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Verdier, Übergabe von Babylon an Alexander den Großen durch Mazäus

„ Die triumphale Apotheose …

Darstellend den Krönungs-Augenblick
der Persien-Campagne … “

Verdier, François (1651 Paris 1730). Kampflose Übergabe von Babylon nach der Schlacht von Arbela (1. Oct. 331 v. Chr.). Nach der Niederlage des Perserkönigs Dareios III. übergibt dessen Feldherr Mazäus, der sich hierhin geflüchtet hatte, die Stadt dem siegreichen großen Alexander von Macedonien (356-323), der ihm denn auch auf liberalste Weise begegnet. Figurenreiches Scenarium unter Palmen vor den Mauern der Stadt. Grau lavierte und weiß gehöhte schwarze Kreidezeichnung auf blauem Papier. Bezeichnet im Unterrand: maceo … … apres la Bataille darbel Vien ce Rendre a Alexandre. Ca. 261 x 503 mm.

Provenienz

Englische Privatsammlung
um 1770

aufgelegt von dieser auf beigefarbenen Untersatzbogen (38 x 60,5 cm)

mit Wz. D & C Blauw

(Heawood 3268; „England c. 1769“,
ob begleitet von den Nebenmarken Wappen + IV muß offenbleiben).

„ Da sich (Alexander) nun Babylon selbst näherte, gieng ihm Mazäus, der sich aus dem Treffen (bei Gaugamela „unweit von Arbela [in Assyrien, das heutige Arbil/Erbil als Hauptstadt Kurdistans, eines oder gar das ältestbesiedelte Gebiet der Welt]“, Meyers, a. a. O., I, 318) in diese Stadt geflüchtet hatte, mit seinen schon erwachsenen Kindern entgegen, und überließ sich und die Stadt der Gnade des Siegers.

Verdier, Alexander + Mazäus

Die Ankunft dieses Mannes war für den König sehr erwünscht, indem sie ihn der so weit aussehenden Belagerung einer so festen Stadt überhob. Ausserdem war leicht zu vermuthen, daß dieser berühmte und tapfere Mann, der sich besonders im letzten Treffen so sehr hervorgethan hatte, noch mehrere durch sein Beyspiel zur Uebergabe reizen würde. Er begegnete ihm und seiner Familie daher sehr gnädig … “

( Quintus Curtius Rufus , Alexander der Große [ca. 50 n. Chr.],
Frankfurt/M. 1783, Bd. II, Seiten 7 f. ) .

Thematisch zugehörig

Charles  Le Brun’s

Grand  Peintre  du  Grand  Siècle

Erster  Maler  König  Ludwigs XIV.

gigantischem  Alexander-Zyklus

der indes erst die Anschluß-Situation aufgreift, Alexander’s Einzug in die Stadt, von Donald Posner (Charles LeBrun’s Triumphs of Alexander, in The Art Bulletin XLI [1959], Nr. 3, 237 ff.) in die die Curtius-Schilderung resümierenden Worte gefaßt

„ Darstellend den Krönungs-Augenblick der Persien-Campagne, als der Welt-Eroberer die Huldigung der alten Stadt empfing,

manifestiert  das  Gemälde

die  zwangsläufige  Erhöhung  tugendhaften  Königtums ,

die  triumphale  Apotheose .“

Le Brun’s Zyklus auf seinen fünf Leinwänden zwischen 2,98-4,7 x 4,53-12,65 m aus den Jahren 1661-1668 – adäquate Stichversion von 1671/78 hier aufliegend als Designer-Exemplar jenseits von Gut + Böse – als einer jener Verewigungen Ludwigs XIV., für die dessen 1. Minister Colbert „keine Ausgabe zu groß war, wenn der Ruhm, la gloire, des Königs in Frage kam“. Hier denn der Sonnenkönig in gedachter Gestalt „Alexanders des Großen als Schlachtenmeister“. Dessen persönliche Ausstrahlung die Künstler allerdings in der Tat zu beflügeln vermochte. So meinte 1665 vor Ort der die Porträt-Büste schaffende große Bernini – „Besonders als Porträtist ist (dieser) um der außerordentlichen Fähigkeit willen, das Individuelle der Person wiederzugeben, der bewundertste Meister seiner Zeit gewesen“ (Thieme-Becker) – „der König habe einen Alexanderkopf“. Mit dem Ergebnis, daß „Die großartige Büste des jungen Königs … das selbstbewußte Wesen des Herrschers in unvergleichlicher Weise wieder(gibt): es ist etwas Jupiterhaftes, das aus den heitern Zügen des Monarchen spricht“ (jeweils Weigand, Der Hof Ludwigs XIV., 3. Aufl., Insel-Verlag 1925, SS. 59, 152, 43). Und so war denn auch anstehenden Falles

„ schlußendlicher  Konsens

daß  niemand  anders  als  Le Brun

Die  (Historien/Triumphe Alexander’s)  hätte  kreieren  können “.

