English Empfehlen

Optisch  +  inhaltlich

von  außergewöhnlicher  Dimension

 

297  Jahre  altes

bayerisches  Jagd–Verbot

Patent Maximilian II. Emanuel Kurfürst von Bayern (1662-1726, Reg.-Antritt 1680) zur umfassenden Verbesserung der Wildbestände und des Jagdwesens in Bayern. Geben in Unserer Haupt= und Residentz=Stadt München den 28. Monaths=Tag Maij / im 1717ten Jahr. O. O. + Dr. (1717). Imperial-Folio (61 x 42 cm). Mit großer Holzschnitt-Initiale und Oblaten-Siegel. – Staats-Bibliothek München 2° Bavar. 960, VIII, 77.

Herrlich  großformatiger + dekorativer , aus  zwei  Teilen

zusammengesetzter  Einblattdruck  von  größter  Frische

dank der unwesentlichen mehrfachen Faltung und unbeschnittener Breitrandigkeit mit rückseitigem zeitgenöss. Publikationsvermerk (7. Juli 1717). Mit größerem und kleinerem Wasserzeichen.

Historisch  zunächst  interessant  die Bezugnahme auf das kurfürstliche Interregnum von 1709-1715: „… daß die in Unserer Abwesenheit bekannter massen im gantzen Land ruinirt= und in Abgang gerathene Jagdbarkeiten so vil möglich widerumb auffgerichtet: und hergestellt werden … .“

Sodann  die  in  14  Abschnitten  gegliederten  Maßnahmen  hierzu ,

beginnend mit einem zwei- bzw. einjährigen Verbot des „Jagen  und Pürschen / nach Hirsch / roth= und schwartzen Wildprädt“ auch in den eigenen Revieren. Deshalb „und umb die Jagden im Land zu verschonen / (habe er)

nächst  München  einen  Parque  errichten  lassen,

wo Wir Unsern Lust nehmen / ohne daß anderwärtig die Jagden durchloffen / und das Wild verjagt werde“. Wobei es sich um den „CHURFÜRSTLICHEN Hirsch jagd Parque ohnweit München, Sambt darin begriffenen lust-Schlösseren Nimphenburg und Fürsten Ried“ handeln dürfte, wie unter Max Emanuels Nachfolger von Johann Baptist Tranner 1734 gezeichnet und von L. Kaufman gestochen worden.

Patent Maximilian II. Emanuel, Kurfürst von Bayern zur Verbesserung der Wildbestände und des Jagdwesens in BayernVon den Erb-Jagden innehabenden Landständen wird erwartet, daß sie sich diesem Verbot umso lieber anschließen, als „auff solche Weiß durch die Mehrung zu ihr der Stände bessern Nutzen / Interesse, und mehrern lust / solches widerumb ersetzt und beygebracht werde“. Auch sei die „Außödigung der Jagden hauptsächlichen daher erfolget / daß bißhero weder bey denen Hochjagden noch kleinen Jagdbarkeit / auff die Gejaids=Ordnung / und bißherige erlassene Decreta gebührend gehalten worden“, worauf nunmehr streng geachtet würde.

Auch sei „durch die Flinten vil zuschanden geschossen / und das Wild sehr außgerait“, sodaß „der Gebrauch der Flinten auff all kleines= und Feder=Wildprädt … durchgehends abgeschafft / und verbotten seyn“ solle, „ausser / es wurde … eine nahmhaffte Lifferung zu unserer Hoff=Kuchel … specialiter anbefohlen“. Ausgenommen aber auch jene und deren beauftragte „andere unverdächtige Persohnen … die / vermög der erklärten Lands=Freyheit / und bißherigen Gejaids=Decreten / das kleine Waidwerk auff ihren Güttern / oder sonsten zu exerciren berechtiget“.

Kampf angesagt wird „alle(n) sogenannte(n) Bassets-Chiens-Courants- und Billbotten=Hund(en) / als wodurch das Wild verjagt / und fast gäntzlichen außgerottet wird“. Untersagt wird auch der Gebrauch von „Deck= oder Nacht=Garn“, soweit nicht, wie im Gericht Aichach, ausdrücklich erlaubt worden.

„Absoluté und gäntzlichen abgeschafft / und ernstlich verbotten“ wird die Jagd unter Verweis auf die bestehenden General=Verbotts bis hin zum Decret vom 17. April 1717 „unsere(n) Beambte(n) / dern Schreiber(n) / wie auch … Geistliche(n) / (die deß kleinen Waidwercks gar nicht berechtiget) auch Burger(n) / und andere(n) gemeine(n) unconditionirte(n) Leuth(en) / ja wohl gar Schörgen und Schinder“.

Besondere Verbots-Aufmerksamkeit wird schließlich den „fast überall auff dem Land bey denen Pfarr=Höfen und Würthshäusern … nach gefallen angestellt(en)“ Ziel-Scheiben als einer besonderen Animation namentlich vorgedachter Personenkreise gewidmet, deren Aufstellung außer in den Städten und auf Märkten nur noch den Kavallieren und Land-Ständen zu Recreation und Exercitio auf dem eigenen Gut verstattet ist.

Schlußendlich werden die Holzberechtigten zur Einhaltung der in den Land-Statuten enthaltenen Forst-Ordnung angehalten.

Wie gesagt, ein inhaltlich wie optisch

ganz  aus  dem  üblichen  Rahmen  fallender  Einblattdruck

von der diesen Verschleißartikeln zwangsläufig eigenen enormen Seltenheit. Erlassen schließlich auch noch von jenem Fürsten, dessen Alexander-Verehrung, den jungen Ridinger zu seiner Alexander-Folge inspiriert haben dürfte. Siehe hierzu Heft 15 – Alexander der Große 326 am Hyphasis / Pandschab – , SS. 11-15 der hiesigen Ridinger-Schriften-Reihe sowie „Der verharmloste Ridinger“. Und zu Maximilian II. Emanuel generell ADB XXI, 22-27.
Angebots-Nr. 28.131 / EUR  910. / export price EUR  865. (c. US$ 1194.) + Versand


„ Danke für den wunderbaren (Ridinger-)Scan … der meine Argumentation zur Verwechslung in der Staffierung der Porzellane dokumentarisch bestens belegt. Darf ich um Ihre Zustimmung bitten, ihn in meiner Arbeit zeigen zu dürfen? “

(Herr J. R., 7. Juni 2004).

 

Die  Auslese  des  Tages