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Thomas Baston –seltener Pionier der englischen Marinemalerei
Hier sein Schiffbruchin lavierter Federzeichnung auf Pergamentals Feinstes vom FeinenBaston, Thomas. Tres Notus abreptas in faxa latentia torquet. An den Riffen einer Steilküste scheitert eine englische Galeone mit schon arg mitgenommener Takelage. Lediglich der Union Jack flattert noch frech von der Sprietstenge. Auf den Klippen bereits zahlreiche von einem Kutter angelandete Schiffbrüchige, während auf dem Wrack noch etliche andere auf Rettung harren. Im Hintergrund scheint eine weitere Galeone dem gleichen Schicksal entgegenzutreiben, indes eine dritte gerade erfolgreich halst. Grau lavierte Federzeichnung auf Pergament. Unten rechts bezeichnet: TBaston F. 1710 sowie aus Vergil’s Æneis wie oben. 182-186 x 285-287 mm.
Sehr fein ausgeführte , atmosphärenreiche Arbeit Baston’s zur Folge der „Twenty-two Prints of several of the Capital ships of his Majesties Royal Navy with Variety of other Sea Pieces after the Drawings of T. B.“, die 1721 „unter seinem Namen nach seinen Zeichnungen, aber von verschiedenen Künstlern gestochen“ bei T. Bowles in London erschien und erst Thieme-Becker III, 27 mit 22 Blatt komplett bekannt war. Nagler I, 317 kannte Baston als Zeichner und Stecher, aber nur 9 Blatt der auch im Scheepvaart Museum fehlenden, erst in jüngster Zeit mit US$ 20.000 hochbezahlt verhandelten Folge. In seinen Lebensverhältnissen weitgehend unbekannt, sind andere Arbeiten auch der neuesten Literatur – AKL VII, 434 – nicht bekannt geworden:
(Archibald, Dictionary of Sea Painters, in der den Druckfehler „un“important korrigierenden 3. Ausg., 2000). Ergänzend hierzu Chatterton, Old Ship Prints, 83 f., nebst Tafel:
Auf Grund neuerer Nachforschungen scheint hiesiger Baston indes um 1665/70 in Irland geboren und Vater eines 1691 in Allhallows, London Wall, als Sohn von Thomas (I) und Mary Baston getauften Thomas (II) zu sein. Weitere Dokumente belegen die Existenz eines zumindest in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts in großen finanziellen Schwierigkeiten lebenden Marinezeichners Thomas Baston, bei dem es sich altersmäßig somit um hiesigen Th. I handeln dürfte, der schließlich die Jahre von 1710 bis wenigstens Ende 1716, wahrscheinlicher bis um 1720, in Schuldhaft verbrachte. Dies denn in bemerkenswerter Übereinstimmung mit der Spanne in den Datierungen zwischen anstehender und zwei weiteren hier präsenten Zeichnungen von 1720 bzw. 1722 sowie dem 1721 einsetzenden Erscheinen der Folge. Für 1728 ist in Allhallows abschließend noch die Geburt eines Thomas III als Sohn von wiederum Thomas und Mary Baston belegt. Siehe hierzu wie auch zu der gleichfalls in Allhallows für vor Mitte 1691 vermerkten Heirat eines (weiteren?) Thomas Baston mit der begüterten Witwe Ann Grace ausführlicher Charles H. Wallace, Thomas Baston: Pioneer Marine Print Designer. Künstlerisch gehört Baston zu den frühesten Pionieren einer eigenständigen englischen Kunstszene zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Und es sind Baston und der offenbar etwa eine halbe Generation jüngere Peter Monamy (1681-1749), die nicht allein die Nachfolge des zuletzt in London tätigen, 1707 verstorbenen jüngeren van de Velde antreten, sondern eine im politisch-wirtschaftlichen Umfeld gesicherter Vorherrschaft auf allen Meeren und eines wachsenden Kolonialreichs zunehmende bürgerliche Kunstnachfrage befriedigen und damit die Marinemalerei populär machen, Baston im Bereich der Grafik, Monamy mit Ölen. Letzterer übrigens gleichen Tages von der Zunft der Maler freigesprochen wie Sir James Thornhill, der spätere Schwiegervater William Hogarths, mit dem Monamy dann befreundet war und gleich dem er – kurz vor seinem Tode – mit einer heute allerdings verschollenen Marine zur Ausstattung von Captain Corams Findelhaus beitrug. Das von Chatterton wiedergegebene dreizehnte Blatt der Folge – wie anstehendes gestochen von Sartor – mit Wappen und Widmung für die kgl. Offiziere anstelle des Vergil-Verses.
