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Wichtig  für  die  Entwicklung

der  russischen  +  fernöstlichen  Kartographie

Die seltene Utrechter Broedelet-Ausgabe

Haas (auch Ha(a)se, Hasio), Johann Matthias (Augsburg 1684 – Wittenberg/Augsburg 1742). Imperii Russici et Tartariae universae tabula novissima. Kaert van Het geheele Russische Keizerryk. Mitsgaders Groot en Klein Tartaryen … nu vermeerdert met nieuwe ontdekkingen in’t Jaer 1739 door den Kapitein Span(g)berg. Mit Titelband + -Kartusche sowie dreifachem Meilenzeiger. Rußland-Karte in kolor. Kupferstich bei Johannes Broedelet (1722-1769) in Utrecht. 1743. Signiert, datiert, bezeichnet. 54,4 x 61,8 cm.

Literatur

BMC K.112.9; Niemeyer, Rußlands Aufbruch in die Moderne – Peter der Große und die Entwicklung der russischen Kartographie, Bonn 1991, 3 + Abbildungen.

Johann Matthias Haas, Rußland

Früher  Abdruck  von  außerordentlicher  Frische 

und noch mit feinem Plattenschmutz, namentlich im äußeren Bereich des bis zu 3,5 cm breiten Plattenrandes. Darüberhinaus mit schmalem, nur unten etwas knappem Papierrand. Die Mittelfalte weitgehend geglättet.

Haas, Professor der Mathematik, wandte sich früh der Geographie und Kartographie zu. Nach seiner Berufung nach Wittenberg

„ warf (er) sich … mit Eifer auf die Kartographie, trat mit dem Homann’schen Verlag in Verbindung und hat durch seine größeren historischen Kartenwerke, wie auch durch einzelne seiner Zeit vielbenutzte Karten, die er herausgab – ‚sehr schöne und accurate Landkarten … vom russischen Reiche‘, Jöcher II, 1392 f. – mit dazu beigetragen, die deutsche Kartographie auf selbständigen Wegen den französischen Mustern nahezubringen, ohne diese sclavisch nachzustechen “

(ADB X, 743 f.).

Martin Pedersen Spangberg (Мартын Петрович Шпанберг, Strandby 1696 – Kronstadt 1761) war als Leiter einer der beiden pazifischen Abteilungen von Berings zweiter Kamtschatka-Expedition (1733-1743) mit der Erkundung eines Seeweges zur Mündung des Amur und weiter nach Japan betraut, das er 1739 erreichte, nachdem er im Jahr zuvor bereits bis zur Kurileninsel Urup gelangt war und während der Rückfahrt 31 weitere Inseln der Kette kartographiert hatte.

Unter  historisch-kartographischem  Aspekt  von  besonderem  Interesse

auf dieser erstmals 1730, dann 1738 („Nebst dem Entwurff einer Erklärung darüber“) bei Homann Erben erschienenen, generell

„ Sehr  seltene[n]  Karte “

(Lex. d. Kart. 287) die Verarbeitung neuesten, zumeist russischen kartographischen Wissens. So u. a. die Darstellung Sachalins als einer Insel, wie erstmals von Ivan Kirilov 1734 auf der ersten russischen Generalkarte dargestellt, der hier auch hinsichtlich Hokkaidos und der Kurilen –

Johann Matthias Haas, Japan-Kamtschatka (Detail)

freilich noch mit den legendären Bezeichnungen Terra Eso Yedso, Terra Statuum Statenland I. und Terra Societatis Batavicæ it Vasques Gamæ – weitgehend gefolgt wird, jedoch dessen fast weiß gebliebene Umrisse mit reicher Lokalbezeichnung gefüllt sind. Dies in der Darstellung Japans nebst den kleineren und kleinsten sich im SO wie SW anschließenden Inseln noch erheblich auffallender. Hier erscheinen auch Shikoku richtig als Insel und Noto Peninsula als solche.

Johann Matthias Haas, Tschktschen-Halbinsel (Detail)Weiter nordöstlich an der Beringstraße die 1728 während seiner ersten Kamtschakta-Expedition von Vitus Bering (1680/81-1741) entdeckte, indes zu klein und zu dicht unter Land liegende St. Lorenz-Insel, in nördlicher Richtung gefolgt von der gleichfalls viel zu dicht am Festland gelegenen Diomedes-Insel („I. S. Demetrii“). Das Ende der seinerzeitigen nördlichen Vorstöße in Höhe des Polarkreises per „Terminus litorum a Navarcho Beerings recognitorum“ markiert, während der weitere Verlauf der Küste der Tschuktschen-Halbinsel bis zum Kap Szalaginskoi als „Littora ex relationibus accolarum et conjecturis saltem cognita“ nur noch aus Berichten bekannt ist.

