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Eine   feine  niederrheinische  Kanallandschaft

mit  dem  Angler  unter  der  Brücke

und  dem  aufgehenden  Mond

als  Reverenz  an  van  Goyen’s  Öl  Beck 110

Verrijk, Dirk (Theodor, 1734-1786, tätig u. a. in Mecheln + Den Haag). Durch ein Dorf hindurchführender Kanal. Vorn unter einer Brücke, hinter der der Mond voll aufgeht und durch die auch der Kirchturm sichtbar ist, Angler in seinem Boot, beobachtet von Figurinen auf der Brücke. Zwei weitere gehen linksseits dorfwärts. In der Luft ganz links schon zwei Eulen, doch auch noch andere Vögel in größerer Distanz. Rechts Windmühle. Tuschpinselzeichnung in Grau und Schwarz mit Weißhöhung über Spuren schwarzer Kreide. Am Brückenverschlag mit schwarzer Tinte bezeichnet: verryk : del. ad. viv: 196 x 288 mm.

Wurzbach II (1910), 780 und, als vermutlich identischer Thomas V., II, 167 + III, 172; Nagler XX, 98; Thieme-Becker XXXIV, 298. – Vgl. Abbildungen Beck, van Goyen III, Gemälde 110 sowie I, Zeichnungen, 847/124 + 123.

Typische , voll  ausgeführte  Arbeit

in  offensichtlicher  Anlehnung

an  van  Goyen’s  1627er  kleines  Rundbild (∅ 13,5 cm)  Beck 110

zu letzterem nicht zuletzt auch hinsichtlich der merkwürdigen Rundungen unterhalb eigentlicher Turmspitzen lokalbezüglich Beck I, 847/124 (Abb.) des 1650/51er Skizzenbuchs der Wanderung Kleve/Arnhem-rheinabwärts im Auge behalten werden sollte. Ist es bei van Goyen eine in gleißendes Licht getauchte Mondlandschaft, deren hochstehende Lichtquelle selbst unsichtbar ist, so geht bei Verrijk der volle Mond erst gerade über der Brücke auf. Die Ufer stehen spiegelbildlich zueinander, dabei markant übernommen van Goyen’s rechtsseitige Partie des abschüssigen Weges, nicht aber der Kirchenaufbau oberhalb desselben. Verrijk’s spiegelbildliche rechte Partie dominiert von einer Mühle rechts eines Häuserkomplexes. Weit zurückgesetzt links hiervon und nur im Brückendurchblick teilsichtbar ein Kirchturm. Diese rechtsseitige Komposition in seitengleicher großer Harmonie mit Blatt 123 des Skizzenbuches (Beck 847/123 m. Abb.), auf dem die Brücke nur skizzenhaft angedeutet den linken Bildabschluß bildet. Im Blickwinkel voneinander abweichend, mag Verrijk dieselbe Lokalität gesehen haben. Ansonsten wenden beider Angler dem abschüssigen Weg den Rücken zu. Liegt deren Boot bei Goyen quer im Wasser und ist am Heck mittels Abstoßstange oder Ruder verankert, so bei Verrijk längs des Ufers und ohne letzteres. Die Brücke ihrerseits abweichend bei Verrijk leicht geschwungen bei vermutlicher Hängekonstruktion. Die Zuschauer auf dieser – dort ein einzelner, hier zwei – in wiederum spiegelbildlich gleicher Position. Goyen’s dem Betrachter zugewandtes Paar im Vordergrund unterhalb des Weges bei Verrijk zurückgesetzt auf diesem selbst und ins Bild hineingehend. Nicht übernommen der im Brückendurchblick am dortigen Ufer liegende zweite bemannte Kahn.

All diesen Vergleichsmerkmalen steht gleichwohl Verrijk’s ausdrückliches „ad vivum“ entgegen. Nicht nur die miteinander kommunizierende Figuration, sondern auch die Spiegelbildlichkeit der Vordergrundufer – bei hier gleichem Blickwinkel! – sprechen aber deutlich für eine Kenntnis des van Goyen-Öls selbst oder einer hier nicht gegenwärtigen weiteren Zeichnung. Indes mag die Erklärung in der Mitte liegen. Verrijk kannte sowohl van Goyen’s Aufnahme als auch deren Örtlichkeit selbst. Denn ausweislich A. G. Schultes Publikationen (1981 bzw. 1993) bereiste Verrijk neben Nord-Frankreich, Nord- + Südholland auch ausdrücklich die Provinz Utrecht und bewegte sich solchermaßen

auf  den  niederrheinischen  Spuren  van  Goyen’s .

Auf getöntem festen Bütten. – Namentlich auch durch ihre Kanallandschaften bekannt, korrespondieren die Werkgruppen der in ihren Lebensverhältnissen weitgehend unbekannt gebliebenen Dirk/Theodor einer- und Thomas andererseits miteinander und legen solchermaßen die Identität beider nahe. Wobei Wurzbach übersehen haben mag, daß er für Thomas Amsterdam, für Theodor aber Mecheln als Wirkungsstätte angibt. Signaturen sowohl mit D. als auch T. für den abgekürzten Vornamen. Die hiesige nur mit dem Nachnamen, ansonsten identisch mit der von Wurzbach III, 172 unter Thomas genannten Tuschzeichnung des Leidener Tores in Amsterdam der dortigen Versteigerung Müller & Cie. von 1904.

Nagler (1850) macht auf die „schöne(n) Tuschzeichnungen“ aufmerksam, deren 16 sich in der Sammlung de Grez befanden (seit 1913 in den Musées Royaux des Beaux-Arts Brüssel), indes 5 Blätter der Ermitage, erworben 1768/70 in Brüssel seitens Katharina’s II. aus der Zeichnungs-Sammlung Graf Johann Karl Philipp Cobenzl (1712-1770, Bevollmächtigter Maria Theresia’s in den österreich. Niederlanden, Lugt II, 2858b), zwecks Devisenbeschaffung auf der denkwürdigen 1931er Leipziger Auktion „Handzeichnungen alter Meister … aus den Beständen der Eremitage in Leningrad …“ figurierten (Boerner CLXXI, 251). Reizvoll an hiesiger Arbeit nicht zuletzt auch die partielle zusätzliche Höhung in Schwarz. – Rückseits fünf Spuren früherer Montage, sonst makellos.

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(Sign. P. P., 26. November 2011)