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Johann Elias Ridinger, Alexander der Große bei Halicarnassos (Detail)
Jagt  dem  flüchtigen  Jahr  hinterher  x

 

„ Der allgegenwärtige Meister –

hier aber entschlüpft der Kenntnis seiner Werkbearbeiter “

lautete einer der roten Fäden der hiesigen Jubiläums-Schrift zum 300. Ridinger-Geburtstag zu des Zeitgenossen Mellin Versuch einer Anweisung zur Anlegung … der Wildbahnen, den letzterer vor 226 Jahren zeitüberdauernd unternahm, nicht zuletzt, eben, dank eines Ridinger’schen Schweißhundes, der „eben so unentbehrlich ist (wie der vorbeschriebene Leithund), wenn er Wildpret zu pürschen hat“.

Und indem die ridinger handlung im nun auslaufenden Jahr zunehmend um Bildrechte aus des Meister’s Œuvre auch seitens durchaus entlegenerer Interessentenkreise angegangen wurde – so etwa eines englischen Universitätsprofessors für sein in amerikanischem Universitätsverlag erscheinendes Werk, an Hand des Parforce-Jägers mit der Meute (Th. 115) aus der Falconiers-Suite „to document the art to play with the one hand the ‚Trompe Dauphine‘ or ‚Cor Dampierre‘ and by the other to control the horse“ , eines bayerischen Kurortes, in waldiger Höhe seiner Seilbahnstation mittels Plakatierung der Ursprungszeichnung zur Wolfsgrube Th. 41 der Fürstenlust-Folge an wieder aktuell werdende frühere Mitjäger zu erinnern , in Amerika dieselbe Zeichnung zur Illustrierung einer Übersetzung von Löns’ „Werwolf“ zu nutzen oder anderwärts mit Hirsch + Sau Warenetiketten aufzuwerten – so sind all dies gute Markt-Signale für eine sehr erfreuliche Weiterentwicklung des Bekanntheitsgrades der Marke Ridinger.

Doch auch zum politischen Zeitgeschehen erwies sich der Meister à jour indem er ach so weit entfernt scheinende statements wieder aufs Tapet brachte, die wir aus anderem Munde brandfrisch gehört zu haben meinen. Wie etwa

„ Aller Optimismus ändere nichts daran, daß ohne Rücksicht auf Sonderinteressen zu Reformen geschritten werden müsse … Es gehe auch nicht um die Frage, ob rechts oder links regiert werden solle, es komme darauf an, daß es weder eine Rechts- noch eine Linkskoalition ohne Mitwirkung der bürgerlichen Mitte geben könne “ (ein früherer Koch-Weser von der Staatspartei) ;

„ Das Deutsche Reich … sei seit Jahren in einer Finanzentwicklung begriffen, die zum Abgrund führen müsse, wenn nicht eine große Finanzreform komme. Das deutsche Volk habe seit Jahren über seine Verhältnisse gelebt … Auch in Bayern hätten wir ein Krise “ (Dr. Held von der Bayerischen Volkspartei);

„ Die Privatwirtschaft lasse sich mit sozialistischer Sozialpolitik und Steuerpolitik nicht in Einklang bringen. Es gelte der Wiederherstellung des Vertrauens zu Staat und Reich. Das öffentliche Leben solle in Zukunft mehr denn je von christlichem Geiste, nicht im Neuheidentum beherrscht sein “ (Reichsarbeitsminister Stegewald vom Zentrum) .

Und Reichsminister a. D. Dr. Scholz von der Deutschen Volkspartei hieb in die Kerbe „einer neuen Kleinstaaterei“, in der man

„ selbst mit der Postkutsche nicht einen Tag reisen k(ann), ohne von Schlagbäumen aufgehalten zu werden und auf Paßschwierigkeiten zu stoßen “.

Analogisierend gemünzt auf die Zersplitterung der deutschen Parteienlandschaft. Aufs heute übertragen, könnte es auch aufs Krebsgeschwür allgegenwärtig wuchernden Maut-Procederes zielen, dem selbst Zeitungsmacher die Fahne vorantragen, die sich für kluge Köpfe halten, doch auf den Schultern zunehmend Hölzernes tragen, unempfindlich für die Schönheit der Freiheit als solcher und somit denn auch des Reisens auf längst und fortdauernd täglich aufs neue selbstbezahlten Straßen.

Vorgenannte kleine Sammlung entstammt der Rubrik „Aus dem Wahlkampf“ des Würzburger General=Anzeigers vom 3. September 1930, zu Tage gefördert 75 Jahre später gelegentlich der Entrahmung von Ridinger’s schönem Falken-Blatt mit Castell-Provenienz Th. 347, auf daß es in Übersee eine kontinuierlich wachsende Sammlung bereichere und damit jene von innerer Freiheit getragene Freude mehre, die das Umsichversammeln von Kunst begleitet.

In diesem Sinne recht schöne Weihnachtstage voll Harmonie und sammlungszugewandter Muße. Und alles Gute zum neuen Jahr, Gesundheit und Wohlergehen rundum, eine Vielzahl guter Stunden und Chancen zu lustvollem Pirschen und glücklichem Erjagen manch reizvollen Stückes, in welcher Gestalt auch immer.

 

Johann Elias Ridinger, Alexander the Great überquert den Tigris (Detail)
Schwimmt  dem  neuen  Jahr  entgegen x

 

x) Ridinger’s  Castell’scher  Saurüde .

Demnächst  begegnen  Sie  ihm  wieder .


“ … Thank you again for your considered thoughts. I am interested in the ‘Clara’ piece.  Please describe the process for completing a transaction for #15,275 ”

(Mr. M. P., December 8, 2008)