, keine Zeichnungen bei Weigel, der ja 1830 den Nachlaß übernommen hatte, oder anderswo hier nachweisen lassen, so scheinen auch die zur 22er Reitschule auf deren Verleger übergegangen und damit eigenständige und offensichtlich auch marktferne Wege gegangen zu sein. Zu diesem
Reiz eines ganz besonderen Verwahrtgebliebenseins
tritt, da dennoch bereits vollendet, die Köstlichkeit größter Frühe und das generelle Eingebettetsein in kulturhistorische Abläufe :
„ Die Kunstgeschichte sieht in Ridinger nicht nur den Vollender des Jagdstichs im 18. Jahrhundert, sondern auch den meisterhaften Interpreten der Reiterdarstellung und des Pferdes …
Es sei … daran erinnert, daß das rein künstlerische Interesse am Pferd einen wesentlichen Teil der abendländischen Kunstgeschichte seit der Antike, seit der Entstehung des Parthenonfrieses, ausmacht … Erst in den Zeiten der Renaissance erblühte (die equestrische Kunst) in Italien zu neuer Lebendigkeit. Zuerst in den Fresken eines Benozzo Gozzoli und Vittorio Carpaccio, in den Zeichnungen eines Pisanello und Leonardo da Vinci … Den Niederländern blieb es vorbehalten, in der Darstellung des Pferdes … einen meisterlichen Realismus zu entwickeln …
Damit sind wir schon bei den Voraussetzungen der Kunst Ridingers angelangt. Es ist wahrscheinlich, daß er in Augsburg solche niederländische Pferdedarstellungen kennengelernt hat. Sie lagen in Nachstichen vor und wurden auch gelegentlich kopiert. Aus solchen Vorbildern, die ihm sein Lehrer Rugendas vermittelt haben könnte, und aus dem genauen Studium der Tiere selbst entwickelte er die ihm eigene Meisterschaft in der Darstellung des Pferdes.
Man spürt die Freude am lebendig erschauten Geschöpf, an der harmonischen Übereinstimmung von Anatomie und Bewegungsart, am inneren Gleichmaß von Tier und Reiter, nicht zuletzt auch an der für alle Ridingerstiche bezeichnenden Eleganz der Haltung “
(Herbert Schindler in der Einleitung zur 1975er Faksimileausgabe der Kleinen Reitschule [ein Vitrinen-Exemplar derselben hier aufliegend]).
Ist aber einmal von Eleganz die Rede, sei auch Karl Sälzles gedacht, der 1980 der Faksimileausgabe des Zeichnungs-Corpus zu den Jagdbaren Thieren voranstellte:
„ Wer aber Ridingers ganze Könnerschaft kennenlernen will,
muß zu seinen Handzeichnungen greifen ,
… denn erst sie offenbaren sein ganzes Genie “.
Dazu hier nun also die Gelegenheit. In vollendeter Qualität,
an Hand von Unikaten allerseltenster Art .
Zur Reitschule von 1722.
aus freiherrlichem , zuletzt gräflichem Vorbesitz .
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Hier denn die 1722er Ursprungszeichnung

zu Blatt 15 der Folge
Redop an der Wand rechts. Weiträumiger Platz mit einer Gruppe von vier Reitern, deren einer vorn rechts unter Mitwirkung je eines Lehrers und Stallknechtes redoppiert. In der Mitte bringt ein anderer Lehrer einen jungen Burschen am Schlafittchen vor den aus Ruinenportal tretenden Stallmeister. Neben einem vorn den Redopp aufmerksam verfolgenden liegendem Saurüden ein weiterer stehend, wie nicht zufällig, siehe unten. Grau lavierte Bister-Federzeichnung wie vor, doch noch mit leichter Bleistift-Skizzierung oben links.
Hier nun die Lection des Redopp – Th. 620 – , im Stich unterschrieben mit „Im Sattel soll man sich hier fest und aufrecht zeigen …“. Und zu entsprechendem Sujet der Kleinen Reitschule (Blatt 29) :
„ Der Redop an der Wand ist eine Action in welcher das Vordertheil des Pferdes der Croupe etwas vorgehet, in welcher sich auch das Pferd in der Geschwindigkeit von einer Seiten zur anderen, rechts und lincks, traversiren kann. “
Die wiederum an südliche Vorbilder erinnernde Ruine die schon zuvor zitierte Reverenz gegenüber Italien.
Absichtsvoll auf jeden Fall die Saurüden, begegnen wir solchen offensichtlich als Markenzeichen gedachten doch auch auf den gleichfrühen Blättern seines Alexander-Zyklusses. So hetzt ein solcher im Schlachtgetümmel der „Belagerung von Halicarnassos“ (Th. 917) ebenso mit wie einer bei der „Überquerung des Tigris“ (Th. 918) mitschwimmt. Und „Ridinger-Hunde“ sind denn auch auf der unveröffentlicht gebliebenen 1723er Zeichnung „Alexander der Große im Herbst 326 v. Chr. am Hyphasis im indischen Pandschab“ mit von der Partie. Placiert übrigens immer nächst der Signatur.
Hiesiger Zustand zunächst bestimmt von einer auf den ersten Blick etwas störenden, von schwachem Wasserrand begleiteten größeren Wischspur links von der Ruine, die indes trotz heineinspielender grüner Färbung vom Künstler selbs herrühren dürfte, da darunter eine Pferdeskizzierung hervortritt. Somit aber dann
einen Blick über die Schulter des Meisters

und den begehrten Einblick
in den künstlerischen Schaffensprozeß gewährend
Im oberen Feld dieser Wischung kleine, möglicherweise von Wurmfraß herrührende Ausbrüche. Zudem eine von kleiner Wurmspur begleitete, kaum auffallende Verfärbung im Rand rechts. Ein kleiner Braunfleck in der Mitte unten und kleine Stockstippen in der Himmelspartie oben rechts ohne Belang. Die Zeichnung selbst von herrlicher Plastizität und einer die Jugendlichkeit des Meisters begeisternd widerspiegelnden Frische.
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“ Hello again! It arrived this morning – everything fine and ready for framing! Thank you for your kind assistance. Best regards ”
(Mr. J. R. L., May 25, 2005)
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