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lüder h. niemeyer

- seit 1959 -

 

Die  im  graphischen  Œuvre  fehlende

Jagd  mit  der  Locke  –

Hier  nun  in  zwei  malerischen  Zeichnungen

 

Johann  Elias  Ridinger
Ulm 1698 – Augsburg 1767

Johann Elias Ridinger, (Den Hirsch mit dem Hohlen Hafen zu pürschen)

(Den Hirsch mit dem Hohlen Hafen zu pürschen.)
Rechts tritt der Zehnender, dem vermeintlichen Rivalen Bescheid rufend, zwischen zwei Steinen hervor. Links hinter einem Baum und auf Steinen kniend und abgestützt der Jäger im Anschlag. Sein Gehilfe im Unterholz am Fuße des Baumes und damit in Bildmitte in den Hohlen Hafen rufend, den Hirsch dabei gleichfalls im Blick behaltend. Reiche Waldstaffage, vorne rechts Tümpel mit Schilf. Grau lavierte Bister-Feder-Zeichnung. Ca. 1758. 214 x 357 mm.
Angebots-Nr. 28.288  /  Preis auf Anfrage

Johann Elias Ridinger, Das Rehe blatten! oder Wie die Rehe aufs blatt geschossen Werden

Das Rehe blatten! oder Wie die Rehe aufs blatt geschossen Werden.
Zur Rechten am Beginn einer abschüssigen Bahn macht der Bock den Todessprung, blickt die hinter ihm stehende Ricke erstaunt auf. Links im Gebüsch unter einem Baum der Jäger nebst blattendem Gehilfen, bei skizzierter Schußlinie das Gewehr noch im Anschlag haltend. Waldstaffage, vorn rechts unterhalb der Rehe Wasserstelle mit hineingesunkenem toten Baumstamm. Grau lavierte Bister-Feder-Zeichnung. 1758. Auf dem rückseits montierten Untertext in brauner Feder bezeichnet: Johan(n) Elias Ridinger inv. et del: 1758-., ansonsten wie vor und unten. 214 x 361 mm.
Angebots-Nr. 28.289  /  Preis auf Anfrage

Nicht  im  Stich  ausgeführte  Zeichnungen ,

thematisch  die  Fürstenjagdlust  ergänzend ,

wenngleich in den reinen Bildmaßen jeweils in der Höhe um etwa 5, in der Breite rund 4 cm hinter deren Querformaten zurückbleibend. Die zweite Zeichnung indes wie jene mit hier 6zeiliger, rückseits montierter jagdtechnischer Erläuterung zur Jagd mittels Rehblatt:

Johann Elias Ridinger, Das Rehe blatten! oder Wie die Rehe aufs blatt geschossen Werden (verso)

„ Man nimt von Bircken rinden die äussere Schale machet darauf einen zweÿ stimigen ruff wie die Rücke wan Sie vor Ihre Junge / besorget ist, nur das der ruff recht ferne und rein seÿe, da man(n) sich nun an einem solchen orthe anstellet wo sich Rehe böcke aufhalten / so werden Sie sich bald einfinden, besonders wan(n) der Bock keine Rücke beÿ sich hatt, es mus aber der Jaeger sehr fertig zum Schuss / seÿn weil Sie sich schnell wenden und wan(n) Sie das geringste mercken oder wind bekom(m)en durchgehen es ist also nöthig das man(n) den / anstand unter dem wind nehme apffel buchen und birn blaetter können auch zu dem ruff genom(m)en werden doch ist die bürcken / Schale die beste. “

Unbeschadet der thematischen Nähe zur Fürstenlust erst rund 30 Jahre nach dieser geschaffen, befanden sich die beiden Zeichnungen offensichtlich nicht im mit ca. 1849 Blättern außerordentlich umfangreichen zeichnerischen Nachlaß, den 1830 J. A. G. Weigel in Leipzig übernahm und erweiterte. Vgl. hierzu sowohl Thienemann SS. 271 ff. als auch Weigels Nachlaßkatalog, Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen, SS. 181-231 (1869). Nicht nachweisbar aber auch in anderen renommierten Zeichnungsbeständen.

Anstehende voll durchgeführte Arbeiten scheinen somit noch von Ridinger selbst oder doch bald nach ihm abgegeben worden zu sein. Dies nicht zuletzt – siehe unten – gestützt von einer bemerkenswerten gleichartigen Aufmachung.

