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Berlin’s  Volksvertretung  damals + heute

„ unter  dem  System

der  Leute  von  der  Linken “

Wochenblatt, Gemeinschaftliches, für die Königl. Preuß. Landräthlichen Kreise

Aschersleben , Calbe , Mansfeld

und die angrenzenden Herzogl. Anhalt. Lande. Jg. XXXI. Hrsg. v. C(arl) F(riedrich) Haller. Aschersleben, Druck Gebr. Haller, 1849. Kl.-4°. 412 (st. 422) SS. Marmor. Ppbd. d. Zt. mit rotem Rückenschild. Verblaßter Grünschnitt.

Der per redaktioneller Beiträge + Leserzuschriften für die

1848er  März – Revolution

noch wichtige 1849er Jahrgang dieses gleichwohl nicht kostenlosen Vorläufers unserer heutigen Anzeigenblätter, hier in der ursprünglichen Mittwochs-Ausgabe, der des guten Erfolges wegen ab Herbst 1848 eine samstägliche Ausgabe zur Seite gestellt worden war.

So visionär der teils sehr weit nach vorn schauende Rückblick vom 3. Januar 1849: „Berlin ist die Hauptstadt einer europäischen Großmacht … die den Heerschild Deutschlands

und  einst  vielleicht  auch  dessen  Kaiserkrone  trägt.“

Doch während „das Land konstitutionell-monarchisch gesinnt (ist) …

überließ sich Berlin den Uebergriffen der Demokratie

und verlor die Sympathien der Nation …

Nicht allein der moralische Einfluß ist gesunken, sondern auch der materielle Wohlstand. Die Unsicherheit der Zustände erzeugte allgemeine Verwirrung und Mißtrauen. Der Hof und die unabhängigen Familien wanderten aus; der Handel und Gewerbe Berlins hatten seit März eine Mindereinnahme von 10 Millionen Thaler. Der Coursverlust an Eisenbahn=Aktien … ist auf 45 Millionen Thaler zu schätzen … So war der Weg zum Ruine vollständig betreten an der Hand einer Freiheit mit dem Bettelstabe!

Ohne Ueberschätzung darf man sagen, dieser theoretische Streit um eine Verfassung – (Am Vorabende eines Bürgerkrieges gab der König unterm 5. December c. eine freisinnige Verfassung) – , hat Berlin 40-50 Millionen Thaler gekostet … Anstatt 60 Millionen wird Preußen

unter  dem  System  der  Leute  von  der  Linken

künftig 80 gebrauchen. Mit nüchternem Auge betrachtet, heißt das die Errungenschaften zu theuer bezahlen … Gehen die Geschäfte besser,

wenn  Kladderadatsch  gedruckt  wird

(‚Das Beliebteste der Berliner Witzblätter mit Illustrationen beginnt vom 1. Januar 1850 seinen 3. Jahrgang‘, so breit inserierend die Laue’sche im Samstag-Wochenblatt vom 22. 12. 1849)

… Es hat keinen Vortheil erlangt bei dieser Löwentheilung …

die  Gemeindeschulden  und  Lasten  (mehrten)  sich  schreckenerregend .

Seit dem März

haben sich täglich

20 bis 40 Meister aus der Gewerbesteuer=Rolle streichen lassen,

und  wer  früher  10  Gesellen  hielt , arbeitet  jetzt  allein .

Die  Zahl  der  Bauleute  ist  auf  die  Hälfte  gefallen …

Zwanzig Handwerker und Künstler waren in der Nationalversammlung, 27 Kaufleute und Fabrikanten und – 121 Rechtsgelehrte,

die  nichts  von  Handel  und  Wandel  verstehen!“

Und gedanklich hieran anschließend die Zuschrift eines Försters unterm 28. 2. 1849 :

„ … hatte ich lange mit Betrübniß gehört und gesehn,

wie  man  das  Volk  gleich  einem  Bären

bei  der  Nase  herumführe,

um auf seinem Nacken und Kopfe Affen tanzen zu lassen … und es auf Kommando zu üben … . “

Passend hierzu Hermann Krause’s, „Agent des Nationalvereins für deutsche Auswanderung in Leipzig“, Insertions-Schaltung „Aschersleben im Juni.“ vom 4. 7. 1849

„Für  Auswanderer.

Neben anderen, monatlich regelmäßig zweimal stattfindenden Auswanderungs=Fahrten nach New=York, Baltimore etc. wird am nächsten 15. Juli eines der schönsten Reiseschiffe direct nach Port=Adelaide in Süd=Australien expedirt, zu welcher Fahrt noch Anmeldungen entgegennimmt … . “

Doch schon am 18. April empfahl Buchhändler Fokke seine „Karten für Auswanderer“ fürs Oregongebiet, für Kalifornien + Texas, die Nordamerikanischen Freistaaten und Autralien, indes Konkurrent Laue zur Subskription von Steinmann’s „Geschichte der Revolution in Preußen“ in 20 Lieferungen einlud, die „Neue  Hallesche  Zeitung“ unter ausführlicher Darlegung ihres täglichen Bestrebens um Abonnenten warb und Oscar Fokke sein „Journalisticum“ „der ferneren Gunst und Theilnahme auch für das Jahr 1850“ zu jederzeitlichem Eintritt angelegentlichst empfahl.

Aber auch die Kölner Deutschland-Direktion der belgischen „Der Landmann“ Versicherung bot ihre Dienste ebenso an wie Berliner und Hamburger Assekuranzen, ein Markthändler seine „Englische(n) Stahlschreibfedern“ „in 180 verschiedenen Sorten fein gespitzt und ganz stumpf“. Gleich darunter als weitere „Heilsame Erfindung“ Hümmert’s neu verbessertes „Pollutions-Verhütungs-Instrument“ ebenso wie die Novität „Compressorium oder Urinsperrer“, beides von Philipp Schlesinger & Comp. in Bleicherode bei Nordhausen.

Aus Vorbesitz (Gerhard) Stolle mit dessen blindgeprägtem Wappen-Stempel auf Vorsatz oder Titel. – Ohne die unter politischem Aspekt unwesentliche Nr. 37 (SS. 293-300) + die „(Insertions-)Beilage zu Nr. 40“ (SS. 325/26) sowie etwaiges Jahrgangs-Titelblatt, das aber auch einem früher hier durchgelaufenen Exemplar nicht beigebunden war. – SS. 383/84 mit kleinem Eckausriß im weißen Rand unten rechts. – SS. 403-422 mit Mausfraß unten rechts, teilweise mit geringem Textverlust. – Vereinzelte alte hs. Ankreuzungen an in der Tat interessanten Passagen – Stellenweise meist nur leicht stockfleckig oder wasserrandig. – Einband bei leichtem Bezugsverlust am unteren Rücken leicht (Vorderdeckel) bis etwas mehr (Rückdeckel) berieben und an den Kanten bestoßen.

Kurz, das Journal nicht nur eines „großen Jahrgangs“, sondern das auch anschließend noch manch große Zeiten gesehen und diese vor allem auch, wenngleich nicht ohne Blessuren, – überstanden hat.

Angebots-Nr. 14.546 / EUR  165. (c. US$ 183.) + Versand


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(Mr. Z. B., September 12, 2003)