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Nach 100 Jahren zurück am MarktderAert van der NeerderSammlungen Maas – Fürstenberg (?) – ZingelNeer, Aert van der (Gorinchem 1604 – Amsterdam 1677, hiesigerseits vorsorglich nur zugeschrieben, siehe unten). Flußlandschaft bei Mondschein . Gesehen von ziemlich hohem Standort mit von vorn links kommendem und rechtwinklig breit ausufernd in die sich verjüngende Ferne des Mittelgrunds führendem , beidseits von Ufern begleitetem Fluß, über dem ziemlich hoch der volle Mond mit Hof steht, dessen Licht sich im auslaufenden Wasser vor durchgehendem dunklen, von einzeln wie büschelförmig arrangiertem Schilf- + Schwertlilienrepoussoir durchsetzten Landstreifen spiegelt. Zahlreiche sich in der Ferne verlierende Fischerboote, meist unter Segel, und Kähne, vier deren letzteren groß im Vordergrund wie auch ein aufgetakelter Zweimaster – so nicht zwei dicht an dicht liegende Einmaster, siehe unten – hinter der Landzunge des dominant erhöht liegenden linken Ufers, zu dem – als entscheidend für die Autorschaft , siehe unten –
vier breite Stufen freitreppenartig emporführen und dessen über drei unterschiedliche große reetgedeckte Häuser/Katen aufragendes frisch und dicht belaubtes, oben bogig zusammengefaßtes mächtiges Baumwerk nahezu die ganze Bildhöhe einnimmt. Vor den Häusern nach links wandernder Mann mit Stock, begleitet von seinem Hund, während eine Frau mit einem Geschirr im Begriff steht, die breit gelagerte vorderste Kate zu betreten, indes ein Fischer mit Haken und übergeworfenem Zeugs, ins Bild hineingehend, der oberhalb besagten Zweimasters gezogenen Stakete zustrebt, über der weiteres zum Trocknen liegt. Auf dem flachen rechtsseitigen Ufer mit seinen Landzungen zurückgesetzt ebenfalls ein Anwesen sowie Durchblick auf eine mutmaßliche Ortschaft. Als Repoussoir hier namentlich vorn ein bescheidenerer höherer Baum nebst seitlichem hohen, vom Winde gebrochenem nahezu abgestorbenen Baumstamm. Reich die übers ganze Bild verteilte Figuration jedweder Größe an Land und in den Booten, teils einschlägig beschäftigt, so der Fischer im Kahn ganz vorn rechts mit seinen Fischreusen. Der Schietwetter ankündigende Hof des Mondes könnte seinen Part in dem im Mittelgrund vorn vor seinem Boot sitzenden und ins Wasser schietenden Fischer haben. Die solchermaßen beobachtete Dominanz eines der beiden Ufer ist ein generelles Kompositionsschema van der Neer’s, wozu Wolfgang Schulz gelegentlich der Winterlandschaften anmerkt:
Öl auf Eichenholz. 45,6 x 63,2-63,4 cm. In aufgefrischtem Modellrahmen von wohl um 1920. Dendrochronologisches Gutachten Prof. Dr. Peter Klein „ergibt sich ein frühestes Fälldatum … ab 1671 … Eine früheste Entstehung des Gemäldes wäre … ab 1673 denkbar“. Detailliert des weiteren siehe unten. Provenienz Sammlung Otto Wilhelm Maas, Frankfurt Anonyme(r) Kunsthandel/Versteigerung Sammlung Davis? Sammlung Adams? Für Davis wie Adams siehe Schulz SS. 315 f. Eine 2 x 4 cm große „149“ in etwas breiterem Bleistift Versteigerung Graf Fürstenberg, Bonn, und andere Sammlung H. W. Zingel, Wiesbaden