Die  Not  der  1.  Generation  ist  das  Brot  der  2.

Des  Lüchower  Kürschnermeisters  Brix

Mühsal  +  Aufstieg  im  ersten  Drittel  des  19.  Jahrhunderts

Kürschnermeister Carl Siegmund Brix’ Hauserwerb zu Lüchow und dessen jahrzehntelange Finanzierung mittels kurzfristigen Geldes. Konvolut von handschriftlichem Kaufbrief + 5 Schuldverschreibungen in zwei handschriftlichen und drei Formularausfertigungen, jeweils auf Papier. Lüchow 1802-1828. Kl.-2.

  1. Kaufbrief von „Bürgermeister und Senatoren der Stadt Lüchow“ vom 31. August 1802 betr. das „in der Kirchstraße hierselbst zwischen des Tischlers Diercks’ und weiland Senatoris Riebock Häusern belegene bürgerliche Wohnhaus mit Zubehör“, erworben zu 860 RThlr. per öffentlichem meistbietenden Verkauf am 20. Juli 1802. 4½ SS. auf 2 Doppelbogen. Für Bürgermeister und Rat nebst Siegel unterzeichnet von Thorwirth, Krebs + Bösche. – Auf blaugrauem Bütten mit großem Pro Patria-Wz., bedingt vergleichbar Heawood 3700, nebst typograph. Nebenmarke. – Regelt auch die Grundbesitzabgabe.

  2. Schuld- und Pfandversicherung des Kürschnermeisters Brix und dessen Ehefrau Maria Elisabeth geb. Crusen über 500 RThlr. zu Gunsten des E. F. (?) Mühlenfeldt als Hypothek auf obiges Grundstück vom 26. Oktober 1802 zwecks Bezahlung des Gläubigers Schmidt aus dessen Recht vom 20. 7. 1802. Individualisierter Formulardruck. 2½ SS. auf Doppelbogen. Gesiegelt und unterzeichnet wie vor, darunter persönlich gesiegelte Rückzahlungsbestätigung Mühlenfeldts vom 29. April 1806. – Auf Bütten mit großem figürl. Wz. und der Nebenmarke J F G.

    Vordruckmäßiger Ausschluß der „dem weiblichen Geschlechte in den Gesetzen zu Gute verordneten Rechtswohlthaten und behelfen, namentlich dem SCto Vellejano und der Authent. Si qua mulier, nach welchen die Bürgschaft und Mitverschreibung einer Ehefrauen ungültig, auch dem Privilegio dotis et illatorum … (betr.) ihres Brautschatzes“ etc.

  3. – Ein Gleiches vom 14. Juli 1807 über 100. RThlr. zu Gunsten des „mitgegenwärtigen Altvater Jochen Heinrich Schultz aus (Dähre?) … zur Abtragung eines Capitals von 200 RThlr.“ an den Gläubiger Müller aus Delgau (Dolgaw?). 2 SS. auf Doppelbogen. Gesiegelt und unterzeichnet wie vor, doch anstelle des Börsch E. Gericke. – Ohne die die Ehefrau betreffende Druckpassage. – 8 cm langer Oberfeldeinriß mit alter Tesafilmspur rückseits und auf weißer Seite 3, jetzt säurefrei versorgt.

  4. Bordereau der Franzosenzeit „wegen hypothekarischer Eintragung … gegen den Kürschner … zur Sicherstellung einer jährlich um Michaelis fälligen Grundabgabe von Einem Thaler Sechs Groschen … als Zins eines … unablöslichen Capitals“ gemäß einer am 13. 12. 1811 aufgenommenen Acte und „Eingetragen im Büreau der Hypotheken-Conservative des Districts Salzwedel“ am 27. Februar 1812. Handschrift. 1¾ SS. auf Doppelbogen. Unterzeichnet und mit Siegel des Conservateur des Hypotheques zu Salzwedel, Königreich Westphalen. – Als Commune-Einnehmer wird Christian August Heydenreich zu Lüchow genannt.

    Dem 1seitigen Borderau folgt unter dem 12. Oktober 1835 die Quittierung des Stadtrechnungsführers Pardey, wonach der Kürschner Brix (evt. schon Heinrich B.?, siehe die Urkunde unter Angebots-Nr. 13.287) das vorstehende Kapital an die Stadtkasse zu Lüchow zurückgezahlt habe, dem nebst Lüchower Siegel unterm 17. Oktober 1836 von Thorwirth für Bürgermeister und Rat die Bestätigung folgt, daß Pardeys Quittierung eigenhändig und befugt erfolgt sei. – Auf Stempel-Papier über 25 Centimen. – Leicht stockfleckig, die weißen SS. 3 + 4 etwas stärker.

  5. Schuld- und Pfandverschreibung des Kürschners und dessen nunmehriger Ehefrau Anne Margarethe geb. Brüling vom 12. November 1828 über 100 RThlr. Conv.-Münze zu Gunsten der Witwe Catharine Marie Hameister aus Tarnitz zwecks Abtragung der Schuld gleicher Höhe gegenüber dem Altvater Schul(t)z der Urkunde unter 3, hier auch wieder unter Ausschluß der Ehefrauen-Wohltaten wie per Urkunde 2. Individualisierter Formulardruck. 2 SS. auf Doppelbogen. Nebst Siegel für Bürgermeister und Rat gezeichnet von Gericke und Thorwirth. – Auf grau-blauem Bütten mit großem figürl. und kleinem typograph. Wz.

  6. Umschuldung vorgenannter Schuldverschreibung vom 18. September 1829, wonach „meine Jüngst Tochter Maria Margareta abgezahlt (hat)…(und) in die Rechte der Wittwe Hameister (eingesetzt wird) und hat 100 rtl. von mir zu fordern“. Handschrift. 1 S. auf Doppelbogen. – Auf grau-blauem Stempel-Bütten über 2 Groschen Conv.-Münze nebst Stempel des Kgr. Hannover sowie großem G(eorg) R(ex)-Kronen-Wz. + separater Hersteller-Marke „G. W. …ll“ in kursiv. – Das weiße Schlußblatt in den unteren Bügen braunstreifig. Die Siegel complett und von schöner Frische.

Sämtlichs mit Faltspuren. Soweit nichts Gegenteiliges erwähnt, von generell gutem Erhaltenszustand bei einer für solche Papiere üblichen gewissen Patina, säurefrei hinterlegte Kleineinrisse einbezogen.

DER  REIZ  DES  KONVOLUTES

liegt nicht zuletzt in seiner kontinuierlichen Dokumentierung einer über die Jahrzehnte von wirtschaftlichen Zwängen begleiteten, persönlich honorigen Handwerker-Existenz in offenbar 1. Generation. Auf mehr Bewegungsfreiheit lassen zwei Urkunden des vermutlichen Sohnes Heinrich, gleichfalls als Kürschnermeister, aus 1838 + 1852 schließen.

Angebots-Nr. 13.286 / EUR  373. / export price EUR  354. (c. US$ 386.) + Versand

siehe auch die weiteren Brix-Positionen 13.287 und 13.288


“ Beautiful Rugendas colour print arrived! Thanks very much for keeping me informed. Best regards ”

(Mr. J. R. L., June 11, 2004)