English

„ Ein  Pferd , ein  Pferd

Der  große  Garrick  als  Richard III.

Mein  Königreich  für  ein  Pferd “

Shakespeare – Garrick – Dance, Nathaniel (London 1735 – Carnborough House/Winchester 1811). (Mr. Garrick in Richard the Third.) Im Hermelin nebst Hosenband-Orden und weiterem sowie Sporen nach dem Verlust seines Pferdes in der gegen den Grafen von Richmond, nachmaligem König Heinrich VII., verlorenen Schlacht von Bosworth (22. August 1485). Das Schwert in der erhobenen Rechten im Augenblicke seiner unsterblich gewordenen Worte

„ Ein  Pferd , ein  Pferd , mein  Königreich  für  ein  Pferd “.

Seitlich links Richmond’s Kavalkade, Richard’s Fußtruppe vor sich hertreibend. Weiter zurückgesetzt Schloßanlage. Schabkunstblatt von John Dixon (Dublin um 1740 – London 1811). Bezeichnet: im Bild selbst unten rechts J. Dixon Fecit, und im weißen Signaturrand darunter N.Dance pinxt (linksaußen) / Dance pinxt (5 cm ab Plattenkante) / Publishd according to Act of Parliamont (sic!) April 28 1772 by John Boydell Engraver Cheapside London / J Dixon Fecit, zusätzlich siehe unten. 63,4 x 40 cm.

Smith 15.I (von II, doch s. u.); Nagler III (1836, doch dito 1913 auch Thieme-Becker VIII, 340 f.), 258 f. (Dance’s „Hauptwerk ist Richard III., wie er nach der verlorenen Schlacht wüthend nach seinem Pferde ruft“) bzw. Seite 422 zu Dixon („machte sich aber besonders durch seine Kupferstiche in schwarzer Manier bekannt, worin er Genie und Geschmack bewies … lauter schätzbare Werke, unter denen besonders zu erwähnen: … Das Portrait Garrick’s in der Rolle Richard’s III. … Es gibt Abdrücke vor der Schrift.“).

AKL XXIV (2000), 73: „1771 (Dance’s, nachmaliger Sir Dance-Holland)

dramat.  Darst.  von

Nathaniel Dance, Garrick in Richard III

David  Garrick  als  Richard III

in Stratford on Avon … er wendet sich jedoch zunehmend von den in Rom praktizierten Konversationsstücken hin zu (wie auch hier) lebensgroßen , repräsentativen Bildnissen .“

Dixon wiederum – AKL XXVIII, 2001, 56 – „gibt in seinen qualitätvollen Stichen die Vorlagen getreu und einfühlsam wieder. Oft akzentuiert er seine Mezzotinten auch mit anderen graph. Techniken, u.a. Kaltnadel-Rad.“. Mit Garrick befreundet, widmete er diesem zwar verschiedene Arbeiten, die letzte noch 1779 nach dem blassen Thomas Hudson, doch unüberbietbar Dance’s Vorlage

des  wundervollen  Garrick

in  hiesiger  unsterblicher  Pose  eben  jenes  Augenblickes

„ wie  er  nach  der  verlorenen  Schlacht  wüthend  nach  seinem  Pferde  ruft “

(Nagler). Doch in Widerpart zur dramatischen Optik Richard’s als eines „titanischen Verbrecher-Porträts von überrealistischer Wucht“ (Erwin Laaths, 1953) zielt Garrick’s Mundstellung eher auf ein leiseres Mein Königreich gäb ich, hätt’ ich jetzt nur ein Pferd.

Und wie Richard III. + Romeo und Julia „erste Meisterwerke des jungen“ Shakespeare (Laaths) sind, so erntete der sich 1741 endlich seinen Jugendtraum erfüllende Garrick

„ zu  London  als  Richard III. … sofort  außerordentlichsten  Beifall

… G. hatte seine Mienen sowie sein Sprachorgan auf das bewundernswürdigste in seiner Gewalt; der Ausdruck jeder Leidenschaft stand ihm zu Gebote, so daß er fast gleich groß im Tragischen wie im Komischen war, wenn auch das erstere als sein eigentliches Feld galt … 1776 (zog er sich) auf sein Landhaus bei London zurück, wo er 20. Jan. 1779 starb, ein Vermögen von ca. 140,000 Pfd. Sterl. hinterlassend. Sein Leichnam wurde

in  der  Westminsterabtei

am  Fuß  des  Shakespeare  gewidmeten  Denkmals  beigesetzt “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VI [1880], 916 f.). Und Schiller in seinem 1787er Der Geisterseher :

