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Die Triumphe Alexanders des Großen
samt Beibindungen zur Versailles-Architektur
Charles Le Brun, Cabinet du Roi-Wappeneinband
im Cabinet du Roi-Wappen-Einband
Ludwigs XIV.

— Das Exemplar der Grafen von Quadt zu Wickerath/Isny —

A) Le Brun, Charles (1619 Paris 1690). (Tableaux du Roy, représentant cinq sujets de l’histoire d’Alexandre le Grand.) Die Triumphe oder Die Schlachten oder Die Historien Alexander des Großen. Folge der von 15 (nicht 16!) Platten gedruckten, zusammengesetzten und auf Falze gehefteten 5 (3 gefalt.) Blatt in Radierung mit Kupferstich von Girard Audran (Lyon 1640 – Paris 1703; 4) + Gerard Edelinck (Antwerpen 1640 – Paris 1707). Paris, Goyton, 1672/78 (Audran) + ca. 1671. 69,5-72 x 90,2-159,2 cm.

B) Angebunden:

1) – – Derselbe. Le grand Escalier de Versailles. Von bordürenverziertem gestochenen Titel-/Textblatt (25,5 x 68 cm; 3seits 4-8, unten 18,7 cm breitrandig) angeführte 7blätterige Folge der

Ausmalung der großen oder Botschafter-Treppe zu Versailles

in Radierung mit Kupferstich von Étienne (Stephane) Baudet (Vineuil-les-Blois/Loire-et-Cher 1638 – Paris 1711; „fast ausschließl. für den König tätig, er stach zwischen … 1679-83 sieben mon. Platten nach Le Brun, die die Escalier des Ambassadeurs à Versailles darstellten“, Maxime Préaud, AKL VII [1993], 518). Bezeichnet wie vor und per Untertexten, C. Berey Scrip. sowie, Bl. 7., C. le Brun Inuent / Step. Baudet. sc. Bll. 2-7 = 35,3-43,5 x 64-81 cm.

4 Blatt jeweils 1 x gefaltet. – Bll. 2-7 den Blattgrößen (52-65 x 75,8-83 cm) entsprechende variierende Breitrandigkeit von 2 x einseitigem Plattenkantenbeschnitt bzw. 1 x zweiseitigem feinen Rändchen bei indes jeweils mindestens 1.7-2,3 cm breitem weißen Plattenfeld, ansonsten zwischen 0,5-2 (3 x) bzw. 4-10,5 cm. – Bll. 6 + 7 mit 1,5-4,5 x 6-10,5 cm breitem Ausschnitt im linken weißen Oberrand oberhalb der Faltung.

„ Die Stiche nach Le Bruns Malereien im Stiegenhause von Versailles trugen ihm 13500 l(ivres) ein. 1693 wurde er zum Graveur du Roi ernannt … B. gehört zu den klassischen Vertretern der französ. Kupferstecherkunst. Um ihn gründlich kennen zu lernen, muß man seine Arbeiten mit denen des Gérard Audran vergleichen ( wozu sich hier ganz en passant die exzellente Gelegenheit bietet ! ); man erkennt dann seine Vorzüge und auch seine Schwächen, die Schönheit aber auch die Kälte seines Stichels, der sich immer in gleichmäßigen Tönen bewegt und niemals die kraftvolle Lichtwirkung Audrans erreicht “ (Thieme-Becker III [1909], Seiten 55 f.).

Nagler I (1835), Seite 323, war die Folge nur via Joubert bekannt geworden („Die Malereien der grossen Stiege … in 7 Blättern “). – Zustand bestens.

2) – – Derselbe. La Franche Comté conquise pour la seconde fois 1674. Un des tableaux de la Voute de la grande gallerie de Versailles.

Imperial-allegorische Verherrlichung

der erneuten Besetzung der Freigrafschaft Burgund

durch den dominant ins Bild gesetzten Ludwig XIV.

während des Holländischen Krieges nach jener von 1668 im Devolutionskrieg in Radierung/Kupferstich von Charles Simonneau, genannt Simonneau aîné (Orléans 1645 – Paris 1728; Graveur dessinateur ordinaire du cabinet du roi). Bezeichnet: Peint par Monsieur le Brun premier Peintre du Roy et gravé par Charles Simonneau 1688, ansonsten wie vor, gefolgt von Formatangabe, mit Ausnahme des Titels in frz.-latein. Paralleltext. 52,3 x 67,3 cm.

Dreiseits 4-4,8, oben 3 cm breitrandig. – 1 x gefaltet. – 3 cm säurefrei hinterlegter Einriß im 4,8 cm breiten weißen Unterrand.

Nagler 63: „La Franche Comté … reiche Composition … und eines der Hauptblätter des Meisters …

„ Er verband öfters die (Radier-)Nadel mit dem Grabstichel, besonders in den Mittel- und Hintergründen, so wie in den Halbtinten; mit dem Stichel allein arbeitete er dann nur die kräftigsten Partien aus “

(Nagler XVI [1846], Seiten 442-445). – Zustand bestens.

3) Mignard I, Pierre (Troyes 1612 – Paris 1695). Tableaux de la voute de la Galerie du petit Apartement du Roy a Versailles. Folge der 3 jeweils 1 x gefalteten Blatt der

Gewölbe-Ausmalung des Kleinen Appartements des Königs zu Versailles

in Radierung mit Kupferstich von Audran wie oben. Bezeichnet: Designé et graué par G. Audran d’après les peintures par Mr. Mignard … Peintre du Roy afait du Château de Versaille (links unten im Bild), ansonsten im Textfeld wie vor, gefolgt von Blattbeschreibungen. 74-74,5 x 52-55 cm. – 0,5-6 cm breitrandig.

1. Apollon distribuë des recompenses aux Sçiences et aux Arts, et Minerue couronne Le Genie de la France. – 2. La Preuoïançe et le Secret auec leurs Symboles. – 3. La Vigilance auec ses Symboles, et Mercure comme le pöus vigilant des Dieux.

Das in seiner Fülle und Pracht ganz außerordentlich instruktive

Hohe Lied auf die Künste + Wissenschaften und ihre göttlichen Patrone .

Nach 20jährigem Rom/Italien-Aufenthalt 1658 nach Paris zurückgekehrt, beerbte er 1690 Le Brun in all dessen herausgehobenen Positionen, nachdem er schon 1687 nobilitiert worden war, ohne gleichwohl das künstlerische Volumen seines als Rivalen gesehenen Vorgängers auch nur annähernd ausgefüllt zu haben.

„ Er malte an der Decke der kleinen Gallerie den Apollo, wie er den Künsten und Wissenschaften Belohnungen ertheilt, und andere Bilder … drei (von Audran gestochene) Deckengemälde in der Gallerie der kleinen Gemächer zu Versailles “ (Nagler IX [1840], Seiten 278 bzw. 281).

„ (Audran) war ein Meister der malerischen Wirkung ;

sein breiter Stil eignete sich vorzüglich für die großen Kompositionen. Sein Grabstichel brachte noch andere derartige Werke (obige Alexander-Suite) hervor, die allerdings weniger berühmt, aber ebenfalls hervorragend sind: … le Plafond de la Galerie du petit appartement du Roi, in Versailles, nach Mignard (1688) … Man hat den Vertrag aufbewahrt, der mit ihm abgeschlossen wurde für den Stich der ‚Galerie du petit appartement du Roi‘ von 1686; er erhielt 5000 livres (500 livres der Quadratfuß). – A. versprach in diesem Vertrag … “ (Thieme-Becker II [1908], Seite 240). – Zustand bestens.

Imperial-Folio (76,5 x 54 cm). Originärer Franzband (marmor. Kalb-Ldr.-Bd. a. 8 Bünden) mit Wappen-Supralibros (13 x 10,5 cm) Ludwigs XIV. auf beiden Deckeln , 7 x wiederholtem kgl. Rücken-Monogramm unter Krone samt Titel-Prägungen und weiterer Verzierung, feiner filigraner Deckel-Randleiste nebst Doppellinie, 3seitiger Kantenverzierung, alles goldgeprägt, sowie voneinander abweichendem reich marmor. Spiegel + Vorsatz, letzterer in geradezu leuchtender Farbigkeit. Goldschnitt.

A.

Die „BATAILL(ES) DE ALEXAN(DRE)“

als „TOM(US) II“ des 23teiligen , vornehmlich als

königliche Dedications-Exemplare vergebenen

Cabinet du Roi

in dessen Erstausgabe

unter gestochener Kennzeichnung der Auflagenhöhen

wie in den graphischen Künsten ganz elitär

(eine Zweitauflage erschien 1727)

„ Cabinet bedeutete im 18. (und eben schon früher) Jhdt. die kleine Sammlung von Kostbarkeiten, auserwählten Seltenheiten, Schaustücken, während in der großen ‚Bibliothèque‘ die übrigen Bestände der Sammlung aufgestellt waren “

(Hans Bohatta in Löffler-Kirchner, Lexikon des gesamten Buchwesens, I [1935], 314).

