|
Widerrufsrecht Impressum 45 Jahre Kunsthandlung + Seltenheitsantiquariat Kataloge
Autographen
Bibliophilie Alte Meister Zeichnungen Grafik XX. Jahrhundert Recht Orts- + Landeskunde Miscellania: Bücher + Grafik William Hogarth Kartographie Das AHA!-Erlebnis Juli 2008 Tiere, Jagen, Umwelt Fischen + Angeln Pferde + Reiten Joseph Georg Wintter Die Familie Rugendas Künstlerindex Homepage e-mail
Datenschutz Geschäftsbedingungen |
„ Das ungewöhnliche Jagdmotiv “Snyders, Frans (1579 Antwerpen 1657). Löwin schlägt ein Wildschwein. In hügeliger weiter Baumlandschaft der vorn schon niedergebrochene Keiler mit der seitlich auf den Rücken gesprungenen und sich im Nacken verbissenen Löwin. Mit gelbbrauner und mittelbrauner Tonplatte gedruckte Kreide-Lithographie von Ferdinand Piloty (Homburg, Saarpfalz, 1786 – München 1844). (1816.) Bezeichnet irrig: P. Snayers (Pieter Snayers, 1592 Antwerpen nach 1666) pinx: / f. Pilotj del. 39,8 x 55 cm.
Winkler, Die Frühzeit der dt. Lithographie, 622/24, II (von III) + 954, 12. – Vgl. Robels, Frans Snyders, Mchn. 1989, Nr. 258 mit Abb. + Hantschmann, Nymphenburger Porzellan, Mchn. 1996, S. 354, Nr. 71. Inkunabel der Lithographie . – Der dem Erstzustand entsprechende II., bei dem lediglich die bildüberschreitenden Kreidespuren links und unten weitgehend entfernt wurden. Der III. Zustand bei gleichzeitigem Fortfall der fetten Randlinie mit nur einer Tonplatte in Zart-Chamois gedruckt. – Wz. M(anufacture) a (?) Hartmann. Blatt 12 der ab 1816 erschienenen 200blätterigen Suite „Baierischer Gemälde-Saal zu München und Schleißheim“, im Baier. National-Blatt vom 17. 6. 1820 (Sp. 575 f.) wie folgt rezensiert :
Die lange, zuletzt von Robels auch hinsichtlich der thematischen Sonderstellung, angenommene originäre Pendantschaft zum gleichfalls in München beheimateten „Zwei junge Löwen verfolgen einen Rehbock“ (Winkler 622/25, siehe hiesige 28.623 für den II. + 13.367 für den III. Zustand) bezweifelt Sutton, The Age of Rubens, Boston 1993, S. 565 unter Hinweis auf die von mutmaßlich erst späterer Hand zwecks Formatangleichs vorgenommene etwa 9 cm breite Anstückelung im Unterrand des Löwen-Rehbock-Motivs. Das großzügige, „weit gesehene“ (Bernt) Ambiente wohl von der Hand Jan Wildens’ (1586-1653, siehe Robels 259 und zusätzlich SS. 147 f.). Das um 1620/25 entstandene monumentale Motiv das zusammen mit Snyders’ gleichfalls Münchner „Zwei junge Löwen verfolgen einen Rehbock“ (Robels 258 f., via Piloty hier aufliegend),
(Hella Robels, a. a. O., S. 92). So auch Stefan Morét in Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, S. 91):
Generell erfreuten sich die Löwen der Antike im ausgehenden 16. Jahrhundert besonderer Vorliebe in der Sammlung Medici in Rom, für die Flaminio Vaccra 1594 ein Gegenstück zur gleichzeitigen Löwen-Statuette Giambologna’s (Giovanni Bologna, Douai 1529 – Florenz 1608, siehe Kat. Rudolf II and Prague, 1997, S. 521, II/243 nebst Abb.) fertigte. Für letzteren erwähnen Thieme-Becker unter den bemerkenswerten Kleinplastiken auch die des vom Löwen gerissenen Pferdes („an unusual variation on the theme“, Kat. Prag) bzw. den vom Tiger getöteten Stier, wozu, von überdies Wiederholungen und zahlreichen Kopien abgesehen, Bologna vielfach nur die Entwürfe lieferte. Von seiner ihn berühmt machenden, aber eben auch nur entlehnten Löwe-Pferd-Arbeit eine um 1600 von Antonio Susin(i) als vermutliche Auftragsarbeit in Bronze gefertigte Version seinerzeit in der Kunstkammer Rudolfs II., wo sie etwa Roelant Savery inspiriert haben dürfte (S. 520, II/236 des Prager Katalogs nebst Abb.). Rubens nun wird während seiner Aufenthalte in Rom (1601/02 + Ende 1606) sowohl die Marmorgruppe gesehen als auch die Bologna-Arbeiten kennengelernt haben. Als Fascinosum begriffen, lag das Thema offenbar wieder in der Luft. Das Interessante hieran, und deshalb hier ausgebreitet, ist seine schulübergreifende Wiederbelebung als ein Applaus für den „ Zauber der Bestien “ (Justus Müller-Hofstede in seiner Rezension der 1985er Köln/Utrechter Savery-Ausstellung [FAZ 10. 11. 1985] nebst Abbildung dessen 1628er Löwenüberfalls auf eine Kuh), parabelhaft verstanden für die Ordnung der Welt. Im Jahrhundert danach wird es Ridinger besagtermaßen nicht nur seinerseits aufgreifen, sondern es mit Brockes‘ Versen nunmehr auch thematisieren. Robels sieht im Falle Snyders‘ gleichwohl nur einen Zusammenhang mit der Fabeltradition,
(Hella Robels, a. a. O., SS. 92 + 42, siehe aber auch S. 40). Letzteres denn auch ganz im Sinne Ortega y Gassets, „ Denn in der universalen Tatsache der Jagd äußert sich … ein faszinierendes Geheimnis der Natur “ (Meditationen über die Jagd, Stuttgart 1981). In expressionistischer Neubettung einer Wüsten-Oase als ihm ebenso vertrautes Ambiente wie Löwenjagden verwandte das Motiv Franz Heckendorf für sein Öl der hiesigen Pos. 28.420. Neben dem für Winkler nur technisch begabten Erfinder Senefelder ist nach Nagler Piloty neben Mannlich und Strixner einer dieser „berühmtesten Steinzeichner“ von vor allem auch eigenkünstlerischem Auge. Die in den Blättern des Gemälde-Saals
(Nagler).
(Winkler, zugleich beklagend, daß namentlich die großen und landschaftlichen Blätter „als Wandschmuck regelrecht ‚verbraucht‘“ wurden und werden). Mit 46,4 x 64,2 cm praktisch der von Winkler für die Folge angegebenen Blattgröße von etwa 47 x 65 cm entsprechend und damit von 3,3-4,5 cm schöner Breitrandigkeit und auch sonst ganz vorzüglichen Zustands.
(Mrs. B. F., October 24, 2007) |