Von letzter Ölung über das Sterben selbst und den Abschied am offenen Sarge, übers Procedere der Trauerfeier, Unschicklichem während solcher nebst Regelung und freudiger Nutzung des Nachlasses hin zu erregender Verbildlichung der Auferstehung zu ewigem Leben oder Höllenfahrt + grandiosen Memento mori.
The Company of Undertakers ,
den Begräbnisunternehmern,
deren Wappenbild so offen wie brutal ist:
Ein Collegium Medicum –
als Hoffnung in wirtschaftlicher Flaute
Hogarth, William (1697 London 1764). Consultation of Physicians (Arms of the Undertakers). Das Collegium Medicum oder das Wappen der Begräbnisunternehmer. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1809. Signiert, datiert, bezeichnet. Bildgröße 17,1 x 14,2 cm.
Cook’s kleinere Fassung ohne den 6zeil. Untertext dieses geistreichen Standeswappens mit dem Motto Et plurima mortis imago. – Innerhalb des breiten Plattenrandes geschnitten und namentlich in dessen Oberrand etwas zeitfleckig. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 8.929 / EUR 125. (c. US$ 175.) + Versand
Memento Mori
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Memento Mori. Auf der auf dem Tisch liegenden Bibel Totenschädel mit etlichen fehlenden Zähnen. Rechts davon Vase mit blätterndem Blumenbouquet, links, wie seltener, Schale mit Seifenblasen, auf der ein vierfingrig gezackter Stab mit anhängendem Siegel ruht, sowie heruntergebrannte(s) Kerze/Lebenslicht, auf dessen Ständer eine Kerzenschere, dahinter Sanduhr und darüber Vorhang mit großem zackigen Ausriß für den Vorhang des Lebens, seit dem Mittelalter aber auch Symbol des Geheimnisvollen, dessen ggf. religiöser Trost von dem Loch indes schon wieder konterkariert wird. Unter der Bibel hervorschauend und über den Tischrand hinausragend ein unbeschriebenes Blatt Papier mit Einriß und Eselsohr. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger inv. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor und nachfolgend. 51,6 x 42 cm.

Provenienz
Gräflich Faber-Castell
deren Ridinger-Versteigerung 1958
mit deren Lot-Nr. 145
auf dem Untersatzkarton
Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen
(1922 – 2004)
Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1426, offenbar beide III (von III); Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940), 434 (ohne Rand, wohl dito); Faber-Castell 145, Zustand I (von III) wie auch das Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München (1963:1644); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1, 289 (1975, Stillfried’s Beschreibung wiedergebend); Ridinger-Katalog Kielce (1997), 172, II (von III) nebst Abb.; Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 103 (III. Zustand).
Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900).
Mit Untertext „ … Was du thust so bedencke das Ende, so wirst du nimmermehr übels thun “.
Früheste Fassung
dieses bildhaft-schönen Vanitas-Stillebens
als Ridinger’s ureigenstem ,
im Stil der niederländischen Vanitates gearbeitetem
MEMENTO MORI
als einer der interessantesten Raritäten des Ridinger-Œuvre, deren verschiedene drei Zustände hier offenbar erstmals festgestellt worden sind.
Bezüglich der kostbaren Schabtechnik aber – im hier vorliegenden hs. Faber-Castell’schen Inventar-Verzeichnis per Ausrufezeichen + Unterstrich hervorgehoben als „Schabk!“ – resümierte schon vor gut 140 Jahren Thienemann mit den Worten:
„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr
… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “
(Seiten VIII + 270). An welcher Situation auch, wie hier, Neuauflagen wenig zu ändern vermochten, da die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.
Anstehendes Blatt fehlte also auch in Dresden. Und konnte erst 20 Jahre später von Graf Stillfried erstmals beschrieben werden. Es dokumentiert den untrennbar-vielschichtigen Ridinger, den Künstler in seiner Ganzheit. Denn den „harmlosen“ Ridinger landläufigen Kunsthistorikerurteils hat es gottlob nie gegeben. Vielmehr blieb er
„ einer der wenigen deutschen Barockkünstler
… der … nie in Vergessenheit geriet “
(Rolf Biedermann, Meisterzeichnungen des deutschen Barock, 1987, S. 338). Hier denn sein
Memento Mori im Erstzustand des Exemplars Gräflich Faber-Castell
und nach 52 Jahren nunmehr zurück am Markt
Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 14.856 / Preis auf Anfrage
Oelung, Die Letzte. Kupferstich. (1679.) Bezeichnet. 8,8 x 6 cm.
Verso: (Die Beichte.) Kupferstich wie vor. – Arbeiten eines anonymen Stechers – an anderer Stelle signiert als „Stich fecit“, doch ein solcher nicht nachweisbar – eines Catechismus des Petrus Canisius SJ, Köln 1679. – Schwacher Wasserrand oberhalb des Bildes. Säurefrei hinterlegter Randeinriß.
Angebots-Nr. 13.087 / EUR 35. (c. US$ 49.) + Versand
Todt, Der. Nach Empfang der Sakramente erscheint der Sterbenden der geflügelte Tod mit Sanduhr und Pfeil. Kupferstich wie vor.
Verso: Das letzte Gericht. Die Erde bricht auf und entläßt ihre Toten, erfüllt von verschiedenerlei Staunen, Dank und – Erwartung. Wie vor. – Schwacher Wasserrand oberhalb des Bildes. Dortselbst und gleichfalls außerhalb des Bildes säurefrei versorgter größerer Ausriß unter Verlust einiger Buchstaben des allgemeinen Textes. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 13.085 / EUR 35. (c. US$ 49.) + Versand
Santomaso, Giuseppe (1907 Venedig 1990). Memento mori. Farb-Lithographie. 1964. Hs. signiert, datiert. 54,5 x 37 cm.

Nr. 17/100 Abzügen auf Papier Rives. – Trockenstempel Erker-Presse. – Santomaso war Gründungsmitglied von „Fronte Nuovo delle arti“. Verbindung zu Braque, Léger, Morandi. Entwicklung auf einen abstrakten Hermetismus. Professor an der Akademie Venedig. Zahlreiche internationale Ausstellungen.