Werner Zabel Literatur Cornelis Hofstede de Groot, Wolfgang Schulz, Beide ohne Sichtung des Originals oder einer Abbildung, („ Es erhebt sich nun die prinzipielle Frage, wie man sich solchen nur literarisch erwähnten Bildern gegenüber verhalten soll … denn es ist sicher anzunehmen, daß unter den nur in Versteigerungskatalogen erwähnten, jetzt verschollenen Bildern ein erheblicher Prozentsatz echter Kunstwerke vorkommt … Nur in den Fällen, wo ein in Katalogen aufgeführtes Bild mir sicher als ein unechtes Bild bekannt geworden ist, habe ich es ohne weiteres weggelassen “ [HdG]) Fredo Bachmann, Die Herkunft der Frühwerke des Aert van der Neer Aert van der Neer als Zeichner (1972) Auf drei horizontalen Elementen von 13,9 , 15,2 + 16,5 cm bei originaler Abkantung der Außenränder von 3-7 cm auf bis zu 5-6 mm. – Rückseits alter Katalogausschnitt wie folgt: „ Aart van der Neer, geb. zu Amsterdam 1610; † daselbst 1683. 261 Mondscheinlandschaft. Die Mitte des Bildes nimmt ein von Kähnen und Fischerbooten belebter breiter Fluss ein, auf den der Mond sein Licht wirft; auf den beiderseitigen Ufern gewahrt man Ortschaften und einzelne Häuser, theils zwischen hohen Bäumen versteckt. (sic! ‚Die ältesten Kataloge bieten nur ausnahmsweise vollständige Beschreibungen und noch heutzutage scheint der Geschäftsbetrieb der größten Auktionsfirma der Welt es nicht zuzulassen, daß von den bei ihr zur Versteigerung kommenden Bildern einigermaßen genügende Beschreibungen in den Katalogen aufgenommen werden. [Sie] … sind leider nicht nur unvollständig, sie sind auch nur zu oft ungenau. Wie oft kommt es vor, daß die Bilder schlecht gemessen …‘, HdG) , Breite 63 Cent. “
Das ursprünglich volle Format des an den Rändern abgebröselten Klebezettels im Holz klar sichtbar. Des weiteren mit breitem Wachs- oder Kreidestift groß von oben links diagonal runter gegen Mitte zu „261“ als der Label-Numerierung, in der Schlußziffer partiell vom Zabel’schen Besitzvermerk überschrieben. Bei der Collection Maas handelt es sich um den dortigen Spitalmeister Otto Wilhelm Maas, aus dessen Bestand lt. Getty Provenance Index Sales unter Quellenangabe „Schmidt 1960“ auf anonymer Versteigerung am 1. Oktober ff. 1788 „In dem Senckenbergischen Stiftungshaus“ 21 Öle versteigert wurden. Ob hiesiges darunter war, ist offen, da der Posten im Katalog-Exemplar des Versteigerers im Gegensatz zu den gedruckten vorangehenden Losen nur pauschal „handschriftlich angefügt“ erscheint mit dem Bemerken „von Spital-Meister Maas gegeben“. Es könnte sich um eine kurzentschlossene Verlegenheitseinlieferung gehandelt haben. Gleichzeitig trat Maas als Erwerber einer mit hiesiger formatmäßig nicht identischen Mondlandschaft van der Neers auf. Ergibt sich die Bedeutung der Sammlung Maas schon aus der Quantität seiner Einlieferung, so auch daraus, daß er für die Käuferseite bei Schmidt ausdrücklich zu den nennenswerten Adressen zählt. Bei den 164 Losen des gedruckten Bestandes handelte es sich „Möglicherweise … um die Sammlung des Kaufmanns Johann Heinrich Mettenius (1710-1770), da im Exemplar