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Zu  selten  schöner  Vertiefung  Ihrer  Ridinger-Sammlung

„ Man kennt das Schicksal des Wunderwerkes (Watteau’s) ‚Die Einschiffung nach Cythera‘: die Pariser Fassung, deren Unmittelbarkeit größer ist als die Potsdamer, stand jahrelang in einem Raum der Pariser (Kunst)Akademie und bot den Schülern (Jacques Louis) Davids Gelegenheit, ihre Treffsicherheit im Werfen von Brotkügelchen (und Üblerem mehr) zu üben.

Erst  Baudelaire  (1821-1867) ,

dessen  Kunstgefühl  auf  das  Seltene  ging ,

wagte  es , den  Maler  unter  die  ‚Leuchttürme‘  der  Kunst  zu  versetzen !“

(Wilhelm Weigand, Der Hof Ludwigs XIV., 3. Aufl., Insel-Verlag 1925, S. 192)

Hier  denn

Watteau  +  Jullienne

Ihr  zauberhaftes  Doppel-Porträt

Watteau - Nicolas-Henri Tardieu, Assis au près de toi

als  Dokument  einer  Freundschaft

Inspirierend  Ridinger  zu  seinem  Selbstbildnis  im Walde

( Th. XIX/1 )

Watteau – Jullienne – Tardieu, Nicolas-Henri (1674 Paris 1749). Assis au près de toi … Neben dir sitze ich, unter diesen lieblichen schattigen Bäumen. In schöner Parklandschaft mit einer den Freunden ihren Rücken zuwendenden weiblichen Statue im Hintergrund Watteau, stehend mit Palette in der erhobenen Linken und mit der Rechten auf den Malerstock gestützt, neben dem rechts von ihm sitzenden musizierenden (5sait. Bodeninstrument; Gamba/Kontrabaß/Violoncello ?) Tuchfabrikanten, Färber + Sammler Jullienne. Auf der Leinwand hinter ihnen eben diese sie umgebende Szenerie. Kupferstich nach Antoine Watteau (Valencienne 1684 – Nogent-sur-Marne 1721). (1731.) Bezeichnet: A. Watteau pinxit / Tardieu Sculp., ansonsten mit dem schönen Untertext

„ Assis, au près de toy, sous ces charmans Ombrages, / Du temps, mon cher Watteau, je crains peu les outrages; / Trop heureux! si les Traits, d’un fidelle Burin, / En multipliant les Ouvrages, / Instruisoient l’Univers des sinceres hommages / Que je rends à ton Art divin! “

und a Paris Avec Privillege du Roy. 42,9 x 31,3 cm.

Dacier-Vuaflart 3, III; Pierre Rosenberg + L.-A. Prat, Antoine Watteau / Catalogue raisonné des dessins, 1996, Frontispiz + Vergleichsabbildungen SS. 1000 f., 1092 f. + 1138 f.; Ausstellungs-Katalog Watteau 1684-1721 Washington/Paris/Berlin 1984/85, SS. 28, 39 f. + 362 ff. nebst Abbildungen sowie S. 398/I (Brotkügelchen-Bericht, s. o.); Thieme-Becker XXXII (Tardieu; 1938; „Neben Benoit Audran der bedeutendste Watteaustecher“), 444 (Watteau et Jean de Julienne, Hauptblatt); Nagler, Tardieu 63 (irrend als W. mit Tardieu; 1848); Niemeyer, Die fruchtbare Durchdringung – Watteau im Werke Ridinger’s, mit Abbildungen.

Auf schwerem Bütten mit Wz. Adler (D.-V. II, S. 85, Fig. 16). – Das Exemplar der Sammlung HW (Lugt 1388, nicht identifiziert, evt. dt. Porträt-Slg.) mit deren rückseitigem Monogramm-Stempel. – Mit rundum 1-4-1,8 cm breitem Rand, in diesem oben alte Reg.-Nr. (?) in Bister und zwei solchen weiteren in Farbstift verso unten rechts. – Zwei stecknadelspitzenfeine Löchlein rechts im Bild oberhalb der Staffelei.

Der  „berühmte  Stich“  Tardieu’s

(Ausst.-Kat.; „stach in einer … höchst malerisch wirkenden Manier,

die  dem  silbrigen  Farbencharakter  Watteaus  in  vollendeter  Weise  gerecht  wird “ [Th.-B.])

in größter Nähe zu Watteau’s Mezzetin in New York (1984/85er Ausstellungs-Kat. 49 nebst Farb- + Vergleichsabbildungen), doch unbeschadet des „pinxit“ mangels überlieferter direkter Vorlage vom Ausstellungs-Katalog noch mit Urheber-Fragezeichen versehen (Großabb. S. 28), um in der späteren Diskussion über die Person des Mezzetin-für die Hypothese in den Zeugenstand gerufen zu werden, daß jener der bewährte Freund Jean de Jullienne (1686 Paris 1766) sein sollte:

„ Nun  gibt  es  einen  berühmten  Stich ,
auf  dem  Watteau  und  Jullienne  zu  zweit  zu  sehen  sind