Denkbar im übrigen ihre Bestimmung zu einer nicht weiterverfolgten Serie der Jagd mittels Locke analog zu den Fangarten von 1750. So blieb denn ein hochformatiger Hohler Hafen in bayerischer Privatsammlung gleichfalls ein nur zeichnerisches Unikat.

Solche Suiten unterschiedlichen Umfanges im zeichnerischen Œuvre Ridingers durchaus nicht unbekannt und meist durch gleiche Datierungen, teils gar fortlaufende Numerierung, generell aber durch jeweils ähnliches Format und gleiche äußere Gestaltung belegbar.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die auch in Kupfer umgesetzte Kleinfolge Th. 269-271 + 282 innerhalb der „Wundersamsten Hirsche“. Ihrer Größe und Figurenanordnung, auch mehrfacher paspelierender Einfassung und Rundung des Oberrandes nach, bilden sie eine von dem dortigen Bildschema abweichende Gruppe für sich, wie bereits von Thienemann moniert und in den Neuausgaben seit Engelbrecht auch entsprechend vollzogen.

Hinsichtlich schließlich der von Ridinger in seinem Vorwort zur Fürsten-Jagdlust erklärten Intention, „alle  Arten und Manieren des Jagens zu weisen … auch die Spur oder Fährt, von einem jeglichen Wild … mithin diesem Wercke eine rechte Vollkommenheit zu geben trachten“ ist jene jagdtechnisch so hochimportante 36blättrige Folge diesbezüglich letztlich ein Torso geblieben. Denn erst im Verlauf von Jahrzehnten löste er per teils gänzlich anders gestalteter Folgen sein Versprechen ein: Gründliche Beschreibung der wilden Thiere (mit den kleinen Spuren, ca. 1733), Abbildung der jagtbaren Thiere (mit den großen Spuren, 1740), der Falkoniersfolge sowie den Fangarten (1750). Letztere bereits – und erst recht Parforcejagd und Die von Hunden behæzten Thiere – in diesem Zusammenhang nur noch bedingt zu nennen, da deren Thematik, wenngleich nicht erschöpfend, bereits in der Fürstenlust dargestellt wird.

Gänzlich übergangen hingegen blieb

die  so  überaus  reizvolle  Jagd  mit  dem  Lockruf,

die  nun  mit  anstehendem  Hirschruf  +  Rehblatten

per  zeichnerischem  Werk

und  für  einen  offensichtlich  größer  gedachten  Rahmen  belegt  ist.

Jeweils an der feinen Bister-Einfassungslinie geschnitten und alt, möglicherweise durchaus schon zeitgenössisch, auf Linienpapier mit grün getuschter, nach innen und außen von feinen Linien in Bister gefaßter Paspelierung montiert. Die Zeichnung zusätzlich von schmalem Goldpapierstreifen gefaßt. Das Ganze wiederum alt auf mehrfach gegenkaschiertes Linienpapier montiert, dessen Rand schwarz getuscht ist. Die rückseits montierte Signatur des Rehblattes – ganz oben links am Papierrand, ursprünglich also links direkt unterhalb der Einfassungslinie – nebst Untertext bei nur einfacher Montage unter Hinzufügung einer weiteren Schwarz- und Fortlassung der Goldfassung gleichartig paspeliert. Ob beim Hohlen Hafen eine Signatur samt Untertext ursprünglich vorhanden war oder ob solche zwecks optischer Angleichung beim Reheblatten gerade deswegen abgeschnitten und rückseits montiert wurde, weil der Hirschruf ohne Text geblieben war, muß offenbleiben. Ridinger handhabte dergleichen im zeinerischen Œuvre völlig variierend. Im Paspelierungsbereich der Rehzeichnung drei von Rückseits kommende Wurmgänge, sowie eine zarte, wenig bemerkbare Spur nur vorn in Bildmitte. Eine montagebedingte gewisse Bräunung – beim Reh gleichmäßig, beim Hirsch namentlich im Waldbereich links – beeinträchtigt weniger die Bildwirkung als daß sie ihr vielmehr eine sehr schöne authentische Patina verleiht. Kurz,

zwei  zu  herausragender  Präsentation  aufbereitete,

Ridinger’s  Wertschätzung  dokumentierende  Zeichnungen,

die  zudem  nicht  als  Radierungen  allgegenwärtig  wurden.

Und  dazu  für  Ridinger

JAGDTECHNISCHE  FAST-UNIKATE  von  zugleich  OPTISCHEM  GLANZ .

 


 

“ Beautiful Rugendas colour print arrived! Thanks very much for keeping me informed. Best regards ”

(Mr. J. R. L., June 11, 2004)