„ Vortrefflich
und das beste von diesem Meister allhier “
( in Dresden; J. W. v. Goethe )
Wobei Wurzbach an die Umgebung von Cleve denkt
Ruisdael, Jacob van (Haarlem 1629 – Amsterdam 1682). Die Hirschjagd. Lichte Waldlandschaft mit ausgedehntem Sumpf, durch den im Vordergrund die Parforcejagd geht. Tier- und Figurenstaffage von Adriaen van de Velde (1636 Amsterdam 1672). Sepiagetuschte Umrißradierung von Adrian Zingg (St. Gallen 1734 – Leipzig 1816). Blattgröße 43,3 x 57,5 cm.
Nagler, Zingg, 4, II (von II) und, Ruysdael, XIV, S. 101; Slive, Jacob van Ruisdael, 1982, per 37 (Abb.), irrig als spiegelbildlich. – Vgl. als kompositionsnah Ruisdael’s beide Waldlandschaften mit Sumpf/Tümpel Slive 36 nebst Fig. 51, die ihrerseits Roelant Savery (1576-1639; ebda. Fig. 52; Savery-Katalog Köln/Utrecht, 1985/86, 120) und des gleichfalls älteren Frans de Momper’s (1603-1660) malerische „Hirschjagd im Walde“ – siehe die Abbildung bei Beck, Künstler um Jan van Goyen, Nr. 823 – zitieren. Nicht übersehen sei aber auch Rubens’ (1577-1640) „Waldinneres mit Jäger und den hetzenden Hunden“, gestochen von Schelte Adamsz. Bolswert (1586-1659). Alles Paten für Ridinger’s Thienemann 282, aber auch 171.
Ruisdael’s unendlich berühmte
Dresdner Jagd ,
von Wurzbach (1906/11) den „bedeutendsten und schönsten (seiner Bilder), die existieren“ zugerechnet und als erstes der dortigen zwölf genannt. Wie er ihn denn praktisch unisono mit Vorgängern und Nachfolgern als
„ unbestritten der bedeutendste Landschaftsmaler ,
den die Kunstgeschichte kennt “
klassifiziert. Und speziell zu den Waldmotiven denkt er an die Umgebung von Cleve, die er durchwandert haben mag. Und Slive SS. 70 f.:
„ Goethe made no remarks about the Dresden ‚Cemetery‘ in the catalogue he annotated during the course of his visit to the Dresden Gallery in 1790 … He did, however, make notes about six other Ruisdaels in the collection.
The one which made the strongest impression
was the artist’s ‚Stag Hunt‘ …
‚Vortrefflich und das beste von diesem Meister allhier‘ …
(but) the painting was not cited in his essay on ‚Ruisdael as Poet‘ published sixteen years later. The changes in Goethe’s taste for Ruisdael’s work cannot detain us here, but it is worth mentioning that his deep admiration for the artist was a life-long one, and he collected works by and after the artist. “
Die rechte Baumgruppe übrigens angeführt von werkvertrautem toten hohen Baumstumpf, an dem denn auch einer der Jagdburschen den Hirsch erwartet, den diesseitigen Hunden mit ausgestrecktem Arm und Finger ihr Ziel weisend.
„ … und selbst in seinen heiteren Landschaften (wie hiesiger) erinnert eine Ruine oder ein morscher Baumstamm an die Vergänglichkeit des Irdischen “
(Nagler, Ruysdael, XIV, S. 93).
Für das Toter Baum/Jäger-Motiv in Verbindung mit einer durch ein Wasser gehenden Hirschjagd siehe auch Ridinger’s Th. 10 aus der Folge der Hetzjagden, wobei dieser Savery’s zeichnerische Tiroler „Boslandschap met Jagers“ aus 1609 in Paris zitierend weiterentwickelt (siehe Katalog der 1968/69er Wanderausstellung „Landschaptekeningen van Hollandse Meesters uit de XVIIe Eeuw … in het Institut Néerlandais“ Nr. 138 + Tafel 1, auch Ägidius Sadeler’s Stichumsetzung gleichen Jahres Hollstein XXI, S. 225 als „Three Hunters and two Dogs near a Pool“).
Zingg’s anstehende Ruisdael-Wiedergabe in der Literatur diejenige welche. Der Morast gegenüber dem Original im Vordergrund ausgeweitet. Bei wundervoller Bildtiefe ist
die originale Ausmalung
in ihrem hellen Braun von großem Charme
(„Er bildete hier viele Schüler, die meistens für seine eigenen geschäftlichen Zwecke helfen mußten, und etablirte einen schwungvollen Handel mit getuschten Sepiazeichnungen und Umrißradierungen“, ADB XLV, 323). Gleichwohl sind seine Blätter selten, denn er „war mit den Abdrücken sparsam, da er den Erlös für seine späteren Jahre sichern wollte, falls Arbeitslosigkeit oder Schwäche eintreten sollte. Erst 1804 bewog ihn … Tauchnitz zur Herausgabe seiner Werke. Sie (so denn wohl auch die Hirschjagd) erschienen in 4 Lieferungen … vor der Schrift, und … mit derselben … Er galt lange als der grösste Landschaftszeichner der neueren Zeit, und auch seine landschaftlichen Stiche wurden als Muster gepriesen. Im Verlaufe der Jahre wurde er aber von anderen Künstlern überboten, und besonders von (William) Woollett (1735-1785) verdunkelt“ (Nagler; des letzteren „La Chasse au Sanglier“ von 1760 im Zustandsdruck vor der Schrift und mit Provenienzen Masterman Sykes, 1824, + Esdaile, 1840, hier durchgelaufen.
Seine Entwicklung im namentlich auch koloristischem Landschaftsfach verdankte Zingg Aberli in Bern, der ihn an Wille in Paris vermittelte, bei dem er sieben Jahre blieb und nun auch das Stechen nach Gemälden erlernte. 1766 ließ ihn Christian Ludwig von Hagedorn, dem Ridinger’s einzige eigene gestochene Dedication per der „Vier Tageszeiten der Hirsche“ galt, als Professor für Kupferstichkunst nach Dresden berufen, dem er zeitlebens treu blieb.
Wie häufig zwecks optisch größtmöglicher Annäherung an das Original die farbig ausgegebenen Exemplare unter Fortfall der Schrift auf Bildkante geschnitten wurden, so auch hiesiges. Rückseits umlaufend alt mit grobem breiten Papierstreifen randhinterlegt, sind die beiden Oberecken etwas störend, doch im Braunton der Ausmalung, fleckig. Links etwas mehr in die Himmelspartie heineinragend, wie auch eine, gleichwohl geschlossene, 8 cm tiefe Rißspur. Hingegen nur marginal der von der Passepartoutabdeckung herrührende umlaufende Braunrand. Die linke Unterecke übersehbar berieben wie auch die leichte Knitterung der rechten. 1,5 cm kleiner Unterrandeinriß wie auch eine feine kleine Rißspur im Außenfeld der mittleren Himmelspartie. Gesamthaft gleichwohl noch immer schön, ansehens- und rahmungswürdig.
Résumé :
Zingg’s adäquates großes Blatt
in Original-Tuschung.
Nach einem der gefeiertsten Ruisdaels in Dresden. Und
„ So ist es leicht zu begreifen, wie Goethe dazu kam, ihn als Denker und Poeten zu feiern. Er schloß aus den Bildern auf den Schöpfer … Hercules Segers und vor allem Rembrandt … schildern (der Natur) imponierende Gewalt und Größe, Jacob van Ruisdael ihre erhabene Gleichmäßigkeit … “
(Wilhelm von Bode).
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