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„ Ausgezeichneter Darsteller des Pferdes in der Bewegung “
mit
Jungs

die am Ball bleiben
Grunenberg, Arthur (Königsberg 1886 – Berlin 1927). Rossebändiger. Folge von lith. Titel und
11 (statt 12) Kreide-Lithographien
(18-23,5 x 21,5-27 cm), davon 10 unten rechts in Bleistift bezeichnet: A. Grunenberg. (Bln., Wasmuth, 1922.) Mit lith. hs. Bl. Inhalt. In Orig.-HPgt.-Mappe (33,5 x 43 cm) mit lith. illustr. Vorderdeckel nebst Titel + Autor.
Thieme-Becker XV (1922), 146; Vollmer II (1955), 325. – Ausstellungen: Kunstsalon J. Casper, Bln., Mai 1914 + Galerie Arnold, Dresden, März 1927.
Eins von 40 Exemplaren auf unbeschnittenem dünnen Japan bzw., lith. Titel und Inhaltsblatt, Japan-Velin.
 
1. Dioscuren (erster Entwurf) – 2. Dioscuren (zweiter Entwurf)
3. Absalom – 4. Spähende Amazone – 5. Verwundete Amazone – 6. Hengstzähmung – 7. Rossebändiger (ersetzt, s. u., und solchermaßen unsigniert geblieben) – 8. Störrische Pferde – 9. Ausbrechende Hengste – 10. Durchgehender Hengst – 11. Der gezähmte Hengst (versehentlich unsigniert geblieben) – 12. Morgenritt .
Ohne Blatt 7, „Rossebändiger“, wofür die mutmaßlich bildgleiche

Titel-Lithographie,
die ihrerseits aber nicht identisch ist mit der Vorderdeckel-Illustration, unter Verlust von Verlegeradresse und wohl Numerierung – bekannt hier ein mit „XXIII/40“ numeriertes einstiges Markt-Exemplar, dem seinerseits das lith. Inhaltsblatt fehlte – auf das kleinere Format der Folge selbst beschnitten wurde, infolgedessen es auch nicht unter Passepartout lag. Letztere ohnehin nicht ausnahmslos paßgenau gearbeiteten originalen Kulissen wurden als für gelegentliche leichte Stockflecken im meist weißen Feld (nur Blatt 4 generell leicht befallen) verantwortlich durch foliengeschütztes Auflegen auf säurefreien leichten Karton ersetzt. – Die Mappe stockstippig, doch kaum auf dem Vorderdeckel mit seiner schönen großen Darstellung (15,5 x 13 cm) zwischen der Kreide-Schreibschrift.
Die in tiefschwarzen Drucken vorliegende herrliche Folge

in ihrer unerhört fühlbaren Bewegungs-Rasanz
als von auflagenbedingt großer Seltenheit – so denn auch nicht in der die Spanne von 1527 bis 1930 abdeckenden und 1999 aufgelösten hippologischen Basler Sammlung Sarasin – begleitete Reverenz des künstlerisch so einzigartig bravourösen frühen deutschen 20. Jahrhunderts an jahrtausende alte Reitkultur, verdeutlicht mit den Eingangsblättern von Dioskuren („Söhne des Zeus“) + Absalom (Sohn Davids). Wie die Folge als Ganzes unmittelbar ans 1921er Öl
„ Die Rosse bändigenden Dioskuren “,
sprich Kastor + Pollux, anschließt, letztere nach einer der Überlieferungen
„ Zeus zum Lohn für ihre Bruderliebe … als Zwillinge oder als Morgen= und Abendstern an den Himmel (setzte) … Polydeukes (Pollux) ist als Faustkämpfer,
Kastor vorzugsweise als Rossebändiger
ausgezeichnet; doch erscheinen beide auch als Reiter oder als Wagenlenker …
Die Kunst pflegte die D. darzustellen als edel gestaltete Heldenjünglinge von schlanken, aber kräftigen Formen … Gewöhnlich werden sie nackt gebildet (alles wie auch hier) oder nur mit einer leichten Chlamys bekleidet. Fast immer treten sie in Verbindung mit ihren Rossen auf und zwar neben ihnen stehend, selten als Reiter “
(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., IV, 1001 f.).
Die Absalom-Szenerie zitiert den Augenblick als jener während der kriegerischen Auseinandersetzung mit König David mit tödlicher Folge „auf der Flucht mit seinem langen Haar an einer Terebinthe (Terpentinpistazie) hängen bleib(t)“ (a. a. O. I, 54).
 
Absalom Hengstzähmung
Grunenberg, „Maler u. Graphiker … widmete sich nach juristischen Studien auf Anregung F. von Lenbachs der Kunst … vor allem Darstell. des Tanzes und rhytmisch bewegter jugendlicher Figuren … neuerdings malt er auch stark farbige Blumenstücke u. monumental bewegte Gruppenkompositionen wie ‚Die Rosse bändigenden Dioskuren‘ … Nebenher geht eine umfangreiche graph. Tätigkeit“ (Thieme-Becker).
Und ergänzend Vollmer:
„ Bevorzugt als Motive den Reiter u. den Tänzer bzw. die Tänzerin. Benutzt meist den Rötelstift oder die Kreide.
Ausgezeichneter Darsteller

des Pferdes in der Bewegung “
Letztere hier denn faszinierend bis hin zum Schlußblatt, der Rückenszenerie des Morgenrittes, dessen Reiter von zwei Läufern begleitet wird. Eine einzige Komposition körperlicher Bewegtheit. Umfangen von der Bewegung kulissenartiger Bäume.

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