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Im  Einband  des  Erzherzoglichen  Kammerbuchbinders

Rudolf Ritter von Gutmann, Meine Jagdexpedition im Jahre 1909

Meine  Jagdexpedition  im  Jahre  1909

Seattle/Vancouver – Alaska – Tschuktschen Halbinsel – Kamtschatka

Gutmann, Rudolf Ritter von. Meine Jagdexpedition im Jahre 1909. Wien, Selbstvlg.-Manuskriptdruck, 1912. 4° (32 x 25 x 4,5 cm). 2 unnum. Bll. Titel + Dedication, 30 SS. Mit

Routen-Karte + 87 Photogravuren  auf  aufgewalztem  China

unterschiedlicher Formate als jeweils Eigentafel nach Vor-Ort-Aufnahmen des Verfassers. Schwerer jagdgrüner Orig.-Halb-Maroquin.-Bd. auf 5 Bünden mit besonders weit in die farbig marmorierten Deckel ausgreifendem Rückenleder + ebenso opulenten Lederecken sowie Rückensch., ornamentierter kompletter Rückenvergoldung + Deckel-Goldfileten, farbig marmor. Vorsatz, jagdgrünem seidenen Lesebändchen + Goldschnitt von

Ferdinand Bakala
„Ferdinand Bakala, Erzh. Kammerlieferant
Wien, IV. Belvederegasse 21.“

mit dessen goldgepr. Wappen-Signatur im vorderen Innendeckel unten links.

TitelImpressum

Nr. 47/50 Exemplaren des „Meiner Mutter in Treue gewidmet(en)“ Expeditionsberichts eines der ersten Magnaten der k.k. Monarchie seiner Zeit, dessen beispiellos umfassendst angelegte Sammlung der Ridinger-Graphik dank des von Ignaz Schwarz verfaßten noblen 2bändigen Sammlungs-Katalogs – des Barons einst persönliches Exemplar Nr. I der nur zwei römisch numerierten von insgesamt überdies nur 202 hier aufliegend – seinen Ruf als Kunstsammler bleibend etablierte, obgleich nur einen Teil seiner universalen Kunstinteressen ausmachend.

Hiesiges drucknumeriertes Dokument seiner anderweitigen Jagdleidenschaft denn vorliegend als

Widmungs-Exemplar

Dedikation

mit  eigenhändiger  7zeiliger  Zueignung

„ Seinem  lieben  Gegenschwieger , / Dr.  Carl  Freiherr  von  Ferstel ,
in  treuer  Freundschaft / gewidmet / vom / Verfasser .
Kallwang  August  1924 .“

wobei der Stallgeruch natürlich an den „Ringstraßen-Architekt“ Heinrich von Ferstel (1828-1883) als dem Vater erinnert, dem, zusammen mit Hansen und Schmidt, „Schöpfer des modernen Wiens“ (Catholic Encyclopedia) mit dem Palais Ferstel an der Herrengasse als dem modernsten Gründerzeit-Gebäude der Stadt als Kronjuwel, wenngleich zurückgehend auf das 1651er Palais Abensperg-Traun mit seinerseits einst der ersten Wasserleitung in einem Wiener Privathaus.

Sohn Carl ehelichte Amelie Hartmann – Tochter des Hofschauspieler-Ehepaars Ernst Hartmann und Helene Schneeberger – , deren Schwester Emelie mit Max von Gutmann, Rudolf’s Halbbruder, verheiratet war, Rudolf selbst aber mit Heinrich’s Enkelin Marianne.

New York

Mit 5köpfiger Begleitung verließ Baron Gutmann am 15. Juni 1909 auf dem Lloyddampfer Kaiser Wilhelm II. Europa, um nach kurzen Aufenthalten in New York , Chicago und dem Yellowstone-Park am 6. Juli Seattle und damit den für die Zwecke der Jagdexpedition

„ an  den  Küsten  Kamtschatkas , Nordsibiriens  und  Alaskas “

gecharterten norwegischen Dampfer Transit zu erreichen, letzteren sie am 8. bestiegen.

