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Das  AHA! – Erlebnis  des  Monats

jeden  Monat  neu  –  jeden  Monat  etwas  anderes

—  Dezember  2007  —

 

Aha  –  Ridinger  für  Fortgeschrittene

Lesen Sie nur weiter, auch wenn Sie meinen, diesem illustren Kreise vom Schlage eines Julius Hofmann – noch – nicht so recht zuzugehören, dem 1922 der große Max Lehrs im Katalog-Vorwort seiner kostbaren Sammlung der „Graphik aller Schulen des 15. bis 19. Jahrhunderts“ – darunter Ridinger’s Reh-Rudel Thienemann 194 und der hessische Spiegel-Hirsch Th. 332 – nachrühmte

„ Er war ein Sammler vom alten Schlage … Er glaubte noch an die Wichtigkeit der Etats, der spitzen oder gerundeten Plattenecken und schenkte Stichelglitschern, Ätzflecken, polierten Rändern eine so liebevolle Beachtung, wie sie nur der vertraute Verkehr mit einem alten Freunde zeitigt.

Und ein alter Freund war ihm seine Sammlung von jeher. Er kannte kein größeres Vergnügen, als sich in stillen Stunden eine Mappe vorzunehmen und Blatt um Blatt zärtlich zu betrachten … Möge jede (dieser Katalog-)Perlen an den rechten Platz gelangen und dort die Liebe und das Verständnis … fördern und vertiefen helfen … “

„Der Fischotter war’s . Ja , der verspielte Fischotter“ jubelte einst Heinz Sielmann. Analog hierzu für uns hier und heute „Ja , die Etats sind’s , es sind die Etats“ die aller Pirsch erst letzte Würze sind. Die wirklich letzte? Oder doch erst nur die noch unbehaubte letzte? Noch frei vom Sahnehäubchen einer crème de la crème , der Cru Exceptionnel eines PETRUS , jener „Legende aus Pomerol“ ? So ist es.

„ Kostbar , rar  und  selten “

finden  ihre  Steigerung  in  Probedrucken  vor  allen  Etats .

Johann Elias Ridinger, Wie die Sauen ... Probe-Ätzdruck zu Th. 66

Nämlich  in  jenen  Unikaten  des  Noch-Werdens ,

des  prallen  Erfülltseins  vom  schöpferischen  Augenblick ,

uns anwehend über Jahrhunderte , als schauten wir dem Meister unmittelbar über die Schulter , sähen ,

wie  er  ein  schon  anderweitig  bedrucktes  Makulaturblatt

Johann Elias Ridinger, Rückseite des Makulatur-Probe-Ätzdruckes zu Th. 66

zur  Hand  nimmt ,

um  dessen  freie  Rückseite  zu  früher  Probe

einer  neuen  Arbeit  zu  nutzen .

Sähen , wie er dann  zur  Rötelkreide  greift  , um jene Partien zu markieren, an denen es weiterzuarbeiten gilt. Um dann plötzlich , hier und im Heute , eine Offerte in Händen zu halten , wie nur ausgefuchste Adressen sie zu unterbreiten imstande sind :

 

Rötelmarkierter  Probe-Ätzdruck

von  der  noch  nicht  vollendeten  Platte

auf  Makulaturbogen  mit  rückseitigem  Schabblatt-Torso

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). (Wie die Sauen im freijen auf den ball gehäzt und mit einer gantzen hatz Hunde forcirt werden.) Radierung mit Kupferstich als Ätzdruck. Blattgröße 25,3 x 34,2 cm.

Ad Thienemann + Schwarz 66x). – Verso oberes Detail des Schabblattes Mariæ Verkündigung Schwarz 1515. – Kaum auffallend innerhalb des leicht angeschmuddelten weißen Plattenrandes geschnitten. Diagonale Knickspur in linker Unterecke im gerade noch tangierten Bildzipfel nicht bemerkbar.

Probe-Ätzdruck  von  dem  zwar  schon  completten ,

doch  in  der  Ausschraffierung  noch  unfertigen  Bildganzen

mit  entsprechend  über  das  ganze  Blatt  gehenden

Rötelmarkierungen  des  Meisters  für  die  Weiterarbeit

und natürlich auch noch  vor  aller  Schrift.

„ Da die Wirkung eines K(upferstich)s nicht wie die eines Holzschnitts sich ohne weiteres von der Platte ablesen läßt, pflegt der Künstler Probedrucke zu nehmen, die ihm sagen, wie und an welchen Stellen er weiterarbeiten soll. Zumal bei der Radierung ist dies nötig “

(Jahn, Wörterbuch der Kunst, 5. Aufl., 1957, Seite 395/II).

Solche noch den laufenden Werkprozeß dokumentierende Probedrucke mit gar auch noch eigenhändigen Hilfsmarkierungen , ja, hinsichtlich rückseitiger schon anderweitiger Bedruckung ostentativem Makulaturcharakter als Merkmal besonderer Frühzeitigkeit wie hier vorliegend sind

von  allergrößter  Seltenheit .

Gelegentlich marktvorkommend und von anspruchsvollen Sammlern als von altersher kostbar – so etwa so etwa Th. 171 in bayer. Privatsammlung oder Weigel’s Kunstcatalog, Abt. XV (1850), 17538, „sehr seltene Probedrücke vor aller Schrift“ – bereits als Sammlungstrüffel hochbegehrt die letztlich abschließenden Zustandsdrucke mit der lediglich noch fehlenden Schrift. Wie erst denn aber hier!