Stehend hier denn für einen grandiosen Schatz graphischer Wiedergaben seitens Bester der Besten, vereint in 23 Teilen auf Anordnung Ludwigs XIV. von Frankreich (1638-1715), „unter dem die Künste und Wissenschaften ihre höchste Blüte erreichten“ (Bohatta, a. a. O., II [1936], 374).

„ (Die obigen 23 Bände vereinigen die auf Kosten Ludwigs XIV. von den ersten Künstlern Europas geschaffene und allgemein durch den Namen Cabinet du Roy ausgezeichnete große Graphik-Sammlung.

Diese Reihe ist dank der Erstabdrucke die beste Ausgabe

und war ein Dedikations-Exemplar des großen Monarchen) “

(James Edwards, A catalogue of books … in every branche … collected of various of Europe, 1796, II, 101 innerhalb der Abteilung Books of Prints, Drawings, Antiquities, Architecture etc.).

Entsprechend denn hiesige 5blätterige Alexander-Folge nach Le Brun als Band II der Serie in ihren

ersten Abdrücken

mit (!!) dem Namen des königlichen Druckers Goyton1

auf allen fünf Blättern, wie die Ausnahme, s. u., und die Audran’s außer des 1678er Schlußblattes

mit noch „Pintre“ statt „Peintre“.

Und das alles in entsprechend

einheitlich wundervoller , noch immer schwärzender Druckqualität

leuchtenden Hell-Dunkels .

1 Nach – in sich widersprüchlich – Ebert (1821), siehe unten, trügen die allerersten Abdrücke Goyton’s Namen noch ebensowenig wie dann wieder die späteren, was ausgerechnet aber bei Wille als mit 1763 viel zeitnaher und als deutscher Kunstpapst vor Ort selbst keine Bestätigung findet, wenn er bezüglich der Alexander-Folge schreibt

„ die abdrücke sind von den besten, nehmlich von dem berühmten Kupferdrucker Goyton dessen nahmen so drauf gepickt stehet: Goyton und so muß man sie haben wann sie gut seyn sollen “

(Décultot/Espagne/Werner [Hrsg.], Joh. Gg. Wille [1715-1808]. Briefwechsel, [1999], 302 f.).

Und eben so liegen sie denn auch hier vor .

Lt. British Museum war Goyton († 1714) seit den 1670ern Verleger und Drucker in Paris ,

„ (Vielleicht der erste , dem es erlaubt war ,

seinen Namen unter die von ihm gedruckten Platten zu setzen .

Engagiert zum Druck der Platten des ‚Cabinet du Roi‘ , welche nicht in der Königlichen Druckerei lagerten, sondern in der Königlichen Bibliothek, hatte Goyton seine Presse dorthin zu verbringen und sie in dem Raum zu drucken, der dem Lager des für die Bindung der Bände bestimmten Leders benachbart war [siehe André Jammes, The Library, XX, 1965, p.10].

Einige ( !! ) von ihnen

tragen seinen Namen in gepunkteten Buchstaben .) “

Obige 11 beigebundene Kupfer, in der Regel Bd. 23 zugehörig, denn auch ohne Goyton’s teils spiegelbildlich gepunkteter Signatur. Womit es bezüglich Goyton’s Alexander-Drucke aber längst nicht sein Bewenden hat. Denn die sich seinem Namen unmittelbar oder doch nahe anschließende merkwürdige Reihe unterschiedlich etlicher Punkte entschlüsselte Ebert – aber nur gelegentlich dieser 5 Blätter !! –

als Druckauflagen-Kennung , 100 pro Punkt

wie in den graphischen Künsten gänzlich ungewöhnlich, wozu immer wieder die ebenso alte wie nur vage beantwortbare Frage nach deren Auflagenhöhe diskutiert wird. Hier denn läge deren Anzahl zwischen 700 und 900. Je 700 für Granicos + Arbela, je 800 für Babylon + Poros, 900 für das Zelt des Dareios.

Gleichwohl war schon Wille 1763 „ endlich so glücklich … die großen Schlachten des Alexanders … aufgetrieben“ zu haben (a. a. O., Seite 302). Und schon Jahrs zuvor hatte der alsbaldige Dresdner Kunstpapst Christian Ludwig Hagedorn in seinen „Betrachtungen über die Mahlerey“ dieser

„ Meisterstücke des Grabstichels “

mit den Worten gedacht, „in jeglichen Abdrücken äußerst selten“ (Seite 597). Als überwiegend königliche Dedications-Exemplare waren sie eben in Hände mit langem Atem gekommen.

„ Alte Abdrucke dieser 5 Blätter gelten in Paris 400 bis 600 fr. Der Kupferdrucker Goyton , der die ersten Abdrucke dieser Blätter machte , hat auf jede Platte seinen Namen verkehrt (so nicht die Regel !) gestochen und Puncte beigefügt , deren Anzahl ebensoviel Hundert Abdrucke anzeigen soll. Indess ist gewiss, dass die allerersten Abdrucke ( also wohl allein die Probedrucke ! ) diese Auszeichnung nicht haben, obgleich dieser Namen und diese Puncte noch immer ( sic ! ) einen alten Abdruck ( recte Erstabdruck ! ) anzeigen, da sie auf den neuern Abdrucken verlöscht sind … Die angegebenen (23) Theile (übrigens) sind bald in mehrere bald in wenigere Bände gebunden und bisweilen verschieden angeordnet (wie eben auch hiesige Beibindungen) “

(Ebert, Allgemeines Bibliographisches Lexikon [1821], 3232; Klammerzusätze, Fettungen, Sperrungen nicht im Original). – Und

„ Alle Exemplare solcher Prachtwerke wurden gleich gebunden … Man hat also hier wieder eine Art von Verlegereinband, dessen erstes Vorkommen im 15. Jahrhundert wir früher konstatiert hatten …

Die Einbände für den prunkliebenden Ludwig XIV. sind merkwürdigerweise mit wenigen Ausnahmen ganz einfach ausgestattet. Ihre Vergoldung besteht – wie deckelseits auch hier – aus einem doppelten Rahmen aus geraden Linien mit Lilienstempeln in den Ecken (hier fehlend, doch zusätzliche filigrane Randleiste) und

Supralibros Ludwigs XIV.

dem königlichen Wappen in der Mitte .

Man findet auf den Bucheinbänden der Stilperiode Louis quatorze eigentlich gar nichts von dem für diesen Stil charakteristischen Ornament … Die Einbände für die Herren und Damen am Hofe Ludwigs XIV. … sind zumeist ebenso einfach wie diejenigen für den König. Man nennt die jeder Ornamentierung entbehrenden Einbände (hier gleichwohl mit Ausnahme des Rückens) ‚Reliures Jansénistes‘ nach der strengen Lebensführung der 1640 begründeten Sekte der Jansenisten.

Ganz besonderen Wert legte man zu dieser Zeit auf die höchste Vollendung der technischen Arbeit des Buchbinders und war besonders peinlich in der Auswahl und Zubereitung … für die Einbandbezüge “

(Loubier, Der Bucheinband in alter und neuer Zeit, 2. Aufl., ca. 1905, Seiten 162 + 157).

Die hier unmittelbar mit der Krone verbundene mittlere Kette des von anhängendem Goldenen Vlies begleiteten kgl. Supralibros als verkürztes Band des von Heinrich III. 1578 gestifteten Ordens vom Hl. Geist, gebildet vom Kronen-Monogramm des seit Heinrich IV. latein. „H“ (ursprünglich griechisch), alternierend mit von Flammenzungen (Hl. Geist) umgebenen Lilien- + Kriegstrophäen-Medaillons. Anhängend das Ordenskreuz. – Abgesehen von leichten Bereibungen und Läsuren an namentlich Kapitalen und Ecken ist der Erhaltungszustand des Einbandes adäquat zur Herkunft des Exemplars nahezu perfekt.

Rückseits des Granicos-Blattes

Grafen von Quadt zu Isny

der ovale Wappenstempel der Grafen von Quadt zu Isny , einst Wickrath .