Jene Höhepunkte des Handelns eines Mannes also, dessen Name allein schon Programm ist. „Alexandros … der ‚Männerbeschützende‘, griech. Mannesname“. Hier denn „der Große“ (356-323 v. Chr.),

„ der größte Eroberer aller Zeiten, Sohn des Königs Philipp und der Olympias … Sein erster Erzieher war Leonidas … dann von seinem 13. Jahr ab der berühmte Philosoph Aristoteles. Diesem gebührt der Ruhm, in dem leidenschaftlichen Knaben den Gedanken der Größe, jene Hoheit und Strenge des Denkens geweckt zu haben, die seine Leidenschaften adelte und seiner Kraft Maß und Bewußtsein gab. A. bewies seinem Lehrer stets die innigste Verehrung; er sagte oft, seinem Vater danke er nur sein Leben, seinem Lehrer, daß er würdig lebe … A. wurde schon bei Lebzeiten durch die bildende Kunst verherrlicht wie kein Held des Alterthums vor ihm “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., I [1889], 316 ff.).

Herausgreifend die highlights Überquerung des Granikos Mai 334 – Am Morgen nach der Schlacht bei Issos im Zelt des Dareios, dessen Familie seine Aufwartung machend, November 333 – Entscheidungs-Schlacht von Gaugamela/Arbela 1. Oktober 331 – Einzug in Babylon Herbst 331 – Am Hydaspes oder Poros vor Alexander Mai 326 . All welcher Grandeur

François  Verdier

umsomehr verpflichtet war als Le Brun von Anbeginn nahestehend und schließlich auch familiär verbunden. So zunächst als Schüler an der Académie royale mit 1668 + 1671 jeweils einem 1. Preis, dann als Gehilfe in Versailles und schließlich seit 1685 durch Heirat einer Nichte Madame Le Brun’s. Wobei aus heutiger Sicht auch bei ihm wieder die Tiefe der Vertrautheit mit der alten Geschichte, hier denn dem

atemberaubend  ereignisreichen  Leben  Alexander’s

überrascht, fußend auf der Beschreibung des Curtius Rufus, dessen zwangsläufige Aneinanderreihung fascinierender Ereignisse

Verdier  zum  künstlerischen  Alexander-Spezialisten

par excellence mutieren ließ.

1668 zum Agréé und 1678 zum Vollmitglied der Académie royale ernannt, bildete sich François Verdier, Sohn des Hofuhrmachers Louis V., 1679/80 an der Académie de France in Rom weiter, an der er 1681 zum Professeur-adjoint berufen wurde und von 1684/99 als deren ordentlicher Professeur wirkte. „Zahlreiche Stecher, darunter (Le Brun’s legendärer Alexander-Stecher) Girard Audran … haben nach (seinen) Zeichnungen gestochen“ (Thieme-Becker XXXIV [1940], 233).

Seine Zeichnungen – vielfach gleichen hiesigen Formates – wohl eher nur vereinzelt signierend, benutzte er praktisch generell beigefarbene und braune Papiere, von denen sich denn

hiesige  auf  ihrem  blauen  Papier  sichtbar  abhebt ,

wie denn solche dem Sammler alter Meisterzeichnungen und Graphiken seit jeher besonders kostbar sind, nicht zuletzt als an besondere Zweckbestimung denken lassend. Als stilistisch und technisch hier heranziehbar diesbezüglich erinnerlich etwa auch Verdier’s auf blauem Papier gefertigte 6blätterige Folge zum Alten Testament in London (British Museum 1872,0113,763-768), die denn früher auch Charles Le Brun zugeschrieben war und deren Blatt 767 2002 zur 6monatigen Japan-Ausstellung French Drawings from the British Museum in Tokyo + Nagoya gehörte.

Seitens obiger Provenienz montiert und eingefaßt von antiker Goldpapier-Leiste und zwei Paspelierungs-Doppel in Schwarz, trägt eine der drei hier aufliegenden gleichartigen weiteren Alexander-Zeichnungen rückseits die detaillierte Montage- und Rahmungsanweisung in Bleistift: 4 w(ash)|es (lavierte Zeichnungen) / … 2/26 (26. 2.) / gold & w(ash)|lined (gezeichnete Linien) / mounts & gilt frames (& Goldrahmen) / to suit / ask R.

Der Montagebogen gesamthaft altersspurig und mit rückseitigem 2 cm breitem braunen Oberrand-Klebstreifen.

Angebots-Nr. 16.121 / Preis auf Anfrage


“ Thanks a lot for your answer to my request, in such a short time and in such a detail! I’m pleasantly surprised with the fact that you presented me 3 different options! The 2 options … although very tempting (pricewise, extra prints etc) do not interest me, because of the condition of the prints. As a collector I wouldn’t like anything else but the best – the first option. To be absolutely honest with you, I expected the price to be high, but not so much … (It’s a) ‘Museum quality’ piece … Congratulations for the excellent pieces you offer !!! ”

(Mr. L. M., January 12, 2016)