|
Widerrufsrecht Impressum 45 Jahre Kunsthandlung + Seltenheitsantiquariat Kataloge
Autographen
KartographieBibliophilie Alte Meister Zeichnungen Grafik XX. Jahrhundert Recht Orts- + Landeskunde Miscellania: Bücher + Grafik William Hogarth Das AHA!-Erlebnis Oktober 2008 Tiere, Jagen, Umwelt Fischen + Angeln Pferde + Reiten Joseph Georg Wintter Die Familie Rugendas Künstlerindex Homepage e-mail
Datenschutz Geschäftsbedingungen Info / FAQ über uns empfohlene Links Offene Worte Referenzen |
In jeder Hinsicht eine Trouvaille des Meisters ,hier nach BoucherRidinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Das glückseelige Schäferleben. / Vita pastoritia felix. Der schmachtende Schäfer-Galan zu Füßen seiner noch sehr überlegenen Schäferin liegend und auf den mitgebrachten Wein deutend. Links vor der Hütte ein auf den Rücken eines Stiers gelehnter Hirte, rundum Schafe sowie zu Füßen seines Herrn der Hund. Schabkunstblatt (nach François Boucher, 1703 Paris 1770). Unten rechts bezeichnet: J. E. Ridinger exc. Aug. Vind., bezeichnet wie oben. 42,5 x 53,4 cm. Th.-Stillfried + Schwarz 1400; Slg. Reich auf Biehla 286 („Etwas wasserfleckig … Mit breitem Rande. Von grösster Seltenheit“, 1894); Ridinger-Kat. Helbing (1900) 1537; erlebnis ridinger 1698-1998, 18, mit Abb. Nicht bei Thienemann (1856) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Coppenrath (1889/90) , R.-Slg. bei Wawra (1890 , R.-Liste Rosenthal (1940). Zweiteil. typograph. Wz. – Mit Vierzeiler in dt.-lat. Paralleltext: „ Verachte dieses feld, und dies unschuld’ge Leben, Erst durch Stillfrieds 1876er dritten Nachtrag zu Thienemann bekanntgewordenes herrlich großes Blatt
„Von größter Seltenheit “. Bekannt hier neben obigen der Literatur nur noch das Exemplar Gräflich Faber-Castell (1958) sowie ein weiteres, sofern nicht dasselbe, Anfang der 1960er. Mit letzterem indes nicht identisch : so trägt der Rock des Liebhabers hier 4 und 9 Knöpfe, auf jenem Blatt aber nur 2 und 7. Fehlend dort die linke Schulter des Hirten hinter dem Stier. Veränderungen aber auch im Giebel der Hütte sowie deren Ecke hinten rechts. So steht dort der hinter der Hütte stehende Baum in einer Linie mit deren Ecke, die hier um eine Plankenbreite erweitert ist. Ein Stützbalken dementsprechend verschoben und nun hinter der Schulter statt des Ärmels des Galans verlaufend. Weitere Unterschiede im Ast- und Blattwerk. Solche mehr oder weniger gravierenden Abweichungen bei etlichen Schabblättern anderwärts schon von Schwarz und zusätzlich hier nachgewiesen. Wenn auch nur in einem Falle so umfassend wie bei dem Cellisten 1459/1460, wo der gesamte Hintergrund von neutralem Interieur in eine Parklandschaft geändert wurde bei gleichzeitiger Hinzufügung der Knopfleiste auf der Weste des Spielers. Sehr ähnliche Detailveränderungen aber beispielsweise bei Th. 1398/Schwarz 1455, Die Hitze löschendes heißes Wasser, mit dann fünf statt vier Vasen auf dem Kamin, oder 1103/1443, Die unter dem Wilde im Walde vergnügte Diana, deren Figur leicht verkleinert wurde, ebenso auch hier die Anzahl der Knöpfe und namentlich auch die bei ersterem geradezu mißglückten Augen. Veränderungen des Kopfes und der Anzahl der Pelzborten auf der Jagdtasche erfuhr auch Amyntas Freude auf der Reijgers Beize, 1328/1446. Zu Abweichungen bei der Süßen Gefangenschafft, Schwarz 1463, und der Thörichten Eiffersucht, Schwarz 1461, siehe deren hiesige Beschreibungen. In