„ Altes, früher auch Quad, Quaden geschriebenes, nach den Angaben Mehrerer ursprünglich westphälisches Adelsgeschlecht, welches in Jülich, Geldern und Cleve grossen Grundbesitz an sich brachte und seit 1803 auch im Kgr. Württemberg ansässig ist. Einzelne Zweige des Stammes breiteten sich schon in früher Zeit in den Erzstiften Cöln und Trier aus, und Fahne, welcher die Familie Quad schreibt, hält demgemäss das Geschlecht für ein ursprünglich cölnisches, welches einen Charakternamen trage und führt aus, dass noch 1337 Gerard der Quade, d. i. der Widerspenstige, vorkomme. – Die ordentliche Stammreihe beginnt mit Peter v. Quadt, welcher 1346 in der Schlacht bei Stavaren blieb. Von den Söhnen desselben gründete Wilhelm Q. die Linie zu Buschfeld, und Luther Q. die Linie zu Thomberg und Vorst; ausser welchen aber im Anfange des 15. Jahrh. sich noch die Linien Isengarten, Landskron, Hardenberg, Rode, Hundscheid und Quadt-Wickerath zu Stadeck und Alsbach, zu Zoppenbroich und später zu Hüchtenbruc(k) bildeten, von welchen aber neuerlich nur die Linie zu Hüchtenbruc(h) in Preussen und die Linie zu Wickerath (heute Wickrath), jetzt Quadt-Isny, als Hauptstämme angenommen wurden … Die (Quadt’schen) Herrschaften Wickerath und Schwanenburg (jetzt Schwanenberg) kamen durch den Lüneviller Frieden an Frankreich, worauf die Familie im Reichsdeputations-Abschluss von 1803 mit der Reichsstadt Isny … entschädigt und (vom westphälischen) an das schwäbische Grafencollegium gewiesen wurde … Ausser der Herrschaft Isny stehen der Familie noch mittelbare Güter und Herrlichkeiten in der niederländischen Provinz Geldern und Lehengüter und Grundstücke im Kgr. Bayern zu “

(E. H. Kneschke [Hrsg.], Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, VII [1867], SS. 293-295; Fettungen/Sperrungen nicht im Original).

A) Die Alexander-Suite wie folgt gebunden :

Alexanders Einzug in Babylon
Herbst 331 v. Chr.

1675 – Druck von 2 Platten im Gegensinn – 71,6 x 92,6 cm
Auflagenkennung: 800 Abzüge. – 1-1,5 cm breitrandig.

(1662/65 – 4,50 x 7,07 m – G. SS. 202-207)

Bezeichnet
Gir. Audran sculps. / 1675.
(links im unteren Bildrand) + im Schriftfeld
........ AINSY PAR LA VERTV SELEVENT LES HEROS.
Entréé Triomphante d’Alexandre dans Babilone au milieu des concerts de /
musique et des acclamations du Peuple. GoyTon (punktiert)

Graué par Ger. Audran sur le tableau de Mr. le Brun premier Pintre (sic, noch unberichtigt statt Peintre) du Roy /
Ce tableau est dans le Cabinet de sa M. il la 16 piedz de hault sur 21. pi 5 pou. de long.

SIC VIRTVS EVEHIT ARDENS.
Alexander Babilonem sibi deditam triumphali curru sublimis inter GoyTon (punktiert) /
Ciuium acclamationes, et Concentus ingreditur
........ (an der rechten unteren Bildecke)

Æri incisus per Ger. Audran ex tabula Car. le Brun Reg. Pictor. Primarij
asseruatâ in Pinacothecâ Regiâ 16 pedes alta et 21 p. et 5 poll lata.

Nach kampfloser Übergabe der prächtigen , der gewaltigen Stadt .
Alexander’s triumphaler Einzug in Babylon ,
dem „Thor Gottes … auf beiden Seiten des Euphrat … viermal (größer) als London (1888) und ward von einer 200 Ellen hohen und 50 Ellen dicken Mauer mit 250 Thürmen und 100 ehernen Thoren umschlossen“ (Meyer, s. u., II, 204).

Stehend in silberplattiertem zweirädrigen Triumphwagen. Seitenansicht mit einem der zugehörigen zwei reich geschmückten Zug-Elefanten aus der Dareios-Beute bei Arbela (siehe unten). Vorn Schatzträger und Event aller Art. Zurückgesetzt Babylons berühmte hängende Gärten.

„ Darstellend den Krönungs-Augenblick der Persien-Campagne ,
als der Welt-Eroberer die Huldigung der alten Stadt empfing ,

manifestiert das Gemälde
die zwangsläufige Erhöhung tugendhaften Königtums, die triumphale Apotheose “
(Posner, s. u., 241 f.).

Nagler (II) macht vorsorglich darauf aufmerksam, daß sich Le Brun für dieses wie für Edelinck’s Blatt, s. u., einer Drittvorlage bedient haben könnte, nämlich

„ Es existirt ein Achat , der die zwei schönsten Darstellungen enthält , nämlich das Zelt des Darius und Alexanders Einzug in Babylon. Diese Darstellungen hat (Le Brun) fast ohne alle Veränderungen beibehalten. Der Achat wurde 1749 zuerst durch einen gelungenen Kupferstich von S. Kleiner bekannt. Der Kupferstich führt die Aufschrift: Achates orientales ruber, insculptas referens icones praecip. Alexandri M. ducum et rerum gestarum. Diesen Stein erklärten Mariette (Kunsthändler-, Verleger- + Stecherfamilie in Paris, 17./18. Jhdt.) und Andere für antik. Einige aber zweifeln an der Antiquität desselben. Der jetzige Besitzer ist uns unbekannt. “

„ Audran malte gleichsam mit der Nadel und dem Grabstichel ,

und diese Instrumente erhielten in seiner Hand eine solche Leichtigkeit ,

die nur mit dem Pinsel zu erreichen ist .

Seine Stiche haben einen Reiz , und eine Ueberlegung , die man in andern Werken nicht finden kann … Modelle des besten Styls , reiche Vorbilder für jeden historischen Stecher .“

So Nagler 1835 in Vorwegnahme von Thieme-Becker 1908: „Gérard ist das berühmteste Glied dieser Kupferstecher-Familie ,

vielleicht einer der größten aller Stecher ,

die Gemälde reproduziert haben. – Vor seiner Abreise nach Rom

– vergleichbar 100 Jahre zuvor Cornelis Cort: „Alle genannten frühen Arbeiten … lassen kaum den großartigen Künstler ahnen, der kurz darauf in Italien seine für eine ganze Generation von Stechern vorbildlichen Werke schuf … Die plötzliche Wandlung ins Großartige … “, Th.-B. VII (1912), 475 ff. –

1666 sind wenige Werke Gérards erwähnenswert … die(se) Arbeit(en sind) breit, aber noch weit entfernt von der

malerischen und grandiosen Wirkung der ‚Batailles d’Alexandre‘ …

Man kann sich kaum schönere Kupferstiche vorstellen …

Nicht allein die Zeichnung des Malers ist genau wiedergegeben, sondern auch die Wirkungen sind wunderbar genau hervorgebracht. Die Arbeiten sind je nach dem wiederzugebenden Sujet verschiedenartig ausgeführt. Das Scheidewasser (Radierung) und der Grabstichel (Kupferstich) werden gleichzeitig angewendet.“

Und 1992 im AKL

„ Es sind unbestritten A.s Hauptwerke. Die Exaktheit der Zeichnung , der Reichtum der Töne , erzielt durch eine neue , subtile Mischtechnik von Radierung und Stich sowie die außerordentliche Größe der Arbeiten , machen sie zu

Monumenten der Geschichte der Druckgraphik .

Sie brachten ihm berechtigten Ruhm und mehr als 12000 livres ein. “

Zustand

Namentlich im 7 cm Text-/Papier-Unterfeld störend stark gebräunt/wasserrandig. Weniger stark gebräunt die drei übrigen weißen Seitenränder. Rechte Blatthälfte einheitlicher schwächerer Bräunungston, linke relativ frisch. Falznaht leicht knitterig. Unter Gewichtung frühen Goyton-Zustands und genereller Seltenheit gesamthaft noch durchaus hinnehmbar.

Die Überquerung des Granikos
Mai 334 v. Chr.

1672 – 4 Blatt auf 3 Platten im Bildsinn – 71,5 x 138 cm
(ein anderweitiges hiesiges Exemplar 139,9 cm messend, gleichwohl praktisch keine Abdeckungen)
Auflagenkennung: 700 Abzüge. – Oben 1,2-2 cm, unten 2,3-3,5 cm, Seiten 5,5 cm breitrandig.

(1662/65 – 4,70 x 12,09 m – G. SS. 208-213)

Bezeichnet
Gir. Audran sculps. 1672.
(links im unteren Bildrand) + im Schriftfeld
....... Graué par Gir. Audran sur le tableau de Mr. le Brun premier Pintre (sic, noch unberichtigt statt Peintre) du Roy GoyTon (punktiert) /
Ce tableau est dans le Cabinet de sa Mate. il a 16 pieds de hault sur 30 pieds de long.

