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Verdier, Sophites begrüßt Alexander den Großen

In Indien

„ In  diesem  Lande  giebt  es  sehr  vortrefliche  Jagdhunde ,

die … besonders

für  die  Löwenhaz  sehr  gut  sind “

Verdier, François (1651 Paris 1730). Der indische König Sophites begrüßt etwa im Sommer 326 v. Chr. den siegreich vorrückenden großen Alexander von Macedonien (356-323) souverän vor den Toren der Stadt. Reich gewandet mit Schleppenträger, das Zepter zwecks Übergabe in der erhobenen Rechten. Linksseits zurückgesetzt die Stadtbefestigung. Landschaftlich malerisch eingebettetes figurenreiches Scenario mit dem Geschehen zugewandten drapierten Reitelefanten links außen, besetzt nur mit seinem Führer, der Sitz selbst leer, auf dem Sophites zweifelsohne herausgeritten kam, um erst unmittelbar vor Alexander abzusteigen. Ganz so, wie seinem herrschaftlichen Auftritt angemessen und solchermaßen von Curtius Rufus, s. u., nicht eigens erwähnt. Grau lavierte und weiß gehöhte schwarze Kreidezeichnung auf blauem Papier. Ca. 262 x 512 mm.

Provenienz

Englische Privatsammlung
um 1770

aufgelegt von dieser auf beigefarbenen Untersatzbogen (38 x 60,5 cm)

mit Wz. D & C Blauw

(Heawood 3268; „England c. 1769“,
ob begleitet von den Nebenmarken Wappen + IV muß offenbleiben).

„ Nach dem Sieg über den Porus (Mai 326 am Hydaspes) dringt Alexander weiter in Indien vor, und unterwirft sich verschiedene Städte und Völker … Von hier kam Alexander in das Gebiet des Sophites. Für Barbaren ist dies ein sehr erleuchtetes Volk, und hat heilsame Gesetze …

Der König dieses Volkes befand sich selbst in seiner Hauptstadt, vor der jetzt Alexander stand. Die Thore waren geschlossen, aber nirgends, weder auf der Mauer, noch auf den Thürmen, ließ sich jemand in den Waffen sehen, daß also die Macedonier nicht wußten, ob der Feind die Stadt etwa verlassen, oder sich aus List verborgen halte. Auf einmal aber gieng das Thor auf,

und  der  Indische  König

kam  unter  Begleitung  seiner  beyden  Söhne  heraus ,

Alexandern  entgegen .

Dieser Herr der an Größe und Schönheit alle Barbaren übertraf ,

trug  einen  mit  Gold  und  Purpur  durchwirkten  Talar :

seine goldne Sohlen waren mit Edelgesteinen besetzt , die Aerme oben und unten mit Perlenschnüren geschmückt. Die Steine oder Perlen in den Ohrgehängen waren blendend weiß und groß.

Verdier, Alexander + Sophites

Das  goldne  Scepter , welches  er  in  der  Hand  hatte ,

war  mit  Beryllen  besetzt .

Dies überreichte er Alexandern , und bat ihn , seine Person so wohl , als seine Kinder und sein ganzes Reich in seinen beglückenden Schutz aufzunehmen .

In diesem Lande giebt es sehr vorrefliche Jagdhunde, die, wie man sagt, bey dem Anblick eines Wildes so gleich zu bellen aufhören, und besonders für die Löwenhaz sehr gut sind. Um Alexandern davon zum Augenzeugen zu machen: ließ Sophites einen ausserordentlich großen Löwen bringen und ihn blos von vier Hunden hezen, die so gleich den Löwen anpackten …

Alexander bestätigte den Sophites in seinem Reiche

und rückte an den Fluß Hypasis … “

( Quintus Curtius Rufus , Alexander der Große [ca. 50 n. Chr.],
Frankfurt/M. 1783, Bd. II, Seiten 359 + 366-368 ) .

Thematisch zugehörig

Charles  Le Brun’s

Grand  Peintre  du  Grand  Siècle

Erster  Maler  König  Ludwigs XIV.

gigantischem  Alexander-Zyklus

auf fünf Leinwänden zwischen 2,98-4,7 x 4,53-12,65 m aus den Jahren 1661-1668 – adäquate Stichversion von 1671/78 hier aufliegend als Designer-Exemplar jenseits von Gut + Böse – als einer jener Verewigungen Ludwigs XIV., für die dessen 1. Minister Colbert „keine Ausgabe zu groß war, wenn der Ruhm, la gloire, des Königs in Frage kam“. Hier denn der Sonnenkönig in gedachter Gestalt „Alexanders des Großen als Schlachtenmeister“. Dessen persönliche Ausstrahlung die Künstler allerdings in der Tat zu beflügeln vermochte. So meinte 1665 vor Ort der die Porträt-Büste schaffende große Bernini – „Besonders als Porträtist ist (dieser) um der außerordentlichen Fähigkeit willen, das Individuelle der Person wiederzugeben, der bewundertste Meister seiner Zeit gewesen“ (Thieme-Becker) – „der König habe einen Alexanderkopf“. Mit dem Ergebnis, daß „Die großartige Büste des jungen Königs … das selbstbewußte Wesen des Herrschers in unvergleichlicher Weise wieder(gibt): es ist etwas Jupiterhaftes, das aus den heitern Zügen des Monarchen spricht“ (jeweils Weigand, Der Hof Ludwigs XIV., 3. Aufl., Insel-Verlag 1925, SS. 59, 152, 43). Und so war denn auch anstehenden Falles

„ schlußendlicher  Konsens

daß  niemand  anders  als  Le Brun

Die  (Historien/Triumphe Alexander’s)  hätte  kreieren  können “.

