„ … an farbigem Reize übertreffen sie jene sogar “
und von wo immer Sie schauen ,
sein Blick geht mit Ihnen
sodaß seine Lichter „ beweglich erscheinen “
Dahl, Siegwald Johannes (1827 Dresden 1902). Rehbock im Winterwald. Öl auf Holz. Bezeichnet: Siegwald Dahl 1880 (unten rechts) + Siegwald Dahl, Dresden Blasewitzer Str. 1. (rückseits oben). 54,5 x 63,5 cm. Unter schwerem, reichst ornamentiertem 12 cm breiten vergoldeten Rahmen d. Zt.

Literatur
Thieme-Becker VIII, 274 f.; Allgemeines Künstler-Lexikon XX, 320;
Boetticher, Malerwerke des 19. Jhdts., Dahl, 49
( „Rehbock im Winter“ )
Ausstellung
Dresden, Kunstverein, 1880
Das literaturdokumentierte stimmungsvolle Bild, von Dahl 1882 für die Verlosung des 1867 von Carola von Sachsen, Gemahlin König Alberts von Wettin (1833-1907, Tochter des österreich. Feldmarschalls Prinz Gustav Adolf von Wasa + der Prinzessin Luise von Baden), zunächst namentlich für die Verwundeten des 1866er Krieges gegründeten Albert-Vereins (Rotes Kreuz) gestiftet.
Schon als 37jähriger Ehrenmitglied der Dresdner Akademie, war Dahl Schüler seines Vaters, Johann Christian Clausen D., des Tiermalers Joh. Frdr. Wilh. Wegener und 1843/45 der Dresdner Akademie. „1851 besuchte er London, wohin Edwin Landseer ihn zog, wiederholt Paris und besonders Norwegen , die Heimat des Vaters, die auch ihn zu mehreren Kompositionen anregte“ (Boetticher 1891).
„ D. ist in erster Linie Tiermaler; seine norwegischen und deutschen Landschaften stehen schon technisch hinter den
trefflichen Darstellungen aus dem Leben der Hunde , Pferde , Rehe , Vögel
zurück. Diese Genreszenen können sich hinsichtlich der liebevollen Beobachtungen mit denen Edw. Landseers messsen …
an farbigem Reize übertreffen sie jene sogar .
Einen nicht zu unterschätzenden Einfluß hat D. in dieser Beziehung auf einen älteren Kunstgenossen, den genialen Ferd. v. Rayski ausgeübt, mit dem zusammen er alljährlich auf den Gütern ihrer Freunde … Naturstudien machte “
(Ernst Sigismund 1913 in Thieme-Becker).
Anstehenden Bockes Lichter aber
heften sich gleich raffinierten Werbeblickes von der Litfassäule an jeglichen Ihrer Blickwinkel, machen sein Wittern geradezu fühlbar, verhelfen Ihrer Pirsch zu seltener Höchstform von Erlebnis. Eine frühe Kunstfertigkeit besonderen Grades, versinnbildlichend „das allsehende Auge Gottes“, wie schon 1453 von Nikolaus Cusanus überliefert und, nur beispielhaft, am „Gesicht eines Bogenschützen auf dem Großen Markt in Nürnberg“ und dem um 1440 entstandenen und von ihm besonders bewunderten ersten Bild des nur noch durch die zeitgenössischen Gobelins in Bern überlieferten Trajan und Herkinbald-Zyklus Rogier van der Weyden’s belegt, auf dem die Augen eines mutmaßlichen Selbstbildnisses des Künstlers „den Besucher anzublicken schienen, wohin er sich auch bewege“ (Dirk de Vos, Rogier van der Weyden, Mchn. 1999, SS. 66 + 58)).
Der qualitätvolle Malträger mit der Markenprägung „Tachet brevete à Paris“ von Dahl umlaufend 4,5 cm angerändert,
wie als Zeichen schöpferischer Fortentwicklung während der Arbeit nicht ungewöhnlich
und geradezu exemplarisch von Rubens bekannt. So denn auf unterem/oberem Teilstück auch erst bezeichnet. Mit der gleichwohl zwangsläufigen Folge von auch bildseits bemerkbarer Nahtrißbildung infolge des arbeitenden Holzes. Sonstige feine Rißbildungen im Unterbereich der Stammtafel selbst bildseits unauffällig. Der Zustand der Malerei ausgesprochen gut, der vergilbte Altfirnis unter teilweiser Aussparung der Signatur entfernt.
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