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Die  Jagd  auf  den  Majestätischen

Kostbar  auch  das  Material  –

Pergament !!

Le Brun – Löwenjagd. Teils berittene mehrköpfige Gruppe unterschiedlicher Kopfbedeckung, auch ohne, mit Spieß, kürzerer Stoßwaffe, Schwert und Köcher mit Pfeilen im Kampf mit zwei Löwen, deren einer schon erlegt ist und unter übergeworfener Decke nebst pfeilgefülltem Köcher das untere rechte Bild dominiert. Der zweite hingegen hat im Mittelfeld einen abgeworfenen Jäger unter sich gebracht, dessen Pferd kraftvoll nach links abgeht, indes er selbst sich mit dem Schwert zu erwehren sucht und die Linke noch im Schild steckt. Ein Barhäuptiger mit nicht identifizierter Stoßwaffe, wie auch von weiterem geführt, eilt ihm von links kraftvoll ebenso zu Hilfe wie von oberhalb zwei Berittene, deren rechter, auf Tierfell sitzend, mit dem Spieß ausholt. Baum- + Palmenstaffage. Bister-Federzeichnung über partiell durchgängiger, flüchtiger Entwurfsskizze in Bleistift auf Pergament mit schmaler schwarzer Einfassungslinie, möglicherweise aus der Werkstatt Charles Le Brun’s (1619 Paris 1690). 435 x 572 mm.

Von  Rasanz  bestimmte  wandtüchtige  große  Arbeit

durchaus noch ungeklärter Fragen zu Genesis und Bestimmung, nachdem gelegentlich eines Besuchs Christian von Heusinger die Möglichkeit einer Vorlage für einen Gobelin der von Le Brun geführten Manufacture royale des tapisseries oder, zuvor, der Manufaktur Nic. Fouquet’s

– „ Neben seiner bedeutsamen organisatorischen und künstlerischen Tätigkeit für die Gobelins … führte Le Brun mit seinem Gehilfenstabe … zahlreiche dekorative Freskenfolgen aus … “ (Thieme-Becker) –

angesichts des Materials als „viel zu kostbar“ spontan zurückwies und, so mit anschließendem Brief vom 31. Juli 2009, eine spätere Fertigung zur Nutzung als literaturvernachlässigtes Transparent unter Verweismöglichkeit auf das 1823er lithographische Triumphtransparent Nr. 63a des Katalogs zu der von ihm kuratierten 1985/86er Ausstellung Kunst der Goethezeit – Zeichnungen und Graphik aus dem Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig zu überlegen gab. „Vielleicht ist das ein Weg, der schönen klassizistischen Zeichnung etwas näher zu kommen.“ Eine Wegempfehlung, der sich anzuschließen hier schwerfällt. Zumindest wäre mangels jeglicher rückseitig erkennbarer Befestigungsspuren das Pergament hierzu nicht genutzt worden. Vor allem aber hebt sich nach hiesiger Ansicht der männlich-kräftige Gesamteindruck der Zeichnung doch zu sehr vom altertümelnden weichen Stil jener Periode deutscher Kunst ab. Zumindest gedacht sei aber auch des schon älteren Doppelpunktes hinter dem „o“ der Nummerung in Bister unten rechts – No: 159. – wie etwa bei Ridinger (1698-1767) gang und gäbe.

Die rückseitige Zuschreibung an Le Brun indes von Fabian Stein, der über diesen promovierte, nach Fotoansicht mangels dessen persönlichen Duktus’ nicht bestätigt, wenngleich

Charles Le Brun, Die Überquerung des Granikos (Detail)

„ Einzelne Elemente der Figurengruppe … durchaus Ähnlichkeiten mit Le Brun’schen Kompositionen (aufweisen); ich glaube unter Anderem in der Alexanderfolge mich an Vergleichbares zu erinnern, etwa für den Verletzten am Boden, den ihm zu Hilfe Eilenden, für die Pferde. Man darf jedoch nicht vergessen, dass Le Brun in solchen Kompositionen oft selbst ‘zitiert’, und etwa auf Rubens oder Italienisches zurückgreift. “

