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„ … eine Bevölkerungsgruppe , der es zustand ,
ihre Rechte geltend zu machen “

Bosse, Abraham (Tours 1602 – Paris 1676). Der Bettler als – heutiges – Straßengewerbe. Mit Bettlerstab, Münzschale + Hund vor zurückgesetzter Häuserkulisse nebst Kirche + Marktstand. Radierung bei Le Blond. Ca. 1640-50. Bezeichnet: ABosse jn et fc. / le Blond excud auec Priuilege du Roy. 22 x 14,6 cm.

Beall F 5; Lipperheide Fd 1; Allgemeines Künstler-Lex. XIII, 205. – LES CRIS DE PARIS. – Franz. Unterrand-Vierzeiler. – Einzelne kleine, meist im Bildfeld gelegene Wasserflecken ebensowenig störend wie ein ganz schwacher oben links in den Bildrand hereinreichender Wasserrand und eine vom Druck herrührende Quetschfalte. – In den Ecken Spuren früherer Montage. – Trauben-Wasserzeichen. – Im übrigen

durch  schönen  Plattenton  +  noch  nicht  gelöschte  Schriftlinien

Abraham Bosse, Bettler

qualifizierter  früher  Abdruck .

„ Sehr  gesucht  sind (Bosses) zahlreiche Stiche durch die  treue  Wiedergabe  der Sitten, Gebräuche und Einrichtungsgegenstände des häuslichen Lebens, sowie der Tracht der verschiedenen Stände Frankreichs im Zeitalter Ludwigs XIII “

(Erich von Rath). Und José-Michel Lothe in AKL:

„ Mode- und Kostümstiche, auf denen B. Alltagsszenen, meist aus dem Pariser Leben, bis ins kleinste Detail meisterlich schilderte, trugen am meisten zum Erfolg bei; die gelungensten davon sind … Les cris de Paris … Mit seiner Arbeit wollte B. ein getreues Abbild der Wirklichkeit schaffen, wie er sich sinngemäß in der Schrift ‚Sentiments sur la distinction des div. manières …‘ äußerte. Er wollte die Realität nicht als Objekt relig. oder mytholog. Inspiration darstellen, sondern ihre Größe und die Schönheit um ihrer selbst willen zeigen; damit bekannte sich der Protestant B. zur Schöpfung. “

Und  speziell  zu  anstehendem  Sujet  Sue Welsh Reed im Montreal/Kölner Richelieu-Katalog, 2002, S. 364:

„ Im 17. Jahrhundert nahm die Zahl der Bettler infolge von Krieg und Hungersnöten zu. Die notleidenden Menschen, die in einer Stadt oder einem Dorf wohnten, sah man als eine Bevölkerungsgruppe an, der es zustand, ihre Rechte gegenüber den wohlhabenderen Mitgliedern der Gemeinschaft geltend zu machen.

Landstreicher  und  Vagabunden  hingegen ,

die die Pest übertragen oder ketzerisches Gedankengut verbreiten konnten,

wurden  von  der  breiten  Masse  mit  Argwohn  beäugt .

Diese bedrohlichen Elendsgestalten wurden nicht als Bettler (mendiant), sondern als Lumpenvolk (gueux) bezeichnet. “

Die  Seltenheit  der Blätter anstehender Folge belegt auch der üppige Weigel’sche Kunstkatalog (Bde. 1-4, 1838-1850), dem diese fehlen.

Zu Le Blond siehe bei Nagler unter Johann le Blond: … wahrscheinlich der Sohn eines J. Blond, der zu Anfang des 17. Jhdts. zu Paris … gestochen hat und einen Kunsthandel trieb. Mit diesem Sohn Jean auch verwechselt Beall unseren älteren le Blond. Siehe ihre gemachten, nicht miteinander harmonierenden Datenangaben.

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