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Starnberg am See + Nymphenburgals hier herausgefundene Lokalgeberfür die stimmungsreich inszenierte ,vielleicht schönste Naturfolge der alten GraphikRidinger’s „Vier Tageszeiten der Hirsche“mit zudem des Meister’s einziger eigener Dedication .Eine in der Tat ganz intime Wanddekoration !Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die vier Tageszeiten der Hirsche. Folge der 4 Radierungen mit Kupferstich. Zwischen 1743/44, eher wohl Ende der 50er, + Oct. 1763. Bezeichnet: J. E. Ridinger Pictor ac Sculptor Augustan. (1) bzw. J. E. Ridinger fec. (2-4), ansonsten wie nachfolgend, dabei das Tages-Motto jeweils oberhalb des Bildovals, dessen Ecken ausschraffiert sind. 34,8-35,1 x 28,4-28,9 cm. Thienemann + Schwarz 238-241 („grossartige Compositionen“ Nagler).
Morgen Lucem revehit tenebris Aurora fugatis Nach verscheuchter Finsternis führt Aurora das Licht zurück&
Für den Spießer dürfte die Zeichnung Weigel, 1869, Nr. 133 – „Ein auf einem Felsenstück stehender lechzender Hirsch“, schwarze Kreide, weiß gehöht, auf blauem Papier – als Vorlage gedient haben, von Ridinger bezeichnet mit „in silva Nymphenburg , ad vivum delineavit J. E. Ridinger. 1738“. – Als Ganzes dürfte die Komposition in Verbindung stehen mit dem als Öl Johann Elias’ geführten Exponat der Niederösterreich. Landesausstellung „Jagd einst und jetzt“, Schloß Marchegg 1978, Nr. 129 – 44,5 x 37 cm, Pendant siehe Mittags-Kupfer – , beschrieben als „… zeigt eine Felslandschaft mit Hirschen und Tieren“. Mit der Widmung – der einzigen eigenen im rund 1600blätterigen graphischen Œuvre! – für den künstlerisch vielseitigen Diplomaten Christian Ludwig von Hagedorn (Hamburg 1712-Dresden 1780), Bruder des Dichters und seit Ende 1763 Direktor der Dresdner Akademie, dann, 1764, dortiger Generaldirektor aller kulturellen Einrichtungen, hier in seiner Eigenschaft als Legationsrat August III. (Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen), Königs von Polen : „ CHRJSTJANO LVDOVJCO AB HAGEDORN Potentiss. Poloniae Regis a Consiliis Legationum / Viro et avitae Nobilitatis Splendore / et artis graphicae usu, cultu, amore / inter negotia Spectabili / D. D. D. “ Die Dedication gibt zugleich den zeitlichen Rahmen (siehe ergänzend hierzu unten zur Abend-Platte und deren „Hippokrene“-Rückseite) für die Entstehung der Folge. 1735 in kursächsische Dienste getreten, avancierte Hagedorn 1743/44 zum (1763 Geheimen) Legationsrat. Da der Nachfolger Augusts III., Kurfürst Friedrich Christian (Oct.-Dec. 1763) nicht auch die Königswürde übernahm, liegt die Entstehung der Folge vor dessen Zeit. Und damit auch vor der Hagedorns als oberstem Kulturverwalter. Über den Anlaß zu Ridinger’s auszeichnender unikater Widmung liegen hier noch keine Erkenntnisse vor.