Charles Le Brun - Löwenjagd-Zeichnung auf Pergament (Detail)Charles Le Brun - Löwenjagd-Zeichnung auf Pergament (Detail)

So handelt es sich bei dem Verletzten um den mittig der Granikos-Überquerung unter dem Schimmel des sich mit Alexander messenden Memnon Liegenden. Und der ihm im Pergament zu Hilfe Eilende harmoniert in Stellung und Aktion mit dem im Öl gleichfalls linksseitigen Krieger, der dort aber eigenständig agiert und einen am Boden liegenden Gegner erledigt. Aber auch das Tierfell als Reitdecke des Jägers rechts oben korrespondiert mit solchen der Le Brun-Öle. Deren autorisierte grandiose Kupfer-Ausgabe von Audran-Edelinck im Auftrage Ludwigs XIV. – „ Man  kann  sich  kaum  schönere  Kupferstiche  vorstellen “ , Thieme-Becker 1908  +  „ Monumente  der  Geschichte  der  Druckgraphik “ , AKL 1992 – hier derzeit in einem Exemplar letzter Schönheit des Erstzustandes in adäquater Designer-Bindung per 15.272 aufliegend.

Und, nach der Möglichkeit einer gleichwohl sicher zu verneinenden Pause fragend,

„ Man hat beinahe den Eindruck, dass für die zentrale Gruppe Elemente aus mehreren Zeichnungen zusammengefügt wurden. Dieses Verfahren war ja … gebräuchlich. “

Wie etwa Rembrandt’s Lieblingschüler Ferdinand Bol (1616-1680) „häufig Motive aus Radierungen und Gemälden seines Lehrmeisters (übernahm), Varianten dazu (entwickelte) oder Fragmente aus verschiedenen Werken (zusammenstellte), wie es bei einer Ausbildung in Rembrandts Atelier üblich war“ (Stefaan Hautekeete in dem von ihm hrsg. Ausstellungskatalog „Holland in Linien. Ndl. Meisterzeichnungen des Goldenen Zeitalters aus den Kgl.-Belg. Kunstmuseen Brüssel“, Brüssel/Amsterdam/Aachen 2007/08, Seite 187/I).

Wofür in der Tat der nur kleine Reiter zwischen dem mächtig gesehenen, bravourös abgehenden Pferd und dem Jäger zu Fuß ganz links ebenso wie die nicht recht eindeutige Dreierfiguration rechts außen sprechen könnten, die eher an selbständige Skizzen zum Thema erinnern, dem Ganzen aber doch nahtlos einverleibt sind. Gleichwohl folgt die Feder aber mitnichten Pauselinien, sondern orientiert sich vielmehr lediglich an partiell flüchtiger Bleistift-Skizzierung. Solchermaßen keine Reinzeichnung, sei nicht übersehen, daß freie Federarbeiten als nicht korrigierbar der Hand des Könners bedürfen.

Wie gesagt, eine themenunabhängig interessante Arbeit, gut für vertiefende weitere Beschäftigung,

wobei  das  Material  aber , „viel  zu  kostbar“ , nicht  zu  vernachlässigen  ist !

Die für Blätter dieser Größe geradezu nur außerordentlich geringfügige, praktisch übersehbare Wellung wohl von der Handwärme des Zeichners herrührend (vgl. Meder, Handzeichnung, Seite 169). Namentlich in der oberen Himmels- bzw. Baumpartie fleckig, doch kaum störend. Die völlig geglättete Mittelfalte bildseits nur noch schemenhaft wahrnehmbar. Vereinzelte stecknadelspitzen- bis -kopfkleine (1) Löchlein. In der rechten unteren Ecke besagte hs. Nummerung in Bister. Rückseits in Bleistift: Ch. le Brun. Im übrigen tadellos und

erfüllt  von  der  ganzen  Dynamik  einer  reichen  frühen  Großwildjagd .

Angebots-Nr. 15.612 / Preis auf Anfrage


“ Thank you for your kind help with the Hogarth and for always pleasant correspondence ”

(Mrs. M. K., April 15, 2004)