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Die im graphischen Œuvre fehlendeJagd mit der Locke –Hier nun in zwei malerischen Zeichnungen
Johann Elias Ridinger
(Den Hirsch mit dem Hohlen Hafen zu pürschen.)
Das Rehe blatten! oder Wie die Rehe aufs blatt geschossen Werden. Nicht im Stich ausgeführte Zeichnungen , thematisch die Fürstenjagdlust ergänzend , wenngleich in den reinen Bildmaßen jeweils in der Höhe um etwa 5, in der Breite rund 4 cm hinter deren Querformaten zurückbleibend. Die zweite Zeichnung indes wie jene mit hier 6zeiliger, rückseits montierter jagdtechnischer Erläuterung zur Jagd mittels Rehblatt:
Unbeschadet der thematischen Nähe zur Fürstenlust erst rund 30 Jahre nach dieser geschaffen, befanden sich die beiden Zeichnungen offensichtlich nicht im mit ca. 1849 Blättern außerordentlich umfangreichen zeichnerischen Nachlaß, den 1830 J. A. G. Weigel in Leipzig übernahm und erweiterte. Vgl. hierzu sowohl Thienemann SS. 271 ff. als auch Weigels Nachlaßkatalog, Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen, SS. 181-231 (1869). Nicht nachweisbar aber auch in anderen renommierten Zeichnungsbeständen. Anstehende voll durchgeführte Arbeiten scheinen somit noch von Ridinger selbst oder doch bald nach ihm abgegeben worden zu sein. Dies nicht zuletzt – siehe unten – gestützt von einer bemerkenswerten gleichartigen Aufmachung. Denkbar im übrigen ihre Bestimmung zu einer nicht weiterverfolgten Serie der Jagd mittels Locke analog zu den Fangarten von 1750. So blieb denn ein hochformatiger Hohler Hafen in bayerischer Privatsammlung gleichfalls ein nur zeichnerisches Unikat. Solche Suiten unterschiedlichen Umfanges im zeichnerischen Œuvre Ridingers durchaus nicht unbekannt und meist durch gleiche Datierungen, teils gar fortlaufende Numerierung, generell aber durch jeweils ähnliches Format und gleiche äußere Gestaltung belegbar. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die auch in Kupfer umgesetzte Kleinfolge Th. 269-271 + 282 innerhalb der „Wundersamsten Hirsche“. Ihrer Größe und Figurenanordnung, auch mehrfacher paspelierender Einfassung und Rundung des Oberrandes nach, bilden sie eine von dem dortigen Bildschema abweichende Gruppe für sich, wie bereits von Thienemann moniert und in den Neuausgaben seit Engelbrecht auch entsprechend vollzogen. Hinsichtlich schließlich der von Ridinger in seinem Vorwort zur Fürsten-Jagdlust erklärten Intention, „alle Arten und Manieren des Jagens zu weisen … auch die Spur oder Fährt, von einem jeglichen Wild … mithin diesem Wercke eine rechte Vollkommenheit zu geben trachten“ ist jene jagdtechnisch so hochimportante 36blättrige Folge diesbezüglich letztlich ein Torso geblieben. Denn erst im Verlauf von Jahrzehnten löste er per teils gänzlich anders gestalteter Folgen sein Versprechen ein: Gründliche Beschreibung der wilden Thiere (mit den kleinen Spuren, ca. 1733), Abbildung der jagtbaren Thiere (mit den großen Spuren, 1740), der Falkoniersfolge sowie den Fangarten (1750). Letztere bereits – und erst recht Parforcejagd und Die von Hunden behæzten Thiere – in diesem Zusammenhang nur noch bedingt zu nennen, da deren Thematik, wenngleich nicht erschöpfend, bereits in der Fürstenlust dargestellt wird. Gänzlich übergangen hingegen blieb die so überaus reizvolle Jagd mit dem Lockruf, die nun mit anstehendem Hirschruf + Rehblatten per zeichnerischem Werk und für einen offensichtlich größer gedachten Rahmen belegt ist. Jeweils an der feinen Bister-Einfassungslinie geschnitten und alt, möglicherweise durchaus schon zeitgenössisch, auf Linienpapier mit grün getuschter, nach innen und außen von feinen Linien in Bister gefaßter Paspelierung montiert. Die Zeichnung zusätzlich von schmalem Goldpapierstreifen gefaßt. Das Ganze wiederum alt auf mehrfach gegenkaschiertes Linienpapier montiert, dessen Rand schwarz getuscht ist. Die rückseits montierte Signatur des Rehblattes – ganz oben links am Papierrand, ursprünglich also links direkt unterhalb der Einfassungslinie – nebst Untertext bei nur einfacher Montage unter Hinzufügung einer weiteren Schwarz- und Fortlassung der Goldfassung gleichartig paspeliert. Ob beim Hohlen Hafen eine Signatur samt Untertext ursprünglich vorhanden war oder ob solche zwecks optischer Angleichung beim Reheblatten gerade deswegen abgeschnitten und rückseits montiert wurde, weil der Hirschruf ohne Text geblieben war, muß offenbleiben. Ridinger handhabte dergleichen im zeinerischen Œuvre völlig variierend. Im Paspelierungsbereich der Rehzeichnung drei von Rückseits kommende Wurmgänge, sowie eine zarte, wenig bemerkbare Spur nur vorn in Bildmitte. Eine montagebedingte gewisse Bräunung – beim Reh gleichmäßig, beim Hirsch namentlich im Waldbereich links – beeinträchtigt weniger die Bildwirkung als daß sie ihr vielmehr eine sehr schöne authentische Patina verleiht. Kurz, zwei zu herausragender Präsentation aufbereitete, Ridinger’s Wertschätzung dokumentierende Zeichnungen, die zudem nicht als Radierungen allgegenwärtig wurden. Und dazu für Ridinger JAGDTECHNISCHE FAST-UNIKATE von zugleich OPTISCHEM GLANZ .
(Mr. J. R. L., June 11, 2004) |