Angebots-Nr. 14.548 / EUR 930. / export price EUR 884. (c. US$ 1241.) + Versand
Bijapur / West- + Ostghuts – Bejapore, Sultan Mahomed Shah’s Mausoleum in. Der prächtige Kuppelbau oberhalb des Wassers. Stahlstich von Ad. Rottmann. Ca. 1855. Signiert, bezeichnet. 11,7 x 17,2 cm. – Schwacher Wasserrand im rechten Rand. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 11.262 / EUR 40. (c. US$ 56.) + Versand
Gehrts, Johannes (St. Pauli/Hamburg 1855 – Düsseldorf 1921). Der Heldentod der Stedinger. Holzstich von Rupert (so der Hamburger Hafen nach Bartels) oder Heinrich Schlumprecht nach/bei Adolf Cloß, Stgt. (1880/81.) Signiert, bezeichnet. 18 x 23,8 cm.
Angebots-Nr. 8.271 / EUR 71. (c. US$ 100.) + Versand
Marschkirche auf dem Stedinger Schlachtfeld. Im Winter, vorne der Gottesacker. Holzstich bei Adolf Cloß, Stgt. (1880/81.) 10,3 x 12,9 cm. – Beidseits in sich abgeschlossener Text zum Stedinger Freiheitskampf. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 8.272 / EUR 44. (c. US$ 62.) + Versand
Siegfrieds Leiche wird über den Rhein geführt. Getönter Holzstich nach Albert Baur (Aachen 1835 – Düsseldorf 1906) bei Adolf Cloß, Stgt. (1875-76.) Signiert, bezeichnet. 17,7 x 24 cm. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 14.392 / EUR 86. (c. US$ 121.) + Versand
Ein spektakulärer Fund
Um den 14 ( sic! ) Konkurrenten sich balgten !
Anschließend der Kustos einer bedeutenden öffentlichen Sammlung :
„ Dann waren Sie es also , der uns das Blatt wegschnappte .
Gratuliere .
Ich hätte es auch gerne gekauft . “
Johann Elias Ridinger
Ulm 1698 – Augsburg 1767

Die Allegorie des Todes
Kupferstich + Radierung
nach
Andrea Andreani
(auch Andriani, Andreini, Andreasso, Andrea Mantuano; Mantua 1541 oder später – wahrscheinlich ebda. ca. 1623) auf Grund dessen Clair-obscur-Schnitt nach Giovanni Fortuna Fortunius (1535-1611, tätig in Siena). Bezeichnet: Joh. El. Ridinger excud. Aug. Vind. Blattgröße 57 x 40,6 cm.
Unbekannt der einschlägigen Literatur
zu Ridinger bis hin zu Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik (1975), Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger (in L’Art Macabre, Bd. 2, 2001) und den maßgeblichen Sammlungs-, Verkaufs- und Ausstellungs-Katalogen von Weigel (1838) bis zur Gegenwart. Thematisch aber
in seinem ikonographischen Reichtum unerreicht
vom Kern seiner teils extrem seltenen, aber eben doch bekannten Mementi, den Schabblättern Thienemann-Stillfried 1426-1431. Und kompositorisch weit entfernt von deren letzten beiden, den von Johann Jacob nach Dieffenbrunner gearbeiteten brutal realistischen (1430 f.). Hier denn
das Memento mori als Virtuosenstück ,
als intellektuelle Herausforderung bei sprechend-reizvoller Bildhaftigkeit. Als
äußerst selten für Andreani
(generell sprechen Thieme-Becker von „der großen Seltenheit der Blätter“) , als
Nahezu-Unikat für Ridinger .
Hier denn vorliegend in schönem, nicht mehr ganz zeitgenössischem Druck auf linienfreiem Papier mit Wortmarken-Wz. bei umlaufend feinem Rand um die Bildeinfassung. Nur hier und da knapp bis an diese beschnitten. Der gesamthaft gewissen Altersspurigkeit restaurativ professionell begegnet, wie auch die rückseitige (Wasser-)Fleckigkeit bildseits nur partiell ganz schwach durchscheint. Im schraffierten Randfeld unten rechts ein noch schwach sichtbarer Künstlerhinweis. Kurz ,
ein seinesgleichen suchendes Rarissimum von schönem Gesamteindruck .
Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 28.482 / Preis auf Anfrage
Im Tode vereint
Daumier, Honoré (Marseille 1808 – Valmondois 1879). L’Unité Allemande. Die Walze des Mars ebnet die Toten ein, als da sind Württemberger, Badenser, Bayern, Hannoveraner, Sachsen, Hessen. Lithographie. (1870-71.) Monogrammiert, bezeichnet. 22,2 x 18,1 cm.
Delteil 3831, III (von 3) mit Abb. dieses Zustands. – Sorgfältiger Druck auf beserem Papier ohne Rückseitentext und den Actualité-Serientitel.
Geschaffen im großartigen Altersstil der letzten Jahre, alles Gegenständliche weglassend und „nur in symbolischen Gestalten Anklage erhebend gegen das Unrecht des Krieges“ (Glaser). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 13.385 / EUR 404. / export price EUR 384. (c. US$ 539.) + Versand
Alter Gottesacker in Crefeld. Denkmal für die Gefallenen von 1813-14. Holzstich nach Theodor Alexander Weber (Leipzig 1838 – Paris 1907). (1875-76.) Signiert, bezeichnet. 15 x 9,1 cm.
Rückseits: Neuss / Oberthor mit Drususthurm. Holzstich wie oben. 15,3 x 10,5 cm. – Beidseits nicht abschließender Düsseldorf-niederrhein. Lokaltext.
Angebots-Nr. 6.230 / EUR 60. (c. US$ 84.) + Versand
Hogarth, William (1697 London 1764). Funeral Ticket. Einladungsvordruck zur Teilnahme an einer Bestattungsfeier. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1809. Signiert, datiert, bezeichnet. Bildgröße 16,3 x 18,6 cm.

