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lüder h. niemeyer

- seit 1959 -

 

In  jeder  Hinsicht  eine  Trouvaille  des  Meisters ,

hier  nach  Boucher

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die süße Gefangenschafft. / Jucunda captivitas. Ein Schäfer bläst vor seiner unter einem Vogelbauer sitzenden Schäferin den Dudelsack, eine zweite junge Frau sitzt zwischen ihnen und hat die Linke auf das Knie des Jünglings gelegt. Des weiteren Schafe und der Hund des Liebenden. Schabkunstblatt (nach François Boucher, 1703 Paris 1770). Unten rechts signiert: Joh. El. Ridinger excud. Aug. Vind., bezeichnet wie oben. 42 x 54 cm.

Schwarz 1463 + Taf. Bd. 2, XXII (Variante); Slg. Reich auf Biehla 313 („Aeusserst selten“, 1894); Ridinger-Kat. Helbing 1539 („Sehr seltenes Schwarzkunstblatt“, 1900); erlebnis ridinger 1698-1998, 20, mit Abb.

Hiesiger  von  Schwarz  sichtbar  abweichender

François Boucher/Johann Elias Ridinger, Süße Gefangenschaft

früherer  Zustand

Nicht  bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner (1885) , Slg. Coppenrath (1889/90) , R.-Slg. bei Wawra (1890) , R.-Liste Rosenthal (1940).

Zweiteil. WANGEN-Wz. – Mit Vierzeiler in dt.-lat. Paralleltext:

„ Der Vogel lockt und singt in der Gefangenschafft,
Er holet Trost und Muth weil ers nicht ändern können
Und Thyrsis machts ihm nach, er sucht erholte Krafft,
Wann sein gefangnes Herz darf seine Sehnsucht nennen. “

Herrlich  großes  Blatt

und von Helbing vor mehr als 100 Jahren mit 75 Goldmark noch näher seinem sehr guten Exemplar der 23blätterigen ( sic! ) Jagtbaren Thiere (130 Goldmark) bewertet als „Das glückseelige Schäferleben“ (70 Goldmark . Wie hiesiges denn auch auf der Gräflich Faber-Castell’schen Versteigerung (1958) sichtbar höher geschätzt und bezahlt worden ist als letzteres. Vorliegend zudem im erhaltensmäßig ganz offensichtlich schönsten Exemplar dieser hier gesamthaft bekannten fünf.

So waren das Helbing’sche oben und unten restauriert, das Gutmann’sche (Schwarz) im unteren Teil eine Ruine, das Faber-Castell’sche mit Oberteileinriß und kleinen Knitterfalten behaftet und schon das von Th. Reich nur „mit Rand“.

Hier denn lediglich eine bildseits nur schwer wahrnehmbare Mittelfalte, eine stecknadelkopfkleine Abschabung und ebensolches Löchlein im freien, äußersten Plattenfeld des Schriftrandes. Der breite weiße Oberrand hingegen säurefrei hinterlegt rissig, im linken Seitenrand die vielfach zu konstatierenden technischen Nadellöchlein und gleich kleine weitere nebst Druckspuren von Heftzwecken in allen vier Ecken. Zur besonderen Breitrandigkeit, die auch das Faber-Castell-Exemplar für sich reklamiert, siehe Schluß. Unabhängig hiervon gegenüber – zumindest – dem Gutmann’schen (die übrigen beiden hier ohne Abbildung) in

sichtbar  abweichendem  früheren  Zustand .

So zunächst Abweichungen im Baumwerk rückseits des Schäfers und eine reichere Kleinverästelung in dem hinter der Schäferin. Zumindest die Stirnseite des Bauers hier mit einer Sprosse mehr, nämlich 12, und dieses damit optisch quadratischer. Der Rundbau seitlich rechts hier mit höherem Sims über den zudem nur sieben, aber breiteren, Bögen gegenüber etwa acht bis zehn und die sich an das vorgelagerte Haus anschließende Mauer mit drei gegenüber nur zwei Rundbögen bei gleichzeitig differierendem Umgebungsbaumwerk. Das Satteldach besagten Hauses hier gestreckter. Der senkrechten Gatterelemente nächst der Schäferin hier nur zwei, dort drei. Das Gesicht der letzteren hier jünger, frischer und bis hin zur Lippenpartie lieblicher, die Haare entsprechend weniger künstlich gelockt. Die Pfeifen des Dudelsackes hingegen hier weniger ausgearbeitet und eher glatten Rohren ähnelnd. Und des weiteren mehr, wovon lediglich noch der beim Gutmann’schen Exemplar differenziert gearbeiteten beiden Vorderläufe des Hundes, dessen dort lockigerer Mähne und des der Schäferin zugewandten Blickes gedacht sei.

