Brunftzeit am Starnberger See
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Ein Rudel Edelwild beim Mondschein („Nach der Natur bei Starenberg am See gezeichnet“). 16-Ender zur Brunftzeit mit seinem Serail von 7 Tieren am Wasser, einem Nebenbuhler am anderen Ufer antwortend. Mit grünlicher Tonplatte gedruckte Lithographie von Hermann Menzler im Druck von A. Renaud bei L. J. Heymann in Berlin. (1863-65.) Bezeichnet: Gez. v. J. E. Ridinger, lith. v. H. Mezler (sic!) etc., ansonsten wie vor. 32,7 x 23,1 cm.

Joh. El. Ridinger’s Jagd-Album II/9. – Vgl. Thienemann 241. – Aus dem als 2. Abteilung geführten „Album interessanter Hatzen- und Gruppen-Bilder“. – Die gesamte, nahezu literaturunbekannte, seltene Suite 80 Blätter zuzüglich eines neuerdings aufgefundenen illustrierten Titels weit größeren Bildformates (47,5 x 36 cm) umfassend, doch praktisch nur peu à peu complettierbar. In der Bildwirkung der von Ridinger nicht mehr angewandten malerischen Aquatintamanier entsprechend. – Auf festem Papier von dem Blattformat (62 x 47 cm) des illustrierten Titels angepaßter Breitrandigkeit. – Säurefrei hinterlegter Kleineinriß im linken Seitenrand.
Das herrliche Mitternachtsblatt nach der Folge der Vier Tageszeiten der Hirsche
(„ Es ist Mondschein zur Brunftzeit. Ein jämmerlich schreiender Brunfthirsch, ein Sechzehner, ist von sieben Stück Wild, einem ansehnlichen Serail, umgeben, welche zu Wasser [und zwar eindeutig dem eines Großsees] gehen wollen. Am jenseitigen Ufer schreit ein anderer Hirsch “, Thienemann)
mit gegenüber Ridinger nur geringfügigen Abweichungen in der Staffage, doch einem gänzlich eigenständigen Himmel als Widerspiegelung einer schönen Nacht statt der Dramatik der Vorlage. Und statt deren Oval hier rechteckig. Damit aber eine
sehr interessante , erwerbenswürdige Sammlungsbereicherung umsomehr
als deren Lokalität hiesigerseits mittels der dem zeichnerischen Ridinger-Nachlaß entstammenden Tusche-/Kreidezeichnung
„ Eine Landschaft mit einem Flusse (sic!); im Vordergrunde ein Hirsch und (7) Hirschkühe, welche vom Felsen nach dem Flusse herab gehen. Bezeichnet: Nach der Natur bei Starenberg am See gezeichnet . Mit des Malers Namen … “
(Weigel, 1869, Nr. 130) hochkarätig recherchiert werden konnte.
Stückmäßig entspricht diese Gruppe jener oberhalb des Wassers am Waldsaum angesiedelten von Th. 293 –
„Anno 1736. im Walde bey Stahrenberg nach der Natur gezeichnet“ –
deren Kapitaler lediglich keine 16 Enden erkennen läßt, während sich deren 4köpfiges zweites Rudel, um ein Tier reduziert, auf dem Abend-Blatt der Tageszeiten wiederfindet. Thematisch zugehörig im übrigen sicher auch die unbezeichnete Zeichnung Weigel 169 „Eine Waldparthie mit einem Hirsche und zehn stehenden und liegenden Hirschkühen; ein Brunsthirsch jenseits eines Flusses wagt nicht heranzukommen“. – Für das Morgenblatt der Tageszeiten steht Nymphenburg, siehe hiesige Position der Gesamtfolge.
Schließlich aber auch ikonographisch belangreich, denn
„ Hirsche am Wasser in gebirgiger Landschaft spielten auf den berühmten Psalm 42.1 an ‚So wie der Hirsch nach frischem Wasser dürstet, so strebt meine Seele nach Dir, Herr‘ und wurden zur Chiffre für die ‚anima christiana‘ “
(Justus Müller-Hofstede gelegentlich der 1985er Kölner Savery-Ausstellung, FAZ 10. 11. 1985).
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