SMF der Hinweis notiert ist: ‚Mettenius Oelgemälde‘… Die Sammlung setzt sich fast ausschließlich aus Werken der holländischen und flämischen Schule des 17. und 18. Jahrhunderts zusammen“. Die zeitliche Einordnung des sich an Maas anschließenden und mit „Klebezettel 261“ belegten anonymen Verkaufs legt zunächst die fehlerhafte Lebensdatierung des Labels nahe, die für das Todesjahr den Kenntnisstand de Burtin’s (1808) zitiert, wie denn auch 1841 von Nagler übernommen, der für die Geburt indes die Zeit zwischen 1613 + 1619 annimmt. Bei Burtin 1619 als Fixdatum. Und bezüglich des Geburtsortes „lassen ihn (Einige) zu Amsterdam geboren werden“, so Nagler, doch zugleich auf van Eynden verweisend, der schon 1816 korrekt Gorinchem nennt (siehe Schulz S. 93). Dem Kenntnisstand von vor 1816 und damit der Labelangabe sehr nahe kommend denn auch ein 1792er biographisches Beiblatt zur Apostool-Aquatinta von Schulz 580 (Farbtaf. 44 + Abb. 205): „BORN at Amsterdam 1609, and died 1683“. Mit 1788 im Rücken dürfte solchermaßen denn besagter Anschluß-Verkauf, dessen Klebezettel sich explizit nur auf Maas bezieht, nicht aber auch auf Fürstenberg etc., mit „vor 1816“ gesichert erscheinen, da in puncto Lebensdaten eben den Wissensstand von Burtin wiedergebend. Der Rückschluß, das Öl dürfte aus der 1788er Versteigerung stammen, erscheint plausibel. Nur vollständigkeitshalber sei ergänzend angemerkt, daß um 1900 dann bereits die Literatur (Bredius, Philippi, Wurzbach) mit „1603“ nur noch geringfügigst vom heutigen Wissensstand für Leben + Lokalität abwich. Die von Nagler kurz gestreifte und von Wurzbach (1906/11) detailliert erörterte Schwierigkeit der Lebensdatierung betreffend eines mutmaßlichen und gleichfalls malenden Namensvetters, der 1685 aus Amsterdam nach Gouda verzog und 1691 noch in Rotterdam gelebt haben soll, betrifft den Enkel Aert II, den Sohn von Eglon van der Neer. Definitiv mit 1604 ist die Geburt von Aert I erst von Wolfgang Schulz belegt worden. Die „und andere“ der Versteigerung Fürstenberg betreffen die Nachlässe des Generals von Graeve, Koblenz, und des Richters Dr. Christian Widenmann. Stimmungsreiches Bild , kompositorisch wie koloristisch mit allen Merkmalen der van der Neer’schen Mondscheinbilder , letztere von Bachmann als dem Pionier der eigentlichen van der Neer-Forschung, mit dem unverändert auch Schulz weitgehend übereinstimmt, wie folgt umrissen :
(Bachmann [1982], SS. 66, 78, 85 f., 88, 95, 97, 104, 124). Und Hofstede de Groot resümiert :
(a. a. O., SS. 360 ff.).
(Willi Drost, 1926, zitiert nach Schulz, a. a. O., S. 103). Dies alles denn Merkmale auch anstehenden Bildes , das stilistisch den späten 40ern, frühen 50ern entspricht, als van der Neer seine volle Reife erlangt hatte (Schulz SS. 108 f. + 51), gleichwohl aber ausweislich seiner Holz-Genesis nur für jene letzten Jahre in Betracht kommt, in denen der Meister sich praktisch selbst kopierte und frühere Stilelemente wiederaufleben ließ, wie generell für die Spätzeit geltend, als zudem eine neue Künstlergeneration einen gewandelten Publikumsgeschmack bediente.
