Wolfs-Jagd —

Priorität  im  Sachsen  der  Ridinger-Zeit

Augustusburg – Schellenberg – Dietzen – Bestallung vor den Zeugknecht zu Dorf Schellenberg unterm Ambte Augustusburg, Adam Gottfried Dietzen seitens Friedrich August (II., Kurfürst von Sachsen; 1696-1763, Sohn August des Starken) König in Pohlen, Groß=Hertzog in Litthauen, Reußen, Preußen etc. etc. So geschehen zu Dreßden, am 7. Augusti Ao. 1742. Handschrift auf Papier. 32 x 20,3 cm. Kalligraph. Titelblatt + 5 unnum. Bll., davon die beiden letzten weiß. Mit Unterschriften des Johann Christian Frhr. von Hennicke als seit 1737 Wirklicher Geheimer Rat und Conferenzminister und eines Nicolaus Krug… . Kordelheftung.

Friedrich August II. von Sachsen, Bestallungsurkunde für ZeugknechtFriedrich August II. von Sachsen, Bestallungsurkunde für Zeugknecht

„ Bekennen und thun kund, daß Wir Unsern lieben getreuen Adam Gottfried Dietzen zu Unserm Zeug=Knecht in das Amt Augustusburg bestallet und angenommen … Vornehmlich aber der einst (?) beschieden seyn soll, daß er auf den zu … Augustusburg befindlichen Jagd=Zeug wohl acht habe und solchen in guter Warthung halte und daran füge, daß bey vorfallendem Gebrauch nichts von Henden komme oder ver… werde, aber, da er solches von einem und dem anderen inne (?) würde, dieselben anzeigen, damit sie zur gebührenden Straffe gezogen werden mögen. So hat er sich auch so Tags als Nachts … bey allen …

Wolffs=  und  andern  Jagen

… und wie sie Nahmen haben mögen, treulich, fleißig und redlich, das anbefohlene zu verrichten, Auch bey Nachts das Jagen fleißig zu begehen, und wo er aber mercket, daß

das  Wildpreth  Löcher  durch  den  Zeug  gemachet ,

oder  das  selbige  niedergeleget ,

solches also, bald anzuzeigen. Bey Fortschaffung des Jagd=Zeuges daran füge, daß derselbe recht nach Jägers Brauch nicht allein geladen sondern auch richtig an die Orthe, dahin es befohlen, geschaffet werden. Wie er denn auch solchen Zeug und Vaden (?) nebst allem Zugehör,

absonderlich  bey  Wolffs-Jagen

fleißige Aufsicht zu haben … und wofern er naß geworden, nicht auf dem Wagen liegen bleibe, sondern so bald möglich abgetrocknet und an solche Orthe, da er vor Feuers=Gefahr sicher sey, aufgehänget werden. So soll er … (auch) daran seyn, daß bey denen Jagen nichts verabsäumet werde und

die  Unterthanen  beym  Stellen , Treiben  und  der  Anfuhre ,

ihnen Fleiß und Schuldigkeit vorweisen. Außerdem hat er sich so Tags als Nachts an dene Orthe, wo der Jagd=Zeug sich befindet auf zu halten … und seine Pflicht mit sich bringet zu thun, welches er denn auch also versprochen und zugesaget, mit einem leibl. Eyde bekräfftiget und darüber einen schrifftlichen Revers ausgestellet.

Dargegen und damit er solches Dienstes desto fleißiger obwarthen möge, wollen Wir ihme jährlich Dreyzehen Thaler … aus Unserer Renth=Cammer gegen seine Quittung reichen und folgen laßen. Zu Uhrkund ist diese Bestallung mit dem Cammer=Secret bedencket worden. “

Friedrich August II. von Sachsen, Bestallungsurkunde für Zeugknecht

275 jähriges  individuelles  Jagd-Dokument

für den Alltag vor Ort, sprich, für das von Kurfürst August I. von 1568-1572 auf dem rund 500 m hohen Schellenberg errichtete Jagdschloß Augustusburg mit seinem heute 130,6 m tiefen Brunnen als nach dem der Festung Königstein (siehe auch des Freiherrn Kyaw’s Des welt-berühmten Königsteiner Brunnens Anrede aus seiner Tieffe, ca. 1715-1733) zweittiefsten Sachsens (Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XIV [1889], 180 m Tiefe).

Der Unterzeichner Hennicke (Halle 1681 – wohl Dresden 1752), Sohn eines untergeordneten Salzwerk-Bediensteten, wurde 1728 vom Kaiser geadelt, 1741 in den Freiherrn- und 1745 in den Grafenstand erhoben. Anstellig zu allen Diensten, war er Günstling der Königin und des Grafen Brühl, letzterem er denn auch „bei dem schmutzigen Handel, den dieser sich nach dem Heimfall des weißenfelser Landestheils 1746 erlaubte (diente) und dabei auch seinen eigenen Vortheil“ wahrnahm (ADB XI [1880], 773). Als Conferenzminister agierte er in der Geheimen Konferenz als dem obersten Gremium des Kurfüstentums.

Von dem erwähnten Siegel nur noch dessen große Rundform mit letzten roten Lackresten vorhanden. Randseits zwischen den beiden Unterschriften wiederholter obiger Titel. Auf der Schlußseite die Ausfertigungsgebühr „Zwey Thaler 1 Gr…“ nebst evt. Namenskürzel.

Umschlag und letztes weißes Blatt braun- und schmutzfleckig, die äußere rückseitige Umschlagseite durchgängig und sehr stark und oben mit 9 x max. 4,5 cm Ausriß, restauriert mit zeitgenöss. Bütten. Der Textteil der gut lesbaren Handschrift selbst auf drei Seiten mit altersfleckigem Randstreifen, sonst praktisch frisch. Wage- und senkrechte alte Faltspuren. Unbeschadet dessen absolut kein Ärgernis in der Sammlung.

Angebots-Nr. 15.780 / EUR  630. / export price EUR  599. (c. US$ 727.) + Versand

Friedrich August II. von Sachsen, Bestallungsurkunde für Zeugknecht


„ Ganz herzlichen Dank für Ihre netten Wünsche und die sehr interessante Lektüre (Wild + Hund 23/2008), über die ich mich sehr gefreut habe. Mein Glückwunsch zu diesem schönen Artikel über Ihr Ridinger Wirken und die damit verbundene und verdiente Anerkennung. An meiner ‚Ridinger – Sammlung‘ erfreue ich mich stets aufs Neue. Schon deshalb war die Anschaffung des Pompadour Bandes (1998) ein guter Kauf … Mit besten Grüßen, Ihr … “

(Herr O. v. L., 5. Januar 2009)

 

Die  Auslese  des  Tages