allen Fällen unverändert blieben Bezeichnung und Plattenmaße. Die zeitliche Rangfolge der einzelnen Zustände bedarf zwar noch einer eingehenden Untersuchung, doch erscheint die von Schwarz gelegentlich des Cellisten beobachtete Abfolge sowohl an Hand von Gefangenschafft und Eiffersucht als auch anstehenden Exemplares des Schäferlebens plausibel. So ist der Gesamteindruck des hiesigen letzteren sehr weich in der Zeichnung, der des Exemplars aus den 60ern dagegen schärfer in den Konturen. Entsprechend denn beim ersten Cellisten gegenüber dem nachgesetzten, immer nur auf Grund vorliegender Abbildungen bewertet. Da der Cellist Schwarz 1459 zugleich noch ohne Knopfleiste und Staffage ist, ist die frühere Zuweisung naheliegend, mit der dann die Weichheit einherginge und sich somit auch für die frühe Einordnung des hiesigen anbietet. Wofür nicht zuletzt auch die nur ganz selten zu beobachtenden und geradezu als technische Delikatesse zu gewichtenden feinen Unrißlinien bei den Konturen und Schattenverläufen sprechen. Vielfach, so auch hier, lassen sich als Ursache all dieser Varianten sowohl rein künstlerisch bedingte Entwicklungsabfolgen erkennen, also die typischen Probedruck-Merkmale, als auch solche, die sich gelegentlich der Notwendigkeit einer Überarbeitung der sehr druckempfindlichen Schabplatte – vorbereitend wird die gesamte Platte gleichmäßig aufgerauht, die dabei nicht tief ins Kupfer gehende Zeichnung dann durch unterschiedliche Glättung bewirkt – en passant ergaben oder auch von einem geänderten Zeitgeschmack bestimmt wurden. Unabhängig davon ist die auch bei Ridinger so stark ins Auge fallende übergroße Seltenheit dieser Blätter technischer Natur, da nur Auflagenhöhen von etwa „50 oder 60 saubere(n) Abdrucke(n) (zulassend), hernach aber schleift (das Bild) sich bald ab“ (Sandrart 1675), was erst unter dem Aspekt der im bibliophilen Bereich in unserem Jahrhundert üblichen Anzahl numerierter Vorzugs-Exemplare oder Pressendruck-Auflagen den gebotenen Klartext ergibt. So notierte denn auch bereits Thienemann 1856:
Kurz , Die ganze empfindliche Technik der Schabkunst – hier springt sie uns an . Daß anstehenden Falles als herausragender zusätzlicher Seltenheitsfaktor eine geradezu superbe Breitrandigkeit von 9,7-10,3 für die Seiten und 4,5 bzw. 5,6 cm oben und unten hinzutritt, ist denn schon nur noch das den anspruchsvollen Sammler so unendlich beglückende letzte non plus ultra. Hier denn also die Rarität an sich – der stark abweichende Frühdruck – herrliches Hell-Dunkel + enormer Rand . Links im letzteren die vielfach zu konstatierenden technischen Nadellöchlein, oben und unten gleich kleine weitere nebst Druckspuren von Heftzwecken. Der untere Rand zudem minimal rissig. Rückseits schwach sichtbare Mittelfalte. – Mit „sehr breitem Rand“ bestach seinerzeit (1900) übrigens auch das Exemplar Helbing’s, hochbewertet mit 70 Goldmark als guter Hälfte ( sic! ) dessen, was er für ein sehr gutes Exemplar der 23blätterigen ( sic! ) Jagtbaren Thiere veranschlagte, nämlich 130. Die Zuweisung als einer Arbeit nach Boucher („Hauptmeister des Rokokos“, Jahn) thematisch wie auch rein äußerlich gegeben, sodann gestützt auf Schwarz’ Legende zu 1463 (siehe hiesige 28.108): „Gegenseitige Kopie nach Bouchers ‚Les amours pastorales‘, gestochen von Gaillard. Zur Folge 1399 und 1400 gehörig“, wie denn doch wohl auch 1461 (hiesig 28.107).
(Sign. L. B., October 18, 2007) |