(Schulz, a. a. O., S. 59). Und Bachmann (1982), S. 125:
Derlei Manko ließ Frau Hümer-Roskamp, Restauratorin für Alte Meister der Hamburger Kunsthalle, die Handschrift van der Neers für anstehende Arbeit denn auch verneinen, vermissend das Ineinanderfließen der Farben, die bei den Hauptwerken triumphierende Transparenz. Dabei aber immer nur ein solches des eigenen Hauses vorm geistigen Auge habend, wo es dort eine ganze Reihe Öle des Meisters hat. Nach hiesiger Einschätzung darüber unbewußt die schon von Stechow (Dutch Landscape Painting of the Sevententh Century, 2. Aufl., 1968, SS. 94 f.) für eine „beträchtliche Gruppe“ zweifellos authentischer Winterlandschaften in Anspruch genommenen Gegebenheiten der Spätzeit vernachlässigend. Welch Versäumnis hier keineswegs fremd ist, geht es etwa um einen vorgelegten ungewissen Ridinger, für den dann nur zu gern die für den Zarenhof gearbeiteten letztgültigen Öle der Eremitage als Meßlatte angelegt werden. Tatsächlich gilt eben die schon vor einer Generation getroffene Feststellung, wonach
(H. R. Hoetink, Direktor des für die alten Niederländer maßgeblichen Mauritshuis [Koninklijk Kabinet van Schilderijen] in Den Haag, auch Max Friedländers bedingt gegenteilige Ansicht als nicht mehr befriedigend zurückweisend, im Katalog der dortigen 1974er Ter Borch Ausstellung, Seite 12). Entsprechend differenzierter begrüßte denn auch Wolfgang Schulz hiesige Arbeit per Brief vom 13. 6. 2005 mit den Worten:
Zu letzterem Bachmann (1982), S. 125:
Und, so Schulz, a. a. O., Seite 55 :
Und im übrigen, so S. 86:
Die von Wolfgang Schulz nachgeholte Autopsie des Bildes beließ es beim Photobefund. Die Baumelemente etwa, für sich allein betrachtet, überzeugten durchaus, nicht hingegen das Hauptschiff, auch die Beschaffenheit der Rückseite der Tafel spräche nicht für van der Neer, gleichwohl wäre die Kenntnis einer Untermalung bei rötlich-beiger Grundierung als einer Voraussetzung für Eigenhändigkeit hilfreich, wie solche bei Restaurierungsarbeiten zutage tretend. Daß die weißen Lichtsäume an den Bäumen vorn links gemalt und nicht eingekratzt seien, wie üblicherweise von ihm gehandhabt, könne übersehen werden und, so hiesige Meinung, Ausfluß sein gedachter nachlassender Sorgfalt in der Spätzeit. Erscheint es nicht denkbar, daß auch die Malbretter jener von wirtschaftlicher Not bestimmten letzten Jahre sich vom Gros der früheren unterscheiden? Siehe hierzu auch unten bei Erörterung der vorgenommenen dendrochronologischen Untersuchung. Für die offenbar noch offene Werkgruppe der wirklich letzten Jahre dürfte sich hier noch eine interessante, auf eben dendrochronologischen Ergebenissen fußende Aufgabe stellen. Im übrigen, so Wolfgang Schulz weiter, sei der Zustand des Bildes selbst tadellos, für die Zuweisung an eine zeitgenössische andere Hand könnte der seltene Hendrik Minderhout (Rotterdam 1632 – Antwerpen 1696) angedacht werden, dessen indes eindeutigere Marinen als Parallelen zu jenen des späten van der Neer schon die Monographie gedenkt (a. a. O., S. 59). – Auf besagter 1788er Frankfurter Versteigerung figurierte im übrigen „Ein Mondschein in der Art von van der Neer“ (ca. 40,6 x 50 cm) als von Roelof van Vries (Haarlem um 1631 –- nach 1681; Nr. 90 des Kat. D-183). Nachdem sich bei späterer Herausnahme des Bildes aus dem Rahmen für die Seiten der Holztafeln mehr oder weniger rundum Grundierungsspuren in beige mit einer Ahnung von Rot, wie schon für die Mond-Wolken-Partie der Malerei selbst wahrzunehmen, als einer Folge von Flachlage der Tafeln während der Grundierung – siehe Hubertus von Sonnenburgs „Bemerkungen zu Brouwers Maltechnik“ im 1986er Münchner Ausstellungskatalog, S. 104 – ergaben, erging an das Doerner-Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen