Der Holzwart vom Tiroler Inn=See
– der Wild-See bei Seefeld ? –
für Helbing 1900 eines der teuersten Blätter der Folge
Ridinger, Martin Elias (1730 Augsburg 1780). Im Tyrol am Inn=See (der Wild-See bei Seefeld?) Begab sichs da ich als alldortiger Holz=wart morgens früh Spazieren gieng, daß ich einen so genanten See=Adler (Th.: Kormoran-Scharbe) mit seinen jungen antraf welchen in dem Augen blick ein Großer Raub Vogel (Th.: Seeadler) ein junges zu hohlen trachtete, und auch wircklich weck nahme. Der Holzwart mit seinem Hund rechtsseits in Baum-/Strauchpartie, die Attacke/Verteidigung ufernah über dem Wasser, am jenseitigen Ufer eine Kirche. Radierung mit Kupferstich nach vermutlich eigener Vorlage. Bezeichnet: XXXI. / M. E. Ridinger. sc: A. V., ansonsten wie vor. 25 x 33,5 cm.

Thienemann + Schwarz 374; Slg. Reich auf Bihla 116 ( „Aeusserst selten“, 1894! ); Slg. Hamminger 1620 (nur innerhalb seines bis auf zwei cpl. Satzes, darunter „einige Blätter nur mit Schriftrand und aufgezogen. Dabei sehr seltene Blätter “, 1895!); Helbing XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 891 ( „Sehr selten“, 1900! ). – Fehlte 1885 der schles. R.-Slg.bei Boerner XXXIX ebenso wie 1889/90 bei Coppenrath. – Blatt XXXI der 1779 abgeschlossenen 46blätt. Folge „Zu den besondern Ereignissen u: Vorfallenheiten bey der Jagd“ ( „The rarest set of Ridinger’s sporting line engravings“, Schwerdt 1928; hiesige
Tiroler Inn-See–Scenerie
von Helbing mit 50 Goldmark
und damit mit großem Abstand zum Gros der übrigen benotet ) ,
und ausschließlich von Johann Elias Ältestem, Martin Elias, nach überwiegend väterlicher Vorlage auf Kupfer übertragen.
Wobei nicht allein nach hiesigen Erkenntnissen Martin Elias’ Bedeutung für das Ridinger-Œuvre sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen nicht vorzeitig abgebrochen wurden oder, wie hier, postum erschienen.
Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, eben auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet.
Die zeichnerische Hand Johann Elias’ anstehenden Falles nicht durch dessen Signatur gestützt, doch, wenngleich von Thienemann als grob empfunden,
thematisch sehr schön und lokalmäßig sehr rar .
Kompilatorische Rückgriffe Martin Elias’ erscheinen bei dem einen und anderen Blatt dieser Folge denkbar.
Die Folge selbst „fast durchgängig so eingerichtet, dass immer zwei und zwei mit einander harmoniren und Seitenstücke bilden, wie sie denn auch paarweis verkauft worden sind“ (Thienemann). Hier also mit Blatt XXXII – Im am(m)ergau=See in Bayren … – , dem Angriff eines Seeadlers auf einen wilden (Sing-?)Schwan, mit dem Schützen nebst Hunden nun linksseits hinter Bäumen.
Warmtoniger Erstausgabendruck
mit der römischen Numerierung
(„Wenn sie fehlen, so deutet dies auf spätere Abdrücke“, Thienemann), seitlich 5,5, sonst 2,3-3 cm breitrandig. – Die rückseitige leichte Bräunung bildseits nur im breiten Rand minimal durchscheinend.
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