|
Und in seiner Dynamik des Vorwärtsschreitens

der Erlebniserwartung ,
kurz , der Selbstgewißheit der Antike , ganz in thematischem Gegensatz zu Hubertus als dem an seinem Tun zweifelnden Christenmenschen :
Das formatgleiche Gegenstück
zur Dürer’schen Patronats-Graphik
Ghisi, Giorgio, genannt Mantuano (1520 Mantua 1582). Die Allegorie der Jagd oder Der Jäger Orion trägt die Schutzgöttin Diana. Umgeben von edler Meute, den Sauspieß in der Rechten, im Gürtel das Schwert mit Greifkopf-Knauf, dickes Netzwerk über der Linken, betritt er in löwenkopfverziertem Schuhwerk, lorbeerbekränzt, den Wald. Auf seinen Schultern Diana, den Bogen auf dem Knie haltend, den Köcher auf dem Rücken. Hinter beiden, noch im freien Feld, der Zug der Nymphen, gleichfalls mit Hunden, Saufedern und Bogen. Im von bedeutungsschwangerem Solitärbaum eingeleiteten zunehmend weiteren Hintergrund blockt ein Greif, jagen zwei Hunde den Hirsch, werden Netze gespannt, pulsiert dörfliches Leben. Kupferstich nach Luca Penni, genannt Romanus (um 1500 – Paris nach 21. 9. 1556). 1556. Bezeichnet: LVCA PENNIS .R. INVEN. GEORGIVS GHISI MNT. FA (ligiert) .M.DLVI. / Romæ Claudij Duchetti formis , ansonsten wie unten. 36,2 x 25,3 cm.
Lewis-Lewis 22, III (von IV, recte V, da in Unkenntnis des Orlandi-Zustands); Bartsch 43; Nagler V, 139 + XI, 81; Allgemeines Künstlerlexikon LIII, SS. 83 ff. – Nicht bei Schwerdt, der III, 68 nur das Pendant „Venus mit dem von der Jagd heimkehrenden Adonis“ verzeichnet. – Unterrand-Vierzeiler: IN SYLVIS HABITANS AB AMORIS CARCERE LIBER … . – Wz.: Adler in bekröntem Kreis (Briquet 207 [Rom 1573-1576]; L.-L. 13 [um 1580]).
Mit der Adresse Duchetti’s (Claude Duchet aus Orgelet/Jura, nachweisbar seit 1544, verst. Rom 19. 12. 1585; Neffe und Teilnachfolger des bereits für Ghisi arbeitenden legendären Druckers und Verlegers Antonio Lafreri [Antoine Lafréry, Orgelet 1512 – Rom 1577]), vor jenen von Giovanni Orlandi (um 1590-1640) als L.-L. unbekannt geblieben + Giovanni Giacomo De Rossi (auch Rubeis, Rosso; nach 1640).
Das bildreiche , herrliche Patronats-Sujet
des vorchristlichen Jägers ,
des Sohnes Poseidon’s ,
in leicht grauem Druck, wie auch anderwärts für diesen Zustand belegt, von denkbar bestem Zustand. Nur rückseits sichtbarer stippenhafter Anflug von Stockigkeit und Andeutung einer völlig geglätteten Querfalte. Ansonsten gänzlich unversehrt und mit gleichmäßig umlaufendem Rändchen von 4-5 mm.
Orion + Diana (Artemis) – die beiden Großen der Jagd
der griechischen Mythologie bei unterschiedlicher Deutung des Herkommens Orion’s. Geläufig die des Sohnes Poseidons, nach anderer Sage ein erdgeborener Böotier, der über das Meer nach Chios wandert, wo er in Gefolge eines amourösen Abenteuers geblendet wird, doch von Eos das Augenlicht zurückerhält, bis ihn in späterer Dichtung schließlich Zeus samt seinem Hunde Sirius unter die Sterne versetzt, „von wo aus er noch heute
den Fahrensleuten ihren Weg weist .
„ Dazwischen lag ein Leben mit manch stürmischen Ereignissen (wie denn auch sein Erscheinen und Niedergehen für stürmische Zeit gut ist), die die Götterwelt beschäftigten, aber dieses starke männliche Leben nicht zu brechen vermochten. “
Um selbst jüngst noch musikalisch von „Caskens farbig-splittrige(m) Orchesterstück“ neu erzählt zu werden als dem
„ antiken Mythos von Poseidons Sohn Orion, dem Jäger (erster Teil), den Helios von seiner Blindheit heilt (‚Sea Voyage Towards the Sun‘), den ein Skorpion totsticht (scherzoartiger dritter Teil) und der schließlich ins Sternbild des Skorpions entrückt wird (ruhiges Finale in ständigem Perspektivenwechsel der Farben im vielfach aufgefächerten Orchestersatz) .“
„ Von allen Winterbildern ist der Orion ,
der große Himmelsjäger ,
zweifellos das markanteste .“
(FAZ 4. 4. 1992 + 31. 12. 2004), das gleichwohl „ursprünglich nach Nimrod benannt“ war, dem Begründer des babylon., Reichs und „nach Josephus identisch mit dem Erbauer des babylonischen Turms“ (Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XII, 189), nach Moses I, 10/9 „ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn“.