die Anfrage, ob mangels eines Restaurierungsbedarfs eine etwaige Untermalung mittels Infrarotreflektographie oder Röntgenaufnahme nachweisbar sei. Das eine wie das andere, so das Ergebnis, sei bei hellem Untergrund, wie gegeben, wenig erfolgversprechend, die Technik müsse in solchen Fällen passen. Womit sich die alte Vergleichsanalyse neu ins Recht gesetzt sah. Verteidigte schon der geradezu herausfordernd betrachterzugewandte Schieter – im Abbildungsteil bei Schulz so ohne seinesgleichen, doch unter den authentischen Ölen gleichwohl vertreten und im übrigen in bester Gesellschaft mit dem nicht minder bildwirksam isoliert plazierten demonstrativen Pinkler vorn rechts auf dem gar schon den frühen 50ern entstammenden Winterbild Schulz 225 („Authentisch und bedeutend“) – seine Position gegenüber Wolfgang Schulz mit Fredo Bachmanns Dagegenhalten für das Spätwerk:
(Bachmann, 1982, S. 124, und S. 142 gelegentlich eines späten Winterbildes um 1670: „Einige … Staffagefiguren … schauen sonderbarerweise aus dem Bilde heraus, so wie das schon auf dem [authentischen] Winterbild in Bremen [von Ende der 60er, Schulz 11] der Fall war“), so ergab sich bei Katalogisierung des Bildes als letztlich gedachte Arbeit eines zeitgenössischen Anonymus eine entscheidende Wendung. Zu Gunsten des Meisters selbst. Betreffend ein augenfällig schönes Detail, dessen fehlendes So-Vorkommen unter den über 300 Öl-Wiedergaben der Schulz-Monographie als möglicherweise Indiz für eine andere Hand hier aufmerksam registriert worden war : die optisch freitreppenartig geformten Bohlen als adäquater Aufstieg zu linksseitigem Ufer, dessen geradezu plateauartige Großzügigkeit in beispielhafter Verdeutlichung des van der Neer’schen Kompositionsaufbaus, siehe eingangs, ihr Gegenüber im raumgreifend flach hingelagerten rechtsseitigen findet. Wo vereinzelt immer die Öl-Wiedergaben landschaftliche Aufgänge sehen lassen, sind es, also unter bewußter Außerachtlassung der architektonisch komponierten steinernen Aufgänge von Schulz 84 + 362 (beide authentisch) sowie 129 (wahrscheinlich authentisch) mit Abbildungen 45, 74 + 32, optisch anspruchslose Stiegen. Aber in der zeichnerischen Kanallandschaft bei Mondschein in Berlin – Schulz D 2, Abb. 343; Bachmann (1972) I, Abb. I bzw. (1982), S. 46, Abb. 31 – begegnen wir ihnen so wieder! An gleicher Stelle des gleichwohl andersartigen linken Uferaufbaus! Und lediglich mit einer Stufe mehr. Damit aber einem in Zweifelsfällen klassischen Indiz für eine Autorenzuweisung . Daß es sich bei jener Zeichnung von etwa Mitte der 40er nicht um irgendeine handelt, vielmehr – zusammen mit der „Landschaft mit dem Angler“ in Petersburg, Schulz D 10, Abb. 342; Bachmann, 1972, II bzw., 1982, S. 49 mit Abbildungen II bzw. 36 – um eine der beiden von Bachmann (1972, S. 13) als repräsentativ für das Gesamtwerk gesehenen
verleiht gedachter Detail-Übereinstimmung zusätzliches Gewicht. Bemerkenswert, wie hier im Rückgriff des Alters eine dreißig Jahre zuvor gefundene und wieder vernachlässigte Lösung großer Hand eine Wiederaufnahme findet, die sichtbar über ein sich selbst Kopieren hinausgeht. Aber auch das geometrische Kompositionsschema hiesigen Bildes ist das van der Neers . Der Mond als Lichtquelle korrespondiert mit dem Schnittpunkt zweier markante Positionen miteinander verbindender Kurven. Und in der Waagerechten liegen linke + rechte Bezugspunkte auf gleichem Niveau. So harmoniert der Fuß des Kopfweidenstumpfs unten links mit der Spitze des rechten Bootes, die Erhöhung links der Treppe mit dem Fuß des Außenbaumes rechts, der First des linksseitigen rechten Hauses mit dem Abschluß des Randdickichts rechts. Siehe hiesiges Diagramm analog zu denen bei Bachmann, 1982, S. 81.