„ Wie? … die Zuckungen, die Ohnmacht, der ganze klägliche Zustand dieses Menschen … alles dieses wäre nur eine eingelernte Rolle gewesen? Zugegeben … so kann die Kunst des Akteurs doch nicht über die Organe seines Lebens gebieten. “ „ Was das anbetrifft, Freund — Ich habe Richard den Dritten von Garrick gesehen — “

Ergänzend Lichtenberg (1742-1799) gelegentlich des Hogarth-Bildes von Garrick’s Richard am Morgen jenes Tages:

„ Garrick hat die englische Bühne umgestaltet, und übt auch noch jetzt durch die Tradition seine Wirksamkeit, da sein Verfahren, die Charaktere Shakespeare’s darzustellen, von Geschlecht zu Geschlecht den Schauspielern überliefert wurde … “

Hier denn nun adäquat zu allem Obigen der 1716 in Heresford geborene gewaltige Mime im Maßstäbe bersten lassenden Zenit der Rolle seines Lebens ,

mitgeteilt  im  Bilde  jener ,

die  um  ihn  waren , ihn  leibhaftig  erlebten .

So denn Dixon’s allein technisch schon bedingtes – nur „50 oder 60 … saubere Abdrucke“ gewähre die samtene Schabkunst, so 1675 der Praktiker von Sandrart –

seltenes  Hauptblatt

in  prachtvollem  Frühdruck  leuchtenden  Hell-Dunkels

vor  dem  Titel

und solchermaßen generell korrespondierend mit dem als Erstzustand qualifizierten Exemplar des Britischen Museum Ee,3.124 bis hin zu mit der kalten Nadel eingeritzten Signaturen + Boydell-Adresse, siehe oben. Gleichwohl könnte Smith (1883) + British Museum ein noch früherer Zustand unbekannt/unbemerkt geblieben sein. Denn bei hiesigem Exemplar folgt der linksaußen plazierten Dance-Signatur nochmals ein eingeritztes zartes Dance pinxt, wohl ohne vorangesetztem N, dessen Abstand zur Plattenkante 5 cm beträgt. Damit aber in etwa entsprechend der rechtsseits 7 cm von der Plattenkante endenden Dixon-Signatur. – Die tatsächliche Zustandsabfolge vermutlich wie folgt:

  1. J. Dixon Fecit im Bild unten rechts, dem linksseits ein N Dance Pinxt entsprechen könnte, siehe III, ansonsten vor der Schrift (Nagler), wie etwa auch die Dixon-Blätter Smith 13 + 14 (Before [any] inscription). – Hier nicht nachweisbar.
  2. Dixon/Dance im Bild selbst wie I, dazu Dance pinxt / J Dixon Fecit im weißen Unterrand, abgesetzt von Plattenkante wie oben. – Hier nicht nachweisbar.
  3. J. Dixon Fecit im Bild u. r., dem linksseits ein nur noch schwer lesbares N Dance Pinxt entsprochen zu haben scheint. Dazu im weißen Unterrand N.Dance pinxt (linksaußen) / Dance pinxt (5 cm ab Plattenkante) / Publishd according to Act of Parliamont (sic!) April 28 1772 by John Boydell Engraver Cheapside London / J Dixon Fecit. – Hiesiges Exemplar , der Unterrand noch ungereinigt.
  4. wie III, doch ohne das zweite, frühere Unterrand-Dance pinxt aus III. – Explr. Ee,3.124 des British Museum als Smith 15.I.
  5. J. Dixon Fecit im Bild u. r. + im weißen Unterrand: Dance pinxit / J Dixon Fecit, beide jeweils per Plattenkante, und 2zeilig mittig: Mr. GARRICK in RICHARD the THIRD. / Publishd April 28th 1772 by John Boydell Engraver Cheapside London. – Explr. Ee,3.123 des British Museum als Smith 15.II.

Zweizeiliges typographisches Wasserzeichen nebst ovaler Nebenmarke. – Mit 2-2,5 cm breitem Rand seitlich und 0,7-1 cm unten + oben, wie für die alten Schabblätter hervorhebenswert, schon gar bei solch geradezu

imperialem  Format .

Namentlich letzteres denn auch die nur unwesentlichen Altersspuren marginalisiert. Eigens erwähnt gleichwohl eine 6 x 2-3 cm messende Unsauberkeit im Gewitterhimmel am Rand oben links. – Kurz ,

der  Weltliteratur  Pferderuf  —

hier  als  die  verbildlichte  Trouvaille  assoluta !

Angebots-Nr. 15.859 / Preis auf Anfrage


“ Beautiful Rugendas colour print arrived! Thanks very much for keeping me informed. Best regards ”

(Mr. J. R. L., June 11, 2004)