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Franz  Marc — inspiriert  von  Ridinger

wie  in  dieser  Pluralität  bislang  übersehen

Nach letzterem bekannt bislang nur der Holzschnitt „Reitschule nach Ridinger“ von 1913 (Lankheit 839) als Ausschnitt-Interpretation der Hintergrundfigur des aufsitzenden Reiters des dritten Blattes (Thienemann 608, siehe deren hiesige Vorzeichnung unten) der 1722er Reitschule. Hier denn nun drei weitere Ridinger als

erstmalige  Inkontextstellung  zu  den  malerischen

„Spielende  Wiesel“

von  1911  (Hoberg-Jansen 144 nebst Abbildung).

 

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Wiesel. Zwei vor Unterholz- + Felskulisse, eines hinter einem Stein hervorkommend, das andere auf diesem. Radierung mit Kupferstich. (1740.) Bezeichnet: J. E. R. f., ansonsten wie vor. 19,1 x 15,6 cm.

Blatt 88 (Thienemann + Schwarz 479) der Folge Entwurf einiger Thiere, Wie solche Nach ihren unterschiedenen Arten, Actionen und Leidenschaften, nach dem Leben gezeichnet.

Die  thematische  Initialzündung .

Marc’s Öl der „Spielende(n) Wiesel“, dem aus 1909/10 die gleichnamige Lithographie voranging, verrät die Kenntnis gleich mehrerer Ridinger-Kupfer aus durchaus verschiedenen Folgen. Marc zeigt zwei Wiesel, von denen das aufgebaumte eine, über einen Ast gebeugt, zu dem in aufgerichteter Pose auf der Erde sitzenden herunterschaut. Dabei das Baumwerk von einer Exzentrik, deren er sich in dieser vordergründigen Dichte im malerischen Œuvre nur noch auf den beiden „Akte(n) unter Bäumen“, Hoberg-Jansen 143, gleichen Jahres bedient.

Auch bei Ridinger’s Wieseln deren spielende zwei, doch beide auf der Erde und in einem in keiner Weise heranziehbaren Umfeld. Letzteres splittete Marc auf.

Und  übernahm  die  Pose  der  beiden  Tiere

Johann Elias Ridinger, Baummarder

von  den  beiden  Baum-Mardern

aus Blatt 86 (Th. 476, siehe unten) der Folge. Deren junger über einem Ast gleich niedriger Höhe wie bei Marc hängt und auf die auf den Hinterpratzen am Baumstamm stehende und mit einem Vogel lockende Mutter schaut. Dieselbe Situation zeigt „Spilende Eichörnlein“ als Blatt 88 (Th. 478), nur mit dem Unterschied eines weiteren aufgebaumten, doch am Spiel unbeteiligten Tieres. Den auch für Ridinger eher selteneren

bizarren  Baumwuchs

– und als solchen bezeichnet ihn auch ausdrücklich Sälzle in seiner 1980er Edition der Vorzeichnungen nachstehender Folge – aber

übernahm er

Johann Elias Ridinger, Spur von Marder und Wiesel

von der

„Spuhr eines Marders / Spuhr von der Wiesel“

als Blatt  19 (Thienemann 181, siehe unten) der „Jagtbaren Thiere“ bei gleicher Pose des aufgebaumten Marders mit dem indes neutral gezeigten Wiesel auf der Erde.

So konzipierte Marc seine „Spielende(n) Wiesel“ also ebenso an Hand mehrerer Ridinger-Vorlagen, wie letzterer seinerseits seine Watteau’sche „Ergözung der Schäfer“, Th.-Stillfried 1397, aus vier Vorbildern des Franzosen komponierte. Daß Marc schließlich auch der typischere Ridinger’sche Baumschlag nicht fremd war, zeigt die rechte Baumgruppe seines malerischen Waldinneren „Die Würm bei Pipping“ aus 1902/03, H.-J. 15 nebst Abbildung. Aber auch die Par force Szenerie auf dem Aquarell „Schloss Ried“ von 1914 – Holst, Abb. 11, S. 29 – steht für ein weiteres Beispiel der Beschäftigung Marc’s mit Ridinger,

der  Beschäftigung  Marc’s  mit  Ridinger ,

die in  dieser  Pluralität  bislang  übersehen  worden  ist .

Ref.-Nr. 14.999 / Lagerware – nicht katalogisiert / Beschreibung + Angebot anfordern

Die  Posenvorgabe  der  beiden  Marder

Baum Marder. Von einem Aste auf die mit einem Vogel herankommende Mutter schauender junger. Radierung + Kupferstich. (1740.) Bezeichnet: J. E. R. fec. / N. 86., sonst wie vor. 18,5 x 14,6 cm.