und gelegentlich der den späten 60ern entstammenden authentischen Schweriner Feuersbrunst Schulz 1376, Abb. 234
(Bachmann, 1982, SS. 79 + 142 mit Abb. 119). Und Seiten 144 f.:
Bedingt erinnert hiesiges Öl an die Kanallandschaft in Darmstadt (GK-265; HdG 184, Sch. 319 nebst Abb. 102, von Bachmann als spätestens 1647 erachtet), doch auch an die um 1645 gesehene Flußlandschaft Schulz 1286 nebst Abb. 135, die beide als authentisch gelten, aber noch sichtbar entfernt sind von der sich zum Horizont hin weitenden großzügigen Gewässerlandschaft und dem Mondlicht als zentraler Dominante. So zeigt das 1645er Bild zwar auch den vollen Mond, und zwar auf ziemlich gleicher Höhe wie auf hiesigem und als mehrheitlich tieferstehend nicht die Regel, doch erst im rechten Bildviertel, während er bei dem 1647er Bild zwar in der Mitte steht, doch hinter Bäumen versteckt (Schulz: „Wahrscheinlich eine der ersten Nachtszenen, aber noch ohne das leuchtende Mondlicht“). Das Blattwerk namentlich der linksseitigen Hauptbäume teils nur wenig differenziert ausgeführt wie unter den authentischen Ölen auch anderwärts belegt, wie eben auch für das schon beigezogene 1647er Darmstädter Schulz 319 oder Sch. 248 (Abb. 109) des Amsterdamer Rijksmuseums, das Rotterdamer Sch. 480 (Abb. 111), den Rundbäumen des Mittelgrunds von Sch. 1288 (um 1645, Farbfrontispiz), Sch. 426 (Farbtaf. 50) des Getty Museums von 1647 (HdG: 1643). Den über das ganze Blattwerk dieser linksseitigen Hauptbäume verteilten Lichtpunkten begegnen wir als Tagesbeispiel ebenfalls bei obigem Sch. 1288 oder als Mondbild bei Sch. 1297 (authentisch, Abb. 139), indes der Kopfweidenkrüppel vorn links im hiesigen Bilde mit seinen feinen Lichtsäumen als authentisch von dem 1646/48er Bild in Jerusalem (Sch. 377, Abb. 122) oder dem der späten 40er Jahre in München (Sch. 438, Abb. 168) grüßt, beide Male von gleicher Stelle und ebenso lichtgesegnet, sich u. a. aber auch, wenngleich spiegelbildlich und mittig, auf dem authentischen Winterbild Sch. 215 (um 1660; Farbtaf. 7) findet. Der nahezutote Vanitas-Baumstamm ganz rechts im Bild korrespondiert in seinem Wuchs mit dem um 1645 angesetzten und in seiner Aussage um zwei auf dem Boden liegende Baumstämme verstärkten linksseitigen auf Sch. 1098 (Abb. 154), für welche stillebenartige Gruppierung Bachmann eine Erinnerung an Savery reklamiert (Oud Holland LXXXIX, S. 219 nebst Abb. 4). Dem seinerseits gleichfalls vanitashaltigen Schieter wiederum sind der mittig auf schon oben eingeführtem Bild Sch. 215 bei der Fischreuse hockende Mann ebenso zur Seite gestellt wie jener an der Kopfweide rechts außen des authentischen Winterbildes Sch. 29 (wohl gleichfalls Mitsechziger; Farbtaf. 11) der Londoner National Gallery, dessen Kolfschläger vor ihm liegen könnte. Weniger eindeutig, ggf. aber betrachterzugewandt, der an dem Boot rechts im Winterbild Sch. 229 (ohne ausdrücklichen Authentizitätsvermerk, doch 2000 zu 277.500 $ versteigert; Farbtaf. 8) sitzende Mann wie jener rechts außen bei den Fischerbooten im oben anderweitig schon gedachten 1645er Mondscheinbild Sch. 1286 (Abb. 135), auch er ggf. mit Blickrichtung zum Betrachter und einem Stecken neben sich. Den offenbar seltenen Mondhof zeigt auch die authentische Küstenlandschaft Sch. 675 (Farbtaf. 