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Die  eigene  Klientele

im  politischen  Visier  des  Meister’s

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die bey ihren Jungen von einen Bären überfallene Löwin. Aus felsiger Vertiefung  streckt sich die Löwin dem zubeißenden Angreifer entgegen. Radierung mit Kupferstich. (1760.) Bezeichnet: J. El. Ridinger del sculp. et excud. A.V., ansonsten wie vor + unten. 37,7 x 29,3 cm.

Thienemann + Schwarz (dortiger Punkt hinter del wohl irrtümlich) 718; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, IV.3 nebst Abb. – Blatt 3 der seit altersher von der Literatur als sehr selten qualifizierten 8blätt. Folge der Kämpfe reißender Thiere, Th. 716-723, deren vier letzte Blätter vom Ältesten, Martin Elias, nach den auch erst nachgeschobenen väterlichen Zeichnungen aufs Kupfer übertragen wurden, indes jene für die vier ersten, von Versen des Hamburger Juristen und Senators, vor allem aber wortmächtigen Dichters + Ridinger-Freundes Barthold Heinrich Brockes (1680 Hamburg 1747) begleiteten, nach Biedermann (Ausstellungskatalog Augsburg 1967) schon in den 30er Jahren entstanden sein dürften. Auch deren Plattenübertragung dürfte Johann Elias aus hiesiger Sicht schon in jener früheren Zeit abgeschlossen haben, um sie ihrer politischen Brisanz wegen, siehe unten, dann für Jahrzehnte unveröffentlicht zu lassen. Denn letztlich sind es diese vier ersten Blätter, die der Folge als Ganzes den Stempel

als  das  graphische  Freiheitsfanal  des  Jahrhunderts

aufdrücken. Hier denn mittels der in Bild + Wort kämpferisch-machtvoll verpackten Anprangerung

Johann Elias Ridinger, Die bey ihren Jungen von einen Bären überfallene Löwin (Th. 718)

„ Hier bricht … in lichten Flammen aus !
Wir  sehen / Die  Löwin … den  Bären  nicht  entgegen  gehen

Entgegen  fahren , springen , fliegen ,

u:  blind  vor  Zorn  v.  Wuth  entbrannt ,
Gefahr  u.  Noth  u.  Todt  verachten ,

die  seines  Feind’s  erhab’ner  Stand ,

In  vortheilhaffter  Stellung  droht ,

Sie  greifft , da  sie  nicht  anders  kan ,
… so  gar  des  Bären  Bratzen  an .

B. H. Brockes. “

Und so erweist sich des letzteren von oben herab vorgetragener Angriff denn auch als aussichtsreicher. Siehe zum Gesamtkomplex die hiesige Offerte der kompletten Folge.

Die Arbeit diente dem „nächst  Ridinger … beste(n)  deutsche(n)  Jagdschilderer  des  18. Jahrh.“ (Thieme-Becker) Joseph Georg Wintter (1751 München 1789) als Anregung für seine gleichartige, den Bären durch einen Panther ersetzende Zeichnung, die die der Löwin drohende Niederlage ebenso noch stärker akzentuiert wie andererseits deren noch die letzte Zehenkralle einschließende äußerste Anspannung.

Sujetmäßig nahestehend ansonsten die weiblichen Löwen/Tiger-Kontrahenten aus des Meisters 1985 aus altem Leipziger Familienbesitz erworbenen faszinierenden Öl „Raubtiere und gerissener Hirsch“ in Berlin, das Rainer Michaelis im Kritischen Bestandskatalog der „Deutschen Gemälde des 18. Jahrhunderts“ der Staatlichen Museen Berlin (lfd. Kat.-Nr. 2272; Bln. 2002, SS. 173 f. nebst Farbabb.) als möglicherweise in Zusammenhang stehend mit der Kämpfe-Folge sieht.

Der plastisch-kräftige, warmtonige Abdruck eines alten adeligen Sammelbandes alter Abdrucke fast ausschließlich einheitlichen Büttens unterschiedlicher Wasserzeichen. Hiesiger optisch gleichartiger gleichwohl auf leicht wolkigem festen Thurneisen-Velin, doch eher wohl noch vor besagter 1824/25er Engelbrecht-Herzberg’schen Neuausgabe, da ohne deren gewisse Härte und auch anderen Thurneisen-Papiers, wie hier beides für andere Blätter jener Neuausgaben notiert. Die Weigel-Zustände 40 B + C (Kunstlager-Cat. XXVIII [1857], Rid.-Appendix) für spätere bzw. neue Abdrücke als jeweils 8blättrig zeitlich hier nicht einordbar, da 1824/25 nur 4blättrig und in den sich zudem durch ganz andersartiges Papier negativ abhebenden Neuauflagen der 1850er als zeitgleich zu Weigel ganz fehlend. – Unwesentliche Stockstippigkeit im oben + unten 2,8-6 cm und seitlich 1,4-1,8 cm breiten weißen Rand.

Angebots-Nr. 15.700 / EUR  1480. / export price EUR  1406. (c. US$ 1625.) + Versand


„ vielen Dank für die prompte Lieferung! … Nach diesem Kupferstich (Hogarth, Sleeping Congregation) habe ich übrigens ziemlich lang gesucht – offenbar immer an der falschen Stelle – und bin jetzt außerordenlich froh, ein so unversehrtes Exemplar zu besitzen … Herzlichen Dank noch mal und freundliche Grüße “

(Herr C. K., 28. Juni 2012)

 

Die  Auslese  des  Tages