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Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Vorsichtige Klugheit überwindet Arglistigkeit! Der sich als Gelehrter drapierte Fuchs versucht vergebens, den Haushahn zu übertölpeln. Dieser selbst in reich besetztem Federviehhof, darunter Pfaue, Truthühner, astrachan’sche Gänse, türkische Enten. Radierung und Kupferstich. Bezeichnet: J. El. Ridinger inv. del. sculp. et excud. 1743, ansonsten dt.-latein.-frz. wie vor. 33,5 x 25,8 cm. Thienemann + Schwarz 765; Metzner-Raabe, Illustr. Fabelbuch, 1998, Bd. II (Bodemann), 123.I. – Blatt 1 der geistig wie optisch überaus reizvollen „Lehrreiche(n) Fabeln aus dem Reiche der Thiere zur Verbesserung der Sitten und zumal zum Unterrichte der Jugend “, mit denen
(Stefan Morét, Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, Seite 96). Darüberhinaus zugleich aber auch, einen neuen Bildtypus kreierend, einmal mehr Tradition und Feld hinter sich lassend. Denn, so Ulrike Bodemann in Metzner-Raabe,
Und Regine Timm, ebda., Bd. I, Seite 171 :
Die große geistige Verwandtschaft mit dem bereits erwähnten Hogarth übrigens auch unmißverständlich zum Ausdruck kommend in Garricks Epitaph für diesen: „ Whose pictured Morals charm the Mind , And through the Eye correct the Heart.“ Zeitlich in diesem Zusammenhang interessant, daß 1726 jenseits des Kanals John Gay, berühmt-berüchtigt für seine „Beggars Opera“ (Brecht, Dreigroschenoper!), mit seinen „Fables“ „das Bedeutendste (vorgelegt hatte), was bisher von englischen Dichtern in dieser Gattung geleistet worden war“ (Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., VI, 960/II). Die Folge besteht aus zwanzig Blatt, von denen Johann Elias gleichwohl nur die ersten sechzehn veröffentlichte. Vermutlich aus stilistischen Skrupeln. Denn mit den erst vom Ältesten, Martin Elias, auf Kupfer übertragenen und postum herausgegebenen vier letzten gibt er die Überfülle der vorangegangenen zu Gunsten einer für ihn völlig neuen, souverän konzipierten großflächigen Klarheit auf, womit auseinanderzusetzen er sich schlußendlich aber offenbar scheute. Und wohin ihm noch hundert Jahre später auch Thienemann nicht folgen mochte („haben weniger Kunstwerth, sind aber dennoch schätzbar und ihre Seltenheit zu bedauern“). Was hiesigerseits hingegen als ein bemerkenswert weiterentwickeltes künstlerisches Ausdrucksvermögen gesehen wird. Gipfelnd in dem Fascinosum, nicht allein ein neues Fabelbild geschaffen, sondern dieses in sich noch einmal zu neuem Ufer fortentwickelt zu haben. Solchermaßen denn ein höchst gewichtiger Meilenstein innerhalb des „rund 900 Ausgaben (ausmachenden) Grundcorpus illustrierter Fabelbücher“ bis hin zu Chagall’s 200 Jahre späterem Lafontaine-Folio mit seinen 100 Radierungen als geradezu einem Schlaglicht für die Unsterblichkeit der Fabel-Illustration. Daß Ridinger seine Folge ursprünglich gleichfalls wesentlich umfangreicher konzipiert hatte, belegt seine hier durchgelaufene Vorzeichnung zur 20. Fabel, die er mit „Fab 31“ bezeichnet hatte. Und Thienemann lag eine mit „30“ genummerte vor, die gleich weiteren, unnumerierten, unverarbeitet blieb. Ohne die Numerierung oben rechts, die allgemein unbekannt blieb, doch später auftaucht. – Figürl. Wz. – In der 2. H. des 19. Jhdts. auf blau-grauem Bütten des frühen 18. Jhdts. mit Wz. SICKTE (die von Veltheim’sche Papiermühle dortselbst) nebst nach links offenem C unter Krone mit Kreuz + Reichsapfel aufmontiert worden, auf dem es jetzt lose aufliegt. – Bei rund 5 mm weißem Plattenrand überwiegend auf dessen Kante geschnitten. Ganz vereinzelt minimale Braunstippen, kleiner Ausriß oben links im weißen Plattenrand.
Für weitere Einzelblätter der Folge siehe „ Die Fabel gehört dem Künstler, wie dem Dichter,
(Herr K.-A. H., 2. Februar 2004) |