41), indes auf pastos gegebenes Weiß – so hier in puncto Mond und dessen Wasserreflexe im Vordergrund – Bachmann (1982, S. 138 nebst Abb. 113) für die untergehende Sonne der Kanallandschaft im Frankfurter Städel, HdG 33 („authentisch“) bzw. Schulz 337 („mutmaßlich authentisch“), aufmerksam macht. Der optische Zweimaster im Mittelfeld, ein Schmalschiff mit Sprietbesegelung und gut erkennbarem Seitenschwert, könnte sich auch als zwei Einmaster erweisen, zumal das linksseitige Tuch hinter dem vorderen aufragt. Gegebenenfalls wesentlicher indes, daß das vordere kostenträchtig geloht ist, das hintere scheinbar nicht. Was der Eitelkeitsbeobachtung in kleinem Umfeld gegenseitigen Sichkennens widersprechen würde, nämlich solchermaßen zu zeigen, daß es fürs zweite Tuch nicht für mehr gereicht hat, zumal sie sich in gutem Zustand präsentieren. Hier gälte eher ein Entweder/Oder. Immerhin könnte es sich bei dem indes nur s/w wiedergegebenen Zweimaster im Mittelfeld von Schulz 283, Abb. 275 (früh, wahrscheinlich authentisch) analog verhalten. Erfolgen Angebot und Verkauf anstehenden Bildes vorsorglich auch nur als van der Neer zugeschrieben, ergibt sich dessen Autorschaft nach allem Obigen aus hiesiger Sicht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, nachdem das dendrochronologische Gutachten
„(e)ine früheste Entstehung … bei einer minimalen Lagerzeit des Holzes von 2 Jahren ab 1673 (grundsätzlich für) denkbar“ hält und selbst bei einer für Laubbäume für üblicher unterstellten Lagerzeit von drei bis vier Jahren (Doerner, Malmaterial und seine Verwendung im Bilde, 14. Aufl., 1976, S. 75) für eine Autorschaft noch zwei bis drei Jahre (Todestag ist der 9. November und die von den Söhnen Pieter II + Eglon sowie Schwiegersohn Warnar Verdyck bestätigte Hinterlassenschaftsurkunde vom folgenden 12. erwähnt unter einigen Bildern auch ausdrücklich im einzelnen nicht identifizierbare [so Schulz S. 14] „‚Maentschyntje‘ und ‚wintertje‘“ [Wurzbach II, S. 221]) verblieben. Erinnert sei auch an die von Hans-Ulrich Beck (Jan van Goyen III, 1987, S. 12) gezogene Folgerung von M. L. Wurfbains dendrochronologischer Untersuchung fünf datierter Öle van Goyens in Leiden, wonach dieser „Malbretter frisch gefällter Bäume bevorzugt zu haben (scheint)“. Liegt es nicht nahe, daß dem notleidenden späten van der Neer der Erwerb preisgünstigerer jüngerer Bretter eine Frage von Haben oder Nichthaben bedeutete? Hier denn eine „ vom Licht durchdrungene Mondnacht “ wie erst in den 50ern gelungen, dabei frei von der wieder zunehmenden Schwärze „wie (bei) viele(n) Werken aus den späten Jahren“ (Bachmann, 1982, SS. 47 + 142 ) und nur mit dem Schieter als anekdotischem Zugeständnis an eine neue Gegenwart bis hin zu dessen provokativem Blickkontakt zum Betrachter. Kurz, unabhängig von der Autorschaft, „ ein gutes und tadellos erhaltenes Gemälde .“ Letzteres im Falle van der Neers ein Absolutum für sich. Denn