Jene Höhepunkte des Handelns eines Mannes also, dessen Name allein schon Programm ist. „Alexandros … der ‚Männerbeschützende‘, griech. Mannesname“. Hier denn „der Große“ (356-323 v. Chr.),

„ der größte Eroberer aller Zeiten, Sohn des Königs Philipp und der Olympias … Sein erster Erzieher war Leonidas … dann von seinem 13. Jahr ab der berühmte Philosoph Aristoteles. Diesem gebührt der Ruhm, in dem leidenschaftlichen Knaben den Gedanken der Größe, jene Hoheit und Strenge des Denkens geweckt zu haben, die seine Leidenschaften adelte und seiner Kraft Maß und Bewußtsein gab. A. bewies seinem Lehrer stets die innigste Verehrung; er sagte oft, seinem Vater danke er nur sein Leben, seinem Lehrer, daß er würdig lebe … A. wurde schon bei Lebzeiten durch die bildende Kunst verherrlicht wie kein Held des Alterthums vor ihm “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., I [1889], 316 ff.).

Herausgreifend die highlights Überquerung des Granikos Mai 334 – Am Morgen nach der Schlacht bei Issos im Zelt des Dareios, dessen Familie seine Aufwartung machend, November 333 – Entscheidungs-Schlacht von Gaugamela/Arbela 1. Oktober 331 – Einzug in Babylon Herbst 331 – Am Hydaspes oder Poros vor Alexander Mai 326 . All welcher Grandeur

François  Verdier

umsomehr verpflichtet war als Le Brun von Anbeginn nahestehend und schließlich auch familiär verbunden. So zunächst als Schüler an der Académie royale mit 1668 + 1671 jeweils einem 1. Preis, dann als Gehilfe in Versailles und schließlich seit 1685 durch Heirat einer Nichte Madame Le Brun’s. Wobei aus heutiger Sicht auch bei ihm wieder die Tiefe der Vertrautheit mit der alten Geschichte, hier denn dem

atemberaubend  ereignisreichen  Leben  Alexander’s

überrascht, fußend auf der Beschreibung des Curtius Rufus, dessen zwangsläufige Aneinanderreihung fascinierender Ereignisse

Verdier  zum  künstlerischen  Alexander-Spezialisten

par excellence mutieren ließ.

1668 zum Agréé und 1678 zum Vollmitglied der Académie royale ernannt, bildete sich François Verdier, Sohn des Hofuhrmachers Louis V., 1679/80 an der Académie de France in Rom weiter, an der er 1681 zum Professeur-adjoint berufen wurde und von 1684/99 als deren ordentlicher Professeur wirkte. „Zahlreiche Stecher, darunter (Le Brun’s legendärer Alexander-Stecher) Girard Audran … haben nach (seinen) Zeichnungen gestochen“ (Thieme-Becker XXXIV [1940], 233).

Seine Zeichnungen – vielfach gleichen hiesigen Formates – wohl eher nur vereinzelt signierend, benutzte er praktisch generell beigefarbene und braune Papiere, von denen sich denn

hiesige  auf  ihrem  blauen  Papier  sichtbar  abhebt ,

wie denn solche dem Sammler alter Meisterzeichnungen und Graphiken seit jeher besonders kostbar sind, nicht zuletzt als an besondere Zweckbestimung denken lassend. Als stilistisch und technisch heranziehbar diesbezüglich erinnerlich etwa auch Verdier’s auf blauem Papier gefertigte 6blätterige Folge zum Alten Testament in London (British Museum 1872,0113,763-768), die denn früher auch Charles Le Brun zugeschrieben war und deren Blatt 767 2002 zur 6monatigen Japan-Ausstellung French Drawings from the British Museum in Tokyo + Nagoya gehörte.

Seitens obiger Provenienz montiert und eingefaßt von antiker Goldpapier-Leiste und zwei Paspelierungs-Doppel in Schwarz, trägt eine der drei hier aufliegenden gleichartigen weiteren Alexander-Zeichnungen rückseits die detaillierte Montage- und Rahmungsanweisung in Bleistift: 4 w(ash)|es (lavierte Zeichnungen) / … 2/26 (26. 2.) / gold & w(ash)|lined (gezeichnete Linien) / mounts & gilt frames (& Goldrahmen) / to suit / ask R.

Eine eventuelle Beschriftung im Unterrand umsoweniger lesbar als ggf. überwiegend von der Goldeinfassung abgedeckt. – Schwache Faltspur rechts der Mitte. – Der Montagebogen gesamthaft altersspurig und mit rückseitigem 2 cm breiten braunen Oberrand-Klebstreifen.

Angebots-Nr. 16.122 / Preis auf Anfrage


„ … wartete das (Eulen-)AHA auf mich … Das Foto von den Waldohreulen(-Jungen in Ihrem Garten) fand ich sehr gelungen, es fügt sich nahtlos in die Stiche ein. Ein wenig beneide ich Sie, denn mir (als aktivem Waidmann) war es bisher nicht vergönnt, diese Tiere in freier Wildbahn zu erleben. Niemeyers Garten ist tatsächlich ein heimlicher Wildpark “

(Herr P. D., 1. Juli 2015)