LA VERTV SVRMONTE TOVT OBSTACLE.
Alexandre ayant passé le Granique, attaque les Perses a forces inegales, /
et met en fuitte leur innombrable multitude

VIRTVS OMNI OBICE MAIOR
Alexander superato Granico, Persas imparibus copijs aggreditur, /
eorumque innumerabilem exercitum fundit

Æri incisus per Ger. Audran ex tabula Car. le Brun Reg. Pictor. Primarij ....... /
asseruatâ in Pinacothecâ Regiâ 16 pedes alta et 30 pedes lata. Goyton (punktiert)

Die erste Großschlacht des Alexanderzuges .

„Granikos, antiker Name eines Flusses der Landschaft Troas in Nordwest=Kleinasien
An demselben erfocht … Alexander d. Gr. seinen ersten Sieg über die Perser
… unweit Priapos (jetzt Karaboa) … Noch im Flusse selbst begann das mörderische Reitergefecht “
(Meyers Konv.-Lex., s. u., VII, 616 + I, 317).

Wobei Alexander dem Kriegsrat des Thucydides folgte:
„ Siegen wird der Angreifer. “

Erwartet wurde er vom Heer des neuen + letzten Perserkönigs Dareios III. unter dessen rhodesischen General Memnon, der ihm später im Jahr in Halicarnassos noch einmal erbitterten Widerstand leisten sollte. Hier denn entgeht Alexander auf seinem von Jugend auf gerittenen Bukephalos zunächst nur knapp dem tödlichen Schwertschlag eines Persers hinter ihm dank noch rechtzeitigen Dreinschlagens seitens Cleitus’, des Sohnes seiner Kinderfrau. „ Weiter rechts trägt ein behelmter griechischer Krieger einen der silbernen Schilde der speziellen Leibgarde Alexander’s, den ARGYRASPIDES, die unter dem Namen des Schildes bekannt waren. “

Zur Linken bläst einer bereits die Siegestrompete .

Auf daß die Leinwand die ganze Geschichte erzähle.

„ Auch ist es wert, im Gedächtnis zu behalten, daß es Le Brun’s spezielles Ziel war,
durch Schilderung eines triumphierenden Alexander
Ludwig XIV. in der Rolle des Siegers zu porträtieren. “

Zustand

Noch stark schwärzend. – Horizontaler Mittelfalz-Einriß rechts bis zur Plattenkante vorsorglich noch wenige cm darüberhinaus alt hinterlegt. Solchermaßen ebenso zwei Unterrand-Einrisse. Verschiedene Rand-Kleineinrisse säurefrei neu versorgt. Die weißen Ränder generell leicht altersspurig. Die der rechten Platte incl. Textfeld relativ schwach stockfleckig/gebräunt als von verso durchscheinend. Diese rückseitige allgemeine schwache, nur unten stärkere Stockfleckigkeit/Bräunung im Bilde selbst nicht bemerkbar. Ähnlich das linke Plattenstück, doch insgesamt verso verbreiteter und auch stärker mit der bildseitigen Optik eines etwas altersspurigen Wolkenfeldes.

Das herrliche Hell-Dunkel in seinem rechten Zweidrittel dank der dortigen großen dunkleren bis schwarzen Partien geradezu grandios leuchtend .

Die Familie des Dareios vor Alexander
November 333 v. Chr.

Ca. 1671 – Druck von 2 Platten im Gegensinn – 69,5 x 90,2 cm
Auflagenkennung: 900 Abzüge. – Oben + unten 1,5-2,8 cm, Seiten 2-2,3 cm breitrandig.

(1661/62 – 2,98 x 4,53 m – G. SS. 196-201)

Bezeichnet
C. le Brun Pinxit / G. Edelinck sculpsit
Il est d’vn Roy de ce vaincre soy mesme
Alexandre, ayant vaincu Darius prez la ville d’Isse entre dans vne tente ou estoient la Mere la femme et / les filles de Darius, ou il donne vn exemple singulier de retenüe et de clemence GoyTon (punktiert)

Graué par le Sr. Edelinck d’apres le tableau qu’en afaict Mr. le Brun premier peintre du Roy.
et que sa Ma. prenoit plaisir de luy voir peindre a fontainebleau en lannée 1661

Sui victoria indicat Regem
Alexander, Dario ad Issum victo tabernaculum Reginarum ingreditur, vbi singulare / clementiæ ac continentiæ præbet exemplum / GoyTon (punktiert) ......... /

Æri incidit Gerardus Edelinck adtabulam Caroli le Brun Regij Pictoris primarij,
quem, illam pingentem Rex videre delectabatur apud fontem bellaquæum anno. 1661.

Am Morgen nach der Schlacht 333 bei Issos
Alexander , der Familie des geflohenen Perserkönigs Dareios seine Aufwartung machend

„ Berühmtes Hauptblatt “

(Wurzbach 1906)

„ … hat Edelink hierin seine ganze Kunst erschöpft “

(Nagler 1837)

„ Dieses Gemälde , erstes in der Alexander-Serie ,

war das berühmteste während Le Brun’s Lebzeit …

es war die Kraft dieses Bildes ,
daß Le Brun zum Ersten Maler Ludwigs XIV. berufen wurde .“

Wiedergegeben ist der gemeinsame Besuch Alexander’s und seines Vertrauten Hephaestion, den die Damen mit dem König verwechseln, am Morgen nach der legendär-berühmten Schlacht Drei/Drei/Drei …. Es ist das heutige Erzün. Der zu dieser Zeit noch jugendlich unbekümmerte König nahm das Versehen im übrigen gelassen souverän mit den Worten „denn dieser Mann ist auch Alexander“ (Quintus Curtius).

Mit des Siegers Alexander von letzterem nach alten Erzählungen überliefertem Auftreten gegenüber den Damen, mit seinem ihnen erwiesenen Respekt, seinem ritterlich selbstbeherrschten und damit königlichen Verhalten gegenüber der tugendhaften Schönheit der beiden Töchter, entsprach Le Brun so ganz den Erwartungen seines galanten Hofes.

„ Im Grand Siècle wurde die Geschichte in neuem Licht gesehen und die bildhaften Akzente, die LeBrun seinem Bild gab, waren einzigartig in der Geschichte dieses Auftritts … Die dramatische Betonung des Bildes liegt solchermaßen ganz auf Alexander’s Pose gegenüber den schönen und reinen Frauen, auf seiner Geste galanter Freundlichkeitt … Durch Illustrierung dieses ‚ehrenhaften und fürstlichen Handelns‘, wie Plutarch es nennt, machte LeBrun sein Bild zu einer Lektion in formgerechter Ritterlichkeit, in der Ethik von Königtum.

Alexander’s exemplarisches Verhalten bei dieser Gelegenheit scheint den 17. Jahrhundert-Franzosen so beeindruckt zu haben, daß Félibien, der das Bild ausführlich in einem 1663 publizierten Essay besprach, des Mazedonier’s Handeln ‚une des plus Glorieuse qu’Alexandre ait jamais Faites‘ nennen konnte. Es war glorios, weil es nur möglich war durch ‚se Surmontant Soy-Même … , le Vainqueur de toutes les Nations‘ “

(Posner, s. u., 240 f., bezüglich Félibien’s anmerkend, daß dieser Essay Les reines de Perse aux pieds d’Alexandre vor Ablauf des Jahrhunderts bezeichnenderweise noch drei weitere Male erschien, dann, in englisch-frz. Fassung, 1703 in London). – Dies denn auch der Tenor des Untertextes des Blattes.

Und das war diesem Besuch vorausgegangen :

„ Inzwischen hatte der Perserkönig 5-600,000 Mann, darunter 100,000 wohlbewaffnete asiatische Fußsoldaten und 30,000 griechische Söldner aufgeboten. A. zog am Meeresstrand entlang über Mallos und Issos nach der Stadt Myriandros; Dareios aber, statt A. in der weiten, der Reiterei günstigen Ebene von Sochoi zu erwarten, ging ihm durch die armanischen Gebirgspässe entgegen, durch die man Alexanders Anmarsch erwartete, und gelangte so, ohne auf die Makedonier zu stoßen, in deren Rücken in die enge Ebene von Issos. Sofort kehrte A. um und traf einige Meilen südöstlich von Issos, in dem engen, unebenen Thal des Flusses Pinaros, die halbe Million Asiaten in einen kleinen Raum zusammengepreßt. Den Vorteil des Augenblicks erkennend, griff A. sofort an: er selbst warf sich auf das Zentrum der persischen Schlachtordnung, wo der (hier erstmals mit Alexander zusammentreffende) Großkönig stand, und nach einem hitzigen Handgemenge … ergriff dieser die Flucht, in welche allmählich auch das übrige Heer mit fortgerissen wurde (November 333) … Das ganze persische Lager mit ungeheuern Schätzen ward Alexanders Beute; selbst Dareios’ Mutter Sisygambis, seine Gemahlin Stateira und seine Kinder wurden gefangen “

(Meyers, s. u., I, 317).