Bildlich reich gestaltete , seltene Geschäftsgraphik, geschaffen für Humphrey Dren Undertaker, in Kingstreet Westminster, und dort z. Zt. anstehender Stichfassung noch in Gebrauch gewesen. Zeigt eine reiche Trauerprozession vor dem Eingang zur Kirche. Darunter die hs. zu ergänzenden Daten. – Innerhalb des breiten Plattenrandes geschnitten und in diesem minimal zeitfleckig. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 9.015 / EUR 95. (c. US$ 133.) + Versand
– – Die Trauergesellschaft. Abschiednehmend von der zu Hause im noch teils geöffneten Sarg aufgebahrten Verstorbenen. Kupferstich. Signiert. 32 x 39 cm.
Nagler 17, 6. – Harlot’s Progress VI. – Von der Platte des 1744er 3. Zustandes, hier in harmonischem breitrandigen Druck auf festem Papier, vielleicht aus der von Boydell von 1790-1809 hrsg. Gesamtausgabe. – Schwacher Wasserstreifen in oberer Randecke.
„ Hier liegt sie nun endlich … ruhig und still im Sarge, sicher vor Sir John Gonsons (des Richters) Trabanten, Herrn M. Thwackums Hieben und – Dr. Misaubins Pillen. Was für eine kräftige Schutzwehr ein Sargdeckel nicht ist! “
(Lichtenberg). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 7.635 / EUR 151. (c. US$ 212.) + Versand
– – – Dasselbe. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1799. Signiert, datiert, bezeichnet. 35,5 x 41,1 cm.
Im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben in dessen ursprünglichem Folio-Format. – Kleine Braunstelle im weißen Oberrand. – Von sehr schöner Hell-Dunkel-Wirkung.
Angebots-Nr. 7.510 / EUR 240. (c. US$ 337.) + Versand
– – – Dasselbe. Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840). Signiert. 20 x 24,8 cm. – Auf besonders festem Papier, wohl um 1850.
Angebots-Nr. 7.637 / EUR 50. (c. US$ 70.) + Versand
– – – Dasselbe in Lithographie. (1833/36.) Bezeichnet. 19,6 x 21,4 cm. – Ausführlicher Untertext à la Lichtenberg in Deutsch.
Angebots-Nr. 7.638 / EUR 59. (c. US$ 83.) + Versand
Das unerhörte Finale (I)
Ridinger’s
schnörkellos fulminantes Hauptblatt
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). OMNIA MIHI SUBDITA. Die Herrschaft des Todes. Grabgewölbe mit Tod, von dessen Kopf, auf welchem ein mit Fledermausflügeln versehenes Stundenglas steht, rückseits und seitlich ein Schleier herabwallt, thronend über all dem Zeugs dieser Welt – für die rechts außen eine Globushälfte steht – , als da sind Gold, Gut, Siegel + Orden, Kronen, Szepter, Reichsapfel + Waffen, Folianten + Priesterkleidung, wissenschaftliche + landwirtschaftliche Instrumente und nolens volens Malerstock + Palette mit Pinseln. Die Rechte aber hält einen hohen Inschriftenstein, auf dessen besagte Schlußworte OMNIA MIHI SUBDITA die Linke mit als „Presens“ gekennzeichnetem Pfeil weist. Schabkunstblatt + Umriß-Gravur von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor und unten. 55,7 x 42,2 cm.

Provenienz
Gräflich Faber-Castell
wie vor mit deren Lot-Nr. 146/2
sowie sammlungsseits in Bleistift „Rechng v. 14/3/1914“
auf dem Untersatzkarton
Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1427 (ohne Erwähnung von Umriß-Gravur), hier indes als beiden unbekannter II Zustand (von II); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 290 mit Kenntnisstand von Stillfried/Schwarz; Faber-Castell 146 (ohne Erkennung als abweichender Zweitzustand, im übrigen zusammen mit Schwarz 1477); Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (Explr. der SGS Mchn.).
Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900), Schwerdt (1928/35), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).
Der Stillfried wie Schwarz unbekannt gebliebene Zweitzustand
der bislang unerkannt gebliebenen Erstversion
dieses unglaublich fascinierenden Blattes
von der oben verkürzten Platte bei gleichzeitig geänderter Signatur, beides entsprechend auch dem Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München.
Schwarz‘ Annahme, die Abweichungen seiner Stillfried unbekannt gebliebenen Variante 1477 beruhten lediglich auf Überarbeitung der Platte, ist unzutreffend. Wie unten belegt, handelt es sich um eine in der Inschriftaussage gleichwohl entscheidend umgewichtete Wiederholungsversion (siehe unten) von eigener Platte.
Bildlich herrlicher Zenit
der auch das jagdliche Œuvre durchziehenden
Ridinger’schen Vanitates
von großer kompositorischer Fülle, fußend auf eigener Zeichnung und im Einschluß der Malutensilien in die Vergänglichkeitsattribute über das 1767er zeichnerische „Selbstbildnis mit Tod“ des Berliner Kupferstich-Kabinetts (Farbabbildungen in L’Art Macabre 2, s. o., S. 94 + Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, S. 54, sowie, s/w, per I.5, S. 61) hinausgehend.
Alles im strahlenden Lichte dessen, von dessen Haupte Fledermausflügel das abgelaufene Stundenglas hinwegführen werden, der „Presens“-Pfeil die Richtung vorgibt und der „Preteritum“-Pfeil zu Boden zeigt. Aber im Köcher steckt der Pfeil „Futurum“, wie immer sich diese auch anlassen möge. Und dessen Schriftfähnchen weht, konträr zu den hängenden beiden anderen, in munterer Gewißheit.
Der von der Linken des Skeletts geführte Präsens-Pfeil ist zwischen die Worte OMNIA + MIHI gerichtet. Bei der Wiederholung Schwarz 1477 – siehe unten – hat Ridinger diese Aussage noch verdichtend präzisiert, indem die Pfeilspitze nunmehr unmißverständlich auf das M des MIHI weist.