Solche mehr oder weniger gravierenden Abweichungen bei etlichen Schabblättern anderwärts schon von Schwarz und zusätzlich hier nachgewiesen. Wenn auch nur in einem Falle so umfassend wie bei dem Cellisten Schwarz 1459/1460, wo der gesamte Hintergrund von neutralem Interieur in eine Parklandschaft verändert wurde bei gleichzeitiger Hinzufügung der Knopfleiste auf der Weste des Spielers. Sehr ähnliche Detailveränderungen aber beispielsweise bei Th. 1398/Schwarz 1455, Die Hitze löschendes heißes Wasser, mit dann fünf statt vier Vasen auf dem Kamin, oder 1103/1443, Die unter dem Wilde im Walde vergnügte Diana, deren Figur leicht verkleinert wurde, ebenso auch hier die Anzahl der Knöpfe und namentlich auch die bei ersterem geradezu mißglückten Augen. Veränderungen des Kopfes und der Anzahl der Pelzborten auf der Jagdtasche erfuhr auch Amyntas Freude auf der Reijgers Beize, 1328/1446. Zu Abweichungen beim Glückseeligen Schäferleben, Thienemann-Stillfried-Schwarz 1400, und der Thörichten Eiffersucht, Schwarz 1461, siehe deren hiesige Beschreibungen. In allen Fällen unverändert blieben Bezeichnung und Plattenmaße.

Die zeitliche Rangfolge der einzelnen Zustände bedarf zwar noch einer eingehenden Untersuchung, doch erscheint die von Schwarz gelegentlich des Cellisten beobachtete Abfolge sowohl an Hand des Schäferlebens und der Eiffersucht als auch anstehenden Exemplares der Gefangenschafft plausibel. So ist der Gesamteindruck des hiesigen im Gegensatz zum Gutmann’schen sehr weich in der Zeichnung, wie auch schon das Exemplar des Schäferlebens gegenüber einem in den 60er Jahren offerierten. Beide Male sind jene schärfer in den Konturen. Derselbe Unterschied denn auch beim ersten Cellisten gegenüber dem nachgesetzten, bewertet hier immer nur auf Grund vorliegender Abbildungen. Da der Cellist Schwarz 1459 zugleich noch ohne Knopfleiste und Staffage ist, ist die frühere Zuweisung naheliegend, mit der dann die Weichheit einherginge und sich somit auch für die frühe Einordnung des hiesigen anbietet. Wofür nicht zuletzt auch die nur ganz selten zu beobachtenden und geradezu als technische Delikatesse zu gewichtenden feinen Unrißlinien bei den Konturen und Schattenverläufen sprechen, die in vorliegendem Frühdruck viel stärker zeichnen als bei Schwarz.

Vielfach, so auch hier, lassen sich als Ursache all dieser Varianten sowohl rein künstlerisch bedingte Entwicklungsabfolgen erkennen, also die typischen Probedruck-Merkmale, als auch solche, die sich gelegentlich der Notwendigkeit einer Überarbeitung der sehr druckempfindlichen Schabplatte – vorbereitend wird die gesamte Platte gleichmäßig aufgerauht, die dabei nicht tief ins Kupfer gehende Zeichnung dann durch unterschiedliche Glättung bewirkt – en passant ergaben oder auch von einem geänderten Zeitgeschmack bestimmt wurden. Unabhängig davon ist die auch bei Ridinger so stark ins Auge fallende übergroße Seltenheit dieser Blätter technischer Natur, da nur Auflagenhöhen von etwa „50 oder 60 saubere(n) Abdrucke(n) (zulassend), hernach aber schleift (das Bild) sich bald ab“ (Sandrart 1675), was erst unter dem Aspekt der im bibliophilen Bereich in unserem Jahrhundert üblichen Anzahl numerierter Vorzugs-Exemplare oder Pressendruck-Auflagen den gebotenen Klartext ergibt.

So notierte denn auch bereits Thienemann 1856:

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr … zu bekommen …

„ Übrigens sind sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte Schwarzkunstblätter so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen grossartigen Kupferstichcabinetten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinett angetroffen …“

Kurz ,

Die  ganze  empfindliche  Technik  der  Schabkunst  –

hier  springt  sie  uns  an .

Daß anstehenden Falles als herausragender zusätzlicher Seltenheitsfaktor eine geradezu superbe Breitrandigkeit von 9,3-10 für die Seiten und 4,8 bzw. 5,5 cm oben und unten hinzutritt, ist denn schon nur noch das den anspruchsvollen Sammler so unendlich beglückende letzte non plus ultra. Hier denn also

die  Rarität  an  sich  –  der  stark  abweichende  Frühdruck  –

herrliches  Hell-Dunkel  +  enormer  Rand .

Im Gegensinn gestochen nach Bouchers („Hauptmeister des Rokokos“, Jahn) ‚Les amours pastorales‘ im Stich von Gaillard ist hiesige Station in der Person der Schäferin eine sehr reizvolle Weiterentwicklung gegenüber dem von Schwarz ausdrücklich beigezogenem „Glückseeligen Schäferleben“ ( „zur Folge 1399 und 1400 gehörig“, wie denn doch wohl auch 1461, hier Position 28.107 ). Ist dort nicht nur das Gesicht untertextentsprechend hoffärtig, sondern die Schöne auch generell noch ganz zugeknöpfte Dame, so sehen wir sie hier allseits gelöst. Das Gesicht ganz Zuwendung, wird Bein gezeigt, der Busen ohnehin, findet sich der Überrock einladend weit zurückgeschlagen. Alles aber sehr leicht und charmant und von gleichem Liebreiz denn auch der Schäfer.
Angebots-Nr. 28.108 / EUR  1467. / Export price EUR  1394. (c. US$ 2250.) + Versand

 


 

“ I received the (Ridinger) prints yesterday in perfect shape due to your careful and thorough packaging. They are spectacular … I believe I can safety say you are Honorable and Trustworthy … You will always have me as a Devoted customer. Regards. And God Bless. ”

(Mr. L. A. F., July 1, 2004)