|
Widerrufsrecht Impressum William Hogarth Katalog 45 Jahre Kunsthandlung + Seltenheitsantiquariat Kataloge
Autographen
Kartographie
Bibliophilie Alte Meister Zeichnungen Grafik XX. Jahrhundert Recht Orts- + Landeskunde Miscellania: Bücher + Grafik Das AHA!-Erlebnis Juli 2008 Tiere, Jagen, Umwelt Fischen + Angeln Pferde + Reiten Joseph Georg Wintter Die Familie Rugendas Künstlerindex Homepage e-mail
Datenschutz Geschäftsbedingungen |
Das Portrait korrupter Parteienund einer verrotteten GesellschaftHogarth, William (1697 London 1764). Die Wahl eines Parlamentsmitgliedes. Folge von 4 Blatt Kupferstichen von Thomas Cook (ca. 1844 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinx(t). / T. Cook, sculp(t). / Published by Longman, Hurst, Rees(,) & Orme(,) (May 1st. 1807 – Oct. 1st. 1809). Bildgr. 14,6-15.5 x 18,8-19,7 cm. 1. Humours of an Election Entertainment. – 2. Canvassing for Votes. – 3. Polling at the Hustings. – 4. Chairing the Members. Hogarth’s voll zeitgenössischer Anspielungen steckende berühmte Suite – zu seinen „reifsten Schöpfungen“ gehörend (Th.-B.) und hier in Cook’s kleinformatiger Wiederholung vorliegend – ist die bekannteste graphische Schilderung einer Abgeordneten-Wahl . Ihre Entstehung im klassischen Land des Parlamentarismus verleiht ihr besonderes Gewicht. Denn sie ist zugleich – inpiriert von Ereignissen in Oxfordshire während der 1754er Wahlen, herausgegeben 1755-58 – das Portrait nicht allein korrupter Politiker und Parteien, sondern einer verrotteten Gesellschaft an sich. War doch zu Hogarth’s Zeiten neben der auf allen Blättern dokumentierten zeitüblichen Schlemmerei und Trinkerei als Teil jeder Wahl die Bestechung,
(Lichtenberg). Ein Schelm, wer dabei an die Unabhängikeit der Abgeordneten, den Fraktionszwang und die von der Partei vergebenen Listenplätze heute denken mag. Und an den Überdruß, den die Kaste der Berufspolitiker beim heutigen Wähler erregt, wenn Thieme-Becker resümieren:
Doch der Verwerflichkeit und käuflichen Parteilichkeit des gesamten Vorganges drückt Hogarth jenseits der Fülle der Anspielungen noch einen besonderen Stempel auf. Sind doch auch diese Blätter zugleich Karikaturen oder Parodien klassischer – und damit reiner – Werke aus Renaissance und Barock:
So das erste Blatt bis hin zum – in dieser Version nicht mehr wiedergegebenen – Untertext „He that dippeth his hand with me in the dish, the same shall betray me“ nach Leonardo’s Abendmahl. Gefolgt von Blatt zwei mit dem von beiden Seiten bestochenen Landmann als Umkehrung der Wahl des Herkules. Die Wahl selbst wiederum greift Tizian’s Präsentation der Jungfrau auf, mit Britannia selbst in zerbrochener Kutsche, deren beide Bedienstete auf dem Kutschbock Karten spielen und sich – Sinnbild des eigentlichen Wahlgeschehens vorne – dabei gegenseitig zu betrügen suchen. Das letzte Blatt schließlich, der Triumphzug des gewählten neuen Parlementsmitgliedes, gar auf Alexander den Großen in Le Brun’s Sieg Alexanders über Darius anspielt. Wobei der königliche Adler dort einer Gans hier weichen mußte. Die zudem mit dem, was sie fallen läßt, den Beitrag des neuen Abgeordneten zur Debatte im hohen Hause vorwegnimmt.
Diese Einbettung in den Kanon zeitloser Kunst zugleich und entgegen Lichtenberg’s Auffassung, die Blätter und ihre Details seien nur aus und in ihrer eigenen Zeit verständlich, der Folge eine eigene , über die Jahrhunderte gültige Zeitlosigkeit verleihend. Die noch unterstrichen wird von Hogarth’ oft mehrdeutigen oder je nach Zeit und Standpunkt anders auslegbaren Sarkasmen.
– – – Dasselbe. Folge von 4 Blatt Stahlstichen. Ca. 1850. Bezeichnet. 12,9-13,5 x 15,8-16,2 cm.
(Mr. L. A. F., November 5, 2003) |