Mit dem zugehörigen zeitgenössischen Kupfer im Gegensinn von Johann Jakob Sartor (bezeichnet: TBaston delin / Sartor Sculp., ansonsten wie die Zeichnung nebst Zusatz „Vergil“. 22 x 30,9 cm). Sartor, auch Sarter geschrieben, lebte zumindest überwiegend in Köln, nämlich von 1710 (Titel zu den Opera mystica des B. Joannis a Cruce) bis 1737. So Nagler, Monogramm., IV, 424 in nur teilweiser Übereinstimmung mit Thieme-Becker (1706/12 ungewiß wo, 1715/19 London, 1732/37 Köln). Im Künstler-Lexicon allerdings erwähnt Nagler unter Pos. 1 das Kreuzigungsblatt nach van Dyck und Schelte à Bolswert, das 1729, also während der berichteten Kölner Zeit, in London erschien.
Die Zeichnung knapp außerhalb – unten unter Aussparung der Signatur rechts – der Einfassungslinie geschnitten. Die von der Handwärme des Künstlers herrührende minimale Wellung – vgl. Meder, Handzeichnung, 169 – kaum wahrnehmbar. Etwas stockfleckig. Im übrigen hier und da ganz minimal berieben. Der überaus üppige Papierrand des Kupfers – auf besonders schwerem Bütten mit großem Lilienwappen mit Krone – in den Außenpartien tlw. zeitspurig und mit etlichen säurefrei hinterlegten Randeinrissen. Im übrigen jedoch durch noch schwach vorhandenen Plattenschmutz qualifizierter früher, kräftiger Abdruck. Von absolut unübertroffenem Reiz für jede Sammlung die Gegenüberstellung von Ursprungszeichnung und Kupfer : Einzig die Zeichnung kann durch ihre Unmittelbarkeit den ganzen Künstler offenbaren. In einem Maße wie es selbst beim Mezzotinto nicht erreichbar ist, können hier mit Feder und Lavierung neben klaren Linien auch noch feinste Schattierungen erzielt werden. Viele Details erscheinen auch in der durchgeführten Zeichnung noch skizzenhaft und solchermaßen den Blick freigebend für das, was dem Zeichner wesentlich war. Der an das Korsett der Linie gebundene Stich dagegen kann – unbeschadet seines durchaus eigenen Reizes – zarte Schattierungen nur sehr bedingt vermitteln, andere, in der Zeichnung nur skizzierte Details treten dafür vielfach sehr viel stärker in den Vordergrund als dies ursprünglich gedacht gewesen sein mag. So auch hier. Erscheint der Schiffbruch im Kupfer im harten Licht der aufbrechenden Bewölkung, so vermeint man auf der Zeichnung die Feuchtigkeit in der Luft über der aufgewühlten See geradezu zu fühlen. Solche Gegenüberstellung indes – bedingt sowohl durch den Unikatcharakter einer Originalzeichnung als solche wie auch die häufige Unauffindbarkeit – eine nur äußerst selten sich bietende Gelegenheit . Zumal bei Pergamentzeichnungen. War Pergament vor Aufkommen des Papiers noch das nahezu ausschließliche Material für Zeichnungen aller Art, so setzte etwa im dreizehnten Jahrhundert entsprechend der stetig verbesserten Qualität der Papiere eine zunehmend rigorosere Verdrängung ein, die dem Pergament vornehmlich die Rolle für stark beanspruchte Architekturentwürfe und ähnliches überließ. Erst
(Meder, Die Handzeichnung, S. 171 f.). Hiesige solchermaßen bereits am Ende der namentlich von den Niederländern getragenen Neubelebung stehend und, neben der besonderen Wirkung, wohl auch auf eine dem Virgil’schen Vers entsprechende Dauerhaftigkeit bedacht. In ihrer Gegenüberstellung mit dem zeitgenössisch gearbeiteten Kupfer – seitenverkehrt durch die direkte Übertragung auf die Platte – aber nunmehr eine absolute Bereicherung nicht nur jeder maritimen Sammlung . Und, wie gesagt, absolut unübertroffen der von solcher Gegenüberstellung Ursprungszeichnung – Kupfer ausgehende Reiz für den Betrachter . Und für das Selbstverständnis des Hausherrn . Angebots-Nr. 28.819 / Preis auf Anfrage
Gleichfalls verfügbar als Pergamentzeichnungen nebst zugehörigen Kupfern :
(Mrs. C. F., November 14, 2003) |