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„ wegen  (des)  Themas

Frans Snyders, Junge Löwen verfolgen einen Rehbock. Lithographie von Ferdinand Piloty

eine  Sonderstellung  einnehmen(d) “

Snyders, Frans (1579 Antwerpen 1657). Zwei junge Löwen verfolgen einen Rehbock. Mit ockerfarbener Tonplatte gedruckte Kreide-Lithographie von Ferdinand Piloty (Homburg, Saarpfalz, 1786 – München 1844). (1816.) Bezeichnet: f. Snyders pinx: / f. Pilotj. 39,3 x 54,7 cm.

Winkler, Die Frühzeit der dt. Lithographie, 622/25, III (von IV bzw. V) + 954, 16. – Vgl. Robels, Frans Snyders, Mchn. 1989, Nr. 259 mit Abb. sowie ASK 1.I ff., SS. 92 ff. + 150, Abs. 1; Koslow, Frans Snyders, Antwerpen 1995, SS. 287 (blgr. Farbabb.) + 302; Sutton (Hrsg.), The Age of Rubens, Boston 1993, Nr. 120 m. Farbabb. + Hantschmann, Nymphenburger Porzellan, Mchn. 1996. SS. 314, Nr. 25 + 354, Nr. 70 und Abbildungen S. 358.

Inkunabel  der  Lithographie. – Der 3. Zustand nur mit dem übergedruckten Ockerton und nach Fortnahme des „del:“ in der hier – im Gegensatz zum Namenszug Snyders’ – nur schwach erscheinenden Piloty-Signatur. Die bildüberschreitenden Kreidestriche etwas zurückgenommen. Der erste Zustand wurde nur in Schwarz, der zweite (hiesige 28.623) neben der ockerfarbenen zusätzlich mit gelblicher, der vierte mit nur zart chamoisfarbener Tonplatte bei gleichzeitiger Fortnahme der Randlinie gedruckt. Unter dem Titel „Die jungen Löwen“ erschien ein vergrößerter Ausschnitt nur derselben später bei Piloty & Loehle.

Blatt 16 der ab 1816 erschienenen 200blätterigen Suite „Baierischer Gemälde-Saal zu München und Schleißheim“, im Baier. National-Blatt vom 17. 6. 1820 (Sp. 575 f.) wie folgt rezensiert :

„ Wenn man sich aus der Anschauung dieser herrlichen Kunstwerke überzeugt, mit welcher Wahrheit die Originale wiedergegeben werden, welche Kraft und Milde die Steinabdrücke gestatten, wie sanft und lieblich die Töne ineinanderfließen, was die großen Meister aus den Kupferplatten nicht leicht herausarbeiten können … so erregt es gerechte Bewunderung … “

Die lange, zuletzt von Robels auch hinsichtlich der thematischen Sonderstellung, angenommene originäre Pendantschaft zur gleichfalls in München beheimateten „Löwin schlägt ein Wildschwein“ (Winkler 622/24; für das Motiv in expressionistischer Neubettung siehe das hiesige Heckendorf-Öl) bezweifelt Sutton (S. 565) unter Hinweis auf die von mutmaßlich erst späterer Hand zwecks Formatangleichs vorgenommene etwa 9 cm breite Anstückelung im Unterrand des hiesigen Motivs, das hier spiegelbildlich wiedergegeben worden ist. Also mit dem links im Bild angesiedelten und nach links gerichteten, gleichwohl sich nach den Löwen umwendenden Bocke. Alle drei auf den Hinterläufen aufgerichtet, greifen die Pranken des vorderen Löwen, indem dieser sich nach rechts zum futterneidenden, aus dem Bild herausschauenden Rivalen umwendet, ins Leere, allenfalls streift die rechte den Bock noch so gerade. Das großzügige, „weit gesehene“ (Bernt) Ambiente mit einem fernen Berg – hier zur Linken – wohl von der Hand  Jan  Wildens’  (1586-1653, siehe Robels 259 und zusätzlich SS. 147 f.).

Während Oldenbourg (1918) + Manneback (1949) angesichts fehlender Signatur meinten, für das hiesige Löwenpaar Rubens selbst in Anspruch nehmen zu müssen, geht der Münchener Bestandskatalog (1983) nur von einer nicht näher bekannten zeichnerischen Vorlage desselben aus. Entsprechend wertet Balis (1986) das Paar innerhalb der Radierfolge „Variae Leonum Icones“ Abraham Blooteling’s (1640-1690) nach Rubens nur als nach dem Snyders-Öl kopiert. Gleichwohl basiere der hintere Löwe auf der springenden Löwin der Rubens’schen Löwenjagd in ehemals Bordeaux, während die Attitude des vorderen an den dominierenden Wolf in dessen (und Werkstatt) Wolf- und Fuchsjagd in New York erinnere. Er erscheint zudem in Snyders’ „Der Löwe und die Maus“ jener Jahre in Chequers und als Variante in Madrid (Robels 210 + 212 mit Abb.).

Unbeschadet der statischen Sprunghaltung künstlerisch erregendes Blatt, dem nach hiesiger Sicht gerade erst der Winkler „schwer erschließbar(e)“ bräunliche Ton der frühen Jahre (S. 13, Sp. 2) seine bildlich ganz außerordentliche Faszination verleiht, potenziert von der raumfüllenden, wundervollen Landschafts-Staffage.

Neben dem für Winkler nur technisch begabten Erfinder Senefelder ist nach Nagler Piloty neben Mannlich und Strixner einer dieser „berühmtesten Steinzeichner“ von vor allem auch eigenkünstlerischem Auge. Die in den Blättern des Gemälde-Saals

„ eine bis dahin unerreichte technische Vollkommenheit entwickelten, und als tüchtige Zeichner ein getreues Abbild zu liefern im Stande waren … Besonders wurden Piloty’s Blätter, was geist- und charaktervolle Auffassung des Urbildes anbelangt, stets gepriesen. Selbst das Ausland, und namentlich Frankreich sprach sich schon über jene früheren Leistungen mit Bewunderung aus, theilweise in umfassenden Recensionen … “

(Nagler).

„ Der  Begriff  Reproduktion  muß  also  für  die  frühe  Zeit  der  Lithographie  neu  bedacht  werden …

Hier wird durch Zeichnen die Vervielfältigung einer Darstellung von Inhalten gegeben, die früher schier unmöglich war … Kurzum, wir müssen umlernen. Diese handlithographischen Wiedergaben fremder Vorlagen in der Frühzeit der Lithographie sind … in Wahrheit … Interpretationsgraphiken …

Diese Hinweise mögen darlegen, wie interessant die Geschichte der Lithographie ist, wenn man sie von den Arbeiten ausgehend erfaßt, wenn man verfolgt, wie diese neue und vielseitige Technik Künstler und Kunstfreunde, Verleger und Verbraucher bezaubert … “

(Winkler, zugleich beklagend, daß namentlich die großen und landschaftlichen Blätter „als Wandschmuck regelrecht ‚verbraucht‘“ wurden und werden).

Gegenüber der von Winkler für die Folge angegebenen Blattgröße von etwa 47 x 65 cm erweist sich hiesiges mit nur 42,9 x 61,6 cm als etwas weniger breitrandig. Von vereinzelten und kaum erwähnenswerten kleinen Braunflecken bzw. -stippen in diesem weißen Außenrand abgesehen, präsentiert sich anliegendes Exemplar in ganz vorzüglichem Zustand.

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“ ich habe kuerzlich Ihre web site über die Rugendasfamilie gefunden, welche ich von grosser inhaltlicher Qualität und Interesse finde … ”

(Señ. G. E., 19. Dezember 2003)