Im Eismeer

„ Frohem , freiem  Waidwerk  fuhren  wir  entgegen …

empfand ich den ganzen Reiz, der darin liegt, der Zivilisation zu entsagen , im wilden Lande die eigene Kraft , das eigene Wollen einzusetzen , das Neue zu geniessen , das Unerwartete zu erwarten , den Wunsch im Herzen ,

Walrosse

die  mächtigsten  Tiere  des  Polarlandes  zu  erbeuten . “

Nach erstem großen Waidmannsheil auf Weißkopf-Seeadler bei Juneau, dessen stärkster mit 2,27 m Spannweite beeindruckte, standen die Walrosse bei Nome auf der Wunschliste.

Nome in Alaska

„ In Nome charterten wir einen hölzernen Schooner, da unser eiserner Dampfer dem Eisdrucke … nicht hätte standhalten können … In Anbetracht der vorgerückten Jahreszeit mussten wir die Walrosse … im Polareise suchen und die häufig stürmische Beringstrasse durchsegeln. “

Am 22. Juli sichteten sie das Ostkap, den östlichsten Punkt der alten Welt. Und Diana reiste mit ihnen.

Erlegter Walrossbulle

„ Tagsüber blieben wir bei diesen Tschuktschen in ihrem Dorf. Da hatte der Sturm die Wolken verjagt und die Sonne verjagte den Sturm. Die herrlichste Nacht, von der Mitternachtssonne zum Tag verwandelt, führt uns über den Polarkreis … Jetzt tauchen dunkle Massen auf … und ein dumpfes Brüllen wird hörbar. Nach kaum zweitägigem Suchen hatten wir die Walrosse gefunden! “

Die Kap Navarin Siedlung

Bezüglich Bären an Anadyr River + Kap Navarin als den nördlichsten Küstensiedlungen Ostsibiriens hingegen waren sie ebenso wie an der Baron Korff-Bay an der Küste Kamtschatkas Bären-Ratschlägen aufgesessen. Mit des letzteren Hauptstadt Petropawlowsk war denn auch der turning point erreicht und via nördlich der Alëuten ging es zurück an die Südküste Alaskas, zu den Seelöwen bei den Lighthouse Rocks. „Nur während weniger seltener Tage im Laufe des Jahres ist es möglich, bis zu (letzteren) vorzudringen.“ Dann wieder nach Norden zu den Revieren der Rens und zur Halbinsel Kenai, „der Heimat der Elche“! Den Kussiloff (Kasilof) River hinauf zum Tustumenasee als Ausgangspunkt der Jagd. Mit dem 22. September als

„ Der  schönste  Jagdtag , den  ich  je  erlebte .“

Die Expedition brachte folgendes Wild zur Strecke :

Weißkopf-SeeadlerWalroßbulle

„ 6 Elchbullen , 17 Walrosse mit Stoßzähnen von bis zu 1,05 m , 3 Seelöwen , 1 Bären , 4 Caribous , 2 Alaska-Schafböcke , 1 Kamtschatka-Bergschaf , 2 amerikanische Seeadler , ferner vieles Sumpf- und Wassergeflügel , Waldhühner und Stachelschweine . “

Seelöwe

Es war eine Reise in Regionen, deren Wild – so etwa eine Elchherde oder „Jetzt erkannten die Walrosse ihren Feind“ – teils offenbar noch nie eines Menschen ansichtig geworden war, es war ein Waidwerken in Dschungeln. Gesucht und erlebt gerade noch rechtzeitig, bevor Kamtschatka als militärisches Sperrgebiet zusätzlich für Dezennien hinter bolschewistischem Eisernen Vorhang verschwand. „Nicht einmal Präsidenten anderer sozialistischer Länder ließ die Regierung in Moskau dort zur Jagd gehen“ (Horst Rademacher, Vulkane in Rußlands wildem Osten, in der FAZ vom 28. Dezember 1995).

Mein erstes Elchgeweih

Startend mit Downtown Manhattan von See illustriert die Tafelfolge in erster Linie den Lauf der Expedition in ihren Lokalitäten und deren Bewohnern, dem Gemeinschaftlichen mit letzteren an und bei den Schiffen + Booten, sodann die wirklich zählenden jagdlichen Höhepunkte. Mit „Meine Elchgeweihe“ als Ausklang. Ihre Wiedergabe als Photogravuren – hier ausgeführt von der Münchner Graphischen Gesellschaft Pick und Co. – entspricht dem Anspruch von Autor + Inhalt:

Stromschnellen im Kusiloffriver

„ Heliogravüre, franz. Photogravure, ist ein 1878 von dem Wiener Maler Karl Klic … erfundenes Verfahren zur Herstellung von Ätzungen auf Kupferplatten für den Tiefdruck. Die H. ist ein Handpressenkupferdruck, der auf photogr. Grundlage entsteht …