Die gewichtige Steintafel selbst typisch für Ridinger als wir solcher im Werk wiederholt begegen bis hin zum programmatischen Eigen-Exlibris (Schwarz 1569) mit seinen Malutensilien, wo sie ein mit dem Malerstock bewaffneter Knabe hält, und sie des Meister’s absolutes Lebensbedürfnis bekundet: „Nulla dies sine linea“ – Kein Tag ohne Pinselstrich. Im Vergänglichkeits-Gerümpel anstehenden Blattes das Malergerät im übrigen ein abermaliger Gleichklang mit Hogarth, der sein graphisches Œuvre mit dem Blatte der Sterbenden Zeit („Tail Piece, or The Bathos“) vom April 1764, also sechs Monate vor seinem Tode, abschloß, auf dem die Palette aber noch zusätzlich demonstrativ zerbrochen ist.
Das druck- wie erhaltensmäßig
sehr schöne Exemplar
Gräflich Faber-Castell
in samtenem Braun-Schwarz bei greifbar-plastischem Hell-Dunkel und mit den für zeitgenössische Abdrucke stehenden Wz. WANGEN und separater IV bei umlaufendem Rand von 4-8 mm.
Die extreme Seltenheit
des Blattes
anstehendenfalls potenziert
durch seinen hier erstmals beschriebenen 2. Zustand .
Das Blatt als solches, erst 20 Jahre nach Thienemanns Kabinett-Besuchen von Graf Stillfried erstmals vorgestellt, dokumentiert den untrennbar-vielschichtigen Ridinger, den Künstler in seiner Ganzheit. Denn den „harmlosen“ Ridinger landläufigen Kunsthistorikerurteils hat es gottlob nie gegeben.
1914 – 1958 – 2005
Sie müssen sehr jung sein ,
sollten Sie meinen ,
bei anstehendem Blatte zuwarten zu können .
Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 14.857 / Preis auf Anfrage
Cassas, Louis François (Azay-le Ferron, Indre, 1756 – Versailles 1827). Mausolée d’Jamblichus. Innenansicht mit zwei Figurinen im Eingang, darüber das Epitaph mit dem aufgestützt lagernden, von drei Genien oder Schülern umstandenen Verstorbenen, wohl des neuplatonischen Philosophen aus Chalkis (gest. um 333). Radierung von Jean de la Porte (geb. ca. 1760), mit dem Grabstichel vollendet von Pierre Gabriel Berthault (St. Maur 1737 – Paris 1831). (1799.) Signiert. 46 x 29,4 cm. – Schöner breitrandiger , dreiseits unbeschnittener Abdruck vor der Schrift . – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 12.528 / EUR 302. / export price EUR 287. (c. US$ 403.) + Versand
– – – Vue générale de Néapolis. Gesamtansicht des römischen Neapolis, des alten und heutigen Sichems in Samaria,
der Begräbnisstätte Josephs , in dessen Nähe der Jakobsbrunnen
liegt. Kupferstich von Jean Baptiste Racine (Paris 1747 – ca. 1805). (1799.) Signiert. 29,7 x 46,3 cm. – Kleiner Wasserrand und meist nur stippenhafte Stockflecken im breiten weißen Rand. – Sehr schönes Blatt im Druckzustand vor der Schrift . – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 12.540 / EUR 910. / export price EUR 865. (c. US$ 1214.) + Versand
Kapelle mit Braubach. Mit schönem Blick auf die Marksburg. Vorn verwilderter Friedhof. Holzstich von Niedermann nach Richard Püttner (Wurzen 1842 – München 1913). Signiert, bezeichnet. 14,6 x 18,7 cm.
Verso: Blick auf Oberlahnstein. Holzstich nach P. 11,6 x 17,5 cm. – Beidseits fortlaufender Lokaltext. – Ein Seitenrand etwas stockfleckig.
Angebots-Nr. 8.799 / EUR 47. (c. US$ 66.) + Versand
Liverpool – St. James Cemetery. Looking North / Looking South. 2 Blatt. Stahlstiche von Fenner nach Thomas Mann Baynes (1794 – nach 1854). 1831. Signiert, datiert, bezeichnet. 10,8 x 15,9 cm. – Unter Gemeinschafts-Passepartout mit Zwischensteg.
Angebots-Nr. 14.097 / EUR 71. (c. US$ 100.) + Versand
Aufferstehung des Fleisches. Die Posaunen des Jüngsten Tages lassen die Erde aufbrechen und das Heer der Toten voll verschiedenerlei Staunens, Dankes, doch auch ungewisser Erwartung dem Kommenden entgegensehen. Kupferstich. (1679.) Bezeichnet. 8,7 x 6,4 cm.
Verso: Vnd ein ewiges Leben, Amen. Die Auferstandenen, vorn Petrus mit dem Schlüssel, folgen dem das Kreuz haltenden Christus zum himmlischen Vater und seinen Heerscharen. Kupferstich wie vor. – Arbeiten eines anonymen Stechers – anderwärts signiert als „Stich fecit“, doch ein solcher nicht nachweisbar – eines Catechismus des Petrus Canisius SJ, Köln 1679.
Angebots-Nr. 13.084 / EUR 35. (c. US$ 49.) + Versand
Lebendigen und die Todten, Von dannen Er kommen wird zu richten die. Der von den Heiligen umgebene Christus oberhalb der Auferstehenden und Lebenden. Kupferstich wie vor. – Verso: Ich glaub in den hl. Geist. Kupferstich wie vor.
Angebots-Nr. 13.086 / EUR 35. (c. US$ 49.) + Versand
Höll, Die. Der Rachen der Hölle, versehen mit dem Auge der Gerechtigkeit, verschlingt die Verdammten. Kupferstich wie vor. – Verso: Das Himmelreich. Bedenck dann … deiner letzten Ding, so wirstu ewiglich nit sündigen. Die Auferstandenen, vorn Petrus mit dem Schlüssel, folgen dem das Kreuz haltenden Christus zum himmlischen Vater und seinen Heerscharen. Kupferstich wie vor. – Schwacher Wasserrand oberhalb des Bildes. Säurefrei hinterlegter Randeinriß.
