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Lehrstücke  des  Jagens

Thoman(n) von Hagelstein, Ernst Philipp (1657 Augsburg 1726). Lehrstücke des Jagens. Folge von 4 Blatt. Schabkunstblätter in Braundruck. Blatt 1 bezeichnet: E. P. Thoman. excudit. 35,2 x 49,7 cm bzw. (Bll. 1-3) Bildgröße 34,3-35 x 49-49,4 cm.

Schwerdt III, 171, a (Baillie-Grohman’s Exemplar; „A complete and interesting set“). – Zwecks Einpassung in einen Sammelband dreiseits auf Plattenkante (nur Blatt 4 mit feinem Rändchen) und unten unter Verlust der deutschen Vierzeiler + der Numerierung (Schwerdt: N.1–N.4) geschnitten, alt auf Bütten montiert und mit Bisterlinie eingefaßt. Im weißen Oberrand alte Inv.-Beschriftung (Nro 1, 7, 8, 6/Tom: X/Fol 88, 94, 95, 93), gleichfalls in Bister. – Geglättete Mittelfalte.

Bildlich  +  instruktiv  prächtige  Folge

von  complett  allergrößter  Seltenheit

(hier nur das heute im British Museum befindliche Schwerdt-Baillie-Grohman’sche Exemplar nachweisbar) in den schönen Drucken eines umfassenden alten Bestandes, reich nuanciert in seinem Hell-Dunkel und, wie alle Schabblätter Ernst Philipp’s, auch nur einzeln, wie hier in 58 Jahren gleichfalls noch nicht vorgelegen, außerordentlich selten. So denn auch als einziges Blatt unter den rund 27600 der ersten 28 Abteilungen des Weigel’schen Kunstlager-Catalogs (1838/57; 6.211) nur das Portrait Rauner als auch Nagler einzigbekanntem, zudem ein Marder, Taubennest ausnehmend (19.715) als vom Sohn Tobias Heinrich. Wobei es sich um eine abgewandelte Wiederholung des väterlichen Marder am Gelege eines Wildenten-Paares im Schilf handeln dürfte, andererseits angesichts des hier sicherlich fehlenden Untertextes samt mutmaßlicher Signatur auch eine flüchtige Weigel-Betitelung nicht auszuschließen ist.

Ernst Philipp Thoman von Hagelstein, Wolfsjagd

Wolfsjagd

Im Vordergrund drei Wölfe beim angepflockten, von zwei Schützen gedeckten Ziegenbock als Köder, davon einer bereits erlegt; im Mittelfeld von Reiter geschleiftes Luder mit von drei Schützen begrüßten gleichfalls zweien; zurückgesetzt bei Anwesen die Hatz auf einen seitens Meute und Jagdhelfern, letztere bewaffnet mit Pike, Dreschflegel und Netz. – Seitlich rechts ganz leicht berieben und ein haarfeines kleines Fältchen.

Ernst Philipp Thoman von Hagelstein, Fuchsjagd

Fuchsjagd

Ausräuchern, steinigen, von Baum herunterangeln, vor allem aber full cry auf zwei voneinander abgesetzten Ebenen der Reiter, des Fußvolks, der Meuten. – Etwas größere Wurmspur im Bildrand oben links.

Ernst Philipp Thoman von Hagelstein, Hasenjagd

Hasenjagd

Im auf einer Lichtung zweiseits von teils berittenen Gruppen gesicherten Mittelfeld haben sich dem Lauf von fünf Mümmelmännern zwei Reinekes angeschlossen. Die Gruppe vorn mit Jagdherrn + Jagdherrin zu Pferde, Gefolge und einem apportierten Hasen, von dem abzulassen dem Hund beigebracht wird. Die Hunde bis auf einen am Schluß des Feldes laufenden sämtlichs am Riemen. Instruktiv das verschiedene Rüstzeug. – Etwas größere Wurmspur im Bildrand oben links und einige kleine bis winzige Papierabreibungen.

Ernst Philipp Thoman von Hagelstein, Dachs- + Igeljagd

Dachs- + Igeljagd

Ausgraben, Erschlagen + Teckeljagd Grimbarts, deren vorn schon verschiedene zur Strecke gebracht sind, indes einer brav apportiert wird. Die teils berittenen Jäger unterstützt von vielfältiger Meute, die en passant einen zu Bau flüchtenden Reineke ebenso annehmen wie ein Reh. Nur mit der

Igeljagd

– „Sehr selten und noch nie auf einer Abbildung von mir gesehen“

(Renate Seemann, Naturhistorische Landessammlungen Müritzeum) – vorn rechts machts keinen Spaß. So uriniert man auf ihn, reibt sich mißlich die Nase oder umtanzt ihn grimmig. Und dabei läuft der Kerl auch noch weiter. Zurückgesetzt ein Kastell. – Gesamthaft etwas altersspurig mit zusätzlich geglätteter vertikaler feiner Falte im rechten Bildfeld und stippenhafter Papierabreibung und einigen kleinen Lasurflecken. Gleichwohl alles nur sehr wenig störend, überspielt vom dichten Geschehen und zudem, wie gesagt, mit dreiseits feinem Papierrändchen.

Über obige individuellspezifische Seltenheit hinaus von zugleich genereller als Ausfluß der Schabtechnik selbst. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann auf Ridinger bezogen :

„ Die  Schwarzkunstblätter  sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr …

zu  bekommen … und  (deren)  bei  Weitem  größten  Theil …

(habe  ich)  allein  (im  Kupferstichcabinet  Dresden)  gefunden. “

Über die ursprünglich in Lindau ansässige, über 200 Jahre florierende Künstler-Dynastie der Thomänner siehe ADB XXXVIII, 65 f. Deren maßgeblicher hiesiger Ernst Philipp

„ Machte seine Studien in Italien, und erwarb sich den Ruf

eines der bessten (gleichwohl sehr seltenen) Künstler seiner Zeit …

In der späteren Zeit seines Lebens befasste er sich mit der schwarzen Manier , und  hatte  hierin  in  Augsburg  nur  Einen  Vorgänger “

(Nagler, der Tier- und Jagdstücke, lt. ADB in eben dieser Manier, nur nach Hinweisen des jüngeren Paul von Stetten, 1731-1808, nennt, selbst aber „keines derselben näher bezeichnet“ fand).

Mehr Licht in sein und des nächstinteressierenden Sohnes Heinrich Tobias graphisches Œuvre brachte namentlich erst der Schwerdt-Katalog (III [1928], 170 ff.), um von gelegentlichem Auftauchen weiterer Arbeiten ergänzt zu werden, wie hier, beispielsweise, nicht zuletzt mit Die Erden / La Terra als ein außerhalb etwaiger Spezialliteratur erster Hinweis auf eine 4blätterige Suite der Elemente.

Solchermaßen aber sind sie Trouvaillen, die noch über besagte technisch bedingte Kostbarkeit hinausgehen. Und hier eben

als  completter  Lehrsatz  der  Jägerei

von  gar  nicht  zu  überschätzender  Wandtüchtigkeit  ist .

Angebots-Nr. 28.996 / Preis auf Anfrage


„ besten Dank für die Mail und Ihre Sendung … Das Werk und die Kauf-Abwicklung sind wirklich tadellos! Nochmals besten Dank … “

(Herr D. B., 9. Oktober 2006)

 

Die  Auslese  des  Tages