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Ivan Fomic Treskot, Tabula Geographica Generalis Imperii Russici

Katharina  II.  präsentiert

DIE  3.  RUSSISCHE  GENERALKARTE

–  hier  in  zeitgenössischer  deutscher  Ausgabe  –

als

Abschluß  einer  nur  60  Jahre  währenden  Epoche

gigantischer  kartographischer  Entwicklungen

Treskot (Trescotti, Tresskott, Trouskot, Truscott), Ivan Fomic (1721-1786) + Jakob F. Schmidt. Tabula Geographica Generalis Imperii Russici ad normam novis simarum observationum astronomicarum concinnata a Ioh. Trescotio et Iac. Schmidio. Mit großer, in den Wolken schwebender

Titelkartusche  mit  Katharina  II .

Treskot + Schmidt, Tabula Geographica Generalis Imperii Russici (Detail)

nebst  Quadrant  und  Globus

mit  die  Ausdehnung  des  Reiches  messender  Putte ;

großer, vom russischen Adler mit Lorbeerkranz, Zepter und Posaune überflogener Kartusche mit Merkur + Athene

mit  einer  Karte  des  Reiches  vor  der  Silhouette  Petersburgs

und eines Dreimasters und umgeben von allerlei Kriegsgerät; und Landschaftskartusche mit felsiger Tundra nebst Obelisk und doppeltem Meilenzeiger. Von 3 Platten gedruckte kolor. Rußland-Karte ca. 1 : 7,5 Mill. in Kupferstich bei Tobias Conrad Lotter (1717-1777) in Augsburg. 1784. Signiert, datiert und bezeichnet.

64,3 x 140 cm.

Literatur

Harms, Catalogus van de Kaartencollectie Moll, 19; Lexikon zur Geschichte der Kartographie, Wien 1986, II, 688 f; Bagrow, A few remarks on maps of the Amur, the Tartar Strait and Sakhalin, in Imago Mundi, The International Journal for the History of Cartography, XII (1955), 127-136.

List of Unusual Items that have come up for Sale – compiled by Tony Campbell, British Library – in Imago Mundi XLIIII (1992), 140 (ein früher hier nach anderweitigem Vagabundieren in den 70ern in importante öffentliche Sammlung weitergereichtes Exemplar).

Nicht bei Grenacher, Guide to the cartographic history of the imperial city of Augsburg, in Imago Mundi XXII (1968), 85 ff., Phillips, Atlases + Maps of America. – In der British Library nur die von der Akademie der Wissenschaften in Petersburg veröffentlichte 1776er Originalfassung, während die von Tooley’s Dictionary nicht als Mehrblatt-Karte geführte Lotter’sche Rußland-Karte von 1788 wohl nur eine Neuauflage ist der von Grenacher für 1770 geführten (Phillips 3513, 26 als ca. 1772).

Typographische Wasserzeichen. – Mit umlaufendem Papierrand von 1,4-2,8 cm. – Linke und mittlere Kartenhälfte fast nur im weißen Rand leicht altersschmuddelig.

Außerordentlich  seltene

dritte  eigene  Generalkarte  Rußlands

über deren beiden Autoren trotz einer Reihe gemeinsam verfaßter Karten – neben hiesiger General- verschiedene Detailkarten – so gut wie nichts bekannt ist.

„ Auf Grund der beim Senat, dem obersten Verwaltungsorgan des Reiches eingelangten Kreiskarten der Geodäten und anderer (insbesondere von Expeditionen und Gesandtschaften stammenden) Materialien entstanden in der Folge mehrere Gesamtkarten des russischen Staates, die ihrerseits wieder als Quellen für die in anderen europäischen Ländern erstellten Rußland-Karten dienten: Als erste 1734 die Imperii Russici Tabula Generalis … (ca. 1 : 11,7 Mill.) von I. Kirilov; ihr folgten 1745 die Mappa Generalis Totius Imperii Russici (ca. 1 : 8,9 Mill.) im von der Petersburger Akademie der Wissenschaften herausgegebene Atlas Russicus, 1776 die ‚Tabula Geographica Generalis Imperii Russici‘ (ca. 1 : 7,5 Mill.) von I. F. Truscot(t) (Treskot) u. J. F. Schmidt … “

(Lexikon zur Geschichte der Kartographie).

Bemerkenswert auch der zunehmend größere Maßstab dieser Karten als äußeres Zeichen der mit Fortschreiten des 18. Jahrhunderts immer weiter zunehmenden Komplettierung der Landesvermessung. Und hiesige zugleich auch

mit  Abstand  die  formatmäßig  imperialste .