Neben  dir  sitze  ich …

Eine vergleichbare Statue, die aber unter einem anderen Winkel gesehen wird, bekleidet und nicht nackt ist, befindet sich (auch) im Hintergrund des New Yorker Gemäldes. Offensichtlich ist sie diejenige, die der Gitarrist mit seiner Musik und seinem Gesang rühren möchte, wodurch das Thema des Gemäldes klarer wird. Aber die Tatsache, daß sie auf dem Mezzetin und dem Stich ‚Neben dir sitze ich … ‘ dargestellt wird, der Punkt, daß Jullienne das Gemälde in New York (im Gegensatz zu allen anderen Ölen) sein Leben lang behalten hat, bringen uns zu der Hypothese, daß Watteau dieses Gemälde als allegorisches Porträt seines Freundes konzipierte und es ihm als Pfand seiner Freundschaft vielleicht in einem Augenblick anbot, in dem Jullienne … seiner zukünftigen Frau den Hof machte (Heirat 1720). “

Nichts würde mehr sein, wie es war. Aus dieser plausiblen neuen Sicht erwächst dem Tardieu-Blatt ein thematischer Zugewinn von Graden, potenzierend dessen Rang als zweifelsohne

eines  der  schönsten  graphischen  Freundschaftsblätter ,

gesucht und engagiert bezahlt bei seinen nur seltenen Marktauftritten.

Und, alles in allem, spricht eigentlich nichts für das übervorsichtige Urheber-Fragezeichen des Katalogs, sodaß das pinxit des zeitgenössischen Blattes Priorität genießen sollte. Es zeigt einen ganzen Watteau, atmet den unvergleichlichen Schmelz dieses „größte(n) Malers Frankreichs im 18. Jahrhundert und zugleich de(n) französischste(n)“ (Jahn, 1957). Und zeigt diesen gemeinsam mit dem nachhaltig wichtigsten der Freunde. Denn

„ Dank der Sammlung, die von ihm angelegt wurde (Recueil Jullienne, in dessen Bd. III hiesiges Blatt als Frontispiz figuriert), bleibt der Name des berühmten Kunstliebhabers für immer mit dem des Malers verbunden “

(Ausst.-Kat. S. 39). Wie das Blatt selbst, wie hier erstmals dokumentiert wurde, als von gleichem Geiste

Ridinger  zu  seinem  Selbstbildnis  im  Walde  vor  der  Staffelei  inspirierte

(Th. XIX, 1). Denn aufs Kupfer übertragen wurde es erst postum von Martin Elias, seinem Ältesten. „Erneuernd das Angedenken“. Womit sich der Kreis schlösse.

Rein bildhaft finden sich beider Personengruppierung in der rechten Bildhälfte angesiedelt, die Sitzenden mit dem Rücken nach rechts und den Betrachter aus dem Bild heraus anschauend, wie auch der stehende Watteau. Und analog zum vom Wind aufgefächerten Notenheft auf der Erde bei Watteau/Tardieu der offene Malkasten mit der Innendeckel-Signatur bei Ridinger auf dem Boden. Ein klassisches Beispiel des alten Gebens und Nehmens auch in der Kunst. Und auf Watteau/Ridinger bezogen zugleich mehr. Denn wie ersterer zu seinem Vergnügen und zur Inspiration „copied those he liked“ (Pierre Rosenberg, Watteau’s Copies After the Old Master, im W.-Katalog), so konnten hier neben den schon bekannten etliche weitere Beispiele aufgedeckt werden, die Ridinger’s Liebe zu Watteau bezeugen und eben auch seine Vertrautheit mit dem Recueil Jullienne.

Und bedurfte es erst des 300ten Ridinger-Geburtstages, um das Werk einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, angeführt von der den  ganzen  Ridinger umspannenden großen 1½jährigen polnischen Wanderausstellung, so auch erst desselben Anlasses, um gedachte Ausstellung Watteau 1684-1721 in Scene zu setzen. Als der „erste(n), die dem Werk des vor dreihundert Jahren geborenen großen Künstlers gewidmet ist“. Und deren Katalog Wünsche und Hoffnungen mit auf den Weg gegeben wurden wie nicht anders Ridinger. Nämlich Ausgangspunkt zu werden für neue Nachforschungen und dazu beizutragen, den Meister

„ besser  zu  verstehen  und  somit  zu  lieben

(so) wird er das Ziel erreicht haben, das wir ihm gesetzt haben“ (Ausst.-Katalog SS. 5 + 13).

Als über Ridinger zu Watteau gefunden zu haben, ist es mir ob solcher Vorgaben eine ganz besondere Freude, nach den in der Vergangenheit weitergegebenen verschiedenen Exemplaren des Ridinger’schen Wald-Selbstbildnisses nunmehr auch dessen köstlich frische Quelle verfügbar halten zu können. Zunächst

zu  selten  schöner  Vertiefung  Ihrer  Ridinger-Sammlung ,

sodann beispielhaft für die Freunde zweier Meister mit großem Anklang über die Zeiten in gleichwohl eher geschlossener Gesellschaft.
Angebots-Nr. 15.276 / EUR  2300. / export price EUR  2185. (c. US$ 2878.) + Versand


„ da haben Sie ja wirklich eine interessante Bildquelle gefunden (Thoman von Hagelsteins Lehrstücke des Jagens). Solche Motive sucht man als Ausstellungsmacher, aber die Wiedergabe in Publikationen ist oft so schlecht … Auf jeden Fall würde ich für die Ausstellung gern die Abbildung zur Wolfsjagd nutzen, da hier mit dem Ziegenbock als Köder noch mal ein anderer Aspekt gezeigt wird.

Sehr selten und noch nie auf einer Abbildung von mir gesehen – die … (Thomann’sche) Igeljagd! Wenn ich davon einen Scan für mein Archiv bekommen könnte, wäre das ganz wunderbar!!! “

(Frau R. S., 14. Mai 2013)