(Wolfgang Schulz, brieflich per Dezember 2005 bzw. S. 60 a. a. O.). Und für eine Malaktivität noch in den 70ern noch einmal Bachmann (1982), S. 143 :
Es handelt sich um Schulz 91 (wahrscheinlich authentisches Spätwerk um 1670 – authentisch auch das hinsichtlich der Kostüme gleicher Zeit zuzuweisende Öl Schulz 154 – , dessen gebrochene Äste ähnlich in Arbeiten der 30er und 40er Jahre bei den Camphuysens als frühen Anregern wie bei van der Neer selbst vorkommen), ausgezeichnet mit Farbtafel 20, deren etwas trockenes Himmelsblau wie der Einschub des Schwarz-Düsternen in der Bewölkung Merkmale auch hiesigen Bildes sind . Letzteres, gewiß, thematisch bedingt zwar abgemildert, aber als hiermit noch nicht hinlänglich vertraut anfangs hier gleichwohl als leicht irritierend merkwürdig empfunden. Zum Malträger und insbesondere zur tadellosen Planlage des Holzes sei informationshalber wie folgt zitiert :
(Doerner, a. a. O., SS. 75 + 259 f.). So sieht denn beispielsweise auch Claus Grimm die generell „einheitlich gut erhalten(e Farbschicht)“ im Falle des Stuttgarter Damen-Bildnisses Frans Hals’ vom Bildträger Holz begünstigt (Grimm, Frans Hals, 1972, S. 18 zu Kat.-Nr. 79). Daß das Holz anstehender Tafel schon wuchs, als Columbus eine neue Welt entdeckte, mag hier und da innehalten lassen und sich in hochgemut-hektischer Zeit des langen Atems und Waltens der Schöpfung bewußt werden und die Betrachtung des Bildes mit Freude, aber auch Ehrfurcht, erleben lassen. „ Es ist eine große Lust , mit den Erfahrungen der Moderne
die alten , in Wirklichkeit meist quicklebendigen Meister zu erkunden … “ (Eduard Beaucamp in seiner Dankrede bei Empfang des Johann-Heinrich-Merck-Preises, FAZ 23. 10. 06). Folgt Darstellung der Werksituation als Ganzes Das malerische van der Neer–Œuvrenach Schulzüber gesamthaft 1456 Positionenunter Berücksichtigung je eines entfallenen und eines zwei Bilder zusammenfassenden Eintrags, nicht aber jener zahllosen unnumeriert gebliebenen unidentifizierten Arbeiten aus der Zeit von 1694 bis 1868. – Aussageunerhebliche Zählfehler nicht ausgeschlossen, Prozentansätze gerundet.
I
IISignaturen „(Fast alle mit Aert van der Neer’s Namen verbundene Öle (Schulz, S. 122, Fettsatz und Sperrung nicht im Original). Teils bis hin zu Datierung, die ansonsten generell selten ist und zeitweise ganz unterblieb, siehe oben. Daß hiesiges Öl unbezeichnet ist , ist solchermaßen gewiß kein Manko .
Extractder van der Neer–Öle der Landschaftennach Schulz , Abt. 2( also ohne Winterlandschaften + Brände )über gesamthaft 1110 namentlich Mondschein-Positionenunter Berücksichtigung eines zwei Bilder zusammenfassenden Eintrags, nicht aber jener zahllosen unnumeriert gebliebenen unidentifizierten Arbeiten aus der Zeit von hier 1694 bis 1850. – Aussageunerhebliche Zählfehler nicht ausgeschlossen, Prozentansätze gerundet.
I
IISignaturen „(Fast alle mit Aert van der Neer’s Namen verbundene Öle
(Fredo Bachmann als résumé seiner längst vergriffenen schönen 1982er Vorläufer-Monographie [bei Schünemann in Bremen, Seite 145] zu Schulz). Angebots-Nr. 14.800 / Preis auf Anfrage
(Mr. A. C., March 27, 2008) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||