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„ … ein  Kunstsammler  bezahlte  (1830)  aber …

100 fl.  für  dieses  Blatt “

Ducq, Jan le (1629/30 Den Haag 1676). Die Flußlandschaft mit dem wartenden Reiter nach links (sic!, siehe unten). Dieser dominant ganz vorn in Erwartung eines durch den Fluß kommenden zweiten. Kleinfigurig hinter diesem ein knietief watender Mann mit einem Stab (Lanze?) in der Rechten, indes die Linke auf eine schwimmende oder flößende kleine Figur weist. Auf links im Bild hart zum Ufer abfallendem Felsen des jenseitigen Ufers ein Gebäude mit schwerem Rundturm. Ein weiteres Gebäude unten am Ufer ganz linksaußen. Und zum rechten Bildrand hin ein Gebäude-Ensemble mit hohem Turm mit Zwiebelspitze, dahinter der Fluß eine Biegung nach links macht, in der Ferne auf Höhe eines diesseitigen Höhenzuges befahren von einem Segler. Radierung. Blattgröße 18 x 23,3 cm.

Jan le Ducq, Wartender Reiter am Fluß

Nagler, Monogramm., III (1863), Ducq, 2184, 8; Wurzbach I (1906), 434, Duck, 8; Katalog Davidsohn I (1920), Ducq, 1378 („Zweifelhaftes Blatt … Sehr selten“, verweisend im übrigen auf Weigel, Supplement, SS. 24 f. + Dutuit V, Seite 47). – Schlußblatt einer 4blätt. Folge – das 3., eine Reitschulscene am Pilar – , deren erste beide von Roman de Hooghe (1645-1708) stammen, der auch schon mit der Gesamtfolge in Verbindung gebracht wurde. So auch noch lesbare hs. Zuweisungen rückseits der hiesigen beiden Blätter, auf anstehendem zusätzlich auch noch der Name Philips Wouwerman’s.

Mit der Nr. 4 unten rechtsaußen im weißen Rand, doch wohl kaum mit den von Nagler „Vorn in der Mitte des Grasbodens, etwas nach links, bemerkt(en) … Buchstaben I D f.“, diesbezüglich denn auch Wurzbach vermerkt „Nach Nagler angeblich bez. …“. Auch Brulliot wäre es entgangen, siehe unten. – Mit nahezu complettem großen Wz. Aufgerichteter Löwe in doppelt eingefaßtem Kreis unter Lilie mit Schwert in der Rechten und Pfeilen in der Linken als Variante zu Heawood 3140-3145 (1651 bis ca. 1689) einschließlich der Kreisfüllsel, doch ohne deren Wappenschild. – Unten rechts geprägter kleiner ovaler Sammler-Stempel A (? Aretin? siehe unten, H?).

Das  malerische  Blatt  im  vorzüglichen  Druck  der  Sammlung  J. H. Anderhub .

Figurierte, wie auch weitere Graphik, nicht auf der 1963er Bücher-Versteigerung der „Bibliotheca Hippologica I. H. Anderhub“.

Dreiseits bei 2-4 mm umlaufendem Rändchen auf Plattenkante geschnitten, oben eher auf Bildeinfassung bei indes viel weißem Plattenfeld. Dieses linksaußen und Mitte mit bemerkbarem ganz schwachen Bräunungsanflug. Zwei durchgehende feine vertikale Quetschfältchen bildseits nur oberhalb von Pferd + Reiter erwähnenswert. So auch eine leichte diagonale Faltspur im rechtsseitigen weißen Bildfeld.

Obgleich schon von Nagler dem als Potter-Schüler namentlich im Tier- und Landschaftsfach tätigen Maler + Radierer le Ducq als einem „ der trefflichsten niederländischen Meister “ zugewiesen, dauert die Verwechslung mit dem Utrechter Genremaler und Radierer von Soldaten-Interieurs Jacob Duck (um 1600 – 1667; von etwa 1660 bis 1661 in Den Haag) an, dessen Werke, so Thieme-Becker, seit dem 18. Jahrhundert allerdings meist unter de Ducq’s Namen liefen, wie des letzteren Gemälde infolge stilistischer Verwandtschaft ihrerseits vor allem als Dujardins kursierten. Beider Verwechslung gefördert nicht zuletzt auch durch le Ducq’s zusätzliche militärische Themen, nachdem er als Soldat in die Dienste der Generalstaaten getreten war, wo er bis zum Hauptmann avancierte. Sein allmählich versiegendes „ziemlich seltenes“ (Th.-B.) malerisches Werk hielt sich in Grenzen. Den Graphiker dokumentiert eine Urkunde der Haager Gilde vom 17. Juni 1662, mit der ihm der Verkauf seiner Kupferplatten und Radierungen gestattet wird.

Letztere qualifiziert Nagler wiederholt als Kostbarkeiten und hier ist es vor allem die „berühmte Hundefolge“ von 1661, die in Weigel’s Kunstlager-Catalog, Abt. VIII (1840) per 9135 als „Von grösster Seltenheit“ zu hohem Preise von 80 Thlrn. figuriert. Im Katalog Davidsohn (I, 1376) wurden die 8 Blatt im nur zweiten Zustand auf 600 RM taxiert und bei jeweils brillanter Druckqualität mit Rand hiesiger „Reiter am Flußufer“ als Einzelblatt gar auf deren Hälfte, nämlich 300 RM!

Dies  zur  Verdeutlichung  dessen  Kostbarkeit . Und korrespondierend mit Nagler’s

„ Dieses  geistreich  radirte  Blatt  beschreibt Brulliot im Catalog Aretin No. 4401 mit der Bemerkung, dass es in le Ducq’s Manier radirt sei. Er übersah die (Signatur-)Buchstaben,

ein  Kunstsammler  bezahlte  aber  bei  der  (1830er)  Auktion

100  fl.  für  dieses  Blatt .“

Dabei – so auch Wurzbach als mutmaßlich übernommen, da gleichfalls nur dieses eigens beschreibend – den Reiter als „in Profil nach rechts“kennzeichnend, indes er hier nach links steht, ohne damit aber eine spiegelbildliche Kopie zu begründen. Denn konform zu Nagler stehen das Gebäude am jenseitigen Ufer und der Rundturm auf dem Felsenberge darüber linksseits. Eine Stellung des Reiters nach rechts entspräche überdies nicht dem landschaftlichen Arrangement. Korrekt hält der Reiter denn auch die Reitgerte mit der Linken, die Zügel aber mit der Rechten, wie auch der Soldat im Wasser seine Lanze. Diese übliche Handhaltung analog auch zu obiger hiesiger Dressurszene als Blatt 3 der Folge.

Unterstellt schließlich die Richtigkeit von Naglers möglicherweise als Zustandsmerkmal überlieferter Monogrammierung, so harmoniert deren I D f. mit keiner der für Jakob Duck mit Monogramm-Charakter gesicherten Signaturen. Siehe hierzu schon Thieme-Becker X (1914), 40/II, dann das Werkverzeichnis der Gemälde in Salomon, Jacob Duck, 1998, SS.141 ff.

Angebots-Nr. 28.978 / EUR  630. / export price EUR  599. (c. US$ 692.) + Versand


„ vielen herzlichen Dank für die Faxübermittlung Ihres Schriftverkehrs mit … Hochinteressant und das Thema (des jagdlichen) ‚Wurstwagen‘ wunderbar anschaulich darstellend! Nochmals vielen Dank! “

(Museum S. B., 23. Februar 2004)