„ Dem Instrument
gebührt der Vorzugs=Preiss vor allen “
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Das vollstim(m)ig reizende Clavezin. Aus dem Bild herausschauende reich drapierte junge Dame beim vom eigenen Gesang begleiteten Cembalo-Spiel . In einem nach Art der Niederländer mit Bodenfliesen ausgelegten Gartenzimmer unter weit hochgerafftem schweren Vorhang als seit dem Mittelalter einem Träger des Geheimen und Verborgenen und von Ridinger seit dem Titelblatt zur 1722er Reitschule wiederholt bewußt eingesetzt am offenen Ausgang zum Park, aus dem des Meisters Cypressen grüßen. Rechts im Bild zweiter hoher Stuhl, reich bedeckt von weiterem Vorhang, worauf ein geöffnetes Notenbuch liegt. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger excud. Aug. Vindel., ansonsten wie vor und nachfolgend. 51,7 x 42,2 cm.
Provenienz
Gräflich Faber-Castell
deren Ridinger-Versteigerung 1958
mit deren Lot-Nr. 98
auf dem Untersatzkarton
Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen
(1922-2004)
Thienemann + Schwarz (Bd. I, Tafel XLV) 1254; Gräflich Faber-Castell (1958) 98.
Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/57) , Schlesische R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Slg. Reich auf Biehla (1894) , Slg. Georg Hamminger (1895) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940) . – Dt.-lat. Untertext.

„ Dem Instrument gebührt der Vorzugs=Preiss vor allen ,
Weil alle Stim(m)en man auf selbem bringt hervor ;
Auch wan(n) man spielt allein , so bringt doch sein erschallen ,
Ein recht entzückendes Vergnügen Herz und Ohr . “
„ Als Vermittler musikalischen Gedankenguts par excellence ist das Cembalo für die Zeit, die uns hier beschäftigt (1. V. d. 18. Jhdts.), das, was die Laute Mitte des 17. Jahrhunderts war. Das Cembalo ist ein ‚Melodie- und Harmonieinstrument‘, dessen Saiten angeschlagen werden, indem man auf die Tasten einer Klaviatur drückt … “
(Florence Gétreau, Watteau und die Musik, in Margaret Morgan Grasselli und Pierre Rosenberg, Watteau 1684-1721, 1984/85, S. 538).
Das bildlich und thematisch sehr reizvolle seltene große Blatt ,
beschädigungshalber – die mittig weitgehend geglättete Mittelfalte an den Seiten eingerissen bei namentlich links längerer feiner Bruchspur, zwei kleine Rißspuren in Quetschung im Rand oben rechts, wenig störend gequetscht auch die linke Oberecke; minimale Buchstabenfehlstelle im linken Außentext, Schadstellen im umlaufend schmalen weißen Papierrand – mittels drei verschiedener Papiere komplett hinterlegt. Die sehr schöne samtene Druckqualität optisch von einer ganzen Reihe stippenhafter Löchlein bedingt gemindert, zwei fleckige Stellen möglichen Leimdurchschlags im rechten Bildrand hingegen kaum auffallend.
„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr
… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “
(Thienemann, 1856, Seiten VIII + 270).
Denn nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) ermöglicht die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nur 50-60 gute Abdrucke.
Angebots-Nr. 14.950 / EUR 530. / export price EUR 504. (c. US$ 673.) + Versand
„ Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung … mein Ridinger-Problem ist durch andere Vergleiche vorerst gelöst. Dennoch bin ich sehr positiv überrascht über Ihren professionellen (JayAitchDesign) Internet-Auftritt, den ich sicherlich bald einmal nutzen möchte. Mit besten Grüßen “
(Herr M. M.-P., 17. Januar 2009)