Angebots-Nr. 15.347 / EUR 35. (c. US$ 49.) + Versand
Trauernder – Pu-Quà. Ein Reisender. Der zu Fuß reisende Chinese. Kolor. Punktierstich von Dadley. Ca. 1810. Signiert. 25,7 x 22 cm.
Aus Lipperh. Le 21. – „ Sein Anzug verrät, daß er um einen Verstorbenen trauert. Er trägt einen Stock, eine Art von Dorn, die in einigen Theilen von China wächst, deren man sich oft zu Reisestöcken bedient. “
Angebots-Nr. 14.635 / EUR 75. (c. US$ 105.) + Versand
„ Das große Totentanzblatt “
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Totentanz. Kreiskettenreigen von neun Frauen plus Gerippen um geöffneten Sarg mit zwei Gerippen inner- und außerhalb der Friedhofsmauer als Mittelstück. Darüberhinaus, zurückgesetzt, Kapelle + Beinhaus (?) samt Mauern. In den Ecken Sündenfall – Golgatha – Ewiges Leben + Fegefeuer, dazwischen zwei Textkartuschen. Umgeben im Außenfeld von 12 Medaillons nebst Textkartuschen für den Tanz der Männer, getrennt von 8 (6 verschiedenen) Vanitas-Attributen. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger excud. Aug. Vindel., ansonsten wie nachfolgend. 65,3 x 48 cm.
Th.-Stillfried + Schwarz 1428. – Abbildung in L’Art Macabre 2, Jahrbuch der Europ. Totentanz-Vereinigung, D’dorf 2001, innerhalb des hiesigen Beitrags „Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger“. – II. Zustand (von 2?), wie auch das Explr. der Staatlichen Graphischen Sammlung München. – Die Exemplare Stillfried + Schwarz und das der Versteigerung Gräflich Faber-Castell (1958 als
„ Das große Totentanzblatt / Hauptblatt “
an Hand ihrer Beschreibungen zustandsmäßig nicht fixierbar. Hingegen erweist sich das von Patrick Pollefeys im Internet vorgestellte als früherer, derzeit zu unterstellender Erstzustand.

Nicht bei Thienemann und in Dresden, siehe unten, fehlend den umfangreichen Beständen Weigel (1857) , Coppenrath (1889/90) , Wawra (1890) , Helbing (1900) , Rosenthal (1940) u. a. m.
Typographisches + figürliches Wz. – Oben + rechts mit nahezu durchgehend feinem Rändchen, links + unten (hier gleichwohl bei 1,5 cm breitem Plattenrand) überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Hälftig alt per Eckmontage auf breitrandiges Bütten aufgelegt, wovon eine Ecke sich unter Rißbildung (restauriert) gelöst hat. Praktisch nicht störende Mittelfalte.
Das druck- und erhaltensmäßig sehr schöne Exemplar
einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciertem Hell-Dunkel. Und solchermaßen
von größter Seltenheit
nicht allein am Markt, wie oben belegt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60 (!). (H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann (SS. VIII + 270) :
„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr …
zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte
(sind) so selten , dass sie fast nur in einigen öffentlichen ,
grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind .
Ich habe die meisten der beschriebenen
nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … . “
Nicht einmal dort denn aber das hier erstmals vorliegende
großartige Blatt reichster Thematik ,
das erst 1876 Graf Stillfried bekanntmachte. Die dortigen Zitate nicht ganz akkurat. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 28.933 / Preis auf Anfrage
Buochs (CH), Beinhaus in. Besucherstaffage vor dem Schädelregal. Holzstich bei Adolf Cloß (1840 Stgt. 1894; „seinerzeit einer der besten seines Faches in Deutschland“, Thieme-Becker). (1875/77.) 16 x 13,8 cm.
Verso: Melker von Buochs. Pfeiferauchend am offenen Fenster. Holzstich, wohl nach Charles Hermans (Brüssel 1839 – Mentone 1924). Monogrammiert: CH. 15,5 x 10,8 cm. – Beidseits in sich geschlossener Text zur Folklore, namentlich zum Älplerkilde zur Heimkehr der Herden.
Angebots-Nr. 9.655 / EUR 48. (c. US$ 67.) + Versand
Clemenskapelle und Falkenburg (Mittelrhein). Vorn die erstere, errichtet an der Stätte des von Rudolf von Habsburg gehaltenen Halsgerichts, mit vorgelagertem Friedhof. Holzstich von W. Werkmeister nach Richard Püttner (Wurzen 1842 – München 1913) bei Adolf Cloß, Stgt. (1875/76.) Signiert, bezeichnet. 12,1 x 18,8 cm. – Verso: Sooneck. Mit Elsternschwarm. Holzstich von R. Köber nach P. Signiert, bezeichnet. 22,4 x 11,6 cm. – Beidseits fortlaufender Lokaltext.
Angebots-Nr. 8.803 / EUR 40. (c. US$ 56.) + Versand
Todtenkapelle auf dem St. Gotthard. Holzstich nach 1875er Vorlage von Albert Hertel (1843 Berlin 1912, „Maler heroischer Landschaften“ und „ein echtes künstlerisches Verhältnis zur Natur“, Thieme-Becker). (1875/77). Bezeichnet: AH. (ligiert) 1875., ansonsten wie vor. 21,5 x 13,2 cm.
Verso: Hospiz auf dem St. G. Davor hochbeladene große Wagenstaffage. Holzstich wie vor, doch nach 1876er Vorlage. Bezeichnet: AH. (ligiert) 1876., ansonsten wie vor. 15 x 18,7 cm. – Beidseits fortlaufender Lokaltext.
Angebots-Nr. 9.795 / EUR 69. (c. US$ 97.) + Versand
Bauernfeind, Gustav (Sulz a. N. 1848 – Jerusalem 1904). Friedhof von Silenen. Holzstich nach B. (1875/77.) Bezeichnet: GBfd, ansonsten wie vor. 13,3 x 18,5 cm. – Verso: Zwing-Uri. Holzstich wie vor. 12,9 x 19,4 cm.
