
Normandie – Weirotter, Franz Edmund (Innsbruck 1730 – Wien 1771). Vues de la Normandie. Folge von 10 (statt 12) Landschafts-Radierungen + Aquatinten (2). Bezeichnet: dessiné d’après Nature / et Gravé par F. E. Weirotter / AParis chés Wille Graveur du Roi Quay des Augustins. (Bl. 1) bzw. F. E. Weirotter fecit. Ca. 15 x 21 cm.
Nagler 12. – Ohne die Blätter 11 + 12, doch nicht störend. – Mit der Dedikation an M. Brillon Duperon und der Adresse Johann Georg Willes (Obermühle im Biebertal am Fuße des Diemsberges bei Gießen 1715 – Paris 1808), dem „heimliche(n) Vertreter deutscher Kultur in Frankreich“ (Decultot und andere, Wille-Briefwechsel, 1999, S. 1).

Schöne Küstenlandschafts-Szenerien , angereichert mit den bei ihrer Beschäftigung beobachteten Fischern und Landleuten.
Die Landschaftsradierung erlebte mit Weirotter einen schönen Höhepunkt und Schmutzer, seinerzeitiger Direktor der Wiener Akademie, empfahl Maria Theresia 1766 die Berufung des noch jungen Künstlers an die Akademie, damit er dort das Landschaftsfach übernehmen könne. Laut Schmutzers Bericht an die Kaiserin verdiente der Mittdreißiger
„ mit seinen geätzten Landschaften ,
welche in England , Holland und Deutschland gerne gekauft würden ,
jährlich 4-5000 fl. “.
Der Berufungsvorschlag wurde vom Staatsrat umgehend angenommen, da Weirotter sonst „bereits einen Ruf nach Sachsen in Händen habe“. Bei seinem allzu frühen Tode jedoch fand „sein gesamter künstlerischer Nachlaß in Wien keine Abnehmer; er ging nach Paris. Kenner und Freunde seiner Blätter
mußten die Abdrücke einzelner Blätter theuer bezahlen …

Als Radierer zählt Weirotter zu den hervorragendsten Künstlern … “
(ADB XLI [1896], 520 f.),
wobei er „auf den beiden ihm (in Wien) zugewiesenen Gebieten, der Landschaftszeichnung und der Radirung, eine wahrhaft staunenswerte Tätigkeit entwickelt
u. Impulse gegeben (hat) , die heute noch fortwirken “
(Thieme-Becker XXXV [1942], 309, Lützow zitierend).
Sein ganzes Können spiegeln die Arbeiten nach eigener Vorlage wider (wie denn auch hier). Seine Hochschätzung bei den Zeitgenossen ergeben Briefe von und an Wille als dem in Paris residierenden deutschen Kunstpapst. So Winckelmann gelegentlich Weirotters Aufenthalt in Rom „Herr Weirotter hat mir … ein Geschenk mit eigenen Arbeiten gemacht,

die ich zu den besten in der Art rechne
… Dieser junge Künstler wird seinem Vaterlande Ehre machen“. Und in Rückblick auf den vorangegangenen Pariser Ausbildungsaufenthalt bei Wille (1759/63) dieser an Hagedorn in Dresden „Er ist so fertig im Zeichnen geworden, daß seine Zeichnungen weit leichter als seine Gemälde aussehen“. Und als Sammler der Leipziger Bankier Gottfried Winckler „Ich zweifle nicht, daß uns H(err).
Weirotter nach der Italienischen Reise wird vil schönes liefern “.
Zitiert nach Decultot und andere als Hrsg., Wille-Briefwechsel, Tübingen 1999, SS. 314, 316, 318, jeweils aus 1764.
„ Weirotter – so Gerson, Ausbreitung und Nachwirkung der holländischen Malerei des 17. Jhdts., 2. Aufl., 1983, S. 338 – arbeitete auch nach P. Molijn, Jan van Goyen, Aert van der Neer – und Dietricy.
Seine eigenen Erfindungen sind entsprechend holländisch . “
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