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Heilig gleichermaßen der röm.-kathol.und der byzantin. OstkircheCort, Cornelis (Hoorn 1533 – Rom 1578). St. Onofrius (Onuphrius) mit dem Rosenkranz in einer Landschaft. In großer felsiger Waldlandschaft vorn rechts der mit Lendenschurz und Umhang bekleidete, langhaarige + langbärtige Heilige mit von der Linken herabhängendem Rosenkranz – wie alles für ihn typisch, wenngleich hier nicht von Abmagerung gezeichnet – in Zwiesprache mit dem Gekreuzigten. Neben ihm abgelegt Foliant und kleineres Buch. Das kleine Crucifix an einem Baumstumpf angebunden. Linksseits ein kleiner Wasserfall. Kupferstich mit Radierung nach Girolamo Muziano (Acquafredda bei Brescia 1528 – Rom 1592). Bezeichnet: im Bild unten links Corneli cort fe. + rechts PRIVILEGIO.D.GREG.PP..XIII / Hieronimo mvcian.inu. 1574 + im unteren Plattenrand In Roma presso Carlo Losi l’anno 1774. 51,8 x 38,3 cm. Aus Wurzbach Cort 33; Nagler III, S. 126, und, Muziano, X, S. 87; AKL XXI, SS. 341 f. Aus der Folge der Sieben großen Landschaften mit Heiligen – „ Meisterstücke und selten in guten Abdrücken “ – (Nagler 1836), „unter dem Namen der Büssenden bekannt“, geschaffen „auf persönliche Bitte von Muziano … wobei C. mit der Herausgabe nicht weiter befaßt ist … zweifelsohne seine populärsten und am häufigsten aufgelegten Stiche “ (AKL 1999), hier denn in gleichmäßig gutem Abdruck Losi’s, dem aus den 1770ern noch weitere Neuauflagen aus 16. Jhdt. zu danken sind, bei unverändert schöner differenzierter Abgesetztheit der in die Tiefe gestaffelten heroischen Landschaft. – Auf schwerem Bütten mit zweifach eingefaßtem Wz. Lilie in Kreis nebst Buchstaben-Anhängern, verwandt der umfangreichen Gruppe Heawood 1589 ff. als durchweg italienischer Papiere des 16. bis späten 18. Jhdts. – Dreiseits 2-2,5 cm breitrandig, unten nur 5mm und hier linksseits bis in den breiten weißen Plattenrand hinein etwas altersknitterig bei säurefrei hinterlegten Klein(st)einrissen. Einrißfrei leicht knitterig auch die rechte Hälfte des breiten weißen Oberrandes. – Geglättete Mittelfalte mit bildseits nur noch schwach erkennbarer Braunspur links außen. Ansonsten rückseitige Stockstippigkeit und vorn im linken weißen Rand. Solchermaßen von durchaus noch schönem Gesamteindruck, wie bei diesen großen Formaten der Alten Graphik vielfach vergebens gesucht, stehend zudem für Cort’s mit Ankunft 1565 bei Tizian in Venedig einsetzenden Ruhm.
(L. Burchard 1912 in Thieme-Becker VII, 475 ff.). Und 87 Jahre später ergänzt und bestätigt Manfred Sellink im Allgemeinen Künstler-Lexikon
Und schon 1858 hatte es Nagler im Monogrammisten-Lexikon (I, 2382) mit den Worten auf den Punkt gebracht „ machte in Rom Epoche , da er Vorzüge in sich vereinigte , welche anderen gepriesenen Künstlern seiner Zeit fehlen “. Hier denn nach Muziano, dessen „großer Feinheit u. starkem Naturgefühl“ im Landschaftsfache Thieme-Becker (XXV, 1931, S. 304) gedenken. Er hatte sich seinerseits „in Venedig unter dem Einfluß Tizians und seit ca. 1548 in Rom unter dem Michelangelos“ weitergebildet. Und adäquat erbat er sich für die Wiedergabe seiner Sieben großen Landschaften die Hand Cort’s, aus welcher Folge hier denn nun der seltener dargestellte Hl. Onofrius , der „Wilde Mann“ der mittelalterlichen Kunst , als Eremit, als der er der Tradition nach mit dem Asketen Paphnutius als einziger Quelle im späten 4. Jhdt. in der oberägyptischen Wüste, wo jener ihn getroffen habe, gelebt hat, mit Brot versorgt durch einen Raben, während nach 60/70 Jahren Löwen halfen, sein Grab zu buddeln. Nach Studium von Jurisprudenz + Philosophie, trat er zunächst in ein Kloster bei Theben (heute Luxor), der ca. 675 km südlich Kairos beidseits des Nils gelegenen Hauptstadt des alten Ägypten, ein, bevor er als Eremit in die Wüste zog. Als solchen zeigt ihn denn zwar auch Cort, doch in einer Landschaft von Größe und Schönheit, stehend für das Landschaftsbild der Kunst seiner Zeit. Potenziert von Cort’s Verdienst, „ die Bahn der Stecherkunst im Grossen “ geöffnet zu haben . Denn „Bis zu den Zeiten des C. Cort hatte man fast blos im Kleinen gearbeitet, er aber öffnete die Bahn der Stecherkunst im Grossen, d. h. er hatte neue Wege für die Kunst entdeckt und neue Schritte zur Vollkommenheit gethan. Er stach eine Menge schöner Blätter, welche die Freude der Kenner sind, und durch den Geschmack, durch ihre schöne Wirkung und die Richtigkeit der Zeichnung ansprechen“ (Nagler). Kurz , eine faszinierende große 16. Jahrhundert – Landschaft mit einem interessanten, Ost- + Westkirche verbindenden selteneren Kirchenvater als schöner Einbettung. Mit dem 12. Juni als dessen beider Kirchen Gedenken. Und heben, schlußendlich, Thieme-Becker die von Tizian bei der Signoria für Cort’sche Kupfer erwirkten Druck-Privilegien als Ausnahme hervor – siehe oben – , so ergänzen sie dies für Cort selbst „als Zeichen dafür, wie angesehen (dieser denn später) in Rom war, daß C. 1573 u. 1577 für den Vertrieb einzelner Blätter durch päpstliches Motu proprio Privilege erhielt “. Seine anstehende 1574er Landschaft trägt ein solches : „ PRIVILEGIO.D.GREG(OR).PP..XIII “ ! Sein hier aus gleicher Folge ebenfalls aufliegender Hl. Hubertus erfuhr diese Gunst nicht. – Für die Onofrius-Details geht der Dank an Wikipedia + die Encyclopedia Britannica.
(Mr. L. A. F., June 22, 2004) |