Angebots-Nr. 9.649 / EUR 48. (c. US$ 67.) + Versand
– – Das Innere eines etruskischen Grabes bei Perugia. Blick durch die mit allerlei Gebrauchsgegenständen und religiösen Zeichen bestückte Vorhalle auf das eigentliche Grabmal. Holzstich nach B. (1876.) Bezeichnet: G. Bauernfeind., ansonsten wie vor. 19,7 x 15,2 cm.
Beidseits lokaler Text. – „Perugia … die gewaltigste aller Etruskerstädte … einst eine so starke Festung, daß sie selbst Hannibal nach seinem großen Sieg am Trasimenersee nicht anzugreifen wagte.“ – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 10.192 / EUR 40. (c. US$ 56.) + Versand
– – Etruskische Felsengräber von Castel d’Asso bei Viterbo. Links die Grabeingänge, rechts hinten über der Ebene dieser malerischen Landschaft niedergehender Regen. Holzstich des Monogrammisten F. W. (Friedrich Weigand, geb. Wien 1842?). (1876.) Bezeichnet: GB. (ligiert) / F. W. Sc., ansonsten wie vor. 11,7 x 18,8 cm. – Beidseitiger Lokaltext.
Angebots-Nr. 10.199 / EUR 46. (c. US$ 65.) + Versand
Hogarth, William (1697 London 1764). The Idle ‘Prentice at Play in the Church Yard, during Divine Service. Der Zeugweberlehrbursche Faulhans mit Schuhputzer-Jungen und zwei weiteren Genossen beim Hazardspiel auf dem Kirchhofe während des Gottesdienstes, an einem ausgehobenen Grabe gar, und vom Bettelvogt mit Nachdruck ihres lasterhaften Tuns verwiesen. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1795. Signiert, datiert, bezeichnet. 28,6 x 36,5 cm.
Industry and Idleness III. – Herrlicher Abdruck auf schwerem Papier. Dessen breiter Rand oben rechts mit schwachem Wasserstreifen. Im übrigen – im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben – in dessen ursprünglichem Folio-Format. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 7.530 / EUR 373. / export price EUR 354. (c. US$ 497.) + Versand
– – Dasselbe. Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840). Signiert, bez. 22,5 x 28 cm
Riepenhausens Stiche nach Hogarth („Sehr schätzbar“) zählen zu seinem Hauptwerk und werden teilweise sogar den Hogarth’schen Blättern vorgezogen. – Auf leicht getöntem minderen Papier.
Angebots-Nr. 5.645 / EUR 76. (c. US$ 107.) + Versand
– – Dasselbe. Stahlstich. Ca. 1850. 13 x 16 cm.
Angebots-Nr. 7.689 / EUR 43. (c. US$ 60.) + Versand
Unbußfertigkeit fürsätzlich verharren, In der. Diese Sünden werden in dieser und jener Welt gar nit, oder schwerlich verzihen. Eingehüllt in Decken weist der Sterbende die Sakramente, die ihm der links stehende, vom Erzengel begleitete Geistliche reichen will, zurück. Derweil von rechts der geflügelte Satan nach ihm greift. Ein zweiter das Kreuz des Heilands verhüllend. Rechts eine gefüllte Schatztruhe, der Pfeil des Todes dagegen die Taube des Heiligen Geistes treffend. Kupferstich. (1679.) Bezeichnet. 8,6 x 5,8 cm.
Verso: Ein verstocktes Herz haben. Der König auf dem Thron noch im Alter der Versuchung der Schlange zuneigend. Durch das Fenster Blick auf die Verdammung des Jüngsten Gerichts, das ihm seine Berater vor Augen halten. Wiederum der Pfeil des Todes gegen den Heiligen Geist gerichtet. Kupferstich wie vor. – Arbeiten eines anonymen Stechers – anderwärts signiert als „Stich fecit“, doch ein solcher nicht nachweisbar – eines Catechismus des Petrus Cansius SJ, Köln 1679. – Zwei bis in den Untertext reichende Einrisse unten rechts säurefrei hinterlegt.
Angebots-Nr. 14.372 / EUR 35. (c. US$ 49.) + Versand
Bracht, Eugen (Morges 1842 – Darmstadt 1921). Hünengrab auf der Lüneburger Haide. In malerischem Mondlicht, vorne auf dem Pfad Rammler mit Häsin. Holzstich bei Adolf Closs, Stgt. (1880/81.) Bezeichnet: A. Closs X. I. / Eugen Bracht, ansonsten wie vor. 17,4 x 23,6 cm.
„ (Bracht) hinterläßt ein umfangreiches maler. und zeichner. Oeuvre, das sich nahezu ausschließl. der Landschaft widmet … Die erste Hauptschaffensphase (1875-93) zeigt versch. dt. Heidelandschaften (Lüneburger Heide, Rügen, Hohes Venn) mit pastoralen und historisierenden Motiven. Der überregionale Erfolg seiner kargen Landschaftsschilderungen bringt offizielle Aufträge … “
(Manfred Großkinsky, Allgemeines Künstler-Lexikon XIII, 1996, 511). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 8.365 / EUR 64. (c. US$ 90.) + Versand
Wernerkapelle in Bacharach. Mit schöner Ansicht des vorgelagerten Friedhofes. Holzstich von A. Wolf bei Adolf Cloß, Stgt. (1875-76.) Bezeichnet: A. Closs X.I. / A. Wolf sc., ansonsten typogr. wie vor. Ca. 19 x 18,8 cm. – VERSO: In der Pfalz (Caub). Holzstich nach Richard Püttner (Wurzen 1842 – Mchn. 1913). Bezeichnet: R. Püttner / X. I. v. A. Cloß., ansonsten typogr. wie vor. 14,3 x 8,3 cm. – Beidseits fortlaufender Lokaltext.