Von erheblichem deutschen Interesse die Eintragungen des in jenen Jahren hochaktuellen Wolga-Don-Kanals in beiden seinerzeitigen Versionen. So der

1697  von  Leibniz  skizzierte  Plan ,

der, auf einem 1568 von Sultan Selim II. begonnenen Unternehmen fußend, die beiden Nebenflüsse Ilovlya + Kamytschenka verbindet, wie auch auf einer Karte des Don-Atlasses Cornelius Crys’ von 1703 wiederholt. Und in der weiter südlich gelegenen Verbindung Zarizyn (Wolgograd) – Katschalinsk, die wohl erstmals auf der großformatigen Ms.-Reisekarte Rußlands von ca. 1683 erscheint und dem Verlauf des erst 1952 fertiggestellten Kanals schon recht nahe kommt. Siehe hierzu Leo Bagrow, The Volga-Don Canal, in IMAGO MUNDI X, 97 f.

Im Bereich der asiatischen Nordküste indes zeigen einige Auslassungen die Verwendung alten Materials. So wird Nowaja Semlja – unter dessen zahlreichen Eintragungen Kap Nassau, heute Kap Mauritius, das asiatische Nordkap, und der Eishafen, in dem Willem Barents (Mitte 16. Jhdt. – Nowaja Semlja 1697) von August 1596 bis Juni 1597 überwinterte – mit einer östlichen Kontinentalverbindung als Terra Jelmer detecta 1664 gezeigt.

Johann Matthias Haas, Nowaja Semlja (Detail)

Hier lagen Haas, wie weitere in diesem Bereich vermerkte Daten jener Zeit zeigen, überholte Unterlagen vor. War doch schon auf Homanns wegweisender Rußland-Karte von 1725 bereits der Insel-Charakter festgestellt. Gleiches gilt für die Szalaginskoi-(Schelagskij-)Inseln vor der NO-Küste der Tschuktschen-Halbinsel, vermerkt bereits 1704 auf Ides’ Karte wie auch auf einer Lokalkarte von L’vov, 1711, die zugleich Homann für seine neue Karte diente und nun auch positionsmäßig abschließend behandelt waren. Auf der Generalkarte des 1745 von der Petersburger Akademie herausgegebenen Atlas Russicus fehlen sie indes ebenfalls.

In der Erfassung des asiatischen Raumes

nun  schon  weit  über  Kirilov  hinausgehend ,

und, da neben  Taiwan  bis südlich von Kanton – Hong Kong – Macao und den nördlichen Teil der Provinz Tonking reichend,

nahezu  das  gesamte  Reich  der  Mitte  enthaltend .

Ferner Nordindien bis zur Kathiawar-Halbinsel, Persien nebst Nordende des Persischen Golfes, Mossul – Schwarzes Meer – Donau-Delta – Krakau – Braunschweig – Hannover – Bremen – York – Isle of Man – Nordirland . Mit Spitzbergen und dem Nordpol. – Text in Latein, gelegentlich – so Meilenzeiger + Benennung des Nullmeridians – auch mit holländ. Paralleltext.

Die  einzige  der  von  Koeman II, 26  namentlich  genannten

sehr  seltenen  Broedelet’schen  Gelegenheits-Karten .

Für hiesige als Fundstelle Ottens’ Sammelatlanten nennend, figuriert sie zwar nicht in dem in Wolfenbüttel verwahrten, zwischen 1737 und vor 1750 erschienenen Kartenverzeichnis, könnte indes der Ausgabe Phillips 3495 entstammen, für die 1745 als Erscheinensjahr für möglich gehalten wird. Anstehendes Exemplar allerdings verso hs. als Blatt 96 numeriert, bei Phillips aber als Bl 97 gedacht. Tooley’s Dictionary führt allein den Vorgänger G. Broedelet dortselbst als Herausgeber von Relandus’ Japan-Karte (1715) + Hennepin’s Nord-Amerika (1697). Zuvor beide Broedelets nicht bei Bagrow und Bonacker.

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„ Vielen Dank, und sollten Sie wieder einmal einen ‚(William) Blake‘ in Ihrem Sortiment haben, waere ich fuer eine kurze e-mail dankbar “

(Mr. U. S., 23. Januar 2002)