Thienemann + Schwarz 476. – Blatt 86 aus Entwurf einiger Thiere ( „Diese Tafeln sind sehr gesucht und oft copirt“, Thienemann 1856 ). – Herrlicher, breitrandiger Abdruck der 1. Ausgabe. – Abbildung

Angebots-Nr. 7.332 / EUR  248. (c. US$ 270.) + Versand

– Dasselbe  zusammen mit dem Pendant der beiden Steinmarder Th. 475.

Ref.-Nr. 15.007 / Lagerware – nicht katalogisiert / Beschreibung + Angebot anfordern

Das  Modell  für  das  bizarre  Baumwerk

Spuhr eines Marders / Vorder Pratzen / Hinder Pratzen / Spuhr von der Wiesel / Vorder Lauflein / Hinder Lauflein. Baum/Edelmarder in leicht apokalyptischer Baumlandschaft auf das Wiesel am Boden herabschauend. Unterhalb des Bildes die von a-c bzw. d-f erläuterten originalgroßen Spuren. Radierung + Kupferstich. (1740.) Bezeichnet: 19. / J. E. Ridinger inv. del. sculps. et excud. Aug. Vindel., ansonsten wie vor. 37,7 x 29,7 cm.

Thienemann + Schwarz 181; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, III.29 mit Abbildung. – Stellung des Wiesels und die untere Partie des Marder-Baums gegenüber der 1739er Vorzeichnung Sälzle, Faks.-Ausgabe sämtlicher Handzeichnungen der Folge, 1980, SS. 58 f., verändert. – Blatt 19 der Suite der Jagtbaren Thiere . – Einzigartig schöner Abdruck mit WANGEN-Wasserzeichen als einer der von Ridinger be-vorzugten festen Bütten-Qualitäten. – Oben + unten 3-4,9 cm breitrandig, links mit 1,3 + rechts mit 0,6 cm Rand, jeweils zusätzlich zum breiten weißen Plattenrand. – Säurefrei hinterlegter Randeinriß seitlich unten links noch in den weißen Plattenrand hineinreichend. Schwache Altersflecken im Unterrand. – Abbildung

Angebots-Nr. 15.793 / EUR  745. / export price EUR  708. (c. US$ 771.) + Versand

– Dasselbe (Der Buchmarder [Baummarder] und das grosse Wiesel) als getönte Lithographie von Hermann Menzler im Druck von A. Renaud bei L. J. Heymann in Berlin. (1863-65.) Bezeichnet: Gez. v. J. E. Ridinger, lith. v. H. Menzler etc., ansonsten wie vor. 35,5 x 23 cm.

Joh. El. Ridinger’s Jagd-Album I/14. – Aus den als 1. Abteilung geführten „Darstellungen der bekanntesten Jagdthiere Mittel-Europas nebst Fährten oder Spuren“. – Die gesamte, nahezu literaturunbekannte, praktisch nur peu à peu complettierbare Suite 80 Blatt zuzüglich eines neuerdings aufgetauchten illustrierten Titels weit größeren Bildformates (47,5 x 36 cm) umfassend, wobei die Vorlagen teilweise auf ihren Kern komprimiert oder im Umfeld variiert wurden, woraus sich

eine  Sammlungsbereicherung  allerersten  Ranges

ergibt. – In der Bildwirkung entsprechen die Arbeiten der von Ridinger nicht mehr angewandten Aquatinta-Manier. – Auf breitrandigem leichten Karton von tadelloser Frische. Die Signatur des Druckers Renaud etwas schwach. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.427 / EUR  355. / export price EUR  337. (c. US$ 367.) + Versand

Die  Reitscene  zum  Holzschnitt

Das Trottiren. Weiträumiger Platz vor der Ruine eines einst stattlichen Anwesens mit einer Gruppe von vier Pferden und sechs Bereitern unter Aufsicht des Stallmeisters. Fein eingefaßte grau lavierte Bister-Federzeichnung. (1722.) 214 x 340 mm.