Angebots-Nr. 8.800 / EUR 35. (c. US$ 49.) + Versand
Mit briefträgerlicher „ehemännlicher Genehmigung“
673.120 Mark ( und das vor 115 Jahren ! ) für die Gattin
Erbschein für Louise Friederike Therese Schubert, geb. Häusser, Ehefrau des Briefträgers Johann Friedrich Carl Sch., Übertragung und Zusammenlegung des von dem Webermeister Johann Gottlieb Erdmann Häusser nachgelassenen Grundbesitzes zu Stadt- und Kirchremda (Sachsen-Weimar) betreffend. Ausgefertigt Blankenhain 17. Januar 1889. Handschrift auf Papier. Kl.-2°. 6 unnum. Bll. Mit Landesfarben-Kordelheftung und Amtsgerichts-Papier-Siegel.
„ Die Erben bezüglich ehemännlicher Genehmigung haben die Erbschaft des Verstorbenen angetreten. Witwe Heusser hat auf ihr Erbrecht am Nachlaßgrundbesitz zu Gunsten ihrer Tochter, unter deren Annahme, verzichtet.
„ Frau Luisa Frederike Therese Schubert geborene Heusser hat mit ehemännlicher Genehmigung um Übereignung des Nachlaßgrundbesitzes auf sie und um Ausfertigung eines Erbscheins über den dazugehörigen Grundbesitz gebeten … ”
Mit beigeheftetem Katasterauszug (Formulardruck) nebst Amtsstempel und dataillierter Eintragung des der Witwe Marie Katharine Friederike Häusser, geb. Morgenroth, und der obengenannten gemeinsamen Tochter nachgelassenen Grundbesitzes des am 24. September 1888 verstorbenen und Zeugnis des infolge Erbverzichts der Witwe zu Gunsten der Tochter gebotene Zusammenlegung der verschiedenen in Stadt- und Kirchremda gelegenen Grundstücke im Gesamtwert von 663.120 Mark. Daran anschließend die Festlegung der Steuer- und Rentenzahlungen sowie Vorlagebestätigungen bei der Stadtsteuereinnahme und der Pfarrei als Ab- und Zugangsbehörde. Rückseits weitere Bestätigungen. – Mit Urkunden-Wz. bzw. Blindprägung Großherzogthum Sachsen nebst Wappen. – Unwesentliche Mittelfalte.
Angebots-Nr. 10.412 / EUR 118. (c. US$ 166.) + Versand
London – St. John the Baptist, Savoy. Im Vordergrund der offenbar aufgelassene alte Kirchfriedhof mit weidenden drei Schafen und einem Esel. Stahlstich von James Baylie Allen (Birmingham 1803 – London 1876) nach Thomas Hosmer Shepherd. 1830. Signiert, datiert, bezeichnet. 10,7 x 14,6 cm.
Angebots-Nr. 9.237 / EUR 25. (c. US$ 35.) + Versand
Gold – Hypotheken – Wertpapiere
Hogarth, William (1697 London 1764). Die Erbschaft. Der frischgebackene Erbe des reichen Geizhalses Rakewell bereitet seinen Eintritt in die Gesellschaft vor. Im Vordergrund läßt er sich neue Beinkleider anpassen, indes sich der breit hinter ihm sitzende, das Nachlaßverzeichnis zusammenstellende Notar vorab schon einmal mit dem Nötigsten versorgt, während Jung Rakewell Guineen feilhält für die, die sie nicht nehmen wollen, nämlich Sarah Young und ihre Mutter. Oben an der Decke bricht dem Tapezierer eine Leiste, worauf sich ein Goldregen bodenwärts ergießt. In der Kammer nebenan die etlichen Perücken des verblichenen Sammlers lukrativer Wertpapiere + Hypotheken, die nun, gebündelt und lose herumliegend, ihrer Verwertung entgegensehen. Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840). Signiert. 20,5 x 27 cm.
The Rake’s Progress I. – Auf besonders festem Papier, wohl um 1850. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 11.835 / EUR 228. (c. US$ 320.) + Versand
– – Dasselbe in Kupferstich von Carl Heinrich Rahl (Hoffenheim 1779 – Wien 1843). (1818/23.) 21 x 27 cm. – Etwas blasser Druck.
Angebots-Nr. 7.641 / EUR 118. (c. US$ 166.) + Versand
– – Dasselbe in Lithographie von O. C. Apelt. 1834. Signiert, datiert. 22,8 x 22 cm. – Ausführlicher Untertext à la Lichtenberg in Deutsch. – Einige Stockflecken vornehmlich im breiten weißen Rand.
Angebots-Nr. 11.836 / EUR 240. (c. US$ 337.) + Versand
Von graphisch brillantester Delikatesse
ein potenziertes
OMNIA MIHI SUBDITA (II)
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). OMNIA MIHI SUBDITA. Die Herrschaft des Todes wie oben. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et excud. Aug. Vind., ansonsten wie vor. 57,3 x 41,4 cm.

Provenienz
Gräflich Faber-Castell
wie vor mit deren Lot-Nr. 146/2 auf dem Untersatzkarton
Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1477; Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 270 mit Kenntnisstand von Schwarz; Faber-Castell 146 (zusammen mit Stillfried/Schwarz 1427 im II. Zustand als obige 14.857). – Vgl. Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (II. Zustand von St./Schw. 1427 im Explr. der SGS Mchn.).
Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900), Schwerdt (1928/35), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).
Die Stillfried (1876) unbekannt gebliebene und auch von Schwarz nicht als solche erkannte
hier erstmals identifizierte Zweitversion
dieses unglaublich fascinierenden Blattes
in einem Exemplar von letzter Schönheit
und graphischer Raffinesse
als von unter anderem entscheidender Umgewichtung begleitete Wiederholung von Stillfried/Schwarz 1427, für die hier gleichfalls erstmals ein II. Zustand mit gleichem Pedigree nachgewiesen und beschrieben werden konnte (siehe oben).
Schwarz‘ Annahme, die Abweichungen anstehender Variante 1477 beruhten lediglich auf Überarbeitung der 1427er Platte, ist unzutreffend. Wie unten belegt, handelt es sich um eine Arbeit von eigener Platte, deren thematisches Spotlight mittels kleiner Verschiebung eine präzisierte Botschaft erhellt :
der auf den Blattitel gerichtete „Presens“-Pfeil
weist nicht mehr zwischen die Worte OMNIA + MIHI ,
sondern direkt auf das M des MIHI !