Zweifellos das berühmteste Lehrbeispiel

falscher + richtiger Strategie .

Das und sehr viel Fundamentales mehr vermag die Beschäftigung mit Historie, Kunst + Kultur der Alten zu vermitteln. Pfahlwurzler sind Flachköpfen auf Dauer überlegen. Und geistig beweglicher, und damit gesund-langlebiger, sind sie ohnehin. Auf Le Brun bezogen, schrieb denn auch Wille schon 1756 an einen Sammler „Die Wohlthaten dieses Königes

brachten seinen Geist in Bewegung , in Glück ;

Er erhub sich, so zu sagen, über sich selbst“ (s. u., S. 152).

Bezeichnend denn auch, daß Alexander der Große sich seit jeher besonderer Zuwendung erfolgreicher Wirtschaftsführer erfreut und namentlich angelsächsische Autoren Le Brun’s eigentlich unter Les Batailles d’Alexandre firmierende Botschaft längst auf den Punkt gebracht haben und von

„ The Triumphs of Alexander “

sprechen. Denn, so Donald Posner,

„ In der Literatur sind die Gemälde unterschiedlich geführt als Historie, Triumphe, oder häufiger Schlachten Alexander’s. Indes wird im Verlauf dieses Artikels klar werden, daß Triumphe deren Inhalt am treffendsten ausdrücken. “

Und, so Jeremy Block 2004/05, schon Napoleon habe sich gewünscht, per Marsch gegen Indien explicit diese zu wiederholen.

Konzipiert hatte Le Brun zunächst nur drei Bilder: die Granikos-Querung als dominantes Mittelstück, flankiert von den kleineren des Zelt-Besuches und des Babylon-Einzugs. Daß ihn das Thema dann tatsächlich

„ acht Jahre oder mehr beschäftigen würde, hatten weder LeBrun noch Ludwig XIV. erwartet … Aber die für die Generation LeBrun’s so wichtigen Interessen hinsichtlich historischer Vollständigkeit und Sorgfalt führten wahrscheinlich zu der Entscheidung, die Schilderung des persischen Feldzuges durch Hinzufügung zweier weiterer Bilder auszuweiten. Als am Ende ausgeführt illustrierte indessen nur eines der beiden, die Schlacht von Arbela, die persische Geschichte. Das andere, Poros’ Niederlage, repräsentiert den Höhpunkt der späteren Campagne in Indien … Die(se) zwei Schlußbilder praktisch identischen Formats, aber größer als die anderen, erscheinen als eine separate oder zweite Abteilung der Serie, widerspiegelnd ihr Entstehen als spätere Hinzufügung. “

So Posner, SS. 239 bzw. 243 f., zugleich anmerkend, daß anstelle des Poros-Themas eigentlich und auch als sinnvoller der Tod des Dareios als Abschluß vorgesehen war, wozu auch eine Zeichnung im Louvre existiert, die interessanterweise nicht nur von Poros-Format ist, sondern vor allem auch figürliche Übereinstimmungen bis hin zum von hinten gesehenen berittenen Alexander aufweist. Der Reiz des neuen Objektes habe aber letztlich darin gelegen, von der Kunst bisher unbeachtet geblieben zu sein.

So wie fünfzig Jahre später der 25jährige Ridinger mit unpubliziert gebliebener großformatiger Zeichnung der Umkehrentscheidung am Hyphasis im Herbst gleichen Jahres zu ihrem künstlerischen Debüt verhelfen sollte, nachdem er zum Le Brun’schen Alexanderzug schon die so importanten Stationen der Belagerung und Einnahme von Halicarnassos (334) und der Ersten Tigris-Querung (331) nachgetragen hatte.

Zustand

Unbeschadet der starken, sich im Textfeld und weißem Rand auch bildseits stark bemerkbar machender rückseitiger Bräunung von im Grunde sehr schönem Gesamteindruck nicht zuletzt bezüglich des Hell-Dunkels. Kurz, die Optik des Bildes selbst zwar bedingt getönt bräunlich, doch dies ganz gleichmäßig. Damit aber sichtbar schöner als das Babylon-Blatt.

Die Entscheidungs-Schlacht von Arbela
1. Oktober 331 v. Chr.

1674 – Druck von 4 Platten im Bildsinn – 71,2-71,7 x 159,2 cm
Auflagenkennung: 700 Abzüge. – Oben 0,8-1,7 cm, unten 2,5-3 cm, links 6,2-7,5 cm, rechts 9-9,5 cm breitrandig.

(Ca. 1666/68 – 4,70 x 12,65 m – G. SS. 214-219)

Bezeichnet
Gir. Audran sculps. 1674.
(links im unteren Bildrand) + im Schriftfeld
....... Graué par Gir. Audran sur le tableau de Mr. le Brun
premier Pintre (sic, noch unberichtigt statt Peintre) du Roy. /
....... ce tableau est dans le Cabinet de sa Mate. il a 16 piedz de hault sur 39. pi. 5. pou. de long.

LA VERTV EST DIGNE DE LEMPIRE DV MONDE.
Goyton (punktiert) /
Alexandre apres plusieurs Victoires deffit Darius dans la bataille qu’il donna pres d’Arbelle
et ce dernier combat / ayant acheué de renuerser le throsne des Perses tout l’Orient fut soumis a la puissance des Macedoniens

DIGNA ORBIS IMPERIO VIRTVS.
Post multas Victorias virtute sua partas vltimo ad Arbelam prælio Darium fugat Alexander eaque / clade funditus euerso Persarum solio totus Oriens in potestatem Macedonici cessit imperij

Æri incisus per Ger. Audran ex tabula Car. le Brun Reg. Pictor. Primarij /
asseruatâ in Pinacothecâ Regiâ 16 pedes alta et 39 p. et 5. poll. lata. GoyTon (punktiert) .......

Unten im Plattenrand rechts außen in Drucklettern wiederholt: GOYTON

Die erste der beiden entscheidenden Schlachten zur Eroberung Asiens ,

hier den persischen , 5 Jahre später am Hydaspes – siehe unten – den indischen Feldzug betreffend .

„ Erst bei Gaugamela, unweit von Arbela, traf (Alexander) im Herbst 331 auf den Feind. Dort kam es 1. Okt. zur Entscheidungsschlacht. Schon war Parmenions Flügel durchbrochen, die Perser standen im makedonischen Lager, da errang A., mit der Phalanx das feindliche Zentrum durchbrechend, den Sieg. In Arbela, bis wohin A. mit der Reiterei den Feind rastlos verfolgte, fielen den Siegern der königliche Schatz, alles Feldgerät und zum zweitenmal (nach Issos, siehe oben per Edelinck) des Königs Waffen in die Hände. Dareios selbst entkam mit 8000 Mann nach Ekbatana, während Ariobarzanes mit 25.000 sich nach Persis warf; die übrigen Satrapen zerstreuten sich oder gingen zu A. über. Dem Perserreich war der Todesstoß gegeben. Babylon ergab sich … (siehe oben) “

(Meyers Konv.-Lex., s. u., I, 318).

Über dem Kopfe Alexander’s der Siegesadler , Zeus’ Vogel

letzteren Sohn zu sein Alexander sich schließlich ausgab, wie gleich andere durchaus „vom Volkstum in einem ganz bestimmten Sinn als solche(r) empfunden“ (Spengler).

Zustand

Praktisch bestens

Prachtvoller Druck , wundervoll in seinem ganz gleichmäßigen Hell-Dunkel .

Am Hydaspes — Alexander und Poros
Mai 326 v. Chr.

1678 – Druck von 4 Platten im Bildsinn – 70,3-70,7 x 158,5 cm
Auflagenkennung: 800 Abzüge. – Oben + unten 1,9-3,1 cm, Seiten 8,8-9,1 cm breitrandig.

(Ca. 1666/68 – 4,70 x 12,64 m – G. SS. 220-225)

Bezeichnet
Ger. Audran sculp. 1678.
(rechts im unteren Bildrand) + im Schriftfeld
Goyton (gepunktet, spiegelbildlich) /
Graué par Gir. Audran sur le tableau de Mr. le Brun premier Peintre du Roy. /
ce tableau est dans le Cabinet de sa Mte il a 16 piedz de hault sur 39. pi. 5. pou. de long.