Die Ursprungszeichnung vor deren zwecks Plattenübertragung seitenverkehrter Umzeichnung zu Blatt 3 – Thienemann 608 – der ältesten, vom erst 24jährigen Ridinger noch nicht selbst gestochenen wundervollen Reitschule des Meisters als herrlicher Beleg dessen in frühesten Jahren bereits vollkommenen Stils. Gestochen wurde die 23blätterige Folge von Johann Daniel Hertz und Johann Balthasar Probst für Jeremias Wolff, alle in Augsburg, bei dem sie 1722 erschien. Signatur und Datierung der zeichnerischen Ursprungsfolge, von der hiermit 18 Blätter als überliefert bekannt sind, nur auf der hier nicht präsenten Titelzeichnung: JOH: ELIAS: RIDINGER: invenit et delineavit Anno 1722. Art und Form der Bezeichnung weitgehend korrespondierend mit der auf seiner hiesigen Alexander-Zeichnung von 1723.

Hier nun in dominierender Zeichnung vorn rechts das an der Longe geführte trottierende Tier, im Stich unterschrieben mit „In vilem stimmt der Schritt …“. Und zu entsprechendem Sujet der Kleinen Reitschule (Blatt 3):

„ Das Trottiren von einem jungen Pferd an der Corden, welches nothwendig ist, um ein junges Pferd den gestreckten Trott, als das Fundament aller folgenden Schulen zu lehren. “

Während zur Linken ein Reiter sein vom Burschen gehaltenes Pferd erst noch besteigt, trainiert bei gutem Durchblick im Mittelgrund jenseits der Longe der einzige aufsitzende schon das seine. Und eben dessen Detail-Ausschnitt

diente  dem  33jährigen  Franz  Marc

für  seinen  Holzschnitt

„Reitschule  nach  Ridinger“

von 1913 (Lankheit 839, 27 x 29,3 cm).

Von Marc geschaffen im Jahr des „Turms der Blauen Pferde“ als einer der Ikonen der Moderne, „das reichste (Jahr seines) Schaffen(s)“ (Christian von Holst). Und zusammen mit dem gleichzeitigen Holzschnitt „Löwenjagd nach Delacroix“ steht die Arbeit für jenen Zeitpunkt, von dem „wohl von einem buchstäblichen Einzug des Reiters in das Œuvre von Marc (zu) sprechen (ist) … Die … (von) Marc durch eine abstrahierende Einfühlung in das Pferd und die übrige Tierwelt (immer wieder angestrebte) Animalisierung der Kunst … kippt nun mehrfach um

in  die  Wiederbelebung  der  Einheit  von  Ross  und  Reiter

… Er selbst präsentierte sich in einer Postkarte an Else Lasker-Schüler 1912 als ‚Blauer Reiter‘, der neben beziehungsweise hinter seinem Pferd steht und farblich mit ihm zu einer Einheit verschmilzt (aus hiesiger Sicht ein Vorgriff auf die „kraftvoll rhythmisierte Darstellung“ der „Reitszene nach Ridinger“) … Der Hund unten rechts (auf letzterer), der den Betrachter eher an eine Jagdszene erinnern mag, verdankt sich … ebenfalls der ‚Reit-Kunst‘ Ridingers (vgl. entsprechende Hunde auf den Blättern 5, 18 und 22). Er blickt zurück, als wolle er schauen, wo sein Herr, der Reiter, bleibt. Eine spannungsvolle Aufbruchsstimmung prägt das Geschehen,

das  aus  Ridingers  Hintergrundfigur  des  Reiters

Johann Elias Ridinger, Reitschule, Detail des Reiters

den  eigentlichen  Protagonisten  macht .

Der Reiter und das Pferd bilden in ihrem extremen Bewegungsimpuls eine Einheit. Obgleich

Marc  mit  Ridinger  einen  Spezialisten  des  dressierten  Pferdes  rezipiert ,

geht es ihm nicht um eine artifizielle Mensch-Tier-Symbiose, die sich besonders in der Schulung des Pferdes in den künstlichen Gangarten artikuliert“ (Andreas Schalhorn). Und

„ Aufschlussreich ,

dass Marc bei seiner sehr vertrauten Kenntnis der Kunstgeschichte

sich gerade diesen Meistern der Pferdedarstellung (Delacroix und Ridinger)

des 19. beziehungsweise 18. Jahrhunderts als Vorbildern zuwendet “

(von Holst).

Die Zitate aus Christian von Holst (Hrsg.), Franz Marc – Pferde. Katalog der 2000er Ausstellung der Staatsgalerie Stuttgart – Sonderausgabe 2003 – , SS. 122, 250 f. + 165 f. nebst Abbildungen 151 f., 208 + 9. – Siehe u. a. auch Franz (Hrsg.), Franz Marc – Kräfte der Natur, Werke 1912-1915. Katalog der Ausstellung in München + Münster, 1993, Nrn. 138 f. nebst Abbildungen Seiten 300 f.