Mittag Sol mediam coeli terit arduus arcem Die hochstehende Sonne berührt die Mitte der Himmelsburg
Das Gegenstück zu dem per Morgen-Blatt beigezogenen Öl in Marchegg dort per Nr. 128 wie folgt be-schrieben :
Abend Ast(e)rifero procedit Vesper olympo Am sternbesäten Olymp schreitet der Abend fort
Unter Fortlassens der stehenden zweiten Hirschkuh ist es spiegelbildlich die rechte Vordergrund-Gruppe aus Th. 293 „ Anno 1736. im Walde bey Stahrenberg nach der Natur gezeichnet “, dessen Kupferübertragung – „J. El. Ridinger ad viv. del. et fec.“ – 1746/48, wohl aber kaum vor 1747, erfolgte. Diese Szenerie zeigt an einem als Seebucht anzunehmenden Gewässer besagte Vierergruppe auf einem Felsblock oberhalb des Wassers und zugleich am Fuße eines ins Bild hineinragenden Felsens und zum andern am jenseitigen Waldsaum einen anderen Kapitalen mit 7köpfigem Serail. Die augenscheinlich zugehörige Tusche-Vorzeichnung der Sammlung Coppenrath – Abt. II (1889), Nr. 1918, „Zu Th. 293“ – „Hirschrudel am Ufer“ mit der Unterschrift „ Nach der Natur bey Starenberg am See gezeichnet “ könnte sich gleichwohl als identisch mit jener wortgleich bezeichneten bei Weigel, 1869, Nr. 130 und damit als zu Th. 241 gehörig erweisen, siehe anschließende Szenerie. Unter den Detailveränderungen eines hier verhandelten Öls der Gesamtkomposition Th. 293 erweist sich die Gewässersituation unterhalb der rechten Vordergruppe bemerkenswert als im Gegensatz zum Kupfer eindeutig einen Abfluß (den der Würm?) inszenierend.
Nacht Jam medio volvuntur Sidera lapsu Schon bewegen sich die Sterne inmitten ihres Niedergangs
Diese Achtergruppe exakt die Situation der vorgenannten Zeichnung Weigel 130 :
Stückmäßig entspricht diese Gruppe jener oberhalb des Wassers am Waldsaum angesiedelten von Th. 293, deren Kapitaler lediglich keine 16 Enden erkennen läßt. – Thematisch zugehörig im übrigen sicher auch die unbezeichnete Zeichnung Weigel 169 „Eine Waldparthie mit einem Hirsche und zehn stehenden und liegenden Hirschkühen; ein Brunsthirsch jenseits eines Flusses wagt nicht heranzukommen. Auf bläulichem Papier, Tusche, weiss gehöhet, qu. roy. f.“. Mit Obigem sind damit wohl erstmals „Die vier Tageszeiten“ mit zunächst drei ihrer Szenerien in lokalen Kontext gestellt worden, dominiert von Starnberg , assistiert vom nahen Nymphenburg , und jeweils nach eigener Lokalansicht. Ein sich hieraus ableiten könnender früherer Zeitansatz für die Entstehung der Tageszeiten-Folge auf die späten 40er, frühen 50er erscheint eher unwahrscheinlich hinsichtlich eines an 1757/58 anknüpfenden denkbaren Zeitmerkmals für die zwangsläufig vor den Tageszeiten geschaffene nachfolgende Hippokrene. Des Meister’s seinerzeitige Vorliebe fürs Münchener Umfeld im übrigen belegt ausweislich Zeichnungs-/Kupferbezeichnungen 1736 + 1738 für Starnberg (Weigel 130/Th. 293; Ridinger-Zeichnungs-Sammlung bei Wawra, 1890, Nr. 56 [„Hirsch auf einem Hügel gegen den Wald ziehend, bezeichnet Ad Vivum in Silva Starenbergensis Joh. El. Ridinger 1738“, Kreide auf blauem Papier, weiß gehöht, gr.-fol.] + evt. auch Th. 269), für Nymphenburg 1731 (Th. 287, „in dem Parc von Nymphenburg gegen Stahrenberg …“; + 1738 (Weigel 133/Th. 238), evt. noch 1734 (Thienemann 274) und eventuell/vermutlich für Schleißheim 1735 (Th. 282), 1736 (Th. 270) + 1738 (Wawra 55, „Hirsche im Wald bei Schleissheim. Mit dem Namen des Meister’s und … 1738 …“, Kreide auf blauem Papier, weiß gehöht). Über ihre allgemeine Zugehörigkeit zum Schönsten vom Schönen hinaus erweisen sich solchermaßen Ridinger’s „ Vier Tageszeiten der Hirsche “ als zusätzlich eingebettet in ein lokales Umfeld höchsten Anspruchs . Und eines ikonographischen dazu. Denn
(Justus Müller-Hofstede gelegentlich der 1985er Kölner Savery-Ausstellung, FAZ 10. 11. 1985).
(Frau U. C., 7. Juni 2004) |