LA VERTV PLAIST QVOY QVE VAINCVE
Alexandre n’est pas seulement touché de compassion en voyant la grandeur d’ame du Roy Porus qu’il a vaincu, et / fait son prisonnier, mais il luy donne des marques honorables de son estime en le receuant au nombre de ses amis, / et en luy donnant en suitte vn plus grand Royaume que celuy qu’il auoit perdu

SIC VIRTVS ET VICTA PLACET
Pori Regis victi, captique magnanimitatem non misericordia modo, sed honore prosequitur /
Alexander, Illumque in amicorum numerum recipit, mox donat ampliore regno /
Goyton (rechts außen spiegelbildlich gepunktet) ........ (am rechten Rand)

Æri incisus per Ger. Audran ex tabula Car. le Brun Reg. Pictor. Primarij /
asseruatâ in Pinacothecâ Regiâ 16 pedes alta et 39 p. et 5. poll. lata.

Die letzte vorwärtsgerichtete Großschlacht ,
nach Arbela – siehe oben – die zweite der der Eroberung Asiens gewidmeten beiden , als nach Posner
„ die vermutlich erste Darstellung des Poros-Themas
in der Kunstgeschichte “

wie denn seinerseits Ridinger mit seiner nicht im Stich veröffentlichten 1723er zeichnerischen Momentaufnahme vom welthistorischen Herbst 326 am Hyphasis in Indien – siehe oben – vermutlich

die kunstgeschichtlich erste Darstellung

der welthistorischen Umkehrentscheidung

geliefert hat. Hier denn nun

Alexander zu dem geschlagenen tapferen greisen Poros :

„ Wie wünschest Du behandelt zu werden ? “

„ Wie ein König .“

„ Bewegt von der Würde dieser Worte, machte er von diesem Moment an einen Freund aus seinem Feind. Solche Generosität zu gewähren konnte er sich leisten, seitdem er

‚Herr der Welt war ,
gerade so wie es das Orakel von Zeus-Ammon vorhergesagt hatte‘ …

Im Hintergrund ganz rechts eine goldene Statue des (Herakles). Le Brun hat uns mit Bedacht daran erinnert, daß das Treffen im indischen Camp stattfand, denn es ist bekannt, daß östliche Völker eine Gewohnheit hatten, (Herakles)-Bilder als Zeichen des Sieges auf das Schlachtfeld zu bringen. Ausgedehnt zurückgesetzt indische Zelte. “

(„Die Sagen von einem indischen Herakles, d. h. von einem H., der bis nach Indien vorgedrungen sei, tragen das Gepräge des später dorthin gedrungenen griechischen Mythus“, Meyers, a. a. O., VIII, 397/II.)

„ Dreißig Tage verweilte A. noch am Hydaspes unter Opfern und Spielen , gründete auch zwei Städte , Bukephala (für sein in der Schlacht gebliebenes Leibroß) … und Nikäa … Unaufgehalten erreichte das Heer (nach Tsouras im Juli) die Ufer des Hyphasis “
(Meyers, a. a. O., I, 319).

Nicht ohne Grund erschienen Nagler, wie oben zitiert, die beiden zivilen Szenerien, der Besuch im Zelt des Dareios + der Einzug in Babylon, als die schönsten Bilder des Zyklus. Dennoch stehe ich nicht an, in hiesiger den Schlußakkord bildenden Arbeit den durchaus auch bildlichen Höhepunkt des Ganzen zu sehen. Die Schilderung der Zuwendung des Siegers, hinter Alexander wieder Hephaestion, gegenüber dem verwundet auf einer Bahre vor ihm liegenden Gegner – ein von rechts kommender Wagen wird diesen gleich aufnehmen – atmet, von auch im Kupfer beobachteter herrlicher Beleuchtung unterstützt,

Größe eigenen Stils.

Widergespiegelt von der dreiviertel des Bildes mitbestimmenden zurückgesetzten Landschaft mit ihrem in wundervolles Licht getauchten Horizont. Poros’ Land wird größer sein als zuvor. Seine verstreut liegenden Elefanten sind nicht vergebens gefallen.

Zustand

Verschiedene säurefrei hinterlegte kleine Randeinrisse, der weiße Rand denn auch partiell unwesentlich altersfleckig/angeschmuddelt. Einige geglättete längere Fältchen im rechten breiten weißen Außenrand außerhalb des weißen Plattenrandes.

Druck von unsagbar letzter Schönheit , unübertroffen widerspiegelnd „die kraftvolle Lichtwirkung Audrans“ , der Thieme-Becker vergleichend im Artikel Baudet gedenken (s. o. zu B/1 ).

Literatur

Michel Gareau

in Zusammenarbeit mit Lydia Beauvais
Chargée de mission (LE BRUN project), cabinet des dessins de Louvre

Charles Le Brun. First Painter to King Louis XIV

New York, Abrams, 1992

(soweit nicht anders vermerkt, entstammen Zitate dieser Quelle)

Donald Posner

Charles LeBrun’s Triumphs of Alexander

The Art Bulletin XLI (1959), no. 3, 237 ff.

Wilhelm Weigand (Hrsg.)

Der Hof Ludwigs XIV.

Nach den Denkwürdigkeiten des Herzogs von Saint-Simon
3. Auflage. Leipzig, Insel-Verlag, 1925

E. Décultot, M. Espagne + M. Werner (Hrsg.)

Johann Georg Wille (1715-1808). Briefwechsel

Tübingen, Niemeyer, 1999

AKL V (1992), Audran

„Das Œuvre von A. umfaßt kaum mehr als 200 Stiche, eigentl. wenig,
wenn nicht eine Reihe außergewöhnlicher Formate wären .
Es gibt, ungeachtet der Bemühungen von Robert-Dumesnil, 1865 (für hier dessen 57-60) ,
Meyer, 1878, Audin/Vial, 1918, und R.-A. Weigert, 1939,
noch immer keinen ernsthaften Œuvrekatalog von A.“

Thieme-Becker (1908 ff.)

XXII (Le Brun) , II (Audran) + X (Edelinck)

R. Weigel’s Kunstkatalog

Abt. I (1838), 557

„ Die berühmten Schlachten Alexander des Grossen …
In 5 (zusammengefügten) Blättern im grössten qu. Imp. fol.
Erste Abdrücke mit – wie hier – der Adresse des Königl. Drucker Goyton . “

Nagler (1835 ff.)

I (Audran)

„ Sie bestehen aus 13 großen Platten und sind in ersten Abdrücken
– wie hier – mit der Adresse von Goydon “

„ … hat G. Audran meisterhaft gestochen
und dabei selbst nicht wenig zum Ruhme Le Brun’s beigetragen ,
denn Audran verbesserte oft die Unrichtigkeiten der Zeichnung des Originals “ (II)

II (Le Brun)

„ Auf den Gipfel des Ruhmes erhoben ihn aber seine Alexander-Schlachten “

IV (Edelinck)

„ in zwei Platten und im ersten Drucke
– wie hier – mit Goyton’s Namen “

„ … hat Edelink hierin seine ganze Kunst erschöpft “ (II)

Meyers Konversations-Lexikon

4. Auflage, 1888/90

Soweit die autorisierte grandiose Alexander-Suite im Auftrage Ludwigs XIV. von

Le Brun’s gigantischem Gemälde-Zyklus
auf Leinwänden zwischen 2,98-4,7 x 4,53-12,65 m

aus den Jahren 1661-1668 als einer jener Verewigungen Ludwigs XIV., für die dessen 1. Minister Colbert „keine Ausgabe zu groß war, wenn der Ruhm, la gloire, des Königs in Frage kam“. Hier denn der Sonnenkönig in gedachter Gestalt „Alexanders des Großen als Schlachtenmeister“. Dessen persönliche Ausstrahlung die Künstler allerdings in der Tat zu beflügeln vermochte. So meinte 1665 vor Ort der die Porträt-Büste schaffende große Bernini – „Besonders als Porträtist ist (dieser) um der außerordentlichen Fähigkeit willen, das Individuelle der Person wiederzugeben, der bewundertste Meister seiner Zeit gewesen“ (Thieme-Becker) – „der König habe einen Alexanderkopf“. Mit dem Ergebnis, daß „Die großartige Büste des jungen Königs … das selbstbewußte Wesen des Herrschers in unvergleichlicher Weise wieder(gibt): es ist etwas Jupiterhaftes, das aus den heitern Zügen des Monarchen spricht“ (jeweils Weigand, SS. 59, 152, 43). Und so war denn auch anstehenden Falles

„ schlußendlicher Konsens

daß niemand anders als Le Brun

Die Schlachten hätte kreieren können “.

Jene Höhepunkte des Handelns eines Mannes also, dessen Name allein schon Programm ist. „Alexandros … der ‚Männerbeschützende‘, griech. Mannesname“. Hier denn „der Große“ (356-323 v. Chr.),

„ der größte Eroberer aller Zeiten, Sohn des Königs Philipp und der Olympias … Sein erster Erzieher war Leonidas … dann von seinem 13. Jahr ab der berühmte Philosoph Aristoteles. Diesem gebührt der Ruhm, in dem leidenschaftlichen Knaben den Gedanken der Größe, jene Hoheit und Strenge des Denkens geweckt zu haben, die seine Leidenschaften adelte und seiner Kraft Maß und Bewußtsein gab. A. bewies seinem Lehrer stets die innigste Verehrung; er sagte oft, seinem Vater danke er nur sein Leben, seinem Lehrer, daß er würdig lebe … A. wurde schon bei Lebzeiten durch die bildende Kunst verherrlicht wie kein Held des Alterthums vor ihm “

(Meyers, a. a. O., I, 316 ff.).