Der gleich vielen altkolorierten Kartenwerken in Schwarz-Weiß belassene Kartuschenschmuck ganz im Zeichen der von Katharina der Großen (Stettin 1729 – 1796, Tochter Christian August’s von Anhalt-Zerbst und seit 1762 Zarin des Hauses Holstein-Gottorp) verfolgten Politik in der Tradition Peters des Großen :

„ Als Anhängerin der damals herrschenden Aufklärung wollte sie Rußland der westlichen Kultur öffnen und alle … geistigen Kräfte zur vollsten Entwicklung bringen … Künste und Wissenschaften (darunter nicht zuletzt die Kartographie) fanden bei ihr freigebige Unterstützung. Gelehrte und Künstler wurden zu ihrer Ausbildung ins Ausland gesandt “

(Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl., XIV, 88).

Treskot-Schmidt, 3. Generalkarte Rußlands

Außenpolitisch suchte sie das Reich in ihrem Sinne zu arrondieren. Zu diesen meist kriegerischen Aktionen u. a. die Wiedergewinnung Asows von den Türken sowie die polnischen Teilungen gehörend. Namentlich ersterem durch besonders große Darstellung des Schwarzen Meeres auf der von Merkur gehaltenen Karte innerhalb der militärisch ausgestalteten Zierkartusche gedacht.

Hinsichtlich  der  Entwicklung  der  russischen  Kartographie

erscheinen  verschiedene  Details  von  besonderem  Interesse .

So die völlige Übergehung des in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch allgegenwärtig verfolgten Wolga-Don-Kanals in allen Versionen und Darstellungsvarianten. Hier war, nicht zuletzt nach einem vergeblichen Versuch noch unter Peters Ägide, das Interesse, da offensichtlich undurchführbar, erloschen.

Größtes  Augenmerk  verdienen  indes

die asiatische Nordostküste sowie die Kurilen. Gegenüber den vorangegangenen Karten Kirilovs und des Atlas Russicus erscheinen lediglich Sakhalin und die nach Süden verlaufende Küste in der bekannten, seit Kirilovs Karte von 1734 unveränderten Form.

Schon etwas weiter nördlich beginnen mit den bislang zu groß gezeichneten, nunmehr in korrekter Größe in der jetzt auch spitz nach Westen verlaufenden Bucht des Ochotskischen Meeres erscheinenden Szantar-(Schantar-)Inseln die Veränderungen. Kamtschatka ist erheblich gestreckt und so seiner wirklichen Form nahezu angeglichen, die Kurilen hier wohl erstmals mit dieser Bezeichnung als ein Archipel gekennzeichnet, ansonsten aber – auch hinsichtlich der umstrittenen, näher zu Japan gelegenen Gruppe – der Darstellung der Generalkarte des Atlas Russicus und den jeweiligen Atlaskarten entsprechend. Lediglich der dort noch sichtbare äußerste Nordzipfel Japans hier nicht mehr im Kartenbild. Das auf den Kirilov- und Haas’schen Karten von 1734 bzw. 1739/43, aber auch noch auf der Lattré-Karte Asiens von ca. 1770 zu findende Terre de la Compagnie und da Gama-Land hier nunmehr wohl endgültig der Erinnerung an die große Zeit manchmal nur äußerst vager Entdeckungen anheimgegeben und in eine der Natur entsprechende Darstellung aufgelöst.

Als  kartographischer  Fortschritt

auffallend die starke, nach Nordwest weisende Abstumpfung der Tschuktschen-Halbinsel gegenüber den früheren Karten, die Kap Szalaginskoi (Kap Schelagskij), die nördliche Ecke der Halbinsel, noch spitz nach Nordost ausgreifend zeigten. Wenn auch die Küste noch zu unregelmäßig gezeichnet ist, so gleicht die Darstellung dem heutigen Bild.

Ivan Fomic Treskot, Tschuktschen-Halbinsel (Detail)

In Abweichung zu Kirilovs wie auch der Detailkarte No. 18 des Atlas Russicus fehlen die nördlich Kap Szalaginskoi gelegenen gleichnamigen Inseln. Dies analog zur wohl zu flüchtig erstellten Generalkarte des Atlasses und obwohl die Lage der Inseln bereits durch Homanns wegweisende Karte von 1725 geklärt war. Unverändert fehlerhaft auch die um etliches zu klein und zu dicht am asiatischen Kontinent liegende, 1728 während der ersten Kamtschakta-Expedition von Vitus Bering (1680/81-1741) entdeckte und heute zu Amerika gehörende St. Lorenz-Insel. Ebenso ist die Diomedes-Insel („St. Diomedis“) als Teil eines ausgedehnteren Archipels kleinerer Inseln unmittelbar vor dem Festland dargestellt. Wie denn auch das zweifache Auftreten einer „I. St. Andrae“ in diesem Gebiet auf einige Unsicherheiten in den Berichten hindeutet.