Die bei Ridinger an südliche Vorbilder erinnernde Ruine im übrigen sicher auch eine Reverenz gegenüber Italien, wohin es den in seiner Ulmer Lehre so unglücklichen einst hoffnungslos gezogen hatte.

Obgleich Ridinger 5 Reitschulen mit zusammen 111 Kupfern schuf, muß praktisch bis auf den 1869er Weigel’schen Nachlaßbestand – Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen nebst Sonderabteilung Johann Elias Ridinger’s Kunstnachlass in Handzeichnungen – zurückgegriffen werden, um dem zugehörigen zeichnerischen Œuvre in bildmäßig ausgeführten Beispielen zu begegnen. Wenngleich auch hier schon mit nur magerem Ergebnis. Nämlich lediglich 12 Arbeiten, deren Teildatierungen zwischen 1744 und 1760 liegen (Nrn. 816-827).

Das 19blätterige Konvolut der Position 828 dürfte ebenso auf Studien beschränkt gewesen sein wie hinsichtlich Reitschulen die Nr. 318 mit ihren 305 Blatt „Studien, Contoure(n) und ausgeführte Zeichnungen von Pferden und ihren Racen, Reitschule, in schwarzer Kreide, Rothstein, Feder und Tusche, aus den Jahren 1717 bis 1760“. Anderenfalls wären die fraglichen Arbeiten sicherlich der Eigenabteilung „Reitschule“ der Positionen 816 ff. zugeordnet worden.

Schon in dem in 146 Lots vereinigten 234blätterigen Zeichnungsbestand der am 19. 5. ff. 1890 bei Wawra in Wien versteigerten „Schönen Sammlung von Handzeichnungen und Kupferstichen Joh. El. Ridinger’s aus dem Besitz eines bekannten Sammlers“ findet sich kein einziges bildmäßiges Schulblatt mehr.

Den hiesigen fundierten Marktunterlagen folgend, sind es seit Weigel allein besagte beiwerkfreie Vorzeichnungen und Studien zu den eigentlichen Übungen, die – und zwar auch nur hin und wieder – vereinzelt oder zu mehreren am Markt sind. Als umfassendere Sammlung wohl zuletzt der 1987 hierselbst in badische Sammlung verhandelte Corpus von Kreidezeichnungen, von denen 26 auf die Kleine Reitschule von 1760/61 entfielen.

Dies alles unterbrochen von vorab zwei Ereignissen, gefolgt vom hiesigen :

So zeigte sich zunächst 1986 beim Bonner Presseball „Johannes Fürst von Thurn und Taxis … gewohnt spendabel. Der Tombola steuerte er fünf Vorzeichnungen des Ulmer Meisterkupferstechers Ridinger ‚Neue Reit Schul‘ … bei. Der Gewinn war der einzige, der im Ball-Almanach nicht preislich ausgezeichnet war. Kenner vermuteten denn auch,

die  Ridingers  seien  wertvoller

als  der  als  Hauptgewinn  ausgewiesene  Mercedes “

(Bonner General-Anzeiger vom 26. 5. 1986).

Fünf Jahre später dann debütierte ein Satz von 16 vollkommen durchgeführten Ursprungszeichnungen, also im Stichsinn, zur 23blätt. Neue Reit-Kunst von 1722 mit einem Ansatz von 360.000 Mark auf der Versteigerungsbühne.

Sämtlichs zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Untersatzbögen aufgelegt und auf diesen schwarz umrandet, beidseits zusätzlich sehr reizvoll verziert mit sich nach oben und unten zu verjüngender Hufeisenleiste bei gleichzeitiger Montage des Ganzen auf eine ca. 8 mm starke Holzleiste, gerahmt schließlich von schwarzer Holzleiste mit bronzefarbener Rollwerk-Innenleiste.

Dieser Bestand zählte bis in neuere Zeit hinein mindestens 18 Arbeiten, wurde infolge Abtrennung indes durch anstehende und eine weitere, hier gleichfalls verfügbare, Zeichnung decimiert. Diese beiden hiesigen (siehe auch Angebots-Nr. 28.072) bieten sich in allem so dar, wie zu obigen 16 geschildert. Aus Gründen zeitloserer Präsentation hier ihrer schwarzen Rahmen entkleidet. Entsprechend denn auch die Abdeckung der Ridinger nicht zugehörenden zusätzlichen Paspelierung des Montagepapiers mittels säurefreien Passepartouts mit den 23karätig goldgeprägten Künstler-Daten, wozu die Bilder in eine entsprechende Rückpappe eingelassen wurden.

