English Empfehlen

Die  Hygiene

wird  als  Schutz  vor  Krankheit  begriffen :

„Außerdem sind die Hunde beständig reinlich zu halten;
sie müßen daher öfters gebadet, gestriegelt oder gekämmt,
ihre Hütten, Ställe, Freß= und Sauftröge gereiniget … werden“

Vorschriften, für die Bewohner der Städte und des Landes, aus dem unterm 2. April 1796, wegen Einschränkung des Hundehaltens und der von wüthenden Hunden zu besorgenden Gefahr, publicirten Mandate, nebst den darzugehörigen Beilagen „Ursachen der Wuth der Hunde und die Kennzeichen solcher Wuth“ sowie „Anweisung, wie man sich bey dem Biße toller Hunde zu verhalten habe, und dessen traurigen Folgen vorbeugen könne“. (Dresden) 1797. Kl.-4° (20,5 x 17 cm). 24 SS. Geheftet und mit Garnschlaufe oben links.

Hs. Aktenvermerk „Nom: 24“ von alter Hand auf Titel. Dieser gebräunt und etwas schmutzstippig sowie mit kleiner unauffälliger, das zweite Blatt noch ganz minimal berührender Wurmspur.

Die  zum  Aushang  verwandte  Version

der  außerordentlich  inhaltsreichen  Verordnung

zu  Bekämpfung  +  Heilung  der  Tollwut ,

die Bestimmungen des im Vorjahr als Neufassung der Verordnung vom 7. September 1782 erlassenen Mandates in teils abgeänderter Reihenfolge in

ebenso  knappen  wie  einprägsamen  Sätzen  zusammenfassend .

Beginnend mit der Anweisung, „keine unnützen und unnöthigen Hunde“ zu halten. Insbesondere nicht durch „Arme, die aus der Almosen=Casse des Orts unterstützt werden, ohne besondere Erlaubniß der Obrigkeit, und alsdenn nicht mehr als einen in einer Familie“.

Vorschriften zu Hundehaltung + Tollwut

Frei und ohne Beißriemen laufende Hunde sollen Nachts grundsätzlich, sonst nach Bedarf, mindestens aber zweimal jährlich eingefangen werden und können gegen acht – bei Aufgriff durch den Nachtwächter 16 – Groschen ausgelöst werden, unbeschadet weiterer Strafen. Auch sollen Bauern, Kutscher, Fleischer und andere Hunde allenfalls „unter den Wagen angebunden“ in die Stadt bringen wie überhaupt in Stadt und Land Hunde nicht frei herumlaufen zu lassen sind, sondern an der Kette zu halten, „mit einem Beißriemen, oder sogenannten Maulkorbe versehen laßen“ oder am Strick zu führen sind. Wird indes ein toller Hund vermeldet, sind alle anderen solange einzusperren, bis die Gefahr vorüber ist.

Als unwirksam erkannt und daher hier wie schon in besagtem Mandat nicht mehr erwähnt die seinerzeit strafbewährte Verpflichtung zum Schneiden des sogenannten Toll-Wurms. Dagegen soll nunmehr

–  das  ist  die  Einführung  der  vorsorgenden  Quarantäne !  –

„ Jeder (sich mit den in Beilage I. beschriebenen Merkmalen) bekannt machen, seine Hunde beständig beobachten, und bey Verspürung auch nur der entferntesten Kennzeichen einer anwandelnden Tollheit selbige einsperren, auch, wenn die entstandene Vermuthung sich bestätiget, sie sofort tödten und einscharren laßen.“

Und  auf  die  Quarantäne  folgt  die  vollkommene  Hygiene :

„ Kein getödteter toller Hund, oder das von ihm gebißene Vieh, ist mit bloßen Händen anzugreiffen, noch, bey 5 Thaler Strafe, in einen Fluß, Bach, oder anderes Waßer zu werfen, sondern

mit  allem , womit  man  dergleichen  Thiere  berührt  hat ,

2  Ellen  tief  zu  verscharren  und  mit  Kalk  zu  bedecken . “

„ Alle Kleidungs=Stücke, Betten, Lagerstätte, und andere Geräthschaften, deren ein von einem wüthenden Hunde gebißener Kranker sich bedienet hat, desgleichen die Kleidungsstücke, die ein wüthender Hund berührt hat, wenn er auch die angefallene Person nicht gebißen, sollen mit der §. 9. vorgeschriebenen Vorsicht verbrannt, oder 2 Ellen tief in der Erde verscharrt werden.“

Von überragendem Interesse – und  ungekürzt  fast durchgehend wörtlich aus dem Mandat übernommen – im weiteren aber die 5½seitige Beschreibung der Ursachen der Tollwut, gegenüber der1782er um neue Aspekte angereichert und im Umfang rund verdoppelt, vor allem aber die nicht zuletzt auch von einigen Ungereimtheiten befreite

10seitige  Anweisung  zur  Behandlung  eines  Gebissenen

mit allen Einzelheiten zu Reinigung der Wunde, Hygiene, Ruhe, Temperatur, Nahrung – Hollunder-Blüthen-Tee – und aufmunternder Pflege, ohne damit die möglichst schnelle Hinzuziehung eines Arztes oder – wenigstens – befähigten Baders ersetzen zu wollen. Gegenüber der 1782er Verordnung indes auch ergänzend

die  Anleitung  zu  erster  Selbsthilfe

wie  auch  die  Abbindung  des  betroffenen  Körperteils ,

„ damit  die  Einsaugung  des  Gifts  verhindert  werde “ .

Solchermaßen nicht nur die Umsetzung des Kanzlei-Rechtes in den Alltag beispielhaft aufzeigend, sondern vor allem ein

medizin-  +  hygiene-geschichtlicher  Beleg  allerersten  Ranges .

Zusätzlich reizvoll schließlich als

kordelversehene  Aushang-Version.

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