Nunmehr richtig dagegen die Wiedergabe der vor der Mündung des Kolyma-Flusses gelegenen Bäreninseln, hier erstmals als Gruppe kleiner Inseln und mit dieser Bezeichnung. Auf der Kirilov-Karte – wie auch auf der 1743er Broedelet’schen Ausgabe der Haas-Karte von 1739  – schon als eine große Insel eingezeichnet, auf allen anderen Karten jedoch noch fehlend.

Von  höchster  Bedeutung

Ivan Fomic Treskot, Alëuten (Detail)

die Erfassung des südlichen Alëuten-Bogens von den Kommandeurs-Inseln mit der Beringinsel vor Kamtschatka bis zu der auf der östlichen Seite des Ausgangs des Beringmeeres gelegenen Hauptgruppe und, da über Unalaska hinausgehend, bis praktisch vor die Südspitze der Halbinsel Alaska reichend.

Die West-Alëuten indes sichtlich zu weit westlich liegend und mit den Kommandeurs-Inseln praktisch eine Gruppe bildend. Das 1741 von Berings Stellvertreter, Alexei Iljitsch Tschirikow (1703-1748), entdeckte Attu als westlichster Alëuten-Insel – 200 Jahre später (1943) Schauplatz der einzigen Schlacht des 2. Weltkrieges auf amerikanischem Boden – zudem anscheinend in mehrere Inseln aufgeteilt,

Ivan Fomic Treskot, Bering-Insel + Alëuten (Detail)

deren größte im Südwesten hier mit „Atta“ bezeichnet ist, wohingegen die südöstlichste mit „Ins St Theodori“ Tschirikows ursprüngliche Bezeichnung der Insel aufweist. In der von Jean Janvier verfaßten, ca. 1770 bei Lattré erschienenen Asien-Kontinentkarte figurieren die West-Alëuten in allerdings richtigerem Abstand zur Bering-Insel noch als lediglich schemenhafter Küstenstreifen „Terre vue par Mrs. Tchiricowe et Delisle (Louis De l’Isle de la Croyère, gest. 1741) en 7.bre 1741“.

Kartographische  Novität

aber auch das von einem als Matocznik Szar (Matotschkin-Straße) bezeichneten Meeresarm geteilte Nowaja Semlja, wie zuvor – auch nicht auf Rigobert Bonne’s Rußlandkarte, erschienen 1771 bei Lattré in Paris – auf wohl keiner Karte zu finden.

Ivan Fomic Treskot, Nowaja Semlja (Detail)

Im übrigen mit Bezeichnung der bekannten Kaps und Buchten, darunter Kap Nassau, Nordkap Asiens und heute Kap Mauritius, sowie der Eishafen, in dem Willem Barents (Mitte 16. Jhdt. – Nowaja Semlja 1697) während seiner zweiten Expedition den Winter 1696/97 verbrachte.

Entworfen in Kegelprojektion, verläuft der Nullmeridian auf etwa 018° westl. Länge v. Gr. durch die Mitte Islands. Im Osten bis etwa 160° westl. Länge v. Gr. reichend, wird die Karte im Westen durch Nordnorwegen bis Tromsö – Copenhagen – Rostock – Berlin – Leipzig – Prag – Bologna und den Golf von Venedig begrenzt . Südlich noch mit Konstantinopel – Mossul – Isfahan in Persien – Samarkand – den Quellgebieten von Irtysz + Selenga – der Mandchurei – Kunashiri / Kurilen. Im Eismeer bis über 85° nördl. Breite. Und somit die am weitesten nach West + Ost ausgreifende, den

Abschluß  einer  nur  60  Jahre  währenden ,

von  Peter  dem  Großen  initiierten

Epoche  gigantischer  kartographischer  Entwicklung

bildende

dritte  russische  Generalkarte

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„ Haben Sie vielen Dank für die schnelle Zusendung der (Hogarth’schen) Kunstwerke … Ich bin überaus glücklich darüber … Ich bin sehr froh darüber, Sie im Inet gefunden zu haben … Liebe Grüße “

(Frau K. K., 21. Mai 2013)