Weigel ebda. 17536 als evt. auch nur annähernd vergleichbar da ohne Hinweis auf autographe Hinzufügung konnte neben verschiedenen anderwärtigen „Sehr seltene(n) Aetzdrücke(n)“ 2 Blatt „Löwe und das Elenthier“ als „Sehr seltne, weniger vollendete Abdrücke vor aller Schrift“ qualifizieren. Und Helbing’s 1900er Ridinger-Mammutofferte (Kat. XXXIV) wartete per 1408 mit einem Probedruck-Exemplar der Paradies-Folge auf, deren Rückseiten als Spectaculum unbenutzt gebliebene Texte zur Folge der Jagdbaren Thiere aufwiesen. Baron von Gutmann hingegen als dem Ridinger-Sammler schlechthin (Schwarz-Katalog) besaß lediglich zwei originäre Probedrucke, davon Schwarz 93a vor aller Schrift, doch ohne Ätzdruck-Qualifikation, geschweige denn Rötelung.

Für definitive Probe-Ätzdrucke mit Rötelung wie vorliegende hier allein nachweisbar die beiden zu Th. 193/94 bei Gräflich Faber-Castell (1958, Pos. 27). Somit aber

für  das  graphische  Ridinger-Œuvre  eine  Zimelie  allererster  Güte.

x) BEILIEGT

Johann Elias Ridinger, Wie die Sauen ... , Th. 66

dasselbe  Blatt  in  gutem  späteren  Abdruck  des endgültigen  Zustands

im Blattformat von 24,8 x 33,3 cm, der Beschnitt des weißen Plattenrandes damit dreiseits etwas mehr als oben, der Unterrand indes – hier denn also mit der Schrift – beide Male 3 cm. Bildseits nicht unproper alterstonig, rückseits mehr stockstippig und mit vier eher nur vorsorglichen kleinen Randverstärkungen.
Angebots-Nr. 15.230  /  Preis auf Anfrage

Scheuen Sie sich notfalls nicht, näherzutreten und diesen Ihnen ihrer überragenden Seltenheit wegen möglicherweise noch wenig vertrauten faszinierenden Zimelien künstlerischer Schöpfungsprozesse Ihre Reverenz zu erweisen. Sind in der Kunst nicht wir alle immer nur erst auf dem Wege , unterwegs zu täglich neuem Ufer, zur Mehrung unseres Wissens und – unseres Erfülltseins von dem , was „den Staub des Alltags von der Seele wäscht“ (Picasso) ? Während jener stillen Stunden in der Sammlung als immer aufs neue erfrischendem Umgang mit einem alten Freunde.

Fortgeschrittene-Fortsetzungen
in  loser  Folge  vorgesehen

Vorliegend zudem  per 14.662

beide Blätter dieser selbständigen Folge der Parforce-Jagd auf Hirsch + Sau – Th. 65/66 – als den kleinen thematischen Vorläufern – das Wild hier noch nicht gestellt, vielmehr noch in voller Flucht  – zu den Imperialen Th. 67/68 in ihren endgültigen Zuständen, von Schwerdt 1928 gefeiert als

„ … full  of  swift  movement “

und vorkommensmäßig von der Literatur wie folgt qualifiziert :

Weigel XXVIII (1857), Ridinger, 5 (cpl. nur in späteren Abdrucken); Nagler 39; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX 1784 („Ohne Plattenrand, aufgezogen und leicht fleckig. Aeusserst  selten “, 1885! ; später wohl vereinzelt, vgl. das Explr. Th. 65 bei Helbing); Slg. Coppenrath II, 1454 („Sehr seltene alte Abdrücke“, 1889); Slg. Reich auf Biehla 12 („Sehr schöne Abdrücke, mit breiten Rändern. Aeusserst selten“, 1894); Helbing XXXIV, 157 (nur Th. 65, zudem auf Bildkante beschnitten und aufmontiert, wohl aus obigem 1885er Exemplar; „Selten“, 1900); Schwerdt III (1928), 135. – Nicht in Slg. Schoeller (1921) und Katalogen Kielce (1997) + Darmstadt (1999).

Hier  denn  in  alten  Abdrücken 

Johann Elias Ridinger, Wie das Schwein ... Th. 66Johann Elias Ridinger, Wie der Hirsch ... Th. 65

und  erhaltensmäßig  adäquat  ihres  Ansehens  als

schönste  Ridingeriana .

Und mit 34 x 47,3 cm Blattgröße noch breitrandiger als Schwerdt’s Exemplar mit 34,5 x 43,5 cm. – Blatt 1 mit etwas dünner Papierstelle im weißen Plattenrand seitlich unten rechts. Im rechten breiten weißen Papierrand kleine Eckläsur oben und winziger Einriß unten. Ähnlich dergleichen linksseits von Blatt 2.

Entstehungsmäßig könnte die Folge in Verbindung stehen mit der 1757er zeichnerischen Eberjagd Schwerdt III, 217, d (L’Art Ancien 14, 41 mit Abb.) ähnlichen, gleichwohl Hochformates mit eng verwandtem „mächtigen alten Baum im Mittelgrunde“, an dem die Jagd vorbeigeht. Der dichte Wald der Zeichnung öffnet sich im hiesigen Kupfer einer hügeligen freien Tallandschaft mit seitlichem Anwesen, der Hunde hier zehn gegenüber nur sieben. Die Zeichnung zudem ohne die Jäger, deren berittene drei im Kupfer seitlich links ins Bild drängen. Beider Blätter Dynamik findet ihre Wertung in eben den Worten Schwerdts bezüglich der Zeichnung : „ … very  attractive … full  of  swift  movement .“ Mailen Sie , rufen  Sie an !

 


 

„ herzlichen Dank für die rasche und ausführliche Behandlung meiner Anfrage. Ich bestelle hiermit beide o. a. Gebote … bin ich auch mit Vorauszahlung einverstanden “

(Frau R. R., 20. November 2002)