Solchermaßen denn also sind

Bildmäßige  Reitschulzeichnungen  allergrößte  Ridinger-Rarissima .

Der Erhaltungszustand anstehende nahezu bestens. Die zarte Einfassung nicht mehr durchgehend deckend, hier und da auch etwas angeschnitten. Die ziemlich einheitliche leichte Bräunung keineswegs störend. Daß die Plastizität offenbar durch Lichteinfall gleichmäßig leicht gemindert wurde, fällt erst im Vergleich zur Parallelzeichnung auf. Generell begeisternd die die Jugendlichkeit des Meisters widerspiegelnde Frische der Zeichnung selbst.

Die Jungfräulichkeit der hier offerierten beiden wie auch gedachten vorangegangenen Bestandes dürfte weit über Weigel hinausgehen. So wie sich schon von anderen von Ridinger noch nicht selbst gestochenen Arbeiten der frühen 20er Jahre, z. B. zum Alexander- und Pharaokomplex, keine Zeichnungen bei Weigel, der ja 1830 den Nachlaß übernommen hatte, oder anderswo hier nachweisen lassen, so scheinen auch die zur 22er Reitschule auf deren Verleger übergegangen und damit eigenständige und offensichtlich auch marktferne Wege gegangen zu sein. Zu diesem

Reiz  eines  ganz  besonderen  Verwahrtgebliebenseins

tritt, da dennoch bereits vollendet, die Köstlichkeit größter Frühe und das generelle Eingebettetsein in kulturhistorische Abläufe :

„ Die Kunstgeschichte sieht in Ridinger nicht nur den Vollender des Jagdstichs im 18. Jahrhundert, sondern auch den meisterhaften Interpreten der Reiterdarstellung und des Pferdes …

„ Es sei … daran erinnert, daß das rein künstlerische Interesse am Pferd einen wesentlichen Teil der abendländischen Kunstgeschichte seit der Antike, seit der Entstehung des Parthenonfrieses, ausmacht … Erst in den Zeiten der Renaissance erblühte (die equestrische Kunst) in Italien zu neuer Lebendigkeit. Zuerst in den Fresken eines Benozzo Gozzoli und Vittorio Carpaccio, in den Zeichnungen eines Pisanello und Leonardo da Vinci … Den Niederländern blieb es vorbehalten, in der Darstellung des Pferdes … einen meisterlichen Realismus zu entwickeln …

„ Damit sind wir schon bei den Voraussetzungen der Kunst Ridingers angelangt. Es ist wahrscheinlich, daß er in Augsburg solche niederländische Pferdedarstellungen kennengelernt hat. Sie lagen in Nachstichen vor und wurden auch gelegentlich kopiert. Aus solchen Vorbildern, die ihm sein Lehrer Rugendas vermittelt haben könnte, und aus dem genauen Studium der Tiere selbst entwickelte er die ihm eigene Meisterschaft in der Darstellung des Pferdes. Man spürt die Freude am lebendig erschauten Geschöpf, an der harmonischen Übereinstimmung von Anatomie und Bewegungsart, am inneren Gleichmaß von Tier und Reiter, nicht zuletzt auch an der für alle Ridingerstiche bezeichnenden Eleganz der Haltung “

(Herbert Schindler in der Einleitung zur 1975er Faksimileausgabe der Kleinen Reitschule).

Ist aber einmal von Eleganz die Rede, sei auch Karl Sälzles gedacht, der 1980 der Faksimileausgabe des Zeichnungs-Corpus zu den Jagtbaren Thieren voranstellte:

„ Wer  aber  Ridingers  ganze  Könnerschaft  kennenlernen  will,

muß  zu  seinen  Handzeichnungen  greifen ,

… denn  erst  sie  offenbaren  sein  ganzes  Genie “

(Sperrung und Fettsatz nicht im Original).

Dazu hier nun also die Gelegenheit. In vollendeter Qualität,

an  Hand  von  Unikaten  allerseltenster  Art .

Zur  Reitschule  von  1722.

Aus  freiherrlichem , zuletzt  gräflichem  Vorbesitz .

Angebots-Nr. 28.071 / verkauft


„ Als kleinen Dank für Ihre immer mit großer Freude und ebensolchem Interesse entgegengenommenen stets neuen Ridinger-Informationen anbei … “

(Herr T. L., 19. Dezember 2014)