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MONUMENTDER GESCHICHTE DER DRUCKGRAPHIK( AKL 1992 )„ Man kann sich kaum schönere Kupferstiche vorstellen … “( Thieme-Becker 1907 )Audran, Girard (Lyon 1640 – Paris 1703). Poros blessé amené devant Alexandre. Der in gewaltiger Reiterschlacht am Hydaspes (Dschelam/Jhelam) im indischen Pandschab im Mai 326 v. Chr. verwundete Poros wird in reichem landschaftlichen Umfeld vor Alexander getragen. Kupferstich und Radierung von 4 Platten nach Charles Lebrun (1619 Paris 1690). Bezeichnet unten rechts im Bild: Ger. Audran sculp. 1678. Und im weißen Unterrand in frz.-lat. Paralleltext, wie auch der weitere Bildtext: Graué par Gir. Audran, sur le tableau de Mr. le Brun premier Peintre du Roy … . 70,5 x 158,4 cm. AKL V, 602; Thieme-Becker II, 239 f.; Nagler I, 189 ff. – Wortmarken- und kleines figürl. Wz. Provenienz
Schlußakkord von Lebrun’s für den Sonnenkönig geschaffenem „gigantischen“ (AKL) 4teiligen Bilderzyklus der „Batailles d’Alexandre“ im königlichen Kabinett, der ihn „auf den Gipfel des Ruhmes“ erhob und den von Audran stechen zu lassen er sich der Unterstützung Colbert’s versicherte. Wobei Audran „selbst nicht wenig zum Ruhme Le Brun’s beigetragen (hat), denn Audran verbesserte oft die Unrichtigkeiten der Zeichnung des Originals“ (Nagler II, 164 zu le Brun).
Entsprechend Fürstenberg, Das französische Buch, SS. 133 f.:
Das „wenig erwähnenswert“ Thieme-Beckers für die ab 1660 datierten Arbeiten dieses ersten Jahrzehnts korrigiert für verschiedene die gegenwärtige Forschung (AKL) mit einem „frühe Hauptwerke … Dank de(ren) Erfolges konnte er anschließend nach Italien reisen“. Wäre dem anders, hätte ihn der bereits per 1662er Nobilitierung und Berufung zum 1. Hofmaler zum „unumschränkte(n) Herrscher im Gebiete der schönen Künste“ (Nagler) aufgestiegene le Brun nicht partout zum Stecher der „Batailles“ gewünscht und sich hierzu auch noch der Unterstützung Colbert’s als des mächtigsten Mannes der Verwaltung zu bedienen brauchen, wo doch nach Nagler „alle Talente (schon von sich aus) ihm huldigen oder seine Macht empfinden“ mußten. Der Zyklus setzt sich wie folgt zusammen : Le Passage du Granique – La Bataille d’Arbèles
Auf letzterem hiesigen bestimmt die großfigurige Titelfiguration das Geschehen des Vordergrunds, dem sich Zeltlager wie Schlachtfeld anschließen. Letzteres dominiert von den gefallenen und verwundeten Kampfelefanten des Poros, doch auch von den Kampfwagen Alexanders und dessen bis tief in den Hintergrund gestaffelten Reiterei. Während Höhenzüge und Flußhänge – auf diesem selbst mehrere Boote – namentlich den Hintergrund bilden und malerisch zu großer Landschaft auflaufen. Dies alles mit dem ganzen Kontrastreichtum eines herrlichen Abdrucks. Für die Erstdrucke nennen Nagler die Adresse von Goydon (Wille: Goyton) und Boerner CIX, 35 im linken Untertext „Pintre du Roy“ statt „Peintre …“. Hiesiger ohne jede Adresse, auch ohne ein Bemerken einer entfernten und korrekt mit „Peintre“. Dem Zyklus thematisch zugehörig Gerard Edelinck’s 2-Platten-Stich des Zelts des Darios. Allen gemeinsam eine seit altersher große Seltenheit, die mit der von Nagler (1835) spezifizierten pekuniären Bewertung einhergeht. Doch bereits 1762 (!) gedenkt Christian Ludwig Hagedorn in seinen „Betrachtungen über die Mahlerey“ (S. 597) unter Einschluß des Edelinck-Blattes dieser „ Meisterstücke des Grabstichels “ , die sich „ in jeglichen Abdrücken äußerst selten “ gemacht haben. Und Joh. Gg. Wille in Paris in Briefen an Joh. Martin Usteri vom 28. 12. 1762 + 24. 7. 1763 :
