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lüder h. niemeyer

- seit 1959 -

 

Patron  auch  gegen  Augenleiden

bei  Ridinger

im  Exemplar  Gräflich  Faber-Castell

Ridinger, Johann Jacob (1736 Augsburg 1784). S. Hieronymus. Die Inspiration des Heiligen. In ganzer Figur als Kardinal, kostbar gewandet, mit Heiligenschein, sitzend nach links an einem Tischchen, doch den Kopf nach rechts gewandt und seitlich nach unten blickend, um von dem hinter seinem Stuhl stehenden Engel seine Inspiration zu empfangen. Dieser ist soeben zwischen dem schweren Vorhang – stehend für den Vorhang des Lebens, seit dem Mittelalter denn auch Symbol des Geheimnisvollen – hervorgekommen, den die erhobene Linke noch zurückhält. Die Rechte des Heiligen hält eine Kielfeder in Unterbrechung des Schreibens in dem auf seinem rechten Bein ruhenden Folianten. Auf dem Tischchen neben Kardinalshut + Tintenfaß Geißel als Marterinstrument Christi’s. Links zu seinen Füßen Vorderteil des friedlich ruhenden Löwen. Schabkunstblatt nach Alessandro Marchesini (1664 Verona 1738, tätig in Verona, Venedig, Padua). Bezeichnet: Marchesini pinxit a Venetia. / Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. Elias Ridinger exc. A. V., ansonsten in der oberen Kavität der Muschel-Kartusche S. | HIERONYMUS. Blattgröße 55,7 x 42,5 cm.

Johann Elias Ridinger, Hl. Hieroniymus

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958

mit deren Lot-Nr. 176

auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922-2004)

Schwarz 1548 (Schrift-Variante: „Iacob“ + „I. El. … excud.“); Faber-Castell 176 (ohne Erwähnung der Variante gegenüber Schwarz); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 229 (Schrift-Variante: „Iac.“ wie hier, sonst wie Schwarz).

Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Reich auf Biehla (1894) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Das  große  elegante , überaus  sympathische  Sujet  –

kompositorisches  Pendant  zum  gleichfalls  Trier  verbundenen  hl.  Ambrosius

nach  ebenfalls  Marchesini ,

– in sehr schönem, kontrastreichem Druck mit Schrift-Variante, ansonsten mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abdrucke stehend, unten indes und parallel zum Ambrosius-Blatt innerhalb der für Eintragungen individueller Natur bestimmten, gleichwohl bei den erhaltenen Exemplaren in der Regel leergebliebenen – und hier solchermaßen offenbar als bildentbehrlich empfundenen – Schrifttafel mit Muschelkartusche unter 2 cm Verlust beschnitten. Das ansonsten dreiseits umlaufende fein(st)e Rändchen zweiseits tlw. (aus)rissig, vereinzelt bis an die Bildkante. Im Bild selbst – in dessen rechter Oberecke  mit rotem Kreidestift genummert „80.“ – einige Falten + Fältchen, spätestens unter Passepartout von noch unbedingt erfreulichem Gesamteindruck, nicht zuletzt rücksichtlich der Seltenheit dieser Blätter, wie denn die Ridinger’schen nach Marchesini schon 1839 Nagler (VIII, 304) unbekannt geblieben sind. Entsprechend denn Thienemann 1856 generell:

„ Die  Schwarzkunstblätter  sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr

… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “ (selbst  dort fehlend denn aber hiesiges)

(Seiten VIII + 270).

An welcher Situation auch etwaige Neuauflagen wenig zu ändern vermochten, da die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.

Hier  denn  nach  50jähriger  Marktferne

das  Exemplar  Gräflich  Faber-Castell

mit einem ganz menschlich-reizvollen Sujet aus dem Mark der Kirchengeschichte, zu deren hervorragendsten Lehrern der mit jugendlicher Vergangenheit beladene Hieronymus (Stridon/Sdrin, Kroatien, um 340/42 – Bethlehem 420 [419?]) zählt.

„ … er (ist) nicht bloß der gelehrteste, sondern auch der beredteste unter den lateinischen Vätern … (und) in seinen Lebensbeschreibungen des heil. Paulus, Hilarion, Malchus (hat er)

recht  eigentlich  den  frommen  Roman  begründet “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 524.).

In seinen frühen Jahren  „verweilte  er  eine  Zeitlang  zu  Trier “ , in dessen berühmten Schulen er seine Studien fortsetzte und das Klosterleben kennenlernte. Seine Bischofsweihe wird in den Legenden des 15. Jhdts. als Kardinalswürde berichtet, worauf sich denn auch hiesiger Kardinalshut bezieht. 386 nahm er seinen Dauerwohnsitz in Bethlehem, wo er ein Mönchs- und Nonnenklöster gründete.

„ Hier gab H. das erste Beispiel eines Mönchtums, welches sich die Pflege der Wissenschaft und Litteratur zur Hauptaufgabe macht. Er (übersetzte, sieben Sprachen beherrschend, wesentliche Teile der Bibel aus dem Hebräischen und Griechischen ins Lateinische [Vulgata],) schrieb eine ganze Reihe von alt= und neutestamentlichen Kommentaren, wertvolle Schriften archäologischen Inhalts, Legenden von Heiligen und Mönchen … “

(Meyers a. a. O.).

So wurde er, im Rang gern mit Augustinus verglichen,

Patron  wissenschaftlicher  Vereinigungen ,

der Lehrer, Studenten + Schüler, der theologischen Fakultäten + Bibelgesellschaften, doch

auch  gegen  Augenleiden ,

im übrigen von Dalmatien + Lyon. Der 30. September als sein Sterbetag gilt den christlichen Religionen als sein Gedenktag, deren orthodoxen der 15. Juni.

Diesen Lebensinhalt denn und dessen Rang spiegelt anstehendes Blatt ebenso wider wie der untrennbar ihm zugehörige Löwe, den er einst von einem Dorn in der Pfote befreit habe. Letzteres wie auch die in die Legenden des 15. Jhdts. übernommene Kardinalswürde von der neueren Literatur wie folgt kommentiert:

„ Die Legende, er sei Kardinal gewesen, und bei einer Lesung vor seinen Schülern in Bethlehem habe sich ihm ein hinkender Löwe genähert, ist erst im 13. Jahrhundert entstanden. Der kirchliche Rechtsgelehrte Joannes Andreas von Bologna (um 1330-48) benutzte dies, um die Kardinalsfunktion und den Löwen als feste Attribute des Hieronymus zu propagieren “

(Dirk De Vos, Rogier van der Weyden, Mchn. 1999, S. 405).

Den löwenverewigenden Ridingers galt das Löwen-Attribut auf jeden Fall als eine leckere Zugabe in ihrem mehrheitlich ganz zu Unrecht vielfach bemäkelten Heiligen-Œuvre.
Angebots-Nr. 14.866 / EUR  790. / export price EUR  751. (c. US$ 1065.) + Versand

 


 

“ ich habe kuerzlich Ihre web site über die Rugendasfamilie gefunden, welche ich von grosser inhaltlicher Qualität und Interesse finde … ”

(Señ. G. E., 19. December 2003)