Hier denn nun in seinem Zenit als „ein schöner und gewaltiger Riese und Jäger“ mit der Tochter des Zeus, von dem diese sich
„ Pfeil und Bogen und alle Berge (erbat), um auf denselben zu jagen … Ihr eigentliches Gebiet ist die freie Natur mit ihren Bergen und Thälern, Wäldern, Wiesen, Quellen und Flüssen; dort treibt sie mit den Nymphen … bald als rüstige Jägerin ihr Wesen … Als ihr beliebtes Revier galt das berg- und waldreiche Arkadien, wo sie an vielen Stellen … geweihte Jagdbezirke und heilige Tiere hatte. Denn als Wald- und Jagdgöttin sind ihr … alles Wild lieb und geweiht … Als Göttin der Jagd feierte man ihr alljährlich im Frühling das Fest der Elaphebolien … “
(Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., I, 879 f.).
Dies alles spiegelt Luca Penni’s Sujet vollkommen wider. Der Rafael-Schule zugehörend und seit ca. 1530 in Fontainebleau tätig, wo er von 1537-1550 in den kgl. Rechnungsbüchern aufscheint. Dort auch machte Ghisi 1555/56 auf der Rückreise von Antwerpen Station und war solchermaßen „möglicherweise persönl. mit ihm bekannt“ (AKL). Überliefert ist er indes „fast nur durch Kupferstiche nach seinen Zeichnungen“ (Nagler, Monogr., IV, 1381), die damit „für Verbreitung des Stiles d. Raffaelschule“ (Thieme-Becker) sorgten. Hiesiges
„ schön gezeichnetes Blatt “
ist eines der Hauptwerke Ghisis, entstanden in zumindest zeitlich/lokaler Tuchfühlung mit Penni, also ein Jahrzehnt später, nachdem die Mittvierziger zu „zunehmnde(r) technische(r) Reife“ geführt hatten. Vor allem aber nach den geradezu zäsurartigen Antwerpener Jahren (1550/55) als
„ entscheidend sowohl für die Entwicklung eines persönl. Stils als auch die Verfeinerung seines techn. Könnens. Er bildete damit eine Ausnahmeerscheinung zu einer Zeit, als umgekehrt der Aufenthalt von nordalpinen Künstlern in Italien v. a. in Rom die Regel war (Bellini 1998).
Durch den Kontakt mit dem fläm. Umfeld entwickelt G. eine Vorliebe für L(andschafts)-Ansichten … was sich in einer zunehmenden Bereicherung seiner Komp(ositionen) durch weite und lichte Hintergründe – wie denn auch hier rechtsseits bis hin zum niederländischen Vorbildern verpflichteten Dorfensemble – zeigt, die durch nordalpine Vorbilder, Zeichn(ungen) und Drucke, inspiriert sind. Die L(anschafts)-Darst(ellung) erhält in G.s Werk nach und nach eine stärkere Autonomie (Salsi, 1991) ”
(AKL LIII [2007], 84).
Obigem 1555/56er Frankreich-Aufenthalt folgte „mit Sicherheit“ ein weiterer zwischen 1558 + 1559 und „Im Dez. 1562 ist G. noch in Paris dok(umentiert). (Brief an den [Gonzaga-]Herzog von Mantua; Bellini, 1998)“, für dessen Familie er ab 1576 offiziell tätig wird. Er gilt als
„ qualitätvollster der Mantuaner Stecher “
(Albertina, Kunst der Graphik, III, 1966), „knüpft an die Technik Marcantons an und sucht ihr durch besondere Sorgfalt der Arbeit, durch größere Weichheit und Rundung der Linien … starke Plastik und farbigen, metallischen Glanz zu verschaffen“ (Kristeller 1920 in Thieme-Becker XIII, 563 f.). Sein anstehendes Blatt ist in zeitgenössischen Abdrucken einschließlich hiesigen Duchetti-Zustandes
außerordentlich selten
und in derart perfekter Erhaltung bis hin zum noch gleichmäßig umlaufend schönen Papierrand wie hier vorliegend allenfalls schwerlichst auffindbar.
Sind Exemplare der Vorzustände I+II für die letzten Jahrzehnte hier am Markt nicht nachweisbar, so fehlte das Blatt generell innerhalb der Ghisi-Passagen Weigel (1838/57) und Davidsohn (1920/21; dort nur die Avibus-Kopie wie nachfolgend, doch ohne diese offen bei Namen zu nennen) ebenso wie anderen namhaften Altmeister-Sammlungen. Doch selbst kompetenterseits wird die ihrerseits gleichfalls seltene, spiegelverkehrte (sprich Sauspieß in der Linken!) 1563er Kopie des Caspar Avibus (Gaspare Oselli ab Avibus, Cittadella ca. 1536 – nachweisbar zuletzt 1580) als zudem auch noch von Luca Penni gestochen (!, so DJM, Kat.-Nr. 5976/Seite 222 nebst Abb. Seite 166) als das Original genommen! Deren kurzfristige Abfolge zu Ghisi zudem die sehr interessante marktwirtschaftliche Folgerung nahelegt, daß Angebot und Nachfrage in Ungleichgewicht zueinander standen. Und in der Tat ist
dem er preislich gleichwohl mit dem zwangsläufigen Abstand der unbekannteren Marke zu der des Marktführers folgt. Somit alles in allem
das die Jagd preisende formatgleiche Gegenstück
zu des letzteren christlichem Jäger
und ein seltenes Hauptblatt der Altmeister-Graphik dazu .
Angebots-Nr. 15.222 / Preis auf Anfrage
“ Today I received the map. It is very good. If you have other sicily 1500 1600 1700, I am intresting. Write me a email with photo and Price ”
(Sign. L. B., October 18, 2007)
|