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lüder h. niemeyer

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Im  Geschmacke  Ostade’s  … „ So  geht  der  Violist “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Nacht. / NOX. Vor halb geöffneter Hoftür der kleine Violinspieler, begleitet von Altem mit umgehängtem Instrument oder Schnappsack. Verträumt dem Spiel vor ihrem Fenster lauschend eine junge Frau, während zwei Kinder die aufmerksame Gefolgschaft bilden. Rechts kleiner Durchblick auf den halb von Wolken verhangenen Mond über Baumbestand. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. El. Ridinger inv. et excud. Aug. Vind., ansonsten wie vor. 41,5 x 56 cm.

Johann Elias Ridinger, Die Nacht

Thienemann + Schwarz 1200; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, 1987 ( „Selten“, 1885 ! ).

Nicht  bei  Weigel (1838/57) , Coppenrath (1889/90) , Reich auf Biehla (1894) + Helbing (1900) . – Wz. H G L. – Schlußblatt der ersten Folge der vier Tageszeiten in Genreszenen. – Mit Vierzeiler in dt.-lat. Paralleltext:

„ So geht der Violist bey dunckler Nacht gassaten
Und bringt ein Stündigen bey stiller Schlaffes=Ruh,
Der Alte geht mit Ihm, daß es mög wohl gerathen,
Und wer wolt zweifflen dran? er hat das Gsicht dar zu. “

Wie alle Ridinger’schen Schabblätter außerordentlich selten. Komplett ist die Folge hier nur noch im Exemplar der 1958 aufgelösten Gräflich Faber-Castell’schen Sammlung nachweisbar. Blatt 1 apart figurierte 1912 mit dem Prädikat „Sehr selten“ in der 2468 Positionen umfassenden Versteigerung einer „Große(n) Kupferstichsammlung zumeist aus dem Besitz einer alten Leipziger Buchhandlung“, sodann 1980 einmal hierselbst. Von den anderen Blättern der Suite – also auch anstehendem – ist nichts dergleichen bekannt. Die Platten existierten lt. Thienemann bereits 1856 nicht mehr. Der im übrigen generell hinsichtlich der Seltenheit der Schabblätter notierte:

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr … zu bekommen …

„ Übrigens sind sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte Schwarzkunstblätter so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen grossartigen Kupferstichcabinetten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinett angetroffen …“

Mit umlaufend 10-13 mm breitem Papierrand. Rechts eine 4,5 cm lange Schabspur sorgfältig retuschiert, eine gut stecknadelkopfgroße Fehlstelle im Mauerwerk unterhalb des Fensters geschwärzt. Die völlig geglättete Mittelfalte mit dünnem Papier doubliert. Im übrigen von

schöner  samtiger  Schwärze  und  feinem  Hell-Dunkel

wie bei den generell nur kleinste Auflagen von etwa „50 oder 60 (sic!) saubere(n) Abdrucke(n)“ zulassenden Schabblättern – „hernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“, Sandrart 1675 ) – stets besonders hervorhebenswert und hier der nächtlichen Szenerie den ganzen Zauber der lauen Sommernacht mitteilend. Indes die Anlehnung an  Ostade

einen  ganz  anderen  Ridinger  –  den  Ridinger  der  Niederländer

vermittelt. Mittels dieses

ganz  intimen , wunderschönen  Blattes

im Geiste der frühen Augsburger Jahre, da er auch alte Meister kopierte (Gerson, Ausbreitung und Nachwirkung der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, 2. Auflage, Seite 328).
Angebots-Nr. 28.105 / EUR  1012. / Export price EUR  961. (c. US$ 1551.) + Versand

 


 

“ … Congratulations on your (Hogarth) site. It’s a wonderful resource ”

(Mr. D. D., July 23, 2004)