Wie es schon die Vorstellung Le Brun’s war ,

daß niemand anders als Audran

(und Edelinck) die absolute Wiedergabe in Kupfer würden meistern können .

Sprich , Die Triumphe Alexanders des Großen , als

„ ein wundervoller Rausch , ein Traum ,

in dem das homerische Zeitalter

noch einmal heraufbeschworen wurde “

( Oswald Spengler zum Alexanderzug )

„ (Und so) hatten (Alexander’s) großartigen Eroberungen die Folge, daß Vorderasien der griechischen Kultur erschlossen wurde und sich mit der griechischen Welt verschmolz, und daß aus dieser Verschmelzung

die Kulturperiode des Hellenismus hervorging “

so Meyers, a. a. O., 319/II. Oder in Heiner Borggrefes Formulierung im von ihm mitherausgegebenen Braker/Antwerpener Ausstellungskatalog Hans Vredeman de Vries und die Renaissance im Norden (München 2002, Kat.-Nr. 146, Seite 306)

„ So wie Alexander der Große seine Überwindung der Perser und Inder damit begründet hatte, daß die Zivilisation die Barbarei überwinden müsse …“

Letzteres nicht einer gehörigen Portion Ironie entbehrt. Denn der im Herbst 326 am Hyphasis von den eigenen Truppen erzwungene und von Alexander letztlich akzeptierte Abbruch des indischen Feldzuges ist vor allem auch als geistige Kapitulation zu verstehen und damit als

ein unerhört zivilisatorischer Moment schlechthin

zu würdigen. Dessen psychologische Größe sechzig Jahre später den gerade 25jährigen Ridinger zu einer als seiner eigenen Zeit weit vorausgreifend unveröffentlicht gebliebenen Zeichnung inspirierte, mit der er das bisherige Historienbild von der Darstellung heldenhafter Taten zur Reflexion über dieselben zwei Generationen vor Jacques Louis David fortentwickelte. Das indes war aber eben noch nicht die Sicht der Zeit Le Brun’s. Und so hat dieser

„ also die (Triumphe) Alexander’s , und diese haben ihn verewigt “

(Nagler II). Doch deren und dessen tatsächliche Unsterblichkeit begründeten erst die die graphische Folge bildenden vier Arbeiten Audran’s in Gemeinschaft mit der Edelinck’s dank ihres Vermögens, den Ruhm breiter nach- und miterlebbar zu machen. Verschiedentlich aufgelegt, waren sie doch schon hundert Jahre später selbst in Paris rar geworden, obgleich sich im Le Brun’schen Nachlaß selbst noch ein guter Bestand für Dedikationszwecke befunden haben soll. Und so heißt es in 1762er Brief Willes aus Paris an den Ältesten (Johann Martin, 1738-1790) der Schweizer Großsammler Usteri denn auch unter anderem:

„ Die großen Schlachten des Alexanders ,

nach Le Brun , von G. Audran gestochen ,

sind immer theur ;

wann die Abdrücke … herrlich sind .“

Und sieben Monate später, am 24. Juli 1763 : „Jezzo aber habe ich das vergnügen Ihnen zu melden … Diese folge bestehet in 15 stücken (war also nicht zusammengesetzt).

die abdrücke sind von den besten ,

nehmlich von dem berühmten Kupferdrucker Goyton

dessen nahmen so drauf gepickt stehet: Goyton

und so muß man sie haben wann sie gut seyn sollen “

(a. a. O. SS. 283 + 302 f.).

Und eben so liegen sie denn hier vor.

Aber, wohlgemerkt, zusammengesetzt! Denn Wille’s Weiterem gegenüber Usteri, man solle sie unzusammengesetzt besitzen, ist als dem auf Grandeur gerichteten Geist des Ganzen zuwider nicht zu folgen. In solchem Zustand verharrt der Betrachter auf der Talsohle eines Werkes im Werden, irritiert obendrein von teils schlangenförmigen, der innerbildlichen Gestaltung bis hin zu einem rausragenden Fuß folgenden Abschlüssen. Verdeutlichend einmal mehr die allein schon technische Beanspruchung einer Übertragung ins Kupfer :

„ … welche Zeit hat es nicht gekostet, die Zeichnungen in Kupfer zu bringen! … Man betrachte nur: Alle Zeichnungen sind durch den Spiegel in Kupfer gegraben. Sie wissen, was dieses allein zu bedeuten hat “

so der Praktiker Wille per anderer Arbeiten und Gelegenheit (a. a. O. S. 152).

Im übrigen nicht zu verwechseln mit der kleinformatigen Wiederholung des Benoit I Audran (1661-1721), Neffe + Schüler des großen Girard, von J. Guibert in Thieme-Becker bei aller Anerkenntnis assimilierenden Sichannäherns verrissen mit den Worten: „… genügt es, die großen Kupferstiche Gérards nach Lebruns ‚les Batailles d’Alexandre‘ mit denselben von Benoit ausgeführten zu vergleichen. Das große, etwas theatralische aber sehr dekorative Gemälde Lebruns, so großzügig und malerisch von Gérard wiedergegeben, ist in der Benoitschen Wiedergabe ganz kleinlich und süßlich.“ – Die von Guibert per Benoit’s Bruder Jean als gleichfalls Schüler des Onkels vermerkte „mit Erfolg“ ausgeführte kleinere Wiederholung der Folge dürfte ein und dieselbe betreffen. Auch weitere Epigonen kopierten Girards Meisterwerke.

Und das denn der spiritus rector , Charles Le Brun

Grand Peintre du Grand Siècle

Erster Maler König Ludwigs XIV.

der ihn im Dezember 1662 mit den Worten nobilitierte :

„ Wir wünschen Sieur Le Brun, unserem Ersten Maler, ein Zeichen der Wertschätzung zu gewähren, die wir für ihn und für die Exzellenz seiner Werke empfinden, letztere, es ist weltumfassend bekannt, jene der berühmten Maler der letzten Jahrhunderte überstrahlen. “

Er war auf breitest gefächertem Felde der Kunst in der Tat der Papst des großen Jahrhunderts seines Landes und dessen in eine „weltgeschichtliche Machtrolle“ (Weigand) hineingewachsenen Sonnenkönigs, letzterer ihm bis zum Schluß in auch persönlicher Anteilnahme verbunden blieb. Schon dessen Vater hatte den gerade erst 19jährigen per öffentlicher Proklamation zum Maler Seiner Majestät König Ludwig XIII. erhoben. Und der von dem Jüngling als Vorbild bewunderte große Poussin äußerte gelegentlich dreier dessen ihm anonym gezeigter Arbeiten vorausahnend „So sie ein junger Mann gemacht hat, wird er eines Tages seinen Platz unter den großen Malern einnehmen“. Nicolas Poussin, dessen Stil und Technik er dann gelegentlich dreijährigen gemeinsamen Italien-Aufenthaltes studierte, war für ihn die einzige als künstlerisch übergeordnet akzeptierte Instanz. Beides schließlich Größen auf eigenem Feld. Jener überzeugter Italiener, heroischer Landschafter, dieser Pariser Nabel, die künstlerische Institution schlechthin. Bei enormem Fleiß und großer Sorgfalt in der Recherche. Bereit und kompetent, in seiner Person Ansprüche zu erfüllen, denen zu genügen es sonst mehrerer bedurft hätte. Will heißen: groß in Denken + Tun. Versehen mit der Anziehungskraft eines Magneten.

So drängte es den kölnstämmigen Banquier Everhard Jabach II , seit 1638 in Paris ansässig und noch 1691 einer der dortigen „fort banquiers“, vor allem aber väterlicherseits vor- und seinerseits auf Generationen weiterbelastender unersättlicher Sammler-Nimrod, der 1650 in London auf der Versteigerung des vom hingerichteten Karl I. hinterlassenen Kunstbesitzes ganze Königshäuser aus dem Felde schlug, sich ein für alle Mal aller Werke Le Brun’s zu versichern. Die da waren, und die da noch kommen sollten. Und bot diesem für das pure Erwerbsrecht allein 20 Pistolen (Goldmünze im Werte von lt. Meyer 1889 15.50 Mk.) pro Tag bei absoluter Schaffensfreiheit. Doch Le Brun lehnte ab. „Das Schicksal hielt noch ganz Anderes in peto für den großen Meister“. Immerhin malte er, neben van Dyck, das Familienbild des Dränglers. „Ein Kunstwerk ersten Ranges aber ist das viel bewunderte große Familiengemälde von Ch. Lebrun’s Hand“ (ADB XIII, 522), dessen die großen Reisenden bis hin zu Goethe gedachten und auf 1836er Versteigerung ans Kgl. Museum Berlin ging.