Erfolgte angesichts des Vorliegens beider, die Fakten aufdeckenden, Varianten die Katalogisierung für Faber-Castell unzulänglich, so ergibt sich Schwarz‘ irrtümliche Annahme eben aus seiner Unkenntnis des 1427er Zweitzustandes von der oben verkürzten Platte. Denn seine Variante 1477 repräsentiert in der Höhe wieder das ursprüngliche Format, endet also wieder erst 1,5 cm oberhalb des Bogens. Hingegen hat sie eine um ca. 8 mm geringere Breite mit der von ihm übersehenen Folge einer beidseitigen geringfügigen Bildverkürzung. Wie sich denn generell die abweichenden „kleinen Varianten“ (Schwarz) zu einer ansehnlichen, gleichwohl erst auf wiederholten Blick hin bemerkbaren Masse verdichten, die einander gegenüberzustellen hier zu weit führte und nicht zuletzt
dem Kenner ,
der „noch an die Wichtigkeit der Etats glaubt“
(Max Lehrs 1922 in Würdigung des Altmeister-Sammlers Julius Hofmann) die Freude, ja, das Glück, der eigenen Entdeckung schmälerte. Was geradezu als unfair empfunden werden muß angesichts hiesigen Vorliegens beider Varianten, 1427 + 1477, und damit der Möglichkeit
eines Erwerbs beider Blätter ,
ganz so wie einst Gräflich Faber-Castell
bei indes noch Angewiesengewesenseins auf die Chance einer zweiten Zugriffsmöglichkeit.
Doch der Lust der Vergleichsmöglichkeit beider Blätter steht anstehendenfalls noch eine Befriedigung ganz anderer Qualität ins Haus, wie hier aus dem Stegreif für keinen anderen Fall Ridinger’scher Schabkunst erinnerlich. Denn zumindest im obigen Zweitzustand bedient sich 1427 zur Realisierung des thematisch bedingt so überaus komplexen Bildes vereinfachend gravierter Umrißlinien, statt – wie hiesige „Wiederholung“ 1477 – alles allein aus der Abstufung von Hell und Dunkel als dem Prinzip der Schabkunst herauszuarbeiten.
Wo gravierte Linien partiell zwangsläufig zu feinerer Ziselierung führen, ist es faszinierend, deren „gröbere“ Verwirklichung aus dem staunendmachend schwierigen Spiel von Licht + Schatten gebildet zu sehen. Und vergleichend zu beobachten, wie billig anderwärts solche Linien Faltenwürfe abhaken, die in der reinen Schabkunst aus sich selbst herauswachsen. Oder Hains Stirn krausziehen oder dessen Gliedmaße + Gelenke behandeln.
Beide Versionen stammen von der Hand Johann Jabob’s. Sie miteinander zu vergleichen, führt somit weit über das Nebeneinander von Abweichungen üblicher Art hinaus, ist vielmehr ein in medias res der Technik selbst gehen. Welch eine Chance des Lernens, des Einstiegs in das Raffinement graphischen Ausdrucksvermögens, der Verfeinerung der Qualitätserkenntnis!
Der mit seinem vergleichsweise nur schmalen geschabten Beitrag so ganz im Schatten von Vater und älterem Bruder stehende Johann Jacob, mit anstehendem Blatte von Schwarz 1477 zeigt er seine Ebenbürtigkeit,
seine ganze Meisterschaft auf dem Felde der bravourösen Schabkunst .
Wurde anstehendes Sujet erst 20 Jahre nach Thienemanns Kabinett-Besuchen von Graf Stillfried erstmals vorgestellt, doch, wohlgemerkt, nur im Erstzustand von 1427, überraschte erst 34 Jahre später Schwarz mit zusätzlich 1477, von letzterem mit weiterem Intervall von 48 Jahren das Exemplar von Faber-Castell marktgängig wurde, zusammen mit dem 1914 erworbenen Zweitzustand von 1427, beide dann absorbiert von anderer gräflicher Ridinger-Sammlung mit Schwerpunkt Schabkunst. Und nach 47jährigem dortigen Verbleib nun hier und heute.
Das druckadäquat
herrlich erhaltene Exemplar
Gräflich Faber-Castell
mit umlaufend 4-13 mm breitem Rand mit wohl Wasserzeichen WANGEN nebst separater IV wie für zeitgenössische Abdrucke stehend. – Von zwei aufeinander zulaufenden, gänzlich geglätteten Falten mittig die eine bei leichter Quetschung links außen rückseits verstärkt,. Zwei schwache parallele Faltspuren, alles bildseits kaum wahrnehmbar, zudem am oberen Bildrand, davon die eine noch den Abschluß des Gewölbebogens durchziehend. In diesem auch ein ungefärbt gebliebener haarrißfeiner Auslauf eines von oben kommenden Fältchens vom Druck her. Einige wenige stecknadelkopf/spitzenkleine Abreibungen. Rückseitiger leichter Stockstippenanflug unten nicht ins Bild durchschlagend.
Solchermaßen denn eine Trouvaille von rundum extremer Seltenheit in hier nun
ganz frühem Druck
von unvergleichlich schöner Plastizität .
In einem absoluten samtenen Braun und Schwarz ,
aus dem alles körperliche Weiß braun-weiß herausleuchtet .
Siehe auch die ausführliche Beschreibung.
Angebots-Nr. 14.858 / Preis auf Anfrage
„ im Internet habe ich in Ihrem Katalog das vorgenannte Werkverzeichnis … gefunden …
Mit Interesse habe ich auch Ihren offenen Brief an die Herausgeber der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.7.2003 gelesen, zumal ich (bei früherer Gelegenheit) … mir … von der Frankfurter Allgemeine Zeitung den Vorwurf des ‚Kulturglobalisten‘ gefallen lassen mußte … “
(Herr A. G., 8. Dezember 2003)