(Wille, Briefwechsel, 1999, SS. 283 + 303). Die Thematik des Geschehens zu Recht der künstlerischen Grandeur unterordnend, führt Hagedorn fortführend aus :
Solche „volle Bewegung“ des Kampfes ist auf anstehendem Poros-Blatt überdies schon von der geistigen Ruhe der Danach-Strategie überlagert. Gewiß sprengen im Hintergrund noch Reiter, jagen Kampfwagen. Doch die Hauptbeschäftigung betrifft im Mittelgrund bereits das Abwracken der Dickhäuter. Und die Großszenerie ganz vorn gilt schon dem morgen:
(Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., Bde. I, 319 + III, 612). Bukephala in Gedenken an den in der Schlacht gebliebenen Bukephalos als dem Lieblingspferd von Jugend an. Dessen Verlust als ein Zeichen der Abwendung der Götter mit eine Rolle spielte, als der König im Herbst gleichen Jahres am Hyphalis angesichts auch ungünstiger Rauchzeichen und vor allem eines meuternden Heeres umzukehren beschloß. Ein Momentum mit dem ein Weltreich seinen Zenit überschritt. Worin ein knappes halbes Jahrhundert nach Lebrun/Audran der 25jährige Ridinger den unerhörten zivilisatorischen Moment schlechthin erblickte und ihm eine erst in den letzten Jahren aufgetauchte und nun erstmals beschriebene und auch thematisch zugeordnete großformatige Schlüssel-Zeichnung widmete. Erhaltungszustand Umlaufend weißer Papierrand von oben 0,5-1 cm, unten 2-3, links 4-4,8 + rechts 4,5-5,5 cm. – Nach vermutlich schon früherer Vorsorge Anfang der 80er Jahre seitens des Landschaftsverbandes Rheinland papierrestauriert zwecks Versorgung einiger Bildrisse und Fehlstellen vorwiegend innerhalb der Seitenplatten. Die Ausfälle wie folgt: links vier kleine, nämlich einer mit 1,5 x 2 cm in den oberen Bildrand hineinreichend, einer von 1,3 x 1,8 cm in der Mitte und zwei 1,5-2,5 x 1-2 cm messende in der Unterpartie, dazu unten ein größerer, der mit 5 x 6 cm weißes Textfeld betrifft; rechts führt zwischen Naht- und einer Faltspur ein 3 cm schmaler Streifen durchs weiße Platten- noch 10 cm ins Bildfeld. Diese ausschließlich unwesentliche Bildpartien betreffenden Ausfälle ließen sich von geschickter Hand leicht nachzeichnend ausfüllen. Die Zusammensetzung der vier Teile trotz der etwas höheren beiden Außenplatten praktisch nahtlos. Und somit das wandfüllende Panorama eines welthistorischen Ereignisses und eines künstlerischen Monumentes dazu . Im übrigen nicht zu verwechseln mit den kleinformatigeren Arbeiten des Neffen Jean Audran (1667-1756), wozu Thieme-Becker II, 240 anmerken: „Die Gemälde, welche sein Onkel Girard in großen Dimensionen im Stich reproduzierte, führte Jean A. … im kleinen aus; z. B. les Batailles d’Alexandre, von Lebrun.“
(Mr. H. A. P., December 12, 2001) |