Mehr Glück hatte dagegen – fürs erste – der nicht weniger extravagante Finanzminister Nicolas Fouquet (1615-1680). Er träumte von einer neuen Residenz in Vaux bei Melun. Und er träumte groß. Zu groß auch für nur einen Ersten Maler. Gefragt war Kompetenz schlechthin für ein Gesamtkunstwerk. Eine Oberaufsicht von den Kunstwerken über die Gärten bis hin zu den Festivitäten. Und da gabs nur einen. Le Brun war „der perfekte Künstler, all diese gloriosen und triumphalen Werke zu creieren“. Bei aufgewogener Leistung in Gold. Neben luxuriöser Behausung für ihn und Mme. Le Brun, 12,000 Pfd. Pension zusätzlich zu regulärer Bezahlung jedes einzelnen geschaffenen Kunstwerkes. „Fouquet erteilte ihm die Aufgabe der Dekoration von Château Vaux-Le-Vicomte.“ Die Eröffnungsgala zu Ehren Ludwigs XIV. am 17. August 1661 war königlich. Orchestriert von Le Brun. Abschließend mit einem „verwirrend schönen Feuerwerk mit in den nächtlichen Himmel verwobenen L’s für Ludwig“. Das war zu viel für diesen. Zu königlich, ja, derzeit selbst noch zu kostspielig für diesen, der erst mit Mazarin’s Tod am 9. März des Jahres selbst zu herrschen begonnen hatte. Nur Königinmutter Anna, Infantin von Österreich, verhinderte die Verhaftung Fouquet’s noch gleichen Abends. Denn „es sei unkorrekt für einen Gast, den Gastgeber in seinem eigenen Hause zu arrestieren“. Ludwig holte es einige Wochen später unter dem Vorwurf seitens Colbert’s behaupteter Veruntreuungen und verräterischer Absichten nach. Der übermütige Bauherr starb 19 Jahre später in seiner Zelle in Pignerol. – Im Gegensatz zu Gareau wie auch Weigand (dieser übrigens mit 1686 als Fouquet’s Todesjahr) sieht Meyer VI (1889), 469 den Anlaß weniger prosaisch, vielmehr habe der Besuch den Verdächtigten in Sicherheit wiegen sollen. Auf jeden Fall verteidigte sich jener „mit außerordentlicher Geschicklichkeit und verstand es, sich als ‚Beute des Herrn Colbert‘ hinzustellen“ (Weigand 56).

„ Ironischerweise war es in Vaux, daß Ludwig XIV. erstmals Le Brun’s unglaubliches Genie gewahr wurde. Unmittelbar nach (Posner: vielleicht auch schon vorher?) Fouquet’s Verhaftung nahm der König Le Brun exclusiv in seine eigenen Dienste. Le Brun hatte bereits die Grundlage für den Stil gelegt, der zur Inspiration für den künftigen Palast des Sonnenkönigs in Versailles werden würde, den Stil, den wir heute als den Ludwigs XIV. kennen …

Es war das große Jahrhundert der Kunst .“

Repräsentiert von Molière, der für Vaux’s Gala ein Stück beigesteuert hatte, Racine, Lafontaine, der Le Brun’s Vaux-Orchestrierung verewigte, Corneille und – eben Le Brun. Letzterer seit 1661 in der Funktion des Ersten Malers, seit 1664 auch offiziell und zwischendurch schon nobilitiert, siehe oben.

„ L.s Bedeutung erschöpft sich nicht in seiner Leistung als genialer Dekorateur und

‚ grand peintre du grand siècle ‘,

sondern beruht auf der sämtl. Gebiete des Kunstgewerbes beherrschenden und maßgebend bestimmenden universellen Persönlichkeit, der die Kunst jener Epoche ihre großartige Einheitlichkeit verleiht u. L. geradezu zum Schöpfer des Stiles Louis XIV stempelt “

(Thieme-Becker).

„ Zwischen 1662 und 1668 stieg Le Brun zum Gipfel seines Ruhms auf …

Es war während dieser Periode, daß er (auf kgl. Anregung 1661 in Fontainebleau) eine Werkfolge der Geschichte Alexanders des Großen widmete, und er versäumte nicht die Gelegenheit, eine nachdrücklichere Beziehung zwischen der Großartigkeit Alexanders und der des großen Königs herzustellen … ‚In keinem Werke Le Brun’s ist mehr Weite und mehr Ausdruckskraft‘. In den Kämpfen sehen wir den reinsten Ausdruck von Le Brun’s eigenem Stil “

(so 1992 noch einmal Michel Gareau, wie auch fürs folgende) :

„ Sire , Sie sind wahrhaft glücklich , imstande zu sein , Ihren Pinsel zu führen , um solch einen schönen Ausdruck himmlischer Herrlichkeit zu schaffen .“

So der Prior Jean-Jacques Olier de Verneuil (1608-1657; Begründer der Kongregation der Sulpizianer nebst heute noch bestehendem Priesterseminar, legte 1649 den Grundstein der Église Saint-Sulpice), den Fortgang seines Auftrags bewundernd. Er könnte ebenso

die Herrlichkeit der Triumphe Alexander’s

gemeint haben.

Übertragen ins globale Wirtschaftsgeschehen unserer Tage mit ihren ins Maßlose ausgreifenden Eroberungen erweisen sie sich noch 2300 Jahre später als von geradezu jugendlichem Ansporn zu dem, was das Jahrhundert Louis XIV ausmachte : triomphe et gloire .

Beides als Einheit empfunden und als Selbstverständnis gelebt. Draußen + daheim. „Denn es liegt auf der Hand, daß

die Dekoration eines Hauses von profunder Wirkung ist auf jene , die darin leben ;

es beeinflußt ihr Fühlen und ihr Verhältnis zu andern und zu sich selbst .

Kurz , es ist eine Frage der Geisteshaltung

und Le Brun war in der Lage, sich in den Geist der großen Persönlichkeiten seines Jahrhunderts hineinzuversetzen.“

Und „hatte ein Maler seiner Zeit ein großer Künstler zu sein, so er wünschte, ein sehr guter Dekorateur zu sein“, so erfüllte Le Brun, wie an obigem Beispiel Vaux illustriert, diese Erwartung in letzter Einzigartigkeit. Denn er fühlte und dachte groß. Wie denn auch sein Lebensstil groß war. Dank Einnahmen

„ die ihn zum vermutlich reichsten Maler im Europa des 17. Jahrhunderts machten. Er besaß luxoriöse Residenzen in Paris und Versailles. Er lebte auf seinem eigenen Landsitz in Montmorency (wo fürstliche Besucher ihn mit ihrer privaten Visite beehrten). ‚Sie waren überrascht – so ein Bericht im Mercure Galant vom Juni 1679, ein Jahr nach Abschluß der gekupferten Triumph-Folge – so viele Wasserwege, Fontänen, Wasserfälle, Grotten und als Höchstes von allem den großen Kanal frontseits der Fassade seines Hauses nächst der Gärten zu sehen‘. Und weiterberichtend ‚von einem glücklichen Familienleben und einer perfekten Ehe‘. “

Die Orchestrierung des eigenen Lebens als Selbstverständnis .

Konnte also ein anderer als Le Brun die Schlachten, richtiger, die Triumphe Alexander’s feiern? Ein anderer als der von Le Brun ausdrücklich gewünschte und nur dank Colbert’s Nachhilfe 1670 (erste Batailles-Zahlung im August) nach Paris zurückgeholte zunächst noch junge, dann bald so große Audran, ja, auch als Edelinck, diese Meisterwerke adäquat ins Kupfer übertragen? Wir schließen uns an und meinen, nein.

B) Folgen die obigen 11blätterigen Anbindungen als ganz perfekt in Druck und Erhaltung

Résumé
Ein königliches Dedications-Exemplar
beinhaltend Feinstes vom Feinen ,
herüberleuchtend aus einer Blütezeit der Künste
in der égalité noch verdient sein wollte .

Angebots-Nr. 16.131 / verkauft

Die Triumphe Alexander des Großen derzeit

außerdem verfügbar in einem

absoluten Exemplar in rotem Design-Leder-Einband


„ herzlichen Dank für Ihre Expertise zu dem (Hogarth-)Kupferstich. Er ist wohlbehalten angekommen. Besten Dank für die schnelle Zusendung. Gruss aus … “

(Herr F. B., 1. März 2013)