Kennzeichnend  für  die  H.  ist  die  Weichheit  und  Wärme  des  Farbtons ,

sowie der Eindruck des Plattenrandes, der die Verbindung zum Kupferstich schafft. Die H. spielte in der Buchill. der Jahre 1890-1910 eine sehr bedeutende Rolle, sie war geradezu kennzeichnend für die einfarbige Illustrierung

kostbarer , prunkvoller  und  hochwertiger  Bücher ,

besonders von Werken, die  in  kleiner  Aufl(age)  gedruckt  wurden . Da  sie  teuer  war , wurde sie später vom maschinellen Tiefdruck oder Lichtdruck immer mehr verdrängt … “

(Löffler-Kirchner, Lexikon des Gesamten Buchwesens, II [1936], 80).

Mooseland

Die Üppigkeit von hier gleich 87 solcher Arbeiten im Rahmen gedachten Berichtes spricht somit für sich selbst. Ihre Anzahl schwankt offensichtlich, letztlich widerspiegelnd den privaten Charakter praktisch jedes einzelnen Exemplars. Durchweg, gleichwohl nicht ausnahmslos, numeriert, erreicht die Folge mit Tafel „88“ nicht nur anstehendenfalls ihre höchste Kennung. Unter den wenigen hier nachweisbaren Exemplaren zählt indes keines mehr als 87 Tafeln, wie denn auch hier. Denn neben den arabisch numerierten finden sich unnumeriert gebliebene – hier deren 2 – sowie in Versalien gekennzeichnete wie hier und auch anderwärts als „A“ + „B“. Abfolge + Auslassungen der/von Nummern variieren von Exemplar zu Exemplar. Selbst ein nur 85 Tafeln enthaltendes hier belegtes Exemplar dürfte in sich komplett sein und der dem Buchbinder vom Autor überlassenen jeweiligen Anzahl/Auswahl entsprechen.

Eskimos an Bord der Transit

Hiesige Abfolge :

0 (für die Karte, diese mitgezählt ergäbe in der Tat „88“) – 1 – 2 – 6 – 3 – 5 – 7-9 – 11-26 – ohne Nr. – 27-32 – 34-44 – ohne Nr. – 46-59 – 62 – 61 – 60 – 63 – A – 65-73 – 75 – 74 – 76-79 – 84 – 85 – 82 – B – 80 – 83 – 81 – 86-88 .

Netze der Lachsfischer an der Mündung des Kusiloffriver

Dank des schweren Japan-Untersatzpapiers könnte jede nachträgliche Entfernung einer Tafel nicht unbemerkt bleiben. Von deren chinesischem Reisstrohpapier ähnelnden Abdeckblättern ist das der Karte knitterig, fünf kleine Randein/ausrisse wurden säurefrei beigelegt, bei drei etwas größeren empfahl die Optik ein Sobelassen.

Nachtlager am Flußufer

Untersatzpapier wie Textblätter natürlich einheitlich, vom Fachmann als „Imitiert Japan, holzfrei, gelblich“ qualifiziert, ansonsten stehend für ein hm, schweres Japan, was solche Bände denn auch ihre Gewichtigkeit mitteilen läßt. Der mit altem Selbstverständnis reich gestaltete Einband-Rücken zu Hellbraun verblichen und an seinen Gelenken hier und da minimal(st) bestoßen. Ein minimaler Einstoß zudem in der oberen Goldfilete des Rückenschildchens. Etliche der Falze unauffällig oben und/oder unten meist nur wenig eingerissen und transparent wie säurefrei beigelegt. Ansonstens besitzschmeichelnd bestens. Und beglückend.

Rückführend  in  andere  Tage .

Meine Elchgeweihe

Des  Jagens  und … des  Büchermachens  darüber .

Angebots-Nr. 15.305 / Preis auf Anfrage

Mein größter Elch


„ Best her Niemeyer, De prenten zijn vanmiddag in goede staat gearriveerd. Alleen al het uitpakken is een genot! Ze zien er prachtig uit (vooral The Idel ’prentice is een juweel) … Wat dat betreft, zijn eigenlijk alle prenten die u mij hebt toegezonde, van uitstekende kwaliteit … “

(